Eva Völler: Zeitenzauber – Die magische Gondel

noch18Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Über dieses Buch habe ich schon viel Gutes gehört. Deswegen war es mir auch nicht möglich zu widerstehen, als eine meiner jungen Lieblingsleserinnen mir dieses Buch empfahl und es mir auslieh.

Zum Inhalt: Eigentlich ist der Urlaub in Venedig ganz schön langweilig, findet Anna. Ihre Eltern, auf ihrem jeweiligen Gebiet ernsthafte Wissenschaftler, scheinen den ganzen Tag über zu fachsimpeln und Anna durch eine Sehenswürdigkeit nach der nächsten zu schleppen. Venedig, findet Anna, ist ja gut und schön, aber am besten ist doch immer noch, dass sie ihren iPod dabei hat und somit Kontakt zu Freunden zu Hause halten kann. So kann sie wenigstens, während ihre Eltern beim Essen wieder nur über langweiliges Zeug reden, mit ihrer besten Freundin Vanessa chatten.
Doch dann wird Venedig von einer Sekunde auf die andere doch noch spannend – und zwar ganz anders als erwartet. Anna lernt einen Jungen kennen, dessen Eltern ihn ebenfalls zu Tode langweilen. Mit ihm zusammen streift sie durch die Stadt und entdeckt plötzlich ein ungewöhnliches Geschäft, nämlich einen kleinen Laden, in dem nur Masken verkauft werden. Eine davon scheint wie für Anna gemacht zu sein, und sie nimmt sie mit. Und kurz darauf passiert das Verrückteste: abends am Kanal will Anna mit ihren Eltern und den neuen Bekannten eigentlich nur eine Regatta ansehen – da stürzt sie ins Wasser. Doch anstatt dass sie ans Ufer zurückgelangt, findet sich Anna zunächst in einer Gondel wieder, und kurz darauf… im Jahr 1499.
Dass sie weiß, dass sie in der Zeit gereist ist, hätte nicht passieren dürfen, befindet der Mann, der nicht rein zufällig in Annas Nähe ist, als sie aufwacht. Dennoch gibt er ihr Kleidung und verschafft ihr eine Unterkunft, in der sie bleiben soll, bis sie zurückreisen kann. Für Anna beginnt zunächst allein dadurch ein Alptraum, dass sie sich im Jahr 1499 zurechtfinden muss, was gar nicht so einfach ist. Zudem muss sie feststellen, dass es ihr unmöglich ist, über Dinge der Zukunft zu sprechen – eine Sperre sorgt dafür, dass Zeitreisende nicht von der Zukunft berichten können, damit die Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen. Gleichzeitig merkt Anna aber mehr und mehr, dass sie nicht unbeteiligt bleiben kann, wenn sie überleben will. Tatsächlich hat sie eine Aufgabe zu erfüllen, bevor sie wieder nach Haus zurück kann. Alles gar nicht so einfach, doch zum Glück findet Anna auch in der Vergangenheit Freunde, die ihr zur Seite stehen, auch dann, wenn die Situation lebensbedrohlich wird.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Zeitenzauber“ fand ich ganz gut, aber nicht überragend. Bei den Lobeshymnen, die ich bereits gehört hatte, hatte ich hohe Erwartungen, die sich leider nicht erfüllt haben. Der Roman ist ein ganz gutes Jugendbuch mit netten Charakteren, aber das war es dann auch schon.
Zeitreisen sind offenbar im Moment ein recht beliebtes Thema, also haben wir hier schon mal nichts Neues. Die Idee, wie Zeitreisen hier funktionieren, fand ich ganz gut, insbesondere Annas Maske spielt hier eigentlich eine wichtige Rolle, oder vielmehr, sie könnte es, wenn Anna von Anfang an wüsste, was es mit ihr auf sich hat. Sicher wird dieser Aspekt im zweiten Band ausgebaut.
Anna ist eine sympathische Protagonistin: sie ist klug, witzig und schlagfertig, sie ist mutig und gleichzeitig schlottern ihr bei Gefahr auch oft die Knie. So weit, so gut. Leider fand ich, dass sie sich nicht genug von anderen Protagonistinnen dieses Genres unterscheidet. Die Ähnlichkeiten zu Gwen aus der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier sind meiner Meinung nach sehr groß, was ich wirklich schade fand. Klar, Mädchen mit solchen Eigenschaften sind tolle Erzählerinnen und tolle Heldinnen, aber für ein herausragendes Jugendbuch braucht es eben das ganz Besondere, und das fehlte mir hier.
Eva Völler kann gut erzählen: die Handlung ist temporeich, spannend und sprachlich wirklich toll dargestellt. Es macht Spaß, zusammen mit Anna im Venedig des 15. Jahrhunderts gefangen zu sein, und man merkt auch, dass die Autorin die Stadt, von der sie erzähl, gut kennt. Ich war noch nie in Venedig, hatte aber das Gefühl, dass ich einen guten Eindruck von der Stadt bekomme.
Ein Fazit zu ziehen, ist bei diesem Roman nicht ganz einfach. Vielleicht dies: ein toll erzählter Jugendroman an einem interessanten Schauplatz; doch etwas mehr Originalität hätte die Autorin genau deswegen auch wagen können.

