345 Tage buchkauffrei -Mut, Freundschaft, Hoffnung und ein Wunder (Buch 22)

„Wunder“ hat ja irgendwie schon jeder außer mir gelesen, glaube ich, umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich das Buch zu Weihnachten bekommen habe. Trotz des Stresses der letzten Wochen habe ich es jetzt gelesen und es hat mir … Weiterlesen

345 Tage buchkauffrei – Selbsthilfebücher und ich passen nicht (Buch 7)

Ich habe noch nie Selbsthilfebücher gelesen. Ich kann mich an keines erinnern. Ja, eine Zeit lang lasen alle „Sorge dich nicht, lebe“ und solche Dinge, aber ich habe das nie gelesen – und die anderen Bestseller dieses Genres auch nicht. … Weiterlesen

Carolin-Therese Wolf: Die Räuber – REMIXED

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Tjaja, das Hörbuch gab es im letzten Monat kostenlos bei „Audible“ und da dachte ich, man könnte ja nicht so viel falsch machen. 😉 Inhalt und meine Meinung: Ich habe „Die Räuber“ von Friedrich Schiller … Weiterlesen

Julia Engelmann: Eines Tages, Baby

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von meiner Lieblingsbibliothekarin zum Geburtstag geschenkt bekommen. Inhalt und meine Meinung: Julia Engelmann und ihre Texte sind im Moment hochgelobt, viel gelesen und viel zitiert. Die zweiundzwanzigjährige Schauspielerin und Poertry Slammerin … Weiterlesen

Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz

011Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch ist nun das fünfte aus meiner Astrid Lindgren-Box, das ich gelesen habe. „Die Brüder Löwenherz“ liebe ich wirklich sehr. Dieses Buch habe ich zum ersten Mal gelesen, als ich schon in der vierten Klasse war oder so, denn meine Eltern haben die traurige Geschichte der beiden Brüder etwas von mir ferngehalten.

Zum Inhalt: Der kleine Karl Löwe ist schwer krank und jeder weiß, dass er bald sterben wird. Der kleine Junge liegt den ganzen Tag auf der Küchenbank und darf nicht nach draußen. Zum Glück hat er Jonathan, seinen großen Bruder, der sich um ihn kümmert und ihn aufheitert. Jonathan, das finden nicht nur Karl und seine Mutter, ist ein toller Junge, wie ein Märchenprinz. Am tollsten ist aber Jonathans großes Herz – als es eines Tages bei ihnen in der Wohnung brennt, ist es Jonathan, der seinen kleinen Bruder, den er liebevoll Krümel nennt, auf den Rücken nimmt und aus dem Fenster springt. Diesen Sprung überlebt der Junge nicht. Krümel bleibt zurück und ist tieftraurig, auch wenn er weiß, dass er auch bald sterben wird – und dass er Jonathan dann wiedersieht, in dem wundersamen Land Nangijala, von dem der große Bruder ihm immer erzählt hat.
Und dann ist Krümel tatsächlich in Nangijala, und zusammen mit Jonathan bewohnt er einen wunderschönen Hof im Kirschtal. Zum ersten Mal ist der kleine Junge gesund, und er ist glücklich. Das Leben im Kirschtal scheint paradiesisch zu sein – doch leider stimmt das nur auf den ersten Blick. Nangijala wird von dem bösen Tengil beherrscht und unterdrückt, und die Menschen leben in Angst vor ihm und seinem gefährlichen Monster: Katla. Die Menschen im Kirschtal zählen darauf, dass Jonathan Löwenherz, wie sie ihn nennen, ihnen helfen wird. ihr Land zu befreien. Jonathan weiß, dass der Kampf gefährlich werden wird, doch er will sich ihm stellen. Und auch Karl, der nicht länger „Krümel“ sein will, beschließt, sich der Gefahr zu stellen. Sie halten zusammen und lassen einander nicht im Stich, die Brüder Löwenherz.

Wie mir das Buch gefallen hat: Was für ein superschönes Buch! Ich habe immer schon einen Kloß im Hals, wenn ich es nur aus dem Regal ziehe, denn ich weiß, dass es keine halbe Stunde dauern wird, bis ich das erste Mal weinen muss. Und auch später… nun, sagen wir mal, der Anfang ist da noch harmlos. Diese Geschichte rührt mich zu Tränen, es macht mich traurig und tröstet mich irgendwie gleichzeitig. Das mag komisch klingen, aber genauso ist es.
Diese Geschichte ist einzigartig. Allein schon Nangijala als Schauplatz ist wirklich schön – ein Land aus der Zeit der Sagen und Märchen, auf den ersten Blick wirklich magisch in seiner Schönheit, sodass ich mit Krümel und Jonathan am Lagerfeuer sitzen möchte, bis die Sonne wieder aufgeht. Dann aber wird es dort so unheimlich und gefährlich, dass man erst recht weiterlesen möchte, weil man unbedingt dabei sein will, wenn das Land gerettet wird. Es spricht für Astrid Lindgren, dass ich jetzt schon unzählige Male mit ihr durch Nangijala gereist bin und es für mich nichts an seiner Schönheit eingebüßt hat. Auch Tengil und Katla machen mir jedes Mal wieder Angst und mit Jonathan und Krümel Löwenherz hat Astrid Lindgren ohnehin zwei Figuren erschaffen, die man vom ersten Moment an mag und mit denen man dann wirklich mitfiebert bis zum Ende.
Die Geschichte selbst liest sich wie eine Sage oder Legende, und damit zeigt sich, dass Astrid Lindgren wirklich nicht nur eine Art von Kinderbüchern schreiben kann. Was ich an ihr auch mag, ist, dass sie sich an ein schwieriges Thema herangewagt hat – nämlich das, was nach dem Tod kommt. Heute gibt es ja viele Jugendbücher, die sich mit dem Thema Sterben beschäftigen, aber in meiner Kindheit war „Die Brüder Löwenherz“ das einzige, das ich kannte. Vielleicht ist das ein Grund, aus dem mich diese Geschichte immer wieder so berührt. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass „Die Brüder Löwenherz“ eines der schönsten Kinder- und Jugendbücher überhaupt ist.

