Alexandra Maxeiner: Unentschieden

017Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch ist mir zugeschickt worden und das Cover, das an Zeiten erinnert, in denen wir nicht mal ahnten, dass es das Internet eines Tages geben würde (jaja…), fand ich gleich sehr gut.

Zum Inhalt: Eigentlich ist Iris überhaupt keine Umweltaktivistin, aber als sie eines Tages mit ihrer kleinen Tochter in der Stadt unterwegs ist, findet sie sich plötzlich dabei wieder, wie sie sich nicht nur auf einer Unterschriftenliste einträgt, sondern auch wie sie aktives Mitglied zum Schutz von Fröschen wird. Als sie eines Morgens dann noch erfährt, dass sie in einer Radiosendung dabei sein und die Seite der Umweltschützer vertreten soll, ist Iris mäßig begeistert, denn mit der Argumentation und den Fakten kennt sie sich eigentlich gar nicht so gut aus.
Doch es bleibt ihr nichts Anderes übrig und so fährt Iris zum Sender, wo sie den PR-Sprecher treffen soll, der von der Gegenseite geschickt worden ist. Als Iris dem Mann gegenübersteht, ahnt sie bereits, dass das Interview und die Diskussion noch schwieriger werden werden, als sie zunächst gedacht hätte, denn sie kennt Ben Schäfer eigentlich schon lange.
Seitdem Ben nämlich das Dach von Iris‘ Playmobilbauernhof mit einem Drachen zerstört hat – und das ist schon eine ganze Weile her – haben sich die Wege der beiden immer wieder gekreuzt. Mal verstanden sie sich gut, hielten zusammen und fühlten sich einander verbunden, mal gingen sie einander schrecklich auf die Nerven und fanden einander schrecklich. Und seit einer verhängnisvollen Party in den Neunzigern haben sie einander nicht mehr gesehen. Wie sollen die beiden an die Vergangenheit anknüpfen? Geht das überhaupt?

Wie mir das Buch gefallen hat: Die Idee zu diesem Roman ist sicherlich nicht neu, aber dieses Buch hat mir trotzdem gut gefallen und mich an manchen Stellen extrem zum Lachen gebracht. Iris ist eine Ich-Erzählerin, die sich ausnahmsweise mal nicht dadurch auszeichnet, dass sie eine völlige Chaotin ist, nein, eigentlich hat sie alles ganz gut im Griff. Und das Wiedersehen mit Ben ruft Erinnerungen wach, die sie dann eben mit den Leserinnen und Lesern teilt.
So ist die Geschichte aufgebaut: sie erzählt einerseits, was Iris und Ben am Tag ihres Wiedersehens erleben, andererseits nehmen einen großen Teil des Romans Rückblicke ein, in denen wir erfahren, was Iris und Ben in den achtziger und neunziger Jahren so miteinander erlebt haben. Gerade diese Passagen waren zum Teil so lustig! Bei Iris‘ Kindheitserinnerungen erkennt man zum Teil die eigene Kindheit wieder und ich fühlte mich etwas an „Generation Golf“ erinnert, aber wie sie als Teenager beschrieben wird, hat mich manchmal laut lachen lassen. Iris, die in allem etwas Tiefsinniges sehen wollte, ganz feste Ansichten hatte und genau wusste, wie die Welt funktioniert, hat mich in mancher Hinsicht an mich selbst erinnert…
Leider ist der Roman sehr kurz, nach 192 Seiten ist alles schon vorbei, und das Ende wird recht offen gehalten. Das ist zwar stimmig und insgesamt fand ich es super, wie kitschfrei „Unentschieden“ daherkommt, aber mich hätte interessiert, wie es mit den beiden weitergeht.
Kurzweilig, lustig und für Kinder der Achtziger und Neunziger bestimmt mit hohem Wiedererkennungswert!

Alexandra Reinwarth: Das Glücksprojekt. Wie ich (fast) alles versucht habe, der glücklichste Mensch der Welt zu werden

noch114Wie ich zu dem Buch gekommen bin: „Nö, das ist nichts für mich“, habe ich gestern Nacht gedacht, als ich gesehen habe, was das Gratisbuch der Kindle-Aktion von Amazon heute ist. Heute Vormittag habe ich es mir dann doch runtergeladen – und jetzt habe ich es ausgelesen.

