345 Tage buchkauffrei – Was wurde eigentlich aus… dem Pfau? (Hörbuch 17)

Ein Buch zu lesen – oder zu hören, – das gerade überall beworben wird, ist immer ein Risiko, da kann man behaupten, was man will. Man fällt so leicht auf einen Hype herein, und ist am Ende enttäuscht. So erging … Weiterlesen

Virginia Woolf: To the Lighthouse

noch25Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir noch zu Unizeiten gekauft, da es in einer Veranstaltung empfohlen wurde. Schon zu der Zeit hatte ich das Problem, dass ich mir mehr kaufte, als ich lesen konnte, und so lag das Buch jetzt echt jahrelang ungelesen im Regal.

Zum Inhalt: Alles beginnt im Sommerhaus der Ramsays an der schottischen Küste. Hier lernen sich Minta und Paul kennen, die ein Liebespaar werden, hier findet die introvertierte Malerin Lily Briscoe einen Freund und Zeit, um sich ihrer Kunst zu widmen, hier wünscht sich der jüngste Sohn der Familie, James, nichts sehnlicher, als zum Leuchtturm fahren zu können. Seine Mutter kann sich noch so bemühen, ihn mit Spielen und Märchen abzulenken, der kleine Junge möchte am folgenden Tag übers Meer fahren. Sein Vater aber macht ihm da keine Hoffnungen; Mr. Ramsay, ein vollkommen von sich eingenommener Schriftsteller, kann sich nicht in seinen Sohn hineinversetzen und versucht auch nicht, das Kind zu trösten. Im Gegenteil, ihn machen Gefühle anderer Menschen eher wütend, und oftmals zeigt er sich extrem cholerisch. Der erste Sommer, von dem in dem Roman erzählt wird, endet dennoch friedlich.
Zehn Jahre später sieht die Situation ganz anders aus. Die Ramsays haben harte Schicksalsschläge hinter sich und nicht alle von ihnen kehren in das Sommerhaus zurück, das nun ein Jahrzehnt leerstand. James und Cam sind aber wieder da, und auch ihr Vater begleitet sie. Dieses Mal soll es eine Reise zu dem Leuchtturm geben – aber da nichts ist wie vorher, ist auch diese Reise nun ganz anders als einst erwartet.
Auch Lily ist wieder in das kleine Haus zurückgekehrt, und auch sie hinterfragt hier unwillkürlich, wie der Sommer vor zehn Jahren gelaufen ist und was sich seitdem in ihrem Leben verändert hat. Zehn Jahre sind eben eine lange Zeit, und andererseits stimmt es nicht immer, dass man mit der Zeit klarer sieht…

Wie mir das Buch gefallen hat: „To the Lighthouse“ ist ein ungewöhnliches Buch, aber gerade das macht es meiner Meinung nach so lesenswert. An äußerer Handlung hat es wenig zu bieten, denn es „passiert“ wenig. Umso tiefer ist aber der Einblick, den die Autorin uns in die Gedankenwelt ihrer Figuren gibt. So erfahren wir sehr viel über das, was die Charaktere denken, über sich und über die Anderen, über Liebe und über Beziehungen. Das ist unheimlich interessant – natürlich deswegen, weil wir es hier mit Protagonisten zu tun haben, die alles Andere als einfach gestrickt sind, und die man beim Lesen auch nicht unbedingt sofort durchschaut. Gerade Mrs. Ramsay, der Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft in diesem Sommerhaus, blieb mir ein Rätsel. Das hat mir gut gefallen, das gebe ich zu, denn ich weiß, wenn ich das Buch noch einmal lese, werde ich dieses Rätsel wiederfinden und vielleicht mehr entschlüsseln.
Interessant ist auch der Aufbau des Romans, der in drei Teile geteilt ist. Teil 1 und 3 geben jeweils die Ereignisse eines Sommertages wieder, zwischen denen eben zehn Jahre liegen. Der zweite Teil, „Time Passes“, ist verhältnismäßig kurz, er erzählt aber in einer Weise, die an einen Zeitraffer erinnert, was in den zehn Jahren geschieht – mit der Familie Ramsay, aber auch mit dem Haus, in dem die Geschichte spielt. Der zweite Teil unterscheidet sich auch erzähltechnisch sehr stark von den anderen beiden Abschnitten; auch ein echter Pluspunkt.
Der Roman ist aber auch wirklich gerade von der Art des Erzählens her wirklich sehr besonders. Manche Sätze und Gedankengänge sind verschachtelt und erfordern ein sehr genaues Lesen, dann wieder sind Aussagen sehr kurz und prägnant. Die Gedankengänge verschiedener Figuren gehen ineinander über, und man hat das Gefühl, dass die Charaktere sehr authentisch sind, gefangen in ihrer Rolle, die sie erfüllen und erfüllen wollen, aber angesichts der Situation im Sommerhaus auch wieder überdenken.
Ein Roman, der mich beeindruckt hat, und zwar mehr, als ich es erwartet hätte.