Kate Saunders: Flora Fox und das verflixte Vorgestern

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Kate Saunders ist mir als Autorin durchaus ein Begriff – zumindest, wenn es um Romane für Erwachsene geht. Deswegen war ich gespannt auf Flora Fox, als ich das Buch im Jugendbuchpaket fand, das mich nun ja schon seit einiger Zeit beschäftigt.

Zum Inhalt: Flora ist stinksauer auf ihre Eltern! Denn nur weil ihre blöde und hochnäsige Großmutter sich die Hüfte gebrochen hat, soll diese nun von ihrer italienischen Villa wegziehen – hin zu Floras Familie. Ätzend! Mit der alten Frau kann Flora überhaupt nichts anfangen, aber das allerschlimmste ist, dass ihre Eltern dafür das Haus umbauen wollen, und damit Flora in der Zeit nicht in ihren Hausaufgaben gestört wird, soll sie in ein Internat gehen. Weg von ihren Freundinnen, weg von allem, was sie kennt. Flora kann es nicht fassen.
Die Reise ins Internat wird dann aber sogar noch verrückter, als sie erwartet hätte. Flora meint plötzlich, Stimmen zu hören, die irgendeinen komischen Spruch aufsagen. Und ihr wird ganz schwindlig… als sie wieder zu sich kommt, ist ihr iPod verschwunden, ihre bequemen Klamotten sind eingetauscht gegen eine vollkommen grässliche und unbequeme Schuluniform. Und überhaupt stellt Flora schnell fest, dass sie irgendwie in der Zeit gereist sein muss – plötzlich befindet sie sich mitten im Jahr 1935!
Vollkommen verwirrt trifft Flora in ihrer neuen Schule ein. Hier ist wirklich alles ganz anders, als sie es gewöhnt ist. Nicht nur gelten hier vollkommen andere Regeln, auch die merkwürdige Art zu sprechen, macht Flora anfangs Probleme. Und Strafen fürs Fluchen… das kann ja heiter werden! Irgendwie muss Flora zurück in ihre Zeit reisen, aber das ist natürlich gar nicht so einfach, und bis es so weit ist, ist sie auf die Hilfe der anderen Mädchen aus ihrem Zimmer angewiesen…