Astrid Lindgren: Mio, mein Mio

007Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch war natürlich auch in meiner Astrid-Lindgren Box, und da gehört es auch hin, denn es ist eines der schönsten Märchen, die es gibt. Das schon mal vorweg.

Zum Inhalt: Bei seinen Pflegeeltern ist der kleine Bosse alles Andere als willkommen. Er darf keine Freunde mit nach Hause bringen und obwohl er am liebsten immer leise sein soll, mögen sie es auch nicht, wenn er ein Buch liest. Klein und blass und schwächlich finden sie ihn, und Bosses einziger Trost sind sein Freund Benka, bei dem er manchmal sein darf, und ein altes Brauereipferd, von dem er sich so oft wünscht, dass es sein eigenes wäre. Bosses Leben ist trostlos und voller Sehnsucht nach ein bisschen Geborgenheit – bis er eines Abends eine leere Bierflasche findet, in die tatsächlich ein Geist eingesperrt worden ist. Und noch merkwürdiger ist es, dass der Geist auch tatsächlich nach ihm, Bosse, gesucht hat.
Bosse ist nämlich gar nicht irgendein armer, kleiner Junge, er ist der Sohn des Königs aus dem Land der Ferne, und dorthin bringt ihn der Geist jetzt auch. Hier schließt der König seinen lange verschollenen Sohn nicht nur überglücklich in die Arme, er sagt ihm auch, wie er wirklich heißt: Mio. Und Mio hat ein wunderschönes Leben bei seinem Vater, dem König. Zum ersten Mal ist er überglücklich und lernt, was Familie und Freundschaft bedeuten können.
Doch auf den Königssohn wartet eine gefährliche Aufgabe: eine uralte Prophezeiung besagt nämlich, dass er losziehen wird, um gegen den grausamen Ritter Kato zu kämpfen, der das Land der Ferne erzittern lässt, der viele Kinder entführt hat und von dem es heißt, dass er statt eines Herzen nur einen Stein in der Brust hat. Jeder weiß, dass es die einzige Chance für die entführten Kinder ist, von Mio gerettet zu werden. Doch sein Sieg über den bösen Ritter ist keineswegs sicher. Kann Mio wirklich ein mutiger Ritter sein, wenn er doch solche Angst hat, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich liebe dieses Buch. Und tatsächlich gibt es eine Stelle, an der ich seit mehr als 25 Jahren immer weinen muss (durfte ich gerade erst wieder feststellen). Das allein zeigt schon, dass „Mio, mein Mio“ ein Buch ist, dessen Zauber nie veraltet. Immer noch streife ich gerne mit Mio durch das Land der Ferne, und bin vorher jedes Mal erleichtert, wenn er sein trauriges Leben in Schweden aufgeben kann, um endlich glücklich zu werden. Es gibt am Anfang eine Szene, in der Bosse allein durch die Stadt läuft, durch die erleuchteten Fenster glückliche Familien anschaut und dabei sehr traurig wird, und die geht mir auch immer noch total nahe (ist aber nicht die, bei der ich weinen muss).
Astrid Lindgren kann so verschiedenartige Geschichten erzählen, dass man nur voller Bewunderung dafür sein kann. Das „Land der Ferne“ ist auf jeden Fall einer ihrer schönsten Orte, ein märchenhafter Platz voller Blumen, blühender Bäume und schöner Plätze, an denen man (nicht nur) als Kind gern Stunden verbringen möchte. Der Gegensatz zu dem Land, in dem Ritter Kato wohnt, könnte auch nicht größer sein, und mit wenigen, aber sehr eindringlichen Worten schafft Lindgren es immer, ihre Orte atmosphärisch sehr dicht erscheinen zu lassen. Und trotz der Gewissheit, dass am Ende alles gut wird, kann man Mios Angst oft sehr gut nachempfinden.
Mio ist ein Junge, der zuerst gar nicht wie ein Held scheint, und der bis zum Ende auch nicht furchtlos oder übermächtig wäre. Aber wie wir es von Astrid Lindgrens Helden erwarten, wächst er über sich hinaus, weil er ein großes Herz hat und das Böse nicht ertragen kann. Wahrscheinlich ist Mio gerade deswegen nämlich doch ein Held.
„Mio, mein Mio“ ist eines der Bücher, von denen ich mir wünsche, dass Kinder sie noch in vielen Jahren lesen werden, und da die Geschichte meiner Meinung nach absolut zeitlos ist, hat sie vielleicht sogar eine Chance…