Ich lese… To the Lighthouse (Teil 3)

woolflighthouseNun habe ich die letzten 130 Seiten doch nicht mehr aufgeteilt, aber das liegt vor allem daran, dass ich es jetzt unbedingt auslesen wollte. Wenn man durch die knapp vierzig Seiten des zweiten Teils („Time Passes“) durch ist, stellt sich nämlich schlicht und ergreifend die Frage, wie es denn nun weitergeht.

Time Passes“ mag nur vierzig Seiten lang sein, aber trotzdem hat es dieser Teil des Romans in sich. Er erzählt vor allem davon, was mit dem Haus passiert, nachdem die Ramsays und ihre Gäste abgereist sind. Es erzählt davon, wie die Haushälterin kommt, um das Haus zu reinigen, wie Tage und Nächte vergehen, dann Monate, und wie das Haus, in das niemand mehr zurückkommt, immer mehr verfällt.
Und dabei beginnt der Abschnitt harmlos damit, dass Prue und Andrew zusammen mit Mr. Bankes und Lily vom Strand wiederkommen und das Licht ausschalten. Die  Dunkelheit, die sich über das Haus liegt, ist wie ein Vorbote für das, was danach kommt.

So with the lamps all put out, the moon sunk, and a thin rain drumming on the roof a downpouring of immense darkness began. nothing, it seemed, could survive the flood, the profusion of darkness which, creeping at keyholes and crevices, stole around the window blinds, came into bedrooms, swallowed up here a jug and a basin, there a bowl of red and yellow dahlias, there the sharp edges and firm bulk of a chest of drawers. Not only was furniture confounded; there was scarcely anything left of body or mind by which one could say, „This is he“ or „This is she“. (pp. 187-188)

In der Tat verschwinden die Charaktere, denen wir im ersten Teil begegnet sind, fast vollständig. Wir sehen zu, wie das Haus mehr und mehr verwahrlost, wie Gegenstände zerfallen und schimmeln, wie Tiere sich in dem Haus einnisten. Wir hören die Haushälterin sagen, dass ein Mensch allein dem Verfall nicht mehr Herr werden kann.
Und die Ramsays selbst – sie werden zu Randbemerkungen. Was ihnen geschieht, wird in Klammern geliefert, als sei es unwichtig, sodass man das Gefühl hat, die Autorin wolle hier vor allem zeigen, wie bedeutungslos Menschenleben für den Verlauf der Zeit und der Jahre sind. So musste ich die erste Klammerbemerkung ungläubig zweimal lesen:

[Mr. Ramsay, stumbling along a passage one dark morning, stretched his arms out, but Mrs. ramsay having died rather suddenly the night before, his arms, though stretched out, remained empty.] (p. 192)

So geht es noch mit weiteren Schicksalsschlägen der Familie Ramsay und ich ertappte mich beim Lesen dabei, dass ich Ausschau nach diesen Klammern hielt. Ja, gut, die Fenster sind undicht, die Jahre – vor allem die Kriegsjahre des Ersten Weltkriegs – gehen nicht spurlos an dem Haus vorbei, aber was ist mit den Ramsays?
Ich war richtig erleichtert, als die Haushälterin schließlich einen Brief bekommt, in dem die Ramsays ihre Rückkehr ankündigen. Und tatsächlich reisen zwei Gäste auch dann gleich schon wieder an. Eine davon ist Lily Briscoe. Der Nachname lässt darauf schließen, dass sie nicht geheiratet hat…

The Lighthouse„, der dritte Abschnitt, bestätigt dies dann auch. Hier liegt ein sehr interessanter Fokus auf Lily, fand ich. Sie ist tatsächlich noch unverheiratet, aber wenn sie auf die Ehe von Paul und Minta schaut, ist sie darüber auch gar nicht traurig, denn Lily zufolge ist es den beiden nicht unbedingt vergönnt gewesen, „happily ever after“ zu leben.
Nun, nachdem sie zurückgekehrt ist in das Haus, denkt Lily viel über Mrs. Ramsay nach und in ihrer Erinnerung ist die Frau schon deutlich sympathischer, als Lilys unmittelbare Wahrnehmung von vor zehn Jahren war. Es scheint, als ginge es jetzt für sie darum, die Geschichte abzuschließen.
Da ist einerseits Mr. Ramsay. Lily hat das Gefühl, dass er eine bestimmte Erwartungshaltung an sie hat – dass sie ihn zumindest bemitleidet, sich ihm öffnet; zwischendurch scheint sie darüber nachzudenken, ob er sich noch mehr von ihrer Verbindung erhofft. Aber genau das kann sie nicht, sie ist nicht der Typ Frau, den Ramsay ihrer Meinung nach sucht; sie erinnert sich daran, wie er manchmal mit seiner Frau umgesprungen ist, und dass sie dies unerträglich gefunden hat. Sie erinnert sich auch, dass sie Mrs. Ramsay nicht besonders mochte; das Verhalten dieser Frau, die immer ihren Willen bekam, und das aufgrund ihres Auftretens. Dennoch überkommt sie plötzlich eine Trauer für Mrs. Ramsay und diese gipfelt in einem unerwarteten Gefühlsausbruch:

„Mrs. Ramsay!“ Lily cried, „Mrs. Ramsay!“ But nothing happened. The pain increased. That anguish could reduce one to such a pitch of imbecility, she thought! […] Heaven be praised, no one had heard her cry that ignominious cry, stop, pain, stop! She had not obviously taken leave of her senses. No one had seen her strip of board into the waters of annihilation. She remained a skimpy old maid, holding a paint brush. (p. 265)

Dieser Gefühlsausbruch immerhin führt dazu, dass Lily erneut über Mr. Ramsay nachdenkt, und dass sie das Meer beobachtet, auf dem er gerade unterwegs ist. Für Lily bedeutet ihre Wiederkehr in das Haus, dass sie einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen kann.