Inhalt und meine Meinung: Es gibt unfassbar viele Ratgeber auf dem Buchmarkt und in sehr vielen geht es darum, glücklich zu werden. Strategien zum Glücklichwerden werden ausgebreitet, Tipps für den Alltag gegeben, man soll lernen, dass wenn man das Leben umstellt, man ein glücklicherer Mensch werden kann.
Alexandra Reinwarth hat es versucht, und hat nicht nur Glücksratgeber gelesen, sondern auch andere Dinge probiert: ein Glückstagebuch geführt, einen Hund angeschafft, sich sozial engagiert, alte Freunde getroffen und versucht, neue Freunde zu finden. Sie hat ein Lachseminar besucht, ist gepilgert und hat Sport getrieben. Und dann hat sie sich hingesetzt und alles aufgeschrieben. Ob ihre Bestellung beim Universum sich irgendwann erfüllt hat, bleibt offen…
Ich bin keine Ratgeberleserin und kenne Bücher wie „Simplify your life“, „Sorge dich nicht, lebe!“ und ihre Freunde nur vom Titel und bestenfalls von den Buchcovern her. Aber ich gestehe, dass ich es von Zeit zu Zeit nicht lassen kann, mir Tipps in Zeitschriften oder im Internet oder sonstwo durchzulesen um zu erfahren, was man machen soll, um „glücklich“ zu werden.
„Das Glücksprojekt“ ist mir sympathisch. Es ist leicht zu lesen und der Schreibstil der Autorin ist recht flapsig, was ich aber bei dem Inhalt durchaus angemessen fand. Manchmal habe ich beim Lesen wirklich lachen müssen, und das hatte ich nun wirklich nicht erwartet  – aber ehrlich, ich habe mich in manchen Bemühungen, Dinge anders zu machen, dann doch leider wiedererkannt…
Hier geht es nicht darum, dass Alexandra Reinwarth den Weg zum Glücklichsein gefunden hätte oder dass sie einem jetzt einen neuen Ratgeber schreibt und erklärt, wie es nun geht, das Glücklichsein. Es geht um eine Auseinandersetzung mit Ideen und Tipps, die jeder von uns schon mal irgendwo gehört oder gelesen hat – und mit einer persönlichen Abrechnung mit diesen. Dabei beschreibt Reinwarth, was sie davon glücklich gemacht hat und auch, was nichts für sie war. Warum ihr das Spirituelle irgendwie nicht so liegt, ein Hund aber tatsächlich zu ihrem Wohlbefinden beitragen kann. Das Ganze ist unterhaltsam zu lesen und es ist auch schön, dass die Autorin sich selbst nicht immer ganz so ernst nimmt – gerade das kann ich bei solchen Büchern nämlich auch ganz und gar nicht ertragen.
Nehme ich irgendwas aus diesem Buch mit? Ja: den Menschen zu erzählen, wie man angeblich glücklich wird, ist ein Riesengeschäft, und es schadet nichts, das auch mal deutlich kritisch zu hinterfragen. Es schadet auch nichts, sich mal damit auseinanderzusetzen, was einen selbst ganz persönlich wirklich glücklich machen kann und es ist vor allem wichtig, dass man den Weg zum Glück nicht so ernst nimmt. Lachen soll ja schließlich glücklich machen und so.
Ob alles, was die Autorin hier als Erlebnisse verkauft, wirklich passiert ist? Das kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber ganz ehrlich, das will ich auch nicht. Denn ich fand dieses Buch heute Nachmittag sehr unterhaltsam und es hat mich sehr positiv überrascht – ein Buch, um das ich in jedem Buchladen einen großen Bogen gemacht hätte…

Sören Sieg: Superdaddy

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich als Leseexemplar von Amazon Vine bekommen. Ehrlich gesagt, große Erwartungen hatte ich nicht an diesen Roman – don’t judge a book by its cover.