Wie mir das Buch gefallen hat: Der Buchtitel mit seiner übertriebenen Alliteration lässt eigentlich darauf schließen, dass man es hier mit einem etwas albernen Buch zu tun bekommen wird, aber das war überhaupt nicht der Fall. Kate Saunders hat ein ganz tolles Jugendbuch geschrieben, das mich auch als erwachsene Leserin begeistern konnte.
Die Geschichte um Floras Zeitreise ist sehr lustig erzählt und sehr unterhaltsam. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Schule, gesellschaftlichen Konventionen, vor allem in Bezug auf das Leben von Frauen, sind schon sehr interessant und gleichzeitig lustig verpackt. Junge Leserinnen werden hier wirklich ganz nebenbei auch Einiges darüber lernen und erfahren, wie das Leben in den dreißiger Jahren war.
Flora und ihre Freundinnen sind sympathische Figuren, und die Abenteuer, die sie zusammen erleben, sind zum Teil wirklich lustig und manchmal überraschend. Der Funke Magie, der in diesem Roman auch eine Rolle spielt, hat mir besonders gut gefallen, weil dadurch irgendwie eine Rahmenhandlung geschaffen wurde, die alles – und das klingt unpassend, ist es aber nicht – glaubwürdig zusammengehalten hat.
Leserinnen, die wie ich keine Teenies mehr sind und die – auch wie ich – früher Enid Blytons Internatsgeschichten geliebt haben, werden mit St. Winifred’s schnell vertraut werden. Die Hausmutter, Schlafsäle, Gemeinschaftsräume… ich habe mich schnell ein bisschen wie in Lindenhof gefühlt und Hanni und Nanni hätten sich in diese Mädchengeschichte auch gut einfügen lassen.
Ein ganz tolles Jugendbuch, spannend erzählt, lustig und gleichzeitig auch so, dass man wirklich etwas daraus mitnehmen kann. Es lohnt sich!

Marlene Dietrich: Das ABC meines Lebens

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich ganz unverhofft geschenkt bekommen und ich war schon erstmal etwas erstaunt. Ein Buch von Marlene Dietrich? Was konnte das denn geben?