Mr. Ramsay hingegen hat es natürlich nicht leicht. Von seinen acht Kindern sind – aus verschiedenen Gründen – nicht alle in diesem Sommer bei ihm. James und Cam sollen den Vater zum Leuchtturm begleiten – zehn Jahre später findet der Ausflug statt, den James sich damals so gewünscht hatte. Ohne Mrs. Ramsay ist nichts so, wie es sein sollte. Es gibt zuerst Unklarheiten darüber, was für die Fahrt mitzunehmen ist, und auch die Überfahrt selbst ist geprägt davon, dass James und Cam ihren Vater unerträglich finden. James, das wissen wir, hat seinen Vater schon immer gehasst, und auf dem Boot scheint sich dieser noch zu verstärken, während es Cam gelingt, den Vater in etwas anderem Licht zu sehen.
Deutlich wird in jedem Fall, dass jedes Familienmitglied nur allzu deutlich merkt, wer fehlt, und die Harmonie und die Wärme aus dem längst vergangenen Sommer können nicht wiederhergestellt werden; das Bindeglied fehlt. Interessant, dass Mrs. Ramsay so präsent ist, obwohl sie nicht mehr lebt.
James‘ Gedanken zu dem Leuchtturm, der letzten Endes ganz anders aussieht als er immer dachte, fand ich dann aber sehr schön und sehr tröstlich:

James looked at the Lighthouse. He could see the white-washed rocks; the tower, stark and straight; he could see that it was barred with black and white; he could see windows in it; he could see washing spread on the rocks to dry. So that was the Lighthouse, was it?
No, the other was also the Lighthouse. For nothing was simply one thing. The other Lighthouse was true too. It was sometimes hardly seen across the bay. In the evening one looked up and saw the eye opening and shutting and the light seemed to reach them in that airy sunny garden where they sat.(pp. 272 – 273)

Ein schöner Roman, ein trauriger Roman, in jedem Fall einer, bei dem man, wenn man ihn ein zweites Mal liest, noch viel entdecken kann, denke ich. „To the Lighthouse“ hat mir gut gefallen; schön, dass das Buch jetzt zu den gelesenen wandern darf.

Ich lese… To the Lighthouse (Teil 2)

ramsayTatsächlich beginne ich, mich für Virginia Woolf zu begeistern. Und das, obwohl während dieser 100 Seiten Lesestoff Folgendes passierte: es ist Abend, die Familie macht sich fürs Abendessen fertig, es wird gegessen, das Abendessen ist vorbei. Mit anderen Worten: an äußerer Handlung ist hier wieder so gut wie nichts vorhanden. Und trotzdem ist es großartig.

Tatsächlich werden Paul und Minta nun etwas mehr in den Mittelpunkt gerückt. Die beiden, die mit Nancy und Andrew (zweien der acht Kinder der Ramsays) unterwegs sind, sind tatsächlich ein Liebespaar, und Paul traut sich, Minta einen Heiratsantrag zu machen. Alles ja so weit ganz schön, aber bei diesem abendlichen Spaziergang am Meer verliert Minta die Brosche, die sie von ihrer Großmutter geerbt hat, und sie ist untröstlich darüber. Nancy kann sich allerdings nicht wirklich vorstellen, dass es bei Mintas Gefühlsausbruch wirklich nur um diese Brosche geht:

Nancy felt, it might be true that she minded losing her brooch, but she wasn’t only crying for that. She was crying for something else. We might all sit down and cry, she felt. But she did not know what for. (p. 117)

