Michel de Montaigne – How We Weep and Laugh at the Same Thing

Jetzt habe ich schon drei Penguins vorgestellt und man sieht schon, wie unterschiedlich die Genres sind, die man bei Penguin für die Black Classics ausgewählt hat. Der vierte Band aus der Reihe war Michel de Montaignes „How We Weep and … Weiterlesen

345 Tage buchkauffrei – Ein Roman, der berührt (Buch 41)

„Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf habe ich in Leipzig entdeckt, und ich wusste sofort, dass ich es haben musste. Ein Romanfragment. Das Buch, das Wolfgang Herrndorf selbst nicht mehr beenden durfte. Der Roman, für den er sich wünschte, … Weiterlesen

345 Tage buchkauffrei – Schön, schöner, Lucy Maud Montgomery! (Buch 16)

Lucy Maud Montgomery ist eine Heldin meiner Kindheit. Ich habe ihre „Anne“-Romane geliebt und etliche Male gelesen. Den Heiratsantrag von Gilbert Blythe an Anne Shirley konnten meine beste Freundin und ich nahezu auswendig. Ich habe mich dieses Jahr mit zwei … Weiterlesen

Stephen Grosz: The Examined Life – How We Lose and Find Ourselves

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: „Kennst du das?“, fragte mich eine Freundin, als sie gerade die deutsche Fassung („Die Frau, die nicht lieben wollte“) las. Ich kannte es nicht, und in der nächsten Klausuraufsicht kaufte ich mir das E-Book … Weiterlesen

Wendy Mass: Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst

noch62Wie ich zu dem Buch gekommen bin: „Kennen Sie das?“, fragte mich vor ein paar Wochen eine dreizehnjährige Leserin. Ich musste verneinen, und das, obwohl ich dieses Buch allein schon wegen des Titels schon zig mal in der Hand gehabt hatte. Sie lieh es mir aus und nun kann ich es endlich zurückgeben.

Zum Inhalt: Jeremy Fink ist vielleicht ein bisschen anders als andere Zwölfjährige. Er beschäftigt sich mit Zeitreisen, er sammelt Fehlproduktionen von Süßigkeiten und er isst eigentlich nicht viel Anderes als Erdnussbuttersandwiches, denn die meisten Lebensmittel schmecken ihm einfach nicht. Jeremy traut sich nicht, ohne einen Erwachsenen U-Bahn zu fahren, und am liebsten bleibt er eigentlich zu Hause, trifft sich nur mit seiner besten Freundin Lizzy, die er schon immer kennt und die zum Glück eigentlich gar nicht wie ein Mädchen ist.
Lizzy zumindest ist mutig und frech, und mit ihr zusammen gerät Jeremy schon mal in Schwierigkeiten. Doch andererseits ist auf sie immer Verlass und Lizzy steht Jeremy immer zur Seite – so auch an dem Tag, an dem das geheimnisvolle Päckchen ankommt, in dem sich eine Kassette befindet, die mit vier Schlössern gesichert ist und auf der steht, dass sie für Jeremy zu seinem dreizehnten Geburtstag ist. Das allein wäre spannend genug, denn die Schlüssel fehlen und in der Kassette soll angeblich der Sinn des Lebens enthalten sein, aber was noch viel aufregender ist, ist die Tatsache, dass Jeremys Vater diese Kassette für seinen Sohn gestaltet und auch gepackt hat. Und Jeremys Vater ist seit fünf Jahren tot.
Natürlich will Jeremy unbedingt wissen, was sich in dieser Kassette befindet und vor allem hofft er, darin einen Brief seines Vaters zu finden, den er schrecklich vermisst. Aber ohne die Schlüssel wird es vollkommen unmöglich sein, an den Inhalt zu kommen, das steht fest. Es bleibt Jeremy nichts Anderes übrig, als all seinen Mut zusammenzunehmen und sich mit Lizzy auf die Suche nach den vier Schlüsseln zu machen, die das Geheimnis dann pünktlich zu seinem dreizehnten Geburtstag lüften werden.

Wie mir das Buch gefallen hat: Wieder mal so ein Buch, dessen Inhalt man eigentlich von Anfang an ahnt. Ganz ehrlich, wenn man einmal weiß, worum es geht, ist es nicht mehr schwierig, die Geschichte zumindest grob vorauszuahnen und da gibt es auch wirklich keinerlei große Überraschungen. All diese „Vermächtnis“-Romane, die seit „PS I Love You“ den Markt überschwemmen, haben ja ihre Botschaft schon in die Welt gestreut und „Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst“ macht da keine Ausnahme.
Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen. Jeremy ist zwar schon recht spleenig, aber wir haben schon extremere Ich-Erzähler erlebt und es hält sich in Grenzen bei ihm; seine Entwicklung ist glaubwürdig und er war mir beim Lesen sehr sympathisch, genau wie Lizzy, die natürlich den Gegenpol zu ihm bildet.
Die Schlüsselsuche ist natürlich voller Botschaften über das Leben und wie man es gestalten sollte. Das ist an manchen Stellen arg plakativ, aber irgendwie einfach amerikanisch dabei. Es sind ein paar sehr schöne Details dabei, und die entschädigen für manch andere Szene dann auch. Außerdem, und das ist nach meiner Auffassung auch ein großes Plus, gibt es viele Szenen, die wirklich lustig sind und die tatsächlich zum Teil auch mit Redewendungen und so weiter funktionieren – an der Stelle ziehe ich meinen Hut vor der Übersetzerin, denn gerade das ist bei Jeremys Nachfragen zu bestimmten Wörtern, die in einem Kontext fallen, sicherlich nicht einfach. Hier wirkt das aber ganz natürlich und ist wirklich mal stimmig.
Das Ende ist – wie zu erwarten – recht sentimental; ich fand es aber trotzdem sehr gut. Gerade wenn man die eigentliche Leserschaft des Romans im Blick hat, ist das wirklich gut durchdacht.
„Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst“ wird mir als schönes Jugendbuch in Erinnerung bleiben, auch wenn einem die Geschichte doch irgendwie bekannt vorkommt und diese „Carpe Diem“-Romane auch mal einen etwas anderen Twist vertragen könnten.