Zum Inhalt: Eigentlich hat Philipp immer von einer Karriere als Comedian geträumt. Große Auftritte, große Shows, großes Publikum, viele Lacher, der große Erfolg. Doch es läuft eher mäßig bei ihm – was nicht zuletzt auch an Philipp selbst liegt. Denn während seine Agentin Ines immer alles daran setzt, ihn mal in eine größere Show zu bekommen, ist Philipp nicht immer ganz bei der Sache, denn es gibt etwas, das ihm noch viel wichtiger ist als sein Job – und das ist seine Familie.
Auch wenn die rebellische Luna, der sportliche Linus und der kleine Lasse Philipp oft den letzten Nerv rauben, für sie lässt er alles stehen und liegen. Und das muss er auch oft genug, denn seine Ehefrau Charlotte strebt gerade eine Professur in Sachen Geschlechterrollen an, und da bleibt für Familie wirklich keine Zeit. Mama ist für die Kinder oft nicht präsent, sie arbeitet viel und ist eher mäßig interessiert am Alltag it dem Nachwuchs – Philipp aber klebt Pflaster und verteilt Kühlkissen, tröstet und erklärt und hilft. Er ist ein Superdaddy – aber er möchte trotzdem auch endlich als Comedian durchstarten.
Mit einem Comedyprogramm zum Thema Kindererziehung gelingt Philipp dann auch ein Schritt in Richtung große Karriere. Und plötzlich verändert sich alles für ihn, nicht nur seine Arbeit. Auch in der Familie muss sich Einiges tun, damit ein Leben mit Philips Beruf vereinbar ist. Doch kann das so einfach gelingen, wo doch Philipps Kinder so daran gewöhnt sind, dass ihr Vater immer da ist? Und lässt sich ein berufstätiger Ehemann überhaupt mit Charlottes Lebensweise vereinbaren?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich habe ehrlich gesagt keine hohen Erwartungen an „Superdaddy“ gehabt und muss nun sagen, es hat mir dann doch ganz gut gefallen. Für einen sonnigen Nachmittag auf der Terrasse war es genau die richtige Unterhaltung. Sören Sieg erzählt sehr locker und humorvoll, es gibt viele sehr lustige Szenen, Wortwitz, Anspielungen und vieles mehr – ich fand es wirklich lustig, ohne dass es zu platt geworden wäre, und auch wenn einige der Figuren überzeichnet sind, wirkt es nicht zu übertrieben.
Viele der Figuren könnten Bestandteil eines Comedyprogramms sein, was durchaus dazu passt, dass es um diese Branche eben ja – auch – geht. Sören Sieg selbst ist bis vor kurzer Zeit Mitglied einer A-cappella-Comedygruppe gewesen, was er jetzt zugunsten der Schriftstellerei aufgegeben hat. Dass Sieg Erfahrungen im Bereich Comedy und im Setzen von Pointen hat, wird schnell deutlich und es sorgt dafür, dass die Seiten zum Teil nur so dahinfliegen.
Die Geschichte selbst ist schon ziemlich vorhersehbar, keine der Wendungen, mit denen die Handlung aufwarten kann, kommt überraschend. Zwei Figuren (Max und Alexa) tauchen auf, erscheinen wichtig und verschwinden dann ziemlich sang- und klanglos auf unterschiedliche Weise wieder. Aber das nur am Rande, denn ihren Zweck für die Geschichte erfüllen die beiden.
Mich erinnert Siegs Stil an die Romane von Tommy Jaud, die ich auch gerne lese. Auch diese leben für mich mehr durch ihren Witz als durch die Handlung selbst, was ich bei Sieg auch so sagen würde. Lustige, unterhaltsame Lektüre, die sicherlich auch was für Leute ist, die Comedy und den Medien eher kritisch gegenüberstehen, denn auf beides gibt es hier auch ganz ordentliche Seitenhiebe. Ein Roman, der Spaß macht.

Sophie Kinsella: I’ve Got Your Number

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich bereits letztes Jahr vorbestellt – wie immer kann ich Sophie Kinsellas Büchern einfach nicht widerstehen. Und auch dieses Mal habe ich mich schon gleich über das schöne Cover gefreut.