Tatsächlich liegt über dem ganzen Abend eine Traurigkeit, die man sich an dieser Stelle jedoch nicht recht erklären kann. Nur Paul scheint glücklich zu sein; er ist wild entschlossen, Mintas Brosche im nächsten Morgen bei Tageslicht zu finden, und außerdem kann er es nicht erwarten, Mrs. Ramsay zu erzählen, dass er Minta einen Antrag gemacht hat. Obwohl er mit Mrs. Ramsay bisher nicht über das Thema gesprochen hat, ist er sich sicher, dass sie das von ihm erwartet hat und das hat ihm den nötigen Mut verschafft.
Tatsächlich liegt er mit seiner Vermutung über Mrs. Ramsay richtig, denn sie ist in der Tat damit beschäftigt, sich Gedanken um das Glück der beiden zu machen, und sie hofft auch, dass Lily von Mr. Bankes geheiratet werden wird. Dass es sich bei den beiden nicht um die große Liebe handelt, ist ihr klar, trotzdem scheint ihr die Ehe für beide eine gute Lösung, zumal Lily laut Mrs. Ramsay nicht gut genug aussieht, um von Männern ihren Alters wahrgenommen zu werden. Schon immer wieder interessant, welches Frauenbild hier vermittelt wird, denn auch wenn Mrs. Ramsay hier die unangefochtene Heldin ist, in den Augen ihres Mannes ist sie recht ungebildet und naiv – und genau das liebt er an ihr. Sie wiederum versucht auch gar nicht, dieses Bild zu verändern.
Bei diesem Abendessen ist sie nun auch die perfekte Gastgeberin, kümmert sich um alle und smalltalkt, was das Zeug hält. Wir erfahren dabei vor allem etwas über Lily, in deren Gedankenwelt der Leser eintaucht. Lily ist nämlich ziemlich froh, dass sie nicht heiraten muss, dass sie etwas hat, von dem sie leben kann. Ihre Kunst macht sie glücklich, und sie fragt sich, warum alle Menschen der Liebe hinterherzulaufen scheinen, obwohl jeder weiß, wie schmerzhaft Liebe oft ist und wie unbefriedigend eine Ehe sein kann. Dennoch ist Lily selbst von Paul fasziniert und im Hause der Ramsays hat sie oft das Gefühl, Liebe sei erstrebenswert.

It is so beautiful, so exciting, this love, that I tremble on the verge of it […]; also it is the stupidest, the most barbaric of human passions. […]
Yet, she said to herself, from the dawn of time odes have been sung to love; wreaths heaped and roses; and if you asked nine people out of ten they would say they wanted nothing but this – love; while the women, judging from her own experience, would all the time be feeling, This is not what we want; there is nothing more tedious, puerile, and inhumane than this; yet it is also beautiful and necessary. (pp. 154 – 155)

Mr. Tansley ist jedenfalls auch von allem genervt – allen voran von den Frauen am Tisch, denn er denkt, dass er nur ihretwegen Smalltalk machen und über Belanglosigkeiten reden muss. Er kommt sich in seiner Welt, in der sich alles um ihn und seine Dissertation dreht, so wichtig vor, dass er denkt, es sei angenehmer, sich nur mit Männern seines Schlages zu unterhalten. Nichtsdestotrotz versucht er, Mrs. Ramsay zu beeindrucken und deutlich zu machen, dass er mehr ist als nur ein Student. Sie reagiert jedoch nicht wirklich darauf.

Tatsächlich geht es hier vor allem nun um die Liebe zwischen den Ramsays. Als die beiden vor dem Abendessen einen Spaziergang machen, kommen sie mir sehr distanziert vor. Persönliche Themen werden gemieden, und jeder von beiden versucht vor allem, sich so zu geben, dass es in das Bild passt, das der andere von ihm hat. Mrs. Ramsay schämt sich zum Beispiel dafür, dass ihr Mann gesehen hat, dass sie nachdenklich am Fenster stand. Sie ist tatsächlich stets darum bemüht, ihm intellektuell unterlegen zu sein – selbst bei so etwas. Schrecklich!
Er hingegen hat plötzlich das Gefühl, er müsste sich ihr als Draufgänger präsentieren und gibt sich abenteuerlustig, aber sie geht darauf überhaupt nicht ein, weil sie weiß, dass seine Ideen ohnehin nicht umgesetzt werden.
Später wird jedoch deutlich, dass die beiden einander sehr wohl lieben, dass ich ihre Liebe einfach nur nicht verstehe.
Beim Abendessen zum Beispiel überkommt Mrs. Ramsay ein plötzliches Gefühl der Liebe und Bewunderung für ihren Mann – und für mich kam dies aus heiterem Himmel:

Then, realising that it was because she admired him so much that she was waiting for him to speak, she felt as if somebody had been praising her husband to her and their marriage, and she glowed all over without realising that it was she herself who had praised him. (p. 143)

Man muss allerdings sagen, dass der Moment gleich darauf wieder zerstört wird: Ramsay ärgert sich über eine wirklich banale Sache am Tisch und seine Frau kann das, bei aller Liebe und Bewunderung, nicht begreifen.
Unerklärlich, die Beziehung der beiden. Vor allem eine Szene nach dem Abendessen ist mir dabei noch aufgefallen; die Ramsays sind nun endlich für sich: die Kinder schlafen, die Großen sind zu einem Spaziergang aufgebrochen, andere Gäste sind weg und Tansley arbeitet.

She knew what he was thinking, You are more beautiful than ever. And she felt herself very beautiful. Will you not tell me just for once that you love me? He was thinking that, for he was roused, what with Minta and his book, and its being the end of the day and their having quarrelled about going to the Lighthouse. But she could not do it; she could not say it. Then, knowing that he was watching her, instead of saying anything she turned, holding her stocking, and looked at him. And as she looked at him she began to smile, for though she had not said a word, he knew, of course he knew, that she loved him. He could not deny it. (p. 185)

Das Kapitel „The Window“ endet also sehr friedlich, und irgendwie auch mit einem Triumpf für Mrs. Ramsay. Sie mag sich oft naiv geben und ihr Licht unter den Scheffel stellen, damit ihr Mann umso besser dasteht, aber er kann sie nicht dazu zwingen, ihm zu sagen, dass sie ihn liebt. Und so verweigert sie ihm dies, obwohl sie es tut und die Worte keine Lüge wären.