Inhalt und meine Meinung: Bei dieser Ausgabe handelt es sich um die Neuauflage eines Buches, das eigentlich schon zu Lebzeiten der Dietrich, nämlich 1963, erschienen ist. Auf knapp 260 Seiten gibt Marlene Dietrich hier einen Einblick in das, was ihr wichtig ist, sie benennt Menschen, die ihr am Herzen liegen oder die sie bewundert, verrät Rezepte und äußert sich zu Themen wie Mode, Kunst und vielem mehr.
Wenn ich an Marlene Dietrich denke, habe ich sofort Bilder der glamourösen Filmdiva vor Augen, am besten mit einer Zigarette im Mundwinkel und mit Hosen bekleidet. Einige Abschnitte des Buches sprechen auch davon. Dass die Dietrich sich wünscht, sie könne „Glamour“ beschreiben, zum Beispiel. Dass sie modische Ratschläge gibt und ihren Leserinnen erkleidet, wann welche Art von Kleidung oder Schuhen angebracht ist, welche Basics jede Frau im Kleiderschrank haben sollte und dass man an Kleidung nie sparen sollte – lieber nur ein gutes Kleid im Schrank als fünf günstige, denn „billig sieht nie teuer aus“. In solchen Abschnitten fühlt man sich in dem Bild, das man von Marlene Dietrich hat, bestärkt. Auch dann, wenn sie Künstler als Einträge in ihr „ABC“ aufnimmt, ist sie eindeutig als Star zu erkennen – unglaublich, wen sie alles kannte, mit wem sie befreundet war. Auch wenn ich einige Namen googlen musste, wozu im Nachwort des Herausgebers auch geraten wird, haben mir diese Einträge auch großen Spaß gemacht, und es ist eigentlich schön, dass durch solche Bücher wie dieses einige einst bekannte Größen, die heute fast vergessen sind, kurz zu neuem Ruhm gelangen.
Ich persönlich hatte aber dann doch am meisten Spaß an allem, was Marlene Dietrich über die Liebe, die Ehe und überhaupt Männer und Frauen zu sagen hat. Den ein oder anderen Hinweis kann man sicherlich mitnehmen und Ratschläge wie den, dass man immer pünktlich sein sollte, wenn man zum Essen ausgeführt wird, weil ein hungriger Mann, der auf eine Frau warten musste, ihr Outfit sowieso nicht zu schätzen weiß, weil er verärgert ist, fand ich einleuchtend und ganz lustig. Aus dem Weltstar Marlene Dietrich spricht aber auch von Zeit zu Zeit eine Frau ihrer Zeit – dass man Männer nicht dazu zwingen sollte, abzuwaschen, weil das unmännlich sei, das ist wohl eher ein Ratschlag, den heute nur Männer wirklich zu schätzen wissen, auch wenn die Dietrich es ganz humorvoll so begründet, dass ein Mann am Spültisch eben nicht attraktiv sei – dort habe man ihn schließlich auch nicht kennengelernt, es sei denn, er wäre Klempner…
Und dann sind da noch jede Menge Kochrezepte, die fast ohne Mengenangaben auskommen, da Marlene Dietrich selbst über sich sagt, dass sie nach Gefühl und nicht mit der Waage koche und dass eine ausfrau schon wüsste, wie das ginge; trotzdem hat man tatsächlich das Gefühl, man könnte diese Gerichte nachkochen, zumal sie allesamt bodenständig und einfach nachzukochen wirken. Ich habe sogar die Rezepte gelesen, weil mir sonst Anmerkungen wie die, dass der Mann schon am Tisch sitzen sollte, wenn man dieses oder jenes Gericht serviert, weil es nur ganz frisch gut schmeckt und dass man es deswegen vielleicht als Zwischengang servieren sollte, denn dann sei ja gewährleistet, dass er schon da sei, entgangen wären.
„Das ABC meines Lebens“ vermittelt ein interessantes Bild von Marlene Dietrich, die die Texte selbst geschrieben hat. Ob sie wirklich so eine bodenständige Frau war, die so familienorientiert lebte, wie sie es hier als Ideal beschreibt, vermag ich nicht zu sagen, es scheint aber an manchen Stellen vielleicht eher Wunschdenken als Realität zu sein. Trotzdem ein interessantes Buch, mit dem man einen Einblick in die Welt Marlene Dietrichs und in die Entstehungszeit dieses Buches erhält. Wer darin herumblättert, wird schnell an einem ihrer Artikel hängen bleiben – und ganz sicher kann hier jeder etwas über die Filmdiva erfahren, das er noch nicht wusste.

Christian Bärmann, Jörn Radtke, Uwe Tölle: Die drei ??? – 30 Jahre Hörspielkult

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Wie so ziemlich alle Menschen meines Alters bin ich mit den Drei ??? groß geworden – obwohl mir viele Folgen zu gruselig waren, als ich klein war. Jetzt bin ich eher durchs Mithören wieder zu den Drei ??? gekommen, da mein Mann ein großer Fan der Serie ist. Das Buch habe ich ihm mal geschenkt, und jetzt eher dazu gegriffen, weil wir demnächst zu einer Drei ???-Veranstaltung fahren.