Zum Inhalt: Poppys Leben ist so aufregend wie nie zuvor. Gerade erst seit einem Monat ist sie mit Magnus zusammen, da zieht er plötzlich bei einem Essen eine Schachtel mit einem Ring aus der Tasche und macht ihr einen Heiratsantrag. Poppy schwebt im siebten Himmel, auch wenn ihre zukünftigen Schwiegereltern nicht gerade das sind, was sie unkompliziert nennen würde. Wanda und Anthony sind berühmte Professoren und sie verwickeln Poppy immer wieder in Gespräche, in denen sie sich ein bisschen dumm vorkommt. Und dass Magnus nun das Familienerbstück an Poppys Ringfinger gesteckt hat, das scheint seinen Eltern gar nicht zu gefallen.
Aber das ist nicht das Schlimmste. Schlimm wird es erst, als Poppy mit ihren Freundinnen feiern geht, jede der Frauen mal den Ring anprobieren möchte und plötzlich der Feueralarm losgeht. In dem ganzen Chaos verlieren alle den Überblick – und Poppy verliert ihren Ring. Schlimmer geht es nicht – denkt man! Doch während sie alles absucht und in völliger Panik jedem Mitarbeiter des Hotels ihre Handynummer in die Hand drückt, kommt es tatsächlich noch schlimmer: Poppys Handy wird gestohlen. Wie soll man sie jetzt erreichen, wenn sie ihren Ring wiederbekommen könnte? Panik.
Doch dann hat Poppy doch noch Glück im Unglück: in einem Hotelmülleimer findet sie ein Handy, über das sie schnell herausfindet, dass eine Frau namens Violet es kurzerhand weggeworfen hat – genau wie ihren Job. Violets ehemaliger Boss, Sam Roxton,  ist ziemlich wütend – und zwar nicht nur auf seine ehemalige Assistentin, sondern auch auf Poppy, die dieses Handy auf keinen Fall wieder rausrücken kann. Eigentlich will sie ja nur ihr eigenes Leben mit Hilfe dieses Geräts in den Griff bekommen, aber sie kann es einfach nicht lassen, die E-Mails und SMS zu lesen, die schon auf dem Handy drauf sind. Und schnell weiß Poppy mehr über Sam, als sie je vermutet hätte.

Wie mir das Buch gefallen hat: Klar, die Geschichte ist weit hergeholt. Das verlorene Familienerbstück bringt Poppy schon in genügend schräge Situationen. Das im Mülleimer gefundene Handy setzt noch mal eine weit hergeholte Geschichte obendrauf. Aber dann kommt Sophie Kinsella und macht daraus ein Buch, das mir zwei sehr schöne Lesenachmittage beschert hat. Poppy ist eine recht typische Kinsella-Heldin, wenn auch nicht so chaotisch wie Becky Bloomwood, Magnus und Sam sind typische Kinsella-Männer und Magnus‘ Eltern sind herrlich überzeichnet und haben mich schon sehr unterhalten.
Die Geschichte, erzählt von Poppy, in SMS und in E-Mails, schreitet schnell voran und macht einfach Spaß, auch wenn man am Ende nicht überrascht ist. Dass Poppy ihr Happyend bekommt, weiß man, und man wünscht es ihr auch von ganzem Herzen – ich zumindest mochte Poppy sehr. Der Humor, der von ihr ausgeht, ist wirklich manchmal umwerfend, das Buch hat mich mehrfach wirklich zum Lachen gebracht.
Interessant fand ich vor allem den Aspekt des „geteilten“ Handys – Poppy leitet Sam alle Nachrichten weiter, die er noch auf diese Nummer bekommt, aber sie liest auch alle und weiß darum mehr über ihn als eigentlich alle anderen Menschen in seinem Umfeld. Wer würde sein Handy mit einer anderen Person teilen, egal wem? Wer möchte, dass jemand alle Nachrichten liest, die man so bekommt? Und so unterschiedlich Poppy und Sam auch in ihrer Art zu kommunizieren sind, ihre Privatsphäre hätten sie eigentlich schon gern.
Ein sehr unterhaltsamer, lustiger Roman, der in typischer Sophie-Kinsella-Manier daherkommt und meine Erwartungen nicht enttäuscht hat. Ich hab mich bestens unterhalten gefühlt. 😉

Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich geschickt bekommen, worüber ich mich total gefreut habe, denn ich hatte es schon vor einiger Zeit bei Amazon entdeckt und mich darauf gefreut, es zu lesen. Es stand weit oben auf meiner Wunschliste.