„The Window“, der erste Teil, ist nun also gelesen. Fensterhaft hat er mir einen Einblick in das Leben, vor allem aber in die Gedanken der Familie Ramsay und ihrer Gäste gegeben. Das Fenster spielt auch eine Rolle, da das Licht von dort nach draußen fällt und es vielen Charakteren daher ein Anhaltspunkt und auch eine Art Versprechen ist, dass alles gut werden wird. Mrs. Ramsay, die von verschiedenen Figuren hinter dem Fenster gesehen wird, ist die Frau, die mühelos alle beeindruckt und die das Herz ihrer Familie zu sein scheint.
Der zweite Abschnitt heißt „Time Passes“ und ist nur vierzig Seiten lang. Dennoch habe ich vor, ihm seinen eigenen Platz zu gewähren, weil ich mir vorstellen könnte, dass der dritte Teil dann wieder ganz anders wird.

Tobias Smollett: The Expedition of Humphry Clinker

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir vor etlichen Jahren während des Studiums gekauft. Ich hatte ein Seminar zur Literatur des 18. Jahrhundert belegt und dort wurde das Buch nicht gelesen, aber empfohlen. Ich bekam es … Weiterlesen

Ich lese… The Expedition of Humphry Clinker (Teil 6)

clinker06Der sechste Teil meiner Reise mit Mr. Bramble und seiner Familie war für mich der bislang langwierigste. Das liegt vor allem wahrscheinlich daran, dass es in diesem Teil des Romans kaum Handlung gab, sondern Bramble und Jeremy mehr oder weniger abwechselnd über die Schotten und ihre Eigenheiten philosophierten. Zum Teil sehr lustig, dann aber auch wieder recht langatmig, vor allem im Zusammenhang mit politischen Ausführungen über die Verbindungen zwischen England und Schottland. Nach zwei Dritteln des Romans wollte ich Handlung, Handlung, Handlung!
Aber zunächst dann eben doch die Schotten. Diese begegnen Bramble und seiner Familie sehr gastfreundlich, und alle Familienmitglieder sind sich einig, dass Schottland eigentlich ganz in Ordnung ist, selbst das Essen kann mit dem walisischen mithalten. Nur das Dudelsackgeplärre, das geht Bramble manchmal ganz schön auf den Zeiger. In einer Familie, bei der sie unterkommen, ist einer der Angestellten nur fürs Dudelsackspielen zuständig und er legt – typisch Britisch – auch extrem viel Wert darauf, dass diese Tradition beibehalten wird.
Sorgen macht sich Bramble aber um den Akzent der Schotten, den er nach wie vor ziemlich gewöhnungsbedürftig findet.

[…] I think the Scots would do well, for their own sakes, to adopt the English idioms and pronunciation; those of them especially, who are resolved to push their fortunes in South-Britain – I know by experience, how easily an Englishman is influenced by the ear, and how apt he is to laugh, when he hears his own language spoken with a foreign or provincial accent. (p. 237)

In den Highlands hört Bramble dann auch später mal Gälisch, und dies wiederum erfreut nicht nur ihn, sondern auch Jeremy und die Magd – denn diese Menschen „sprechen Walisisch, nur mit anderen Wörtern“. Klar, oder?
Was neben Dudelsäcken und der guten Luft und so weiter natürlich auch zu Schottland gehört, ist Whisky. Dieser gehört vor allem in den Highlands dazu und ist aus dem täglichen Leben der Menschen nicht wegzudenken.

The highlanders […] regale themselves with whisky; a malt spirit, as strong as geneva, which they swallow in great quantities, without any signs of inebriation. They are used to it from the cradle, and find it an excellent preservative against the winter cold, which must be extreme on these mountains – I am told it is given with great success to infants, as a cordial in the confluwnt small-pox, when the eruption seems to flag, and the symptoms grown unfavourable […]. (p. 245)

