Stephenie Meyer: New Moon

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Auf Deutsch habe ich die Twilight-Saga wie so viele andere auch dann gelesen, als sie erschien. Da ich die englischen Buchcover aber so schön fand, habe ich mir die ersten drei Bände dann noch mal auf Englisch gewünscht.

Zum Inhalt: Älter zu werden ist für viele Teenager genau das, was sie sich wünschen. Endlich erwachsen sein. Für Bella Swan hingegen ist genau das eher ein Albtraum, dem sie am liebsten entgehen möchte. Älter werden bedeutet in ihrem Fall dann, älter zu sein, als Edward es war, als er zum Vampir wurde. Und das kann sich Bella einfach nicht vorstellen. Doch Edward ist unerbittlich – er wird Bella nicht in einen Vampir verwandeln.
Dennoch ist das zunächst der einzige Streitpunkt zwischen den beiden – bis sich ausgerechnet an Bellas Geburtstag die Ereignisse dann überschlagen: ein harmloser Schnitt am Geschenkpapier im Haus der Cullens – und schon sieht sich Bella plötzlich ausgehungerten Vampiren gegenüber, für die sie nun schwerlich noch Edwards Freundin ist, sondern eher Abendessen. Und obwohl diese dramatische Situation vor allem dank Carlisle am Ende doch noch gut ausgeht, trifft Edward eine Entscheidung: er will sich von Bella trennen und sie nie mehr wiedersehen. Dass sie bei ihm nicht sicher ist, ist ein unerträglicher Gedanke für ihn und er denkt, dass es so besser für Bella ist.
Doch Edwards Abschied bedeutet für Bella nur eins: unerträglichen Liebeskummer, in den sie sich verkriecht und aus dem sie kaum wieder herauszukommen scheint. Sogar ihrem Vater gegenüber schafft sie es nur mühsam, eine bröckelige Fassade von Normalität vorzuspielen. Nur Jacob Black erweist sich ihr gegenüber nun als ein unverzichtbarer Freund, der in jeder Lebenslage für sie da ist und mit dem Bella erstmals nach langer Zeit wirklich wieder lachen kann… Und auch Jacob hat ein Geheimnis, dem Bella nur sehr langsam auf die Schliche kommt.

Wie mir das Buch gefallen hat: Es ist schon so, dass man Bücher nicht immer auf dieselbe Weise liest. Als ich „Bis(s) zur Mittagsstunde“ im März 2007 das erste Mal las, war ich begeistert und schrieb: „Das Buch ist großartig! Es macht richtig Spaß, in diese Geschichte einzutauchen.
Bella muss man einfach mögen und man fiebert immer mit ihr mit, auch wenn man ihr manchmal wegen ihrer Leichtsinnigkeit den Hals umdrehen könnte. Wie sich die Geschichte um Bella und Edward weiterentwickelt, ist richtig interessant. […]“.
Als ich „New Moon“ dieses Mal gelesen habe, hat es mir immer noch gefallen. Bella mochte ich allerdings nicht mehr so sehr, denn auch wenn ich ihren Liebeskummer verstehen konnte, fand ich sie oftmals zu demütig. Bella glaubt ständig, Edwards Liebe nicht würdig zu sein, und das gefällt mir überhaupt nicht. Das Wiedersehen zwischen Edward und Bella fand ich beim ersten Lesen wirklich schön, dieses Mal war ich stellenweise geradezu überrascht, wie verkitscht die Dialoge doch zum Teil sind. 😉
Dennoch: „New Moon“ noch einmal zu lesen, hat Spaß gemacht, auch wenn man weiß, wie es endet, auch wenn man sich nicht mehr fragen muss, ob Bella nicht doch lieber zu Jacob Black gehen sollte, auch wenn man sich vielleicht tatsächlich erst beim zweiten Lesen des Kitschfaktors bewusst wird. Mein Lieblingsband der Trilogie ist „New Moon“ nicht und wird es nie sein, aber nach wie vor ein schönes Buch, von dem man sich einfach ein bisschen berieseln lassen kann.

Cecelia Ahern: The Time of My Life

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir bei Amazon vorbestellt, als ich gesehen habe, dass etwas Neues von Cecelia Ahern erscheint. Ihre Bücher sind immer gut für einen gemütlichen Leseabend im Herbst.