Zum Inhalt: So hat Peter Grant sich das alles wirklich nicht vorgestellt. Der junge Polizist, der gerade seinen Abschluss gemacht hat und der schon fest damit rechnet, einen langweiligen Schreibtischjob angeboten zu bekommen, findet sich plötzlich in einer Situation wieder, die so absurd ist, dass er kaum dazu kommt, sich gebührend über sie zu wundern. Denn während er mitten in einer Ermittlung, bei der eigentlich gerade nichts zu tun ist, auf seine Kollegin Lesley wartet, die nur mal eben Kaffee holen gegangen ist, sieht er sich plötzlich einem Zeugen gegenüber, der behauptet, ein Geist zu sein. Gut, denkt Grant sich, London ist voller verrückter Menschen, doch schnell besteht kein Zweifel mehr daran, dass Nicholas Wallpenny wirklich das ist, was er zu sein behauptet.
Die Tatsache, dass er Geister sehen und diese auch noch als Zeugen vernehmen kann, bringt Grant aber nicht geradewegs in eine psychiatrische Klinik, nein, er wird einer sehr kleinen Abteilung der Londoner Polizei zugeteilt (außer ihm nur noch sein Vorgesetzter), die sich mit übersinnlichen Phänomenen und Magie beschäftigt. So lernt Peter eine Seite von London kennen, die ihm bislang verborgen war. Merkwürdige Kreaturen, rachsüchtige Gespenster, vor allem aber die Flüsse Londons geben Peter Grant in seinem ersten Fall zu tun, denn Vater und Mutter Themse, uralte Wesen, die unheimliche Kräfte haben, auch wenn sie auf den ersten Blick recht normal wirken, arbeiten momentan gegeneinander – und Peter soll schlichten.
Damit er alledem gewachsen ist, unterweist sein Vorgesetzter ihn nebenher auch noch in Magie, und so ist Peter nicht nur ein junger Constable der Londoner Polizei, sondern auch ein Zauberlehrling, dem noch einige Lektionen bevorstehen. Es könnte alles viel einfacher sein, wenn er nur Zeit hätte, sich erst einmal in Ruhe mit der Magie zu beschäftigen – aber darauf nimmt man in der Geisterwelt Londons natürlich überhaupt keine Rücksicht…

Wie mir das Buch gefallen hat: Dieser Roman hat viele Pluspunkte auf seiner Seite, sodass man sich jetzt schon darauf freuen kann, dass im Juli die Fortsetzung erscheint. Erstmal lebt die Geschichte von den tollen und einzigartigen Charakteren, die Aaronovitch sich ausgedacht hat. Nicht nur Peter Grant, auch Lesley (seine Kollegin), Molly (Nightingales Haushälterin) und Nightingale selbst sind so toll ausgearbeitet, dass man einfach Spaß hat, sie durch diesen Fall zu begleiten.
Die Idee, Übersinnliches in die Handlung einzubinden, hat Aaronovitch intelligent gelöst. Bei allen schriftstellerischen Freiheiten, die er sich genommen hat, erfährt man auch Einiges über die Geschichte Londons und die bekanntesten viktorianischen Legenden dieser Stadt. Das hat mir sehr gut gefallen, dass zum Beispiel Sweeney Todd in Aaronovitchs Roman einen Platz bekommen hat.
Sicherlich ist „Die Flüsse von London“ irgendwie ein Krimi, irgendwie ist es das aber auch nicht, denn man kann diese Geschichte auch sicherlich dann sehr gern mögen, wenn man mit Krimis und Thrillern sonst nichts am Hut hat. Man muss sich einfach auf eine ungewöhnliche Geschichte einlassen können, auf den britischen und zum Teil recht subtilen Humor, der in diesem Roman zum Tragen kommt, und auf Peters oft temporeiche Erzählweise – alles in allem eine tolle Mischung. An der Stelle muss man auch unbedingt mal dem Übersetzer ein Lob aussprechen, da es besonders schwierig ist, Witze und Redewendungen zu übersetzen, ohne dass dabei etwas verlorengeht oder das Wortspiel und ähnliches im Deutschen nicht mehr funktioniert. Bei „Die Flüsse von London“ hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendwelche Textstellen deswegen holperig waren, von daher ist das meiner Meinung nach wirklich hervorzuheben.
Fazit: Spannend, lustig und herrlich britisch – dieser Roman ist absolut lesenswert!