Da staunen die Waliser natürlich nicht schlecht. Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es in Wales nur eine einzige Distillerie für Whisky – und die gibt es wiederum garantiert noch nicht so lange… Jedenfalls: etwas, das die Reisegesellschaft erst kennenlernen muss.
Was die Handlung nun betrifft, wird man wie gesagt erstmal etwas enttäuscht. Doch immerhin kommt Liddy einmal zu Wort, und wir erfahren, dass die Begegnung mit dem Gentleman auf dem Ball in Edinburgh sie nachhaltig beschäftigt. Zwar war es nicht Wilson, mit dem sie sich verbotenerweise eingelassen hatte, aber der Herr sah ihm so ähnlich, dass sie vor Schreck eben ohnmächtig wurde (wie es sich für ein junges Mädchen im 18. Jahrhundert nun mal auch gehört!). Liddy denkt viel an Wilson, aber sie hat niemanden, dem sie sich anvertrauen kann. Mit ihrem Kummer allein fertig zu werden, fällt ihr schwer.
Tabitha hingegen hat nun endlich mal Glück. Nachdem sie auf ihrer gesamten Reise durch Schottland versucht hat, bei jedem Mann zu landen, der alleinstehend und einigermaßen wohlhabend war, kommt es nach einem sehr dramatischen Wiedersehen mit Mr. Lismahago, den wir schon kennen, weil wir ihm bei unseren ersten Streifzügen durch Schottland begegneten, endlich zu einer Verlobung. Diese ist nicht nur für Tabitha eine Erleichterung, denn ihr ständiges Scheitern hatte sie nun doch etwas in eine Krise gestürzt; auch Lismahago profitiert davon. In Großbritannien ist er kein wohlhabender Mann mehr, obwohl er der britischen Armee gedient hat – und so war sein Plan, bevor er Tabby und Bramble wiedersah, nach Amerika zu gehen und bei dem Sohn zu leben, den er dort mit seiner verstorbenen Frau (der Squaw, ihr erinnert euch?) hat. Gerade noch rechtzeitig aber wird dies verhindert und Bramble ist sehr erleichtert – er hatte sich eine Ehe zwischen Tabitha und Lismahago schon länger gewünscht:

For my part, I intend to encourage this correspondence, and shall be glad to see them united – In that case, we shall find a way to settle them comfortably in our own neighbourhood. I, and my servants, will get rid of a very troublesome and tyrannic gouvernante; and I shall have the benefit of Lismahago’s conversation, without being obliged to take more of his company than I desire; for though an olla is a high-flavoured dish, I could not bear to dine upon it every day of my life. (p. 280)

So scheint sich erst einmal alles zu fügen, und Bramble weist seinen Freund Dr. Lewis noch an, Tabitha dann bei der Hochzeit zum Altar zu führen. Das sei er ihr schuldig, nachdem er sie einst zurückgewiesen habe. Und auch Bramble selbst schulde Lewis dies, sagt er. Denn schließlich sei Tabitha, weil sie unverheiratet blieb „a thorn in his side“. Armer Kerl.

Nett ist aber, dass die Brambles auf ihrer Reise einmal bei einem Mr. Smollett unterkommen, der auch Gedichte schreibt, und der eine sehr liebreizende Ehefrau hat. Erst dachte ich, der Autor habe sich hier selbst noch rasch ein Denkmal gesetzt, aber dem ist nicht so. Allerdings – fast, denn Smollett ist der Cousin des Autors. Ich mag es, dass dem Roman eine Note von Realität verliehen wird, indem immer wieder historische Persönlichkeiten und andere reale Menschen auftauchen. Irgendwie hatte ich immer gedacht, dass das eine recht moderne Art des Erzählens wäre, diese Technik anzuwenden, zumindest in dem Maße, als dass diese Personen zu Romanfiguren gemacht werden. Aber man lernt ja nie aus.

Ich habe nur noch siebzig Seiten mit Mr. Clinker vor mir (der in diesem Leseabschnitt auch nur einmal auftritt, und zwar, als er im Wald meditieren will und sich dann vor einer angeblichen Geistererscheinung erschreckt). Was die Handlung betrifft, ist schwer vorauszusagen, was noch geschehen wird, da ja nun mal nicht irrsinnig viel passiert. Eigentlich frage ich mich diesbezüglich nur, wie Tabitha ihr Haus in Wales vorfinden wird und ob es zu der Hochzeit kommt. Und was mit Liddys Mr. Wilson wird, das wäre auch noch interessant…

Ich lese… The Expedition of Humphry Clinker (Teil 5)

clinker05Ich muss zugeben, dass es mir unter der Woche, wenn mir eh schon der Kopf brummt, schwerfällt, mich auch noch auf ein Buch zu stürzen, das so viel Konzentration erfordert wie „The Expedition of Humphry Clinker“, aber es wurde nun andererseits auch Zeit, weiterzukommen.

Zunächst befinden sich Mr. Bramble und seine Familie noch in Scarborough, von wo Bramble aber schnellstens wieder abreisen möchte, nachdem er sich seiner Meinung nach ziemlich blamiert hat: als er eines Morgens zum Baden gegangen war, hatte er wegen des kalten Wassers ziemlich gewimmert, was sein getreuer Diener Humphry Clinker aber leider etwas missverstand – Clinker, der davon ausging, dass Bramble kurz vor dem Ertrinken stände, sprang ins Wasser und zog seinen Herrn am Ohr ans Ufer. Bramble fand sich also splitternackt und mit schmerzendem Ohr am Strand wieder, wo ihn eine neugierige Menschenmenge betrachtete – und das konnte Bramble natürlich nicht hinnehmen. So brach seine Familie ihre Zelte relativ flott wieder ab und die Reise geht nun weiter.
Auf dem Weg nach Schottland kann Bramble es sich aber nicht verkneifen, noch seine Meinung über englische Kirchen loszuwerden. Bramble findet es vollkommen unverständlich, dass man in England Kirchen hat, die aussehen wie die in Spanien (oder Afrika!) – obwohl das Klima ein vollkommen anderes ist.