Zum Inhalt: Seit ihrer Trennung von Blake ist in Lucys Leben nichts mehr, wie es war. Die tolle Wohnung ist weg, ihren Job hat sie verloren und gegen einen schlechter bezahlten eingetauscht, mit ihrer Familie läuft es ebenfalls schlechter und ihren Freundinnen und Freunden kann Lucy kaum noch in die Augen schauen. In einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung hat sie sich ihre eigene kleine Welt geschaffen, in die sie niemanden hereinlässt, außer ihrer Katze Mr. Pan, die sie allerdings dort gar nicht halten dürfte.
Lucys Leben ist also irgendwie aus den Fugen geraten, auch wenn sie alles tut, um die Fassade aufrecht zu erhalten. Sie erzählt einfach nichts von sich, tut so, als sei alles in Ordnung, und dadurch macht sie es nicht nur sich selbst, sondern auch den Menschen in ihrem Umfeld schwer, zu ihr durchzudringen und herauszufinden, was mit ihr los ist. Das würde Lucy allerdings niemals zugeben – für sie ist nur eines wichtig: sie will ihren Exfreund Blake zurückbekommen, der inzwischen mit einem Reisemagazin ein Fernsehstar geworden ist. Er lebt den Traum, den er zusammen mit Lucy hatte – und sie selbst… verkriecht sich einfach vor allem und jedem.
Doch dann bekommt Lucy eines Tages Post von ihrem Leben. Es will sie treffen und sich mit ihr auseinandersetzen. Das allein findet Lucy nicht ungewöhnlich, sie hat gerade erst in einer Zeitschrift von einer Frau gelesen, die ihr Leben getroffen und dadurch zu sich selbst gefunden hat, aber sie hat einfach keine Lust dazu. Doch alle Ausreden helfen nicht und ihre Familie ist von der Idee, dass Lucy ihr Leben treffen soll, vollkommen angetan, also bleibt ihr eigentlich überhaupt nichts Anderes übrig, als schließlich doch einen Termin mit ihrem Leben zu machen.
Als sie Leben das erste Mal trifft, ist sie dann auch ziemlich schockiert: er sieht ziemlich verwahrlost aus und hat Mundgeruch. Na großartig! Außerdem ist Leben schlecht gelaunt und ziemlich pampig – aber er ist auch hartnäckig und er zwingt Lucy, in ihrem Leben aufzuräumen, ein paar Wahrheiten auszusprechen und sich damit auseinanderzusetzen, was sie wirklich will. Das ist gar nicht so einfach, denn sowohl Lucy als auch Leben haben ganz bestimmte Vorstellungen davon, wie man sich verhalten sollte und mehr als einmal geraten sie in Streit. Doch es hilft alles nichts, denn die beiden verbindet nun mal etwas, und sie müssen sich zusammen ihrer Aufgabe stellen.

Wie mir das Buch gefallen hat: Den Anfang fand ich zunächst komisch. Lucy bekommt Post von ihrem Leben und soll sich mit ihm treffen. Na ja. Wie die Geschichte weitergeht, kann man sich ja denken, dachte ich – und ich habe Recht behalten. Dieser Roman lebt wahrhaftig nicht davon, dass unvorhergesehene Dinge passieren. Es gibt sicherlich ein oder zwei Wendungen, die man nicht vorhersehen kann, aber der grobe Plot ist jeder Leserin Cecelia Aherns ja von Anfang an klar. Auch die Botschaft, die vermittelt werden soll „Kümmere dich um dein Leben, mach das Beste draus“, ist jetzt nicht gerade subtil zwischen den Zeilen herauszulesen, sondern springt einem quasi ab der ersten Seite ins Gesicht.
Die Figuren: recht authentisch, sympathisch, in der üblichen Konstellation von netten und weniger netten Charakteren. Lucy Silchester war mir sehr sympathisch und leider habe ich einige meiner Macken in ihr wiedererkannt.
Trotz all dieser wenig überraschenden Bestandteile des Romans ist Cecelia Ahern aber mit „The Time of My Life“ wieder ein Roman gelungen, der mit „Thanks for the Memories“ und „Where Rainbows End“ mithalten kann. Ihre Art zu erzählen ist einfach schön und führt dazu, dass man sich auf dem Sofa zurücklehnt und diesen Roman gern von der ersten bis zur letzten Seite liest. Die Dialoge, all die Situationen – so abstrus sie zum Teil sind – die Lucy mit Leben teilt, ihre Familienprobleme und das Verhältnis zu ihren Freunden, das in der letzten Zeit gelitten hat, all das ist schön erzählt, zum Teil sehr lustig, manchmal auch nachdenklich… immer aber stimmig.
Über Cecelia Aherns Romane sagt man ja oft, dass sie etwas Magisches haben und das magische Element in diesem Roman hat mir gut gefallen. Ich denke außerdem, dass man aus diesem Roman etwas mitnehmen kann – da es ja manchmal durchaus hilfreich ist, Dinge noch einmal gesagt zu bekommen, die man eigentlich schon wusste. 😉 Ich habe also wirklich schöne Lesestunden mit „The Time of My Life“ verbracht und freue mich ehrlich gesagt jetzt schon auf den nächsten Roman dieser Autorin, der hoffentlich wieder ebenso gemütliche und unterhaltsame Lesestunden mit sich bringen wird.
Ein Buch, das seine Leser etwas nachdenklich, aber mit einem guten Gefühl zurücklassen wird.

