345 Tage buchkauffrei – Und du dachtest, es wäre Liebe (Buch 35)

Dieses Buch war auf der Buchmesse in diesem Jahr echt eine Zufallsentdeckung. Eigentlich spricht mich der Titel „Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde“ von Victoria Schwartz gar nicht an, auch das Cover finde ich nicht unbedingt toll, und neugierig machte … Weiterlesen

Annette Weber: Im Chat war er noch so süß

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich unterrichte in diesem Jahr eine Klasse mit Schülerinnen, die Deutsch lernen. Mit diesen Mädchen wollte ich ein Buch lesen, das sie auch verstehen. Somit machte ich meine Bekanntschaft mit diesem „Buch“. Zum Inhalt: Sarah … Weiterlesen

Zoe Beck: Edvard. Mein Leben, meine Geheimnisse

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch war im Buchpaket der Stiftung Lesen für meine Lese-AG bekommen. Auf der Leipziger Buchmesse hätte ich mir dieses Buch schon fast gekauft, darum habe ich mich umso mehr gefreut.

Zum Inhalt: Das Leben ist echt nicht leicht, wenn man vierzehn Jahre alt ist und nicht zu den coolsten Schülern seiner Klasse gehört. Edvard kann davon ein Lied singen. Er ist plötzlich ein ganz schönes Stück gewachsen, aber der Stimmbruch will einfach nicht kommen, auf der Brust wachsen keine Haare, und Constanze, in die er verliebt ist, schaut ihn gar nicht richtig an. Die interessiert sich nur für den bescheuerten Henk, und der hat es ganz schön auf Edvard abgesehen – bei jeder Gelegenheit stellt er Edvard bloß. Echt ätzend.
Bei Facebook erstellt Edvard sich einen zweiten Account, in dem er der coole Amerikaner Jason sein kann. Auf den steht Constanze irgendwie und Edvard muss sich immer mehr bemühen, das Fake-Profil glaubwürdig zu gestalten. Er erfindet Jason eine ganze Familie hinzu und geht immer mehr in Jasons Leben auf. Aber irgendwie gerät die Geschichte im Internet plötzlich ein wenig außer Kontrolle…
Und dann ist da noch dieser merkwürdige Nachbar von Edvards Familie, den Edvard erst gar nicht mag, mit dem er aber dann ganz plötzlich mehr zu tun bekommt und bei dem er feststellen muss, dass er ganz anders ist, als er immer dachte.
In jedem Fall ist und bleibt Edvards Leben spannend. Und kompliziert. Denn vierzehn sein ist echt nicht so einfach…

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich habe „Edvard“ gestern Abend gelesen und wurde sehr gut unterhalten. Ich habe viel gelacht und wollte wissen, wie seine Geschichte ausgeht. Dieser Jugendroman ist nicht platt oder langweilig, er ist irgendwie ganz erfrischend zu lesen und einfach lustig. Gerade diese Facebookgeschichte um Jason hat mich wirklich zum Lachen gebracht – ich will nicht zu viel verraten, aber es kommt dabei zu so vielen unerwarteten Wendungen, dass man beim Lesen gar nicht anders kann als sich zu fragen, wie es mit diesem Handlungsstrang weitergeht.
Jugendbücher vom Erwachsenwerden gibt es viele, auch mit männlichen Protagonisten, die ähnliche Probleme haben wie Edvard. Was ihn besonders macht, ist Zoe Becks Sprache. Ohne dass man das Gefühl hätte, die Autorin würde gezwungenermaßen versuchen, Jugendsprache nachzuahmen und vermeintlich jugendliche Sprüche zu verwenden, hat Beck einfach einen Sprachstil getroffen, der locker und lustig ist, ohne dass er gewollt wirkt. Das muss man bei einem solchen Buch erstmal schaffen.
Auch Edvards Eltern sind übrigens die Lektüre wert; nicht nur, weil sie so gern so viel mehr „öko“ wären, als sie in Wirklichkeit sind, sondern auch, weil gerade Edvards Mutter in dem Moment, in dem sie sich an ihre Jugend erinnert, ganz extreme Verhaltensweisen an den Tag legt, für die Edvard sich natürlich schämt, die einen als Leser aber sehr erfreuen…
Mit 190, die auch nicht immer vollständig bedruckt sind, ein kurzes Lesevergnügen, dennoch einfach absolut empfehlenswerte Jugendbuchlektüre!

Andreas Schlüter: Reality Game

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich auf einer Fortbildung zum Thema Jugendbücher bekommen. Da ich weiß, dass die Bücher aus der Level-4-Reihe recht beliebt sind, habe ich es gerne mitgenommen.

Zum Inhalt: Frank hat es tatsächlich geschafft. Er ist beim dem „Reality Game“ angenommen worden, einer interaktiven Spielshow, die in den Medien viel Aufmerksamkeit erregt hat. In einer ihnen unbekannten Stadt müssen die Teilnehmer einzeln und gegen die Zeit Aufgaben lösen und eine große Schnitzeljagd absolvieren – ohne dass sie von den „Trappern“ der gegnerischen Teams gefunden und gefangen werden. Und das ist eigentlich gar nicht so einfach, denn die Position der einzelnen Spieler ist Dank Internet und Webcams jederzeit im Internet nachzuvollziehen. Man muss also sehr vorsichtig sein – und sportlich, denn so manches Mal bleibt Frank gar nichts Anderes übrig, als zu rennen, so schnell er nur kann. Das Spiel macht ihm und seinen Freunden, die alles von zu Hause verfolgen und ihm als „Supporter“ beim Lösen der Rätsel helfen dürfen, zuerst auch sehr großen Spaß – doch dann wird deutlich, dass mit der ganzen Geschichte etwas nicht zu stimmen scheint. Frank hat plötzlich Aussetzer, in denen er kurz vor einem Zusammenbruch steht – und dann wieder ist er körperlich so fit, dass ihn nichts