[N]othing could be moere preposterous than to imitate such a mode of architecture in a country like England, where the climate is cold, and the air eternally loaded with vapours; and where, of consequence, the builder’s intention should be to keep the people dry and warm. […] When we consider, that in our churches, in general, we breathe a gross stagnated air, surcharged with damps from vaults, tombs, and charnel-houses, may we not term them so many magazines of rheums, created for the benefit of medical faculty? and safely aver, that more bodies are lost, than souls saved, by going to church, in the winter especially, which may be said to engross eight months in the year. I should be glad to know, what offence it would give to tender consciences, if the house of God was made more comfortable, or less dangerous to the health of valetudinarians; and whether it would not be an encouragement to piety, as well as the salvation of many lives, if the place of worship was well floored, wainscotted, warmed, and ventilated, and its area kept sacred from the pollution of the dead. (p. 184)

Ehrlich – mit Bramble hat Smollett so eine tolle Figur erschaffen! Wenn er sich nicht quasi pausenlos über die Briten lustig machen würde, würde diesem Roman echt was fehlen.
Die Reise geht nun also nach Schottland, und Jeremy und sein Onkel stellen schockiert fest, dass Tabitha und auch der Rest ihrer Reisegesellschaft merkwürdige Vorstellungen von diesem Land haben. Tabitha ist zum Beispiel der festen Überzeugung, dass man nach Schottland nur mit dem Schiff komme; es ist ihr überhaupt nicht klar, dass Schottland und England aneinandergrenzen. Ebenso sind fast alle Reisenden davon überzeugt, dass es in Schottland nur Schafskopf und Haferschleim zu essen geben werde, weswegen noch schnell Vorräte eingekauft werden sollen, bevor es in das fremde Land geht. Bramble kann seine Familie erstmal beruhigen – auch wenn Haggis wenig später nicht gerade dazu beiträgt, dass schottische Gerichte die Herzen der Gruppe erobern.
Wir dürfen außerdem noch erfahren, dass die Schotten das allerbeste Englisch von allen sprechen; dies erläutert nämlich ein schottischer Gentleman Bramble:

To prove that we had impaired the energy of our language by false refinement, he mentioned the following words, which, though widely different in signification, are pronounced exactly in the same manner – wright, write, right, rite; but among the Scots, these words are as different in pronunciation, as they are in meaning and orthography […]. He, moreover, took notice, that we had (for what reason he could never learn) altered the sound of our vowels from that which is retained by all the nations in Europe; an alteration which rendered the language extremely difficult to foreigners, and made it almost impracticable to lay down general rules for orthography and pronunciation. (p. 204)

Also, ob man jetzt als Lerner wirklich die Schotten besser versteht als die Engländer, wage ich ja zu bezweifeln, aber ich fand diese Anmerkungen einfach hinreißend.
Wir lernen außerdem noch einen Schotten etwas näher kennen, nämlich Mr. Lismahago, der sich der Reisegesellschaft für kurze Zeit anschließt. Er hat der britischen Armee jahrelang gedient, und ist sogar in Amerika gewesen, was ihn natürlich zu einem spannenden Gesprächspartner macht. Tabitha ist natürlich auch ganz hingerissen von ihm, aber es stellt sich heraus, dass Lismahago bereits einmal verheiratet war, nämlich mit einer Squaw, mit der er auch einen Sohn hat. Sie verstarb allerdings und daraufhin kehrte er nach Großbritannien zurück. Er hat aber viel zu berichten, unter anderem auch, wie lächerlich den „Indianern“ die Religion der Christen vorkommt: sie, die an das Gute und das Böse glauben, das sich überall in der Natur finden lässt, finden es ziemlich merkwürdig, dass die Christen daran glauben, dass ihr Gott seinen Sohn auf die Welt schickte, wo dieser viel Leid ertragen musste. Dass er jetzt auch noch in Brot und Wein zu finden sein soll, finden sie besonders merkwürdig, und da die Christen auch keine Beweise für die Richtigkeit ihres Glaubens haben, stoßen sie auch nicht auf Interesse.
Es bleibt noch zu sagen, dass der junge Mann, mit dem Liddy angebandelt hatte, plötzlich wieder aufgetaucht zu sein scheint. Letztes Mal hatte Wilson sich ja als Jude verkleidet, der Brillen verkaufen wollte, nun taucht er plötzlich auf einem Ball auf, zu dem Bramble mit seiner Familie gegangen ist. Ich würde mich freuen, wenn Liddy auch mal wieder zu Wort käme, da es heute in meinem Leseabschnitt nur die Perspektiven von Bramble und Jeremy gab – nur Tabithas Bedienstete (Winifred) kam einmal zu Wort.