Ruediger Schache: Spätestens in Sweetwater

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zugeschickt bekommen und das Cover finde ich irgendwie sehr schön. Trotzdem gebe ich zu, dass ich etwas skeptisch war, weil ich fürchtete, hier einem Abklatsch der Mitch-Albom-Romane zu begegnen, und das wollte ich ungern, weil solche Themen auch echt nach hinten losgehen können.

Zum Inhalt: Ausgerechnet Caleb Brooks soll eine Reportage über den Valentinstag schreiben. Der Journalist, der sich eigentlich mit wissenschaftlichen Themen beschäftigt, kann dem Hype um diesen Tag nichts abgewinnen, zumal der 14. Februar auch noch der Todestag seiner Frau Abigail ist, um die er auch nach vielen Jahren noch trauert. Unmotiviert macht Caleb sich an die Arbeit und versucht, mit Hilfe von Google zu ein paar Ideen zu kommen. Als er in dem Zusammenhang schließlich seinen Namen und den seiner verstorbenen Frau in die Suchanfrage mit aufnimmt, kommt er zu einem Link zu der Legende von Sweetwater. Sweetwater, das muss ein kleiner Ort in Oklahoma sein, das bekommt Caleb heraus, aber was es mit dieser Legende um Sweetwater auf sich hat, ist nicht zu ergründen, denn der Link verweist auf eine bereits gelöschte Seite. Und nur dann, wenn er „caleb“ und „abigail“ in die Suchanfrage aufnimmt, stößt er auf diesen Link.
Calebs Neugier ist geweckt und er beschließt, Sweetwater aufzusuchen. Es scheint ihm plötzlich das wichtigste zu sein, dass er herausfindet, was es mit diesem Ort auf sich hat. Und dies ist wirklich nicht ganz einfach zu ergründen, denn erstens ist es schon nicht ganz leicht, Sweetwater zu finden, zweitens machen auch die Einwohner dieses kleinen und verschlafenen Ortes ein ziemliches Geheimnis um dessen Besonderheit. Aber dass da etwas ist, das spürt Caleb auch so. Nicht nur, weil er sich mit Haut und Haaren in die Buchhändlerin Carol Ryder verliebt, bei der er sich fühlt, als würde er sie schon seit Jahren kennen, auch weil Sweetwater ein in sich geschlossenes System, eine eigene kleine Welt zu sein scheint, die sich von dem abgrenzt, was im hochmodernen Amerika sonst so los ist. Das Geheimnis von Sweetwater, das spürt Caleb, wird sich ihm erst mit der Zeit ganz offenbaren. Doch er ist nicht der einzige, der versucht, dem Mysterium um diesen Ort auf die Schliche zu kommen.

Wie mir das Buch gefallen hat: Nicht beim Lesen selbst, aber im Gespräch über dieses Buch hat mich die Geschichte ein wenig an Mitch Alboms „For one more day“ erinnert. Das bedeutet jetzt ganz und gar nicht, dass die Auflösungen gleich sind (sind sie nicht!), aber das Gefühl, das man beim Lesen hat, ist schon ziemlich ähnlich. Sweetwater und seine Einwohner geben den Lesern ein heimeliges Gefühl, ein bisschen Geborgenheit und sicherlich auch den ein oder anderen Denkanstoß.
Die Figuren sind jetzt nicht besonders überraschend. Caleb Brooks ist zwar ein sympathischer Protagonist, den ich gern auf seinen Streifzügen durch Sweetwater begleitet habe, aber er ist nicht besonders originell oder herausstechend. Das würde allerdings zu diesem Buch auch gar nicht passen, das in sich einfach stimmig ist – Atmosphäre, Handlung, Figuren, es passt einfach alles irgendwie ganz gut zusammen.
Ob und wie weit man das, was der Autor seinen Lesern deutlich machen will, annimmt und glauben will oder kann, ist natürlich jedem selbst überlassen. Ich denke aber, dass man aus dieser Geschichte in jedem Fall etwas mitnehmen kann und das hat mir sehr gut gefallen. Ich jedenfalls war gern in Sweetwater zu Gast und denke, es schadet ganz und gar nicht, wenn man die Welt mal für einige Zeit mit den Augen von Caleb Brooks zu sehen bekommt.
Ein schönes Buch, das Trost spenden kann, wenn man denkt, das Leben meint es nicht gut mit einem.