Rachel Cohn & David Levithan: Naomi’s and Ely’s No-Kiss-List

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir bei Amazon.de gegönnt, weil ich im Juli so schön meinen SuB-Abbau vorangetrieben habe. Ich hatte es mal auf die Wunschliste gesetzt, weil ich mal ein Jugendbuch von David Levithan lesen wollte.

Zum Inhalt: Ely und Naomi sind schon immer die besten Freunde. Sie wohnen im gleichen Haus in New York City, sie sind schon als Kleinkinder befreundet gewesen, haben die schwere Zeit überstanden, in der Elys Mutter eine Affäre mit Naomis Vater hatte, haben zusammen Hausaufgaben gemacht, Musik gehört, Filme geschaut und Klamotten getauscht. Ja, genau. Sie haben Klamotten getauscht und dieselben Jungen angeschmachtet, denn Ely ist schwul. Das hat es nötig gemacht, dass Ely und Naomi eine Liste mit Typen anlegen, die auf keinen Fall von einem von ihnen geküsst werden dürfen.
Und dann küsst Ely den Freund von Naomi. Der steht zwar nicht auf der Liste, aber es hätte ja wohl selbstverständlich sein sollen, dass man die Finger vom Freund des Anderen lässt, meint Naomi. Zumindest ist es das, was sie sagt, denn das Problem ist eigentlich ein ganz anderes: Naomi ist in Ely verliebt, schon immer. Für sie ist es immer klar gewesen, dass ihre Freundschaft darin münden wird, dass sie mal heiraten, ein Haus kaufen und Kinder bekommen. Immerhin hat Ely ihr einen Heiratsantrag gemacht. Gut, da waren sie noch klein und Ely hatte keine Ahnung, dass er schwul ist, aber… Naomis Welt ist nicht mehr, was sie war, als ihr aufgeht, dass das, was sie sich von ihrem Leben vorgestellt hat, nicht passieren wird. Und zwar auf keinen Fall.
Und Ely – der hatte nun wirklich nicht geplant, sich ausgerechnet in Naomis Freund zu verlieben, der eigentlich gar nicht sein Typ ist. Aber ausgerechnet mit Bruce kann er sich eine echte Beziehung vorstellen, hier hat er das Gefühl, dass das Ganze etwas Besonderes ist. Und Bruce? Der muss sich mit der Antwort auf die Frage „Bist du schwul?“ befassen – und im Moment kann er auf diese nur eines antworten: „Jedenfalls nicht hetero.“