Inhalt und meine Meinung: Eigentlich wollte ich nur mal kurz reinblättern, aber dieses Buch ist wirklich toll gemacht und so hatte ich mich innerhalb kürzester Zeit festgelesen. Hier hat man nicht irgendein Buch für die Fans gemacht, die sowieso schon alles über die Drei ??? wissen und jeden Satz der richtigen Folge zuordnen können, dieses Buch geht viel mehr dem Kult nach, den es inzwischen um diese Serie gibt, und zeigt, wie 1978 alles  begann. Von den Anfängen mit den drei Schülern bis hin zur gefeierten Live-Aufführung in der Color-Line-Arena verfolgt man den Weg der drei Detektive.
Dazu gibt es Interviews mit allen Beteiligten – natürlich allen voran mit den sagenhaften Sprechern Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck, die davon erzählen, wie sie schon als Kinder zum Hörspiel kamen und was für sie von Anfang an das Besondere an der Serie und den Aufnahmen dazu ausgemacht hat. Heute verknüpft man die Sprecher so eng mit den Stimmen, dass man sich eine andere Besetzung kaum vorstellen kann, und zu lesen, dass Andreas Fröhlich eigentlich Peter (und nicht Bob) sprechen sollte, aber bei den Aufnahmen zur ersten Folge so schlecht las, dass er Bob zugeteilt bekam, der nur halb so viel sagte wie die anderen, ist schon sehr lustig. Derlei Geschichten hat das Buch viele zu bieten und es ist schon faszinierend zu sehen, welche Bedeutung diese Hörspielserie für die Sprecher eingenommen hat, die ja beruflich noch sehr viel mehr machen als Justus, Peter und Bob ihre Stimmen zu leihen.
Aber hier geht es nicht nur um die Sprecher – die Autoren dieses Buches haben auch mit Heikedine Körting gesprochen, die die Hörspiele produziert und seit nun mehr als dreißig Jahren mit den Sprechern arbeitet. Sie erzählt, wie sich die Arbeit verändert hat, was aber auch immer noch gleich geblieben ist in all den Jahren. So werden die Drei ???, um ihren Sound beizubehalten, immer noch analog aufgenommen. Und die Geräuschemacher, die man bei den Live-Shows auf der Bühne sehen kann, sind ja inzwischen auch irgendwie legendär. Auch die Grafikerin, die mit den Covern für die Drei ??? mal etwas ganz Anderes ausprobieren wollte, als es bis dahin für Jugendbücher gemacht worden war, kommt zu Wort, zwei Autoren der Serie erzählen von ihrer Arbeit, die Produktmanagerin und natürlich Carsten Bohn, der die Hörspielmusik geschrieben hat. Vielleicht wird einem richtig eingefleischten Fan noch jemand einfallen, der hier nicht hätte fehlen dürfen, aber ich glaube, hier fängt man wirklich sehr viel rund um diese Hörspielserie ein.
Ein Buch, das ich als sehr schön und mit viel Herzblut erarbeitet empfinde – tolle Fotos, Bilder aller Cover der bis dahin erschienenen Folgen, gut gesetzte und absolut interessante Texte, an denen man sich schnell festgelesen hat. Und damit auf jeden Fall ein Buch, das ganz sicher vielen, für die die drei Fragezeichen ein Stück Kindheit sind, sehr gut gefallen wird.

Kerstin Gier: Smaragdgrün – Liebe geht durch alle Zeiten

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Nein, nein, diesen Hype würde ich nicht mitmachen. Ich doch nicht. Selbst nach der Lektüre von „Rubinrot“ war ich mir da noch ganz sicher, dass ich die Edelsteintrilogie nicht gleich bei ihrem Erscheinungsdatum lesen müsste. Nein, ich doch nicht. Und dann habe ich nach „Saphirblau“ mal schnell den dritten Band vorbestellt. (Gut, gelesen habe ich „Smaragdgrün“ dann doch nicht so schnell wie geplant, aber das hatte andere Gründe.)