Volker Klüpfel & Michael Kobr: Schutzpatron

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich liebe die Krimireihe um Kommissar Kluftinger und seine Mitarbeiter – deswegen habe ich dieses Buch vorbestellt, um es gleich bei seinem Erscheinen in den Händen halten zu können.

Zum Inhalt: Der eigentlich so beschauliche Ort Altusried ist mal wieder in Aufruhr, denn in Kürze soll hier eine Ausstellung eröffnet werden, bei der eine Heiligenfigur ausgestellt wird, die Millionen wert ist. Der heilige Magnus, Schutzpatron für die Altusrieder, ist etwas ganz Besonderes – auch für den bärbeißigen Kommissar Kluftinger, der die alten Heiligensagen sehr schätzt und sich das um nichts in der Welt anmerken lassen will. Dass er dem Schutzpatron durch einen anderen Fall ganz nahekommen wird, ahnt der Kommissar anfangs auch noch gar nicht, als er eigentlich den Mord an einer älteren Frau untersuchen soll. Doch diese scheint umgebracht worden zu sein, weil sie herausgefunden hat, dass eine Gruppe zwielichtiger Gestalten plant, die Monstranz zu stehlen… Kommissar Kluftinger und seine Mitarbeiter haben nun also gleich an zwei Verbrechen zu arbeiten: sie sollen einen Mord aufklären und gleichzeitig den Diebstahl der millionenschweren Statue verhindern…
Und eigentlich ist da noch ein Verbrechen, dass Klufti gern aufgeklärt sehen würde – man hat nämlich seinen uralten Passat einfach gestohlen. Mitten in Altusried! Gut, zugegeben, der Kommissar hat seinen Wagen auch nie abgeschlossen und die Diebe haben leichtes Spiel gehabt, aber sein geliebtes Auto… das geht doch nicht! Vor allem ist es Klufti aber total peinlich, dass man ausgerechnet ihm den Wagen gestohlen hat und so tut er alles, damit niemand davon erfährt – was natürlich zu einigen unfreiwillig komischen Situationen führt, wenn sich der Kult-Kommissar in Ausreden und Erklärungen verstrickt…
Privat ist natürlich auch Einiges los bei den Kluftingers, da Markus und seine japanische Freundin Yumiko der Familie etwas zu sagen haben, das den Kommissar vollkommen aus dem Konzept bringt und das natürlich für Fettnäpfchen ohne Ende sorgt. Aber Kluftinger wäre eben auch nicht Kluftinger, wenn er nicht auch das irgendwie meistern würde.

Wie mir das Buch gefallen hat: Auch dieser Fall meines Lieblingskommissars war wieder so, wie ein Kluftinger-Krimi sein soll: der Fall, in dem ermittelt wird, ist gut durchdacht, spannend erzählt und hält eine gelungene Überraschung bereit (die ich nur im Ansatz geahnt habe! Super!). Die Meisterdiebe rund um ihren „Chef“, der sich „Schutzpatron“ nennt, haben ihre eigenen Kapitel, in denen man als Leser über ihre Pläne und Ideen informiert wird, aber nie so viel, als dass man Kluftinger wirklich einen Schritt voraus wäre. Das ist erzähltechnisch sehr gut gemacht, weil es einfach für Abwechslung sorgt.
Kluftinger selbst ist einfach unverwechselbar und unnachahmbar – ganz egal, ob er seinen Autoverlust vertuscht, seine Sekretärin für schwanger erklärt, weil sie Stimmungsschwankungen hat, mit der japanischen Freundin seines Sohnes sehr aufgesetzte Gespräche führt oder ob er mit Doktor Langhammer aneinandergerät – dieses Mal zu Thema Golfspielen. Es ist einfach lustig, etwas vom Kluftinger zu lesen, und da er dieses Mal an den Einsatz von Smartphones herangeführt wird, kann man auch über Kluftis Fragen zur neuesten Technik mal wieder schmunzeln. Sehr schön.
Mir gefällt einfach diese Mischung, die Klüpfel und Kobr mit ihrer Kluftingerreihe jedes Mal wieder hinbekommen. „Schutzpatron“ fand ich sehr gut – und gemein ist, dass es am Schluss eine Andeutung gibt, bei der man nicht weiß, wie und ob sie schon im nächsten Band gelöst wird. Ich warte jetzt schon auf Kluftingers siebten Fall!