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich habe einen eher seichten Teenieroman erwartet und statt dessen eine Geschichte bekommen, die ganz besonders und sehr schön, gleichzeitig aber auch traurig und irgendwie tragisch ist. Die Geschichte um Naomis und Elys Freundschaft ist schön, aber sie ist auch schwierig. An einer Stelle des Romans sagt Ely: „Zu sagen, dass man befreundet ist, ist einfach. Befreundet zu sein, ist es nicht.“ – und genau das trifft es auf den Punkt. Die Autoren dieses Romans zeigen auf, dass Freundschaft nicht einfacher ist als Liebe, dass Freundschaft auch eine Beziehung ist, die sich verändert und an der man arbeiten muss. Naomi und Ely müssen dies erfahren, als sie merken, dass auch Freunde sich nicht immer alles verzeihen können und dass sie ihre Freundschaft unterschiedlich sehen.
Gleichzeitig ist es aber auch ein Roman über die Liebe. Darüber, mit Vorurteilen fertig zu werden und darüber, den richtigen Partner zu finden, der zu einem passt und für den man eventuell auch Dinge annehmen muss, die anders sind als man selbst. Da gibt es neben Naomi und Ely natürlich noch Bruce, der erschrocken feststellen muss, dass er sich in einen Jungen verliebt hat, obwohl er eigentlich dachte, dass er auf Mädchen steht. Und es gibt einen anderen Bruce, der seit Jahren unsterblich in Naomi verliebt ist, aber nicht die Aufmerksamkeit von ihr bekommt, die er sich wünscht. Dann ist da Naomis Mutter, die sich seit der Trennung von ihrem Ehemann in ihrem Bett verkriecht und ihr Leben nicht mehr im Griff hat – und es gibt noch einige Charaktere mehr.
Rachel Cohen und David Levithan haben ein paar tolle Figuren geschaffen, die in diesem Roman ganz eindeutig im Vordergrund stehen. Es geht nicht so sehr darum, was passiert, sondern darum, wie man sich selbst erkennen muss, seine Ziele setzen sollte und wie man damit klarkommt, dass das Leben und die Liebe nicht immer so sind, wie man es sich erhofft.
Ein freches, gleichzeitig aber auch sehr einfühlsames Buch.

Gregory Maguire: Wicked

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Zusammen mit Karten für das Musical von „Wicked“ habe ich dieses Buch und den „Zauberer von Oz“ von Thore zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich muss gestehen, dass mir gar nicht klar gewesen war, dass es zu „Wicked“ einen Roman gibt.

Zum Inhalt: Schon bei ihrer Geburt ist Elphaba anders. Ihre Haut ist ganz und gar grün und das kleine Mädchen verträgt kein Wasser. Von der Mutter nicht recht angenommen, da diese mit der Fremdartigkeit des eigenen Kindes überfordert ist, wächst Elphaba zu einer jungen Frau heran, die Hohn und Spott gewöhnt ist, und die eigentlich keine Freunde findet. Dies ändert sich auch an der Universität zunächst nicht, wo die fleißige und gewissenhafte Elphaba ausgerechnet mit der verzogenen und oberflächlichen Galinda ein Zimmer teilen muss. Beide sind davon nicht gerade begeistert und anfangs lässt Galinda auch keine Gelegenheit aus, sich auf die Kosten des merkwürdigen Mädchens mit der grünen Haut zu amüsieren.
Doch durch ihr Verhalten gewinnt Elphaba langsam aber sicher an Respekt, zum Beispiel, weil sie sich für die Rechte der TIERE einsetzt, denen der Zauberer von Oz immer mehr verbietet. Konnten sie bislang sprechen und ihr Leben so gestalten, wie es ihnen gefiel, so sollen sie nun wie einfache Tiere ein stummes und gedankenloses Dasein fristen. Als Elphaba dies von Dr. Dillamond, einem an der Universität lehrenden ZIEGENBOCK erfährt, ist sie fassungslos – denn eine solche Einschränkung kann Elphaba mit ihrem Gerechtigkeitssinn nicht vereinbaren (vielleicht auch, weil sie weiß, was es bedeutet, ausgegrenzt zu werden und sich Anerkennung erkämpfen zu müssen) und ihr Eifer reißt auch viele andere mit, zum Beispiel Fiyero, der eigentlich – so findet Elphaba – gar nicht zu ihr passt. Sie ist eine Ausgestoßene, lebt in Angst vor dem Zauberer und seinen Männern und sie sieht sich als jemanden, für den es ein sogenanntes normales Leben nicht geben kann. Inzwischen nennt sie sich die „Böse Hexe des Westens“, nicht ganz frei von Ironie, denn Elphaba ist sich der Tatsache bewusst, dass sie zu einem Feindbild gemacht wird, weil der Zauberer einfach um seine Macht fürchtet. Dies ist auch der Grund, warum sie Fiyero keinen größeren Platz in ihrem Leben einzuräumen wagt – Elphaba weiß, dass er auch in die Schusslinie geraten könnte, wenn der Zauberer gegen sie vorgehen will.
Und Elphabas Angst vor dem Zauberer ist berechtigt, denn dieser hasst sie und wünscht sich ihren Tod so sehr, dass er ihr sogar ein altkluges kleines Mädchen und seine merkwürdigen Freunde auf den Hals hetzt, um sie aus dem Weg zu räumen…