Zum Inhalt: Gideon ist so ein schrecklicher Kerl. Da ist Gwen mit ihm durch alle möglichen Zeiten gesprungen, hat an seiner Seite gekämpft und gelitten, hat sich in allen möglichen und unmöglichen Situationen so tapfer wie möglich geschlagen, und, und das ist das Schlimmste, sie hat sich unsterblich in ihn verliebt. Schön war es, unbeschreiblich schön – bis ihr klar geworden ist, dass das alles nur ein abgekartetes Spiel sein soll. Gideon hat das Ganze nur eingefädelt, um Gwen zu manipulieren. Er ist ein Mistkerl – nur leider will Gwen ihn unbedingt zurück. Oder ihn nie wiedersehen – aber das geht nicht, denn da Gwendolyn und Gideon nun mal das Zeitreise-Gen in sich tragen und sie dazu bestimmt sind, eine gefährliche Mission zu erfüllen, die angeblich die Menschheit von allen schlimmen Krankheiten heilen wird, müssen sie wohl oder übel zusammenarbeiten und sich dem Grafen Saint-German stellen, der den Kreis der Wächter anführt und der Gwen vom ersten Tag an nicht geheuer war.
Aber zum Glück hat Gwen Beistand von ihrer Freundin Lesley, auf die sie sich immer verlassen kann, und auch ihre Familie steht ihr immer bei, nicht zu vergessen der kleine Dämon Xemerius, der rotzfrech ist, aber Gwen in der ein oder anderen gefährlichen Situation eine große Hilfe ist. Und Hilfe kann Gwen gut gebrauchen, denn ihre Mission ist wie immer brandgefährlich und auch die Frage, welche Rolle die Flüchtlinge Lucy und Paul spielen, ist noch lange nicht hinreichend geklärt…

Wie mir das Buch gefallen hat: Erstmal möchte ich sagen, dass mir Kerstin Giers Bild vom „Marzipanherzen“, das auch nach einer schlimmen Enttäuschung immer wieder neu geformt werden kann, sehr gut gefallen hat. Mit dieser Geschichte tröstet Lesley Gwen inmitten ihres schlimmsten Liebeskummers und das fand ich sehr schön.
Die Geschichte an sich ist eine schlüssige Weiterführung der ersten beiden Bände, und endlich werden die wichtigsten Fragen geklärt, die man schon die ganze Zeit mit sich herumgetragen hat. Besonders gut hat es mir gefallen, dass nun endlich, endlich, endlich die Geschichte mit Lucy und Paul etwas mehr in den Vordergrund rückte (dazu: Was für ein interessanter Epilog!) und dass Xemerius wie eh und je mit seinen Sprüchen jede romantische Situation vereitelt. Einige Male musste ich wirklich lachen.
Wirklich ein Roman, der toll erzählt ist, extrem kurzweilig und der alles bietet, was ich mir vom dritten Band erhofft hatte. Ein schönes Buch, das bei all den romantischen Szenen auch viel Spannung und viele Lachanlässe bietet, einfach rundum gut. Schade, dass die Geschichte um Gwen und Gideon nun abgeschlossen ist, kann man da nur sagen! Ich hätte gern noch weitere Abenteuer in allen möglichen Epochen mit den beiden erlebt.

Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich wollte mir kein Buch kaufen, als ich in unserem kleinen Buchladen war! Zumindest keinen Roman! Ich wollte nur kurz etwas für die Arbeit bestellen. – Doch dann musste ich warten – und das wurde mir natürlich zum Verhängnis. Das Cover hat mich gleich angesprochen und eine kurze Leseprobe hat mich dann überzeugt… und schwupps, schon wieder ein neues Buch.

Zum Inhalt: Henry und Clare sind ein Liebespaar mit einer ganz besonderen Beziehung, denn Henry ist ein Zeitreisender. Er kann es nicht kontrollieren, aber manchmal findet er sich plötzlich in einer anderen Zeit wieder. So lernt er, als er vierzig ist, Clare kennen, als diese sechs Jahre alt ist. Für Clare ist das die erste Begegnung mit Henry, doch er kennt sie eigentlich schon seit Jahren und ist mit ihr verheiratet… es ist etwas kompliziert, weil Clare und Henry nicht immer dieselben Erinnerungen haben. Clare wächst mit Erinnerungen an Treffen mit Henry auf, zu denen er immer unterschiedlich alt ist, während für Henry selbst sein erstes Treffen mit Clare stattfindet, als er achtundzwanzig ist. Nach und nach gleichen sich ihre Erinnerungen dann aber natürlich an. Und so wird man mit Clare immer älter und trifft oftmals auf Henry, der sich ihr in unterschiedlichsten Altersstufen und mit verschiedensten Lebenseinstellungen zeigt.