Emilie Richards: Rückkehr an den Ort meiner Träume

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch gab es in der Valentinsaktion von Amazon.de kostenlos für den Kindle. Und darum habe ich einfach zugegriffen…

Inhalt: Seit mehr als dreißig Jahren sind Iain, Andrew und Duncan nun schon befreundet, nämlich eigentlich seit der Nacht, in der die drei Männer alle um Mitternacht geboren wurden. Seitdem werden sie in ihrem kleinen schottischen Heimatdorf nur die „Men of Midnight“ genannt und ihnen wird eine besondere Verbindung zueinander nachgesagt.
Nun ist der dritte im Bunde auch wieder in der Heimat. Nachdem er über zwanzig Jahre in den USA gelebt hat, kehrt Duncan Sinclair in die Highlands zurück, um seine Erbe zu verwalten – ein altehrwürdiges Hotel, das er eigentlich nur schnellstmöglich verkaufen will. Schottland kommt ihm aber auch deswegen gelegen, weil er hier seine kleine Tochter April endlich wieder lachen sehen will, nachdem das Mädchen bei der verantwortungslosen Mutter Schreckliches durchmachen musste. April liebt die Highlands, und sie findet schnell eine geheimnisvolle Freundin – Mara ist Ende zwanzig und lebt sehr zurückgezogen in einem winzigen Häuschen, das sie selbst gebaut hat und in dem es weder Strom noch fließend Wasser gibt. Sie züchtet Schafe und lebt von dem, was sie mit ihrem Besitz erwirtschaften und verkaufen kann. Mara ist den Dorfbewohnern nicht ganz genauer – man munkelt, dass sie einem wie ein Geist erscheinen kann; Mara hat das zweite Gesicht, und das ist für viele Menschen Grund genug, sie zu meiden wie eine Hexe aus dem Mittelalter. Auch Duncan will sich zunächst am liebsten von dieser vermeintlich verrückten Frau fernhalten; doch Mara ist wunderschön und zudem hat sie ein nahezu bezaubernd freundliches Wesen, sodass der verbitterte Duncan bald gar nicht mehr anders kann, als ihre Nähe zu suchen…

Wie mir das Buch gefallen hat: „Rückkehr an den Ort meiner Träume“ war für mich ein totaler Flop. Die Geschichte ist unglaublich schlicht und vorhersehbar: ein Mann, der von einer anderen Frau sehr verletzt worden ist, verliebt sich in eine bezaubernd schöne und liebevolle und so weiter Frau, obwohl er es nicht will. Die Frau selbst lebt zurückgezogen und hat ebenfalls Angst, wieder verletzt zu werden. Aber sie kann diesem unglaublich starken Mann einfach nicht widerstehen. Hach ja… einmal seufzen und dann den Kopf schütteln. Muss man dazu sagen, dass die Liebe hier jedes Hindernis überwindet?
Schottland kommt sehr schön klischeelastig daher, voller Nebel und magischer Orte, an denen man Geistererscheinungen hat, Feen tanzen sieht und Schafherden beobachtet. Sehr schön. Mara selbst hat ihr Haus ganz allein gebaut, obwohl sie natürlich beruflich weder Architektin noch Bauingeneurin noch Maurerin ist. Das Haus ist natürlich trotzdem stabil und in Schottland gibt es zum Glück offenbar keine Bauaufsicht und nichts dergleichen. Aber Mara kann sowieso alles. Sie hütet Schafe, spinnt und färbt Wolle, baut Brunnen, sammelt Kräuter, stellt Heilmittel her, und nebenbei errettet sie dann noch Menschen aus höchster Not. Klar, dass so eine Frau elfengleich und wunderschön ist und dass ihre Menschenkenntnis unübertroffen ist.
Duncan ist auch eine Figur, an der mit Klischees nicht gespart wird. Männlich, stark, verbittert, stolz, aber tief in seinem Herzen oh-so-verwundbar und so ein liebevoller Vater und trallala. Und dann ist er auch noch einer der „Men of Midnight“! Wow! Nicht, dass diese Bezeichnung irgendwas zu bedeuten hätte, es wird aber trotzdem immer wieder erwähnt. Die Männer können aber nichts Besonderes (sind aber alle drei einfach toll), und warum dann diese „Verbindung“ geschaffen wurde, ist mir bis zum Ende unklar geblieben.
Ich finde es sehr schön, dass ich endlich mal einen Liebesroman gelesen habe, der jedes Klischee erfüllt, das ich erwarte. Ich bin erstaunt, wie schnell sich der oh-so-traurige Duncan und die ach-so-besonnene Mara die Kleider vom Leib reißen, weil ihre Leidenschaft sie überwältigt. Auch sprachlich ist das immer sehr nah an der Unerträglichkeit, aber nun gut, das ist nur meine bescheidene Meinung.
Überhaupt ist die Geschichte sprachlich auch eher schlicht; und ich denke, dass das nicht an der Übersetzung liegt. Ich liebe vor allem diesen Vergleich: „Sein handgestrickter Pullover schimmerte wie ein Schinken in der rauchigen Luft“ (S. 33). Ich werde nie wieder einen Wollpullover so ansehen können wie früher.
Klarer Fall von: nichts für mich. Der Unterhaltungswert ist immer mal wieder für ein paar Seiten gut, aber mehr war nicht auszuhalten.