Wie mir das Buch gefallen hat: Zuerst mal muss man sagen, dass das Buch schon anders ist als das Musical. Natürlich ist die Handlung dort sehr reduziert und zum Teil verändert, sodass jeder, der das Musical zuerst gesehen hat und hier quasi dasselbe nur gedruckt erwartet, enttäuscht sein dürfte. Bei mir war es umgekehrt, ich habe zuerst das Buch gelesen, und ich war gespannt, wie man diesen doch vielschichtigen Roman auf die Bühne bringen würde.
Elphaba ist zunächst mal keine arme, verkannte Heldin. Sie ist keine Figur, die dem Leser gleich ans Herz wächst, mit der man Mitleid hat oder was auch immer. Sie hat Ecken und Kanten und nicht alle ihre Charakterzüge sind mir sympathisch gewesen, nicht immer konnte ich ihr Verhalten verstehen. Maguire lässt Elphaba oft sehr verstandesbetont handeln, was zu ihr passt, weil sie schon früh enttäuscht wurde, wenn sie Gefühle investiert hat, aber was dazu führt, dass sie mir manchmal etwas zu distanziert vorkam. Je weiter man im Roman kommt, desto mehr lernt man diese Figur aber kennen und man versteht, warum sie manchmal nicht aus ihrer Haut kann und warum sie manche Dinge so tut, wie sie es eben tut. Sie wird sogar zu einer Figur, die ich manchmal für ihr Handeln bewundert habe.
Maguire hat sehr genau mit dem Roman von Frank L. Baum gearbeitet, ich denke, viele Anspielungen werden einem nur dann klar, wenn man mit dem „Zauberer von Oz“ wirklich vertraut ist. Das hat mir sehr gut gefallen und ich fand es beeindruckend, wie Ereignisse und Figuren hier in „Wicked“ neu gedeutet wurden. Sehr interessant ist ja schließlich auch, dass der Löwe, der Dorothy begleitet, sprechen kann…
Mir hat „Wicked“ sehr gut gefallen, es ist ein Buch, das ich sicher noch einmal lesen werde, weil es nicht nur eine Geschichte erzählt, die mal fröhlich, mal nachdenklich und mal traurig stimmt, sondern weil mir auch Maguires Art des Erzählens sehr gut gefallen hat (so weit man das bei einer Übersetzung sagen kann. Dann hat mir eben die Übersetzung gefallen!). Ein Buch, das mehr Beachtung verdient, als es meiner Einschätzung nach bekommt.

Ian McEwan: Liebeswahn

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von meiner Oma zu meinem 30. Geburtstag bekommen. „Ich hätte nicht gedacht, dass du so was liest“, sagte sie dazu. Der Klappentext hatte ihr offenbar schon gereicht.