Wie mir das Buch gefallen hat: Der Roman ist schön. Anders kann man es gar nicht sagen. Interessant, wenn auch nicht neu, ist, dass sowohl Clare als auch Henry als Ich-Erzähler auftreten. Man kann es sehr gut nebenher lesen und für die regnerischen Sommerabende der letzten Wochen war es genau das Richtige. Es hat dementsprechend auch nicht lange gedauert, bis ich es ausgelesen hatte…

Kerstin Gier: Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dies ist das dritte der zwölf Bücher, die ich mir von meinem Anteil des Hochzeitsgutscheins bei Thalia gekauft habe. Um es vorweg zu nehmen, den dritten Teil, der im September erscheint, habe ich vorbestellt…

Zum Inhalt: Das Leben ist ganz schön anstrengend, wenn man Trägerin des Zeitreise-Gens ist. Das jedenfalls bekommt Gwendolyn immer deutlicher zu spüren. Sie weiß zwar erst seit ein paar Tagen von ihrer rätselhaften Fähigkeit, durch die Zeiten zu reisen, aber trotzdem gibt es jetzt schon immer mehr Fragen und Probleme statt weniger.
Zum Beispiel ist da der Graf St-Germain, mit dem Gwen bereits eine unschöne Begegnung hatte, und den sie nun in der Vergangenheit wieder treffen soll, noch dazu bei einer Soiree. Gwen muss nicht nur lernen, was dieses Wort bedeutet, nein, sie muss lernen zu tanzen, wie es sich im 18. Jahrhundert gehörte, sie muss lernen, so zu lächeln und sich zu bewegen, wie es damals Brauch war, und eine lange Liste von Wörtern ist ihr ebenfalls verboten.
Ausgerechnet Gwens unsympathische Cousine Charlotte soll ihr bei dem Erlernen all dieser Sachen helfen, was es für Gwen nicht gerade einfacher macht, denn nicht nur ist ihr Verhältnis zu Charlotte schon immer mehr als schwierig, nun sind sie auch noch beide in den gleichen Jungen verliebt – in Gideon deVilliers, ebenfalls Träger des Zeitreise-Gens – was allerdings nicht der Grund für das Interesse der Mädchen ist.
Gwen jedenfalls wird aus Gideon nicht schlau: Mal küsst er sie, mal zeigt er ihr die kalte Schulter. Mal scheint er ihr nicht zu trauen, dann wieder erzählt er ihr offen alles Mögliche. Und hat er wirklich kein Interesse an Charlotte?
Und dann ist da noch die Sache, dass man Gwen in der Geheimloge nicht wirklich über den Weg zu trauen scheint: hat sie die Loge der Wächter verraten? – Gwen selbst scheint am wenigsten darüber zu wissen, bis sie eines Tages Bekanntschaft mit einer sehr jungen Version ihres Großvaters macht…

Wie mir das Buch gefallen hat: Der zweite Band der Trilogie hat mir eindeutig besser gefallen als der erste. Zwar lässt er seine Leserschaft wieder mit viel mehr Fragen als Antworten zurück, dennoch hat mir diese rätselhafte Geschichte einfach sehr gut gefallen.
Vor allem überzeugt Kerstin Gier durch ihren lockeren Erzählstil, der mir hier auch wieder sehr gut gefallen hat. Gwen ist eine überaus sympathische und lustige Ich-Erzählerin, ihre Kommentare zu manchen Situationen sind richtig witzig! Toll ist an der Stelle auch Xemerius, ein Wasserspeierdämon, mit dem Gwen Bekanntschaft macht und der – ähnlich wie Bartimäus von Jonathan Stroud – durch eine sehr selbstbewusste und lustige Art besticht.
Schön wäre es gewesen, wenn die Geschichte ein bisschen stärker in sich geschlossen wäre, denn dann würde das Warten auf den dritten Band doch leichter fallen… 😉

Kerstin Gier: Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ewig lange bin ich standjaft geblieben. Aber dann ging es nicht mehr anders und ich musste mir das Buch einfach bei amazon.de bestellen. Die Neugier war zu groß.