Anna Vovsova: Josef und Li

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Da ich ja an der Challenge „Deutschland und seine Nachbarn“ teilnehme, hatte ich Anfang des Monats das Gefühl, mich mal an Literatur aus einem mir bislang literarisch offenbar unbekannten Land machen zu müssen (doch, ich kenne Kafka!). Und da empfahl mir Amazon.de „Josef und Li“.

Zum Inhalt: Josef lebt mit seiner Familie mitten in Prag. Seine Eltern restaurieren Möbel und stellen Möbel her, und beide versinken oftmals so in ihrer Arbeit, dass es bei Josef zu Hause dann nichts zu essen gibt und Josef seine große Schwester Vendula bitten muss, ihm etwas zu essen zu machen. Überhaupt ist der Haushalt an sich einfach ein bisschen chaotisch, aber Josefs Mutter stört sich nicht großartig daran, bis eines Tages ihre Cousine Marta vor der Tür steht. Marta ist jung, hübsch und lebensfroh – eigentlich zumindest, denn sie ist gerade verlassen worden und sucht einen Unterschlupf, bis es ihr wieder besser geht. Dass Josefs Mutter der jungen Frau so bereitwillig anbietet, bei ihnen zu wohnen, soll sie bald schon bereuen, denn Marta hat es offensichtlich auf Josefs Vater abgesehen und der scheint auch nicht gerade abgeneigt zu sein.
Dieses Problem muss Josef unbedingt lösen, und zum Glück hat er Hilfe, denn seine Freundin Li steht ihm zur Seite. Li und ihre Eltern kommen aus Vietnam und versuchen, sich mit ihrer Teestube „Zur Lustigen Teeh Cann“ eine neue Existenz aufzubauen. Das ist gar nicht so einfach, aber die Nguyens geben nicht auf. Wie ihre Eltern ist auch Li sehr zäh und tapfer, sie erträgt es klaglos, dass die gemeine Helena, Josefs Freundin, bis Li kam,  sie beleidigt, ihr Sachen wegnimmt und sich über sie lustig macht. Und das ist nicht leicht, denn Helena und ihre Band, die „Tigerkrallen“, lassen keine Gelegenheit aus, um Josef und Li fertigzumachen. Trotzdem bleiben die beiden Freunde und halten immer nur noch fester zusammen. Vielleicht werden sie sich eines Tages sogar küssen – oder heiraten, wer weiß?

Wie mir das Buch gefallen hat: „Josef und Li“ ist eine ganz wunderschöne und ganz wunderschön erzählte Geschichte. Zunächst einmal sind Josef und Li ganz liebevoll dargestellte Charaktere, mit denen man mitfiebern und -leiden kann, und das, obwohl sie so verschieden sind. Auch die anderen Figuren dieses Romans sind so dargestellt, dass man sie sich gut vorstellen kann, und es gelingt der Autorin, durch ganz nebensächliche scheinende Kommentare immer wieder eine Extrainformation über das Gefühlsleben ihrer Figuren einzustreuen. Gerade bei den Erwachsenen ist ihr das meiner Meinung nach sehr gut gelungen.
Es gibt einige Kleinigkeiten, die sich wie eine eigene kleine Geschichte durch den Roman ziehen, zum Beispiel, dass man nebenher auch etwas über vermeintliche Nebenfiguren erfährt. Was ich aber besonders nett fand, war Josefs Schildkröte. Sie taucht immer wieder im Roman auf, ohne dass sie irgendeine wichtige Rolle spielen würde. Mal verwechselt Josef sie mit einem Schuh und poliert ihr den Panzer, mal landet sie als vermeintlicher Taschenschirm in einem Koffer oder als Roggenbrot in einem Picknickkorb. Überall taucht sie immer mal wieder auf und das macht beim Lesen oft besondere Momente aus. Eine schöne Idee.
Ich war noch nie in Prag und kann deswegen nur sagen: die Geschichte spielt nicht in der Nähe der berühmten Sehenswürdigkeiten, zumindest werden diese nicht genannt. Vorne und hinten im Buch befindet sich aber eine sehr schöne Karte von Prag, anhand derer man Schauplätze finden kann.
„Josef und Li“ handelt von Freundschaft, vom Fremdsein, von Mut und von der Liebe, und all diese Themen spiegeln sich in allen Generationen, die in diesem Roman vertreten sind. Es ist ein sehr schönes Jugendbuch, aber ich glaube, dass man auch als Erwachsene noch viel aus ihm mitnehmen kann.