Zum Inhalt: Eigentlich wollen Joe und seine Frau Clarissa nur ihr Wiedersehen feiern. Sie sind bei einem Picknick, wollen Wein trinken, sich unbeschwert unterhalten. Doch dann werden sie Zeugen eines Unglücks mit einem Heißluftballon – sie eilen an die Unfallstelle, um zu helfen, genau wie einige andere Männer auch, aber es folgt keine hollywoodreife Rettungsaktion – im Gegenteil: der Ballon steigt plötzlich, weil die Helfer unvermittelt loslassen, wieder auf – mit einem Mann, der nur helfen wollte, aber nun an einem der Seile des Ballons hängt und versucht, sich festzuhalten. Dies geht natürlich nur kurze Zeit gut: John Logan muss irgendwann loslassen und er stürzt ab; ein Unfall, den er nicht überlebt.
Dieses schreckliche Ereignis bringt die Männer, die dies miterlebt haben, für einen kurzen Moment näher zusammen. Gemeinsam fühlen sie sich irgendwie schuldig an dem, was Logan geschehen ist. Hätten sie nicht losgelassen, würde Logan noch leben. Doch einer der Männer meint, in diesem Moment noch etwas ganz Anderes zu erkennen, nämlich, dass Joe ihn liebt.
Jed Parry, ein religiöser Fanatiker, hat es nun auf Joe abgesehen. Er hat sich in Joe verliebt, möchte mit ihm zusammen sein. Das allein wäre vielleicht nicht ungewöhnlich, aber Parry ist der festen Überzeugung, dass Joe durch ihn und ihre gemeinsame Liebe zu Gott finden wird, und Parry ist sich sicher, dass Joe ihn ebenso unsterblich liebt. Wenn Joe das doch nur endlich zugeben würde! Parry zumindest setzt alles daran, Joe dieses Eingeständnis zu entlocken. Er schreibt ihm Briefe, er ruft ständig an, er lauert vor Joes Haus auf ihn.
Das eine Problem, das Joe nun hat, ist, dass niemand ihm glauben will, dass Parry ihn belästigt. Nicht einmal Clarissa kann sich wirklich in seine Lage versetzen. Das andere Problem ist, dass Parry langsam aber sicher immer wütender darüber wird, dass Joe nicht zu ihrer Liebe stehen will, sondern diese immer verleugnet. Das kann Parry weder ertragen noch auf sich sitzen lassen, und Joes einst so ruhiges Leben wird nun von einer uneinschätzbaren Gefahr bedroht – eine Situation, die unweigerlich zu einer Eskalation führen muss.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Liebeswahn“ ist ein sehr interessantes, spannendes Buch, auch wenn ich von McEwan schon bessere Bücher gelesen habe, die mich mehr aufgerüttelt haben, die noch eigener, zum Teil verstörender waren.
Joe, Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, ist sympathisch, auch wenn ich zwischendurch immer wieder an ihm und an seinem Verstand gezweifelt habe. McEwan nutzt wie so oft einen Erzähler, dem man nicht alles glauben kann, aus: so gibt es zum Beispiel ein Kapitel, in dem Joe erzählt, wie Clarissa seiner Meinung nach eine bestimmte Situation beurteilt hat, was er natürlich gar nicht so genau wissen kann, auch wenn er sie ja gut kennt. Aber gerade diese Zweifel machen das Lesen sehr interessant.
Die Handlung ist spannend, Parrys Verhalten zum Teil sehr unheimlich, besonders einige Briefe, die er an Joe schreibt, waren spannend zu lesen und haben die Glaubwürdigkeit des Ich-Erzählers manches Mal untermauert. Dieses Mittel hat mir ganz gut gefallen.
Etwas langatmig waren manchmal McEwans Abschweifungen in die Naturwissenschaften, bei denen es hauptsächlich um das Thema „kleine Ursache, große Wirkung“ ging oder um Verhalten, was ja auch durchaus zu dem Roman passt, manchmal aber doch etwas sehr lange Lücken in die Handlung gerissen hat. Wenn man unbedingt wissen will, wie es weitergeht, machen einen solche Passagen doch eher nervös.
Unbedingt lohnenswert ist der Anhang des Romans, den man auf keinen Fall einfach überblättern sollte. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber man sollte ihn der Vollständigkeit halber lesen, zumal er auch mit dem Ende des Romans zu tun hat, auch wenn es zunächst nicht so scheint.

Kerstin Gier: Die Braut sagt leider nein

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich habe dieses Buch bekommen, weil ich mir den Doppelband „Die Laufmasche / Die Braut sagt leider nein“ von meinem Thalia-Gutschein gekauft habe, den wir zur Hochzeit bekommen haben. Da ich gern Romane von Kerstin Gier lese, habe ich mich auf dieses Buch gefreut, denn es versprach ganz gute Unterhaltung für den Sommer.