Zum Inhalt: Ihre Familie ist schon ziemlich exentrisch. Gwendolyn lebt mit ihrer Familie in einem alten Herrenhaus in London. Da gibt es viele gute Verstecke, geheime Türen und so weiter. Aber das ist noch längst nicht alles, denn die Familie hütet ein Geheimnis: bei ihnen in der Familie gibt es das sogenannte Zeitsprunggen, das bei seinem Träger dafür sorgt, das der in verschiedene vergangene Zeiten reisen kann. Oder eher gesagt, man muss es tun, denn aussuchen kann man sich das eigentlich nicht.
Gwendolyns Cousine Charlotte nun ist eine Nachkommin mit diesem Gen, so nimmt man an, und an jedem Tag zwischen ihrem sechzehnten und ihrem siebzehnten Geburtstag kann es so weit sein, dass das Mädchen plötzlich in die Vergangenheit verschwindet. In Erwartung des großen Tages hat Charlotte ihre Kindheit damit verbracht, fechten und reiten zu lernen, verschiedene alte Dialekte und vieles mehr.
Und dann passiert es: Während Gwendolyn eigentlich nur gerade zu Selfridges laufen soll um ihrer Großtante Maddy Bonbons zu kaufen, sieht London plötzlich ganz anders aus. Die Leute starren sie komisch an, niemand will ihr sagen, in welchem Jahr sie ist. Was soll sie jetzt machen? – Aber ehe sie sich versieht, ist die Zeitreise auch schon wieder vorbei.
Einige Tage lang hütet Gwendolyn ihr Geheimnis, aber dann geht es nicht mehr anders und sie spricht mit ihrer Mutter darüber. Die reagiert sofort und schleppt ihre Tochter zu einer Geheimgesellschaft, die die Zeitreisen steuern kann. Für die neuen Zeitreisenden, zu denen Gwendolyn jetzt gehört, gibt es auch eine ziemlich wichtige Aufgabe. Aber wie soll Gwendolyn dieser gewachsen sein, wo man sie doch gar nicht darauf vorbereitet hat?
Das weiß niemand so genau. Gwendolyn schon mal gar nicht. Und Gideon, der andere junge Träger des Zeitreise-Gens, der sich seit Jahren darauf eingestellt hatte, mit Charlotte durch die Zeiten zu reisen, ist von Gwendolyn auch nicht gerade hellauf begeistert. Doch es gilt, eine Mission zu erfüllen, und Gwendolyn ist auch viel zu neugierig, um das Abenteuer nicht mitzumachen…

Wie mir das Buch gefallen hat: Eine nette und lustige Geschichte, die man gern liest. Kerstin Gier schreibt typisch für sie, Gwendolyn ist eine sympathische und lustige Ich-Erzählerin, die den ein oder anderen bissigen Kommentar macht, über den ich dann lachen musste. Das hat mir sehr gut gefallen.
Die Handlung ist mir ein bisschen zu offen. Zwar ist „Liebe geht durch alle Zeiten“ eine Trilogie, aber der erste Band hätte doch ein paar mehr Rätsel klären dürfen. So bleibt doch die Handlung sehr offen. Man muss also auf jeden Fall auch die anderen Bände lesen, wenn man wissen will, was es mit der Geschichte um Gwendolyn und Gideon wirklich auf sich hat.
Die anderen Figuren außer Gwendolyn sind auch jugendbuchtypisch, zum Teil ein bisschen verschroben und gemein, einige sind aber auch sehr sympathisch und nett. Man kann seine Sympathien gleich ganz gut verteilen. 😉
Ein schöner Trilogieauftakt jedenfalls ist „Rubinrot“, und ich freue mich schon darauf, die anderen beiden Bände zu lesen um zu erfahren, was Gwendolyn in der Vergangenheit alles so erleben wird.