Frau Freitag: Chill mal, Frau Freitag

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Nein, ich wollte es mir nicht kaufen. Aber dann: der Klappentext. Der ist bei diesem Buch einfach mal so witzig, dass ich es zwar geschafft habe, es einmal nicht zu kaufen, bei der nächsten Gelegenheit dann aber zuschlagen musste.

Inhalt und meine Meinung: Frau Freitag ist Lehrerin an einer Gesamtschule in irgendeiner deutschen Großstadt. Und ihre Schützlinge, allen voran ihre eigene Klasse (eine neunte), sind alles Andere als das, was man sich so für PISA wünschen würde. Pünktlichkeit? Hausaufgaben? Einhalten von Regeln? Ist nicht. Aber alles vom Leben schon wissen, große Zukunftspläne haben, für die man nichts tun muss, immer Recht haben und vor allem mit der Gewissheit leben, dass Schule einfach nur ätzend ist, das können sie.  Aber das Schöne ist, dass bei all dem, was sie auch anstellen, bei all den Klagen, die Frau Freitag sich immer wieder über ihre Schützlinge anhören muss – am Ende des Tages hat die Lehrerin ihre Meute doch ganz schön lieb. Und das zu Recht, muss ich sagen, denn auch wenn ich kein bisschen neidisch auf Frau Freitags Schülerklientel bin (wenn man auch sagen muss, dass sie sich das Leben an einer „Gymnasiumschule“ echt ganz anders vorstellt, als es ist!), irgendwie schließt man Mehmet und Abdul, Samira und Esra doch ganz schön schnell ins Herz. Denn sind sie auch weit davon entfernt, halbwegs interessierte Schüler zu sein, interessante Menschen sind sie allemal.
Und was wäre so ein Lehrerleben ohne die Schüler? Ohne die Situationen, die man im Unterricht erlebt und bei denen man denkt: „Das gibt’s nicht!“, „Das hat er / sie jetzt nicht gesagt!“ und so weiter? Das muss man einfach selber erlebt haben, sonst glaubt man es kaum. Oder vielleicht sogar auch gar nicht.
Und so berichtet Frau Freitag mit viel Humor und Ironie von ihrem Alltag in der Schule und um die Schule herum. Von ihren Vorsätzen, perfekten Unterricht zu machen, immer den richtigen Umgang mit den Schülern zu pflegen und immer das Richtige zu sagen. Immer eine Antwort zu haben für die Kollegen, das ist eine Sache, die sie bereits sehr gut beherrscht. Auch wenn sie keinen ihrer Tipps selbst beherzigt. Aber das muss ja vielleicht auch gar nicht sein, denn irgendwie läuft es doch immer bei Frau Freitag, auch wenn ihre Schüler sie manchmal „voll fies“ finden und gern mal in der ihnen angeborenen Diplomatie fragen: „Haben Sie heute schlechte Laune?“ – eine Frage, die man liebt, wenn man auf der Tafelseite des Klassenzimmers steht.
In vielen Situationen und Geschichten habe ich mich, meine Kolleginnen und Kollegen, Eltern und Schüler irgendwie wiedererkennen können – auch wenn man Frau Freitags und meine Schule ganz und gar nicht miteinander vergleichen kann. Schön war es aber trotzdem – oder vielleicht deswegen – mal in ihren Schulalltag mitzukommen und festzustellen, dass alles halb so schlimm ist, wenn man es mit Humor nimmt.
Am besten hat mir dabei Frau Freitags Art zu erzählen gefallen. Super, wie sie ihre Schüler sprachlich nachmacht. Und die haben wirklich Einiges zu bieten.
Vor allem Menschen, die in irgendeiner Form mit Schule zu tun haben, würde ich dieses Buch ganz unbedingt empfehlen. Lehrerinnen und Lehrer, Referendarinnen und Referendare, Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten, kauft es euch, lest es, nickt verständnisvoll und denkt: Ja, und trotzdem ist es einfach der schönste Beruf der Welt! 😉

Kerstin Gier: Die Patin

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir zu Weihnachten geschenkt, als ich einen größeren Geldbetrag bei amazon.de ausgeben durfte. Da ich Band 1 und Band 3 der Mütter-Mafia-Reihe schon kenne, fehlte mir „Die Patin“ natürlich noch…

Zum Inhalt: Eigentlich sollte sich Constanzes Leben mit Anton doch jetzt mal ganz schön und harmonisch gestalten, immerhin sind sie frisch verliebt ineinander und hätten ganz gern auch mal Zeit nur für einander… aber das klappt einfach nicht. Anton muss immer arbeiten und in Constanzes Haus tummeln sich neben einer Schar von Kindern und Teenagern immer öfter auch Constanzes Mütter-Mafia-Freundinnen, wenn sie nämlich mal wieder irgendwelche Probleme haben. Dann nämlich ist Constanze eigentlich immer zur Stelle, um einzuschreiten und zu helfen. Sei das nun das Liebesleben der esoterisch veranlagten Trudi, die ausgerechnet mit Peter, dem Ehemann der Mütter-Society-Vorsitzenden Sabine, ein Verhältnis anfängt, oder Anne, die sich seit Jahren von ihrem Ehemann betrügen lässt, selbst aber ein schlechtes Gewissen hat, als sie duch Zufall einen netten Mann kennen lernt, oder Mimi, die einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen muss und gar nicht mehr weiter weiß.
Und dann sind da natürlich noch Lorenz und Paris, die Constanzes Leben auch nicht immer unbedingt leichter machen, zumal Constanzes Noch-Ehemann nun wieder Vater wird und davon eher nicht begeistert ist. Und die Kloses, die sich neu in der Insektensiedlung eingefunden haben und auf alle erst einmal einen schlechten und durchgeknallten Eindruck machen, spielen auch eine immer größere Rolle.
Zum Glück ist die „Patin“ der Mütter-Mafia hart im Nehmen und großzügig im Geben, denn so schafft sie es, auch dieses Mal wieder alle Probleme zu meistern.

Wie mir das Buch gefallen hat: Der zweite Teil der Mütter-Mafia hat mir genau wie der erste und der dritte sehr gut gefallen. Am liebsten mag ich nach wie vor diese absolut witzigen Forumseinträge der Mütter-Society auf ihrer Homepage. Kerstin Gier gelingt es da wirklich, diese Frauen so überspitzt darzustellen, dass man immer wieder lachen muss – und ich jedes Mal überlege, wen aus dieser Gruppe ich eigentlich am schrecklichsten finde. Ich kann mich nicht entscheiden. 😉
Auch die Handlung um Constanze ist sehr lustig erzählt und hat mir sehr großen Spaß gemacht. Was ich an ihr und ihren Freundinnen so mag, ist der Humor, mit dem sie viele Situationen meistern und gemeinsam durchstehen. Kerstin Gier schafft es immer, ihre Heldinnen auch wirklich authentisch und lustig sein zu lassen, und das mag ich so an ihr.
Zwar war mir der Handlungsstrang um die Kloses etwas zu übertrieben, aber trotzdem ist „Die Patin“ ein Buch, das mich sehr gut unterhalten und das mir viel Spaß beim Lesen gemacht hat. Nicht mein erstes und natürlich auf keinen Fall mein letztes Buch von Kerstin Gier!