Zum Inhalt: Alex muss einfach der Richtige sein, da ist Elisabeth sich vollkommen sicher. Die beiden leben zusammen und sie verstehen sich einfach immer gut. Sie sind total auf derselben Wellenlänge, haben gemeinsame Interessen und einen gemeinsamen Traum, nämlich ein wunderschönes Haus. Elisabeth hat sogar das passende Grundstück dazu – und Alex den passenden Beruf, er ist nämlich Architekt. Ewig haben sie an ihrem Traumhaus herumgetüftelt – und nun ist es so weit: der Traum von einem Haus soll gebaut werden, und Alex und Elisabeth werden heiraten.
Das klingt ja erst einmal wirklich sehr gut, aber Alex ist nicht gerade mit einer harmonischen, unkomplizierten Familie gesegnet, was immer wieder für unschöne Überraschungen sorgt. Bei der Hochzeitsplanung mischt sich Elisabeths zukünftige Schwiegermutter jedenfalls ordentlich ein und das Ganze läuft mehr und mehr unter dem Motto: je teurer, desto besser.
Elisabeth hat aber eigentlich wirklich andere Sorgen, denn der Hausbau beginnt und da Alex ständig länger arbeiten muss und eigentlich nie Zeit hat, die Baustelle zu besuchen oder gar zu kontrollieren, schickt er seine zukünftige Frau mit jeder Menge Aufgaben ständig hinaus zu dem Grundstück. Elisabeth muss sich durch Vorschriften kämpfen und macht erste unangenehme Erfahrungen mit den neuen Nachbarn, während Alex von alledem nichts ahnt.
Als ein alter Kumpel von Alex auftaucht und sich ziemlich verwundert darüber äußert, dass Elisabeth eigentlich gar nicht Alex’ Typ Frau entspreche und er sich die Beziehung der beiden nur mit Elisabeths Grundstück erklären könnte, ist Elisabeth erst einmal nur genervt und findet diesen Freund ziemlich unsympathisch. Aber dann kommen immer mehr Zweifel an Alex’ Ehrlichkeit und an seiner Treue auf, und Elisabeth schmiedet einen Plan, um es ihm wirklich richtig heimzuzahlen…

Wie mir das Buch gefallen hat: Der Titel des Romans macht ihn leider schon von der ersten Seite an sehr vorhersagbar, sodass man beim Lesen schon jede Geste von Alex auf seine Untreue oder Ähnliches hin deutet. Man kann ihn nicht sympathisch finden, weil man ja schon weiß, dass irgendwas mit ihm nicht stimmen kann – wo käme denn sonst der Romantitel her? Deswegen finde ich diesen, obwohl er schon ganz lustig klingt, eigentlich nicht so gut gewählt.
Die Handlung ist – wie man das von dieser Autorin kennt – lustig und sehr unterhaltsam erzählt. Kerstin Gier hat einfach Humor, und den trifft man oftmals in diesem Roman an, was mir sehr gut gefallen hat. Die Figuren sind nicht besonders überraschend – weder Elisabeth, noch ihre beste Freundin, noch Alex bieten irgendwelche unvorhersehbaren oder besonderen Charakterzüge, was gerade bei Alex ein bisschen schade ist, da er so einfach der typische böse, fremdgehende Mann ist. Ein paar gute Eigenschaften hätten ihm nicht geschadet – aber vielleicht erscheint er mir auch nur im Gesamtbild so negativ.
Der Roman kann nicht mit der Mütter-Mafia-Reihe oder anderen tollen Romanen von Kerstin Gier mithalten, finde ich, dennoch ist er nett zu lesen, unterhaltsam und wunderbar zum Abschalten geeignet – und damit hat er ja seinen Zweck erfüllt.

Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Diesen Roman habe ich mir mal für ein Seminar an der Uni gekauft, das dann zwar nie stattgefunden hat, aber von dem ich trotzdem überzeugt bin, dass es gut geworden wäre. Seitdem habe ich das Buch mehrfach gelesen.

Zum Inhalt: Der Ich-Erzähler durchlebt, was wohl jeder kennt: Liebeskummer und Trennungsschmerz. Katharina, seine „große Liebe“, will ihn nicht mehr. Damit muss der zynische Musikredakteur erstmal fertig werden. Und das ist gar nicht so leicht. Weder das Versinken in Selbstmitleid, noch Ablenkungsversuche mit anderen Frauen funktionieren. Katharina bleibt unvergessen. Doch alles Jammern hilft nichts – sie will ihn nicht zurück. Wie das erste Jahr ohne Katharina vergeht, darf man als Leser miterleben. Und nebenbei erfährt man viel Zynisches über das Leben, seine Mitmenschen und vor allem über Musik.

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich finde das Buch jedes Mal wieder gut. Es ist bitterböse und gemein, aber oft ist es auch einfach nur lustig. Definitiv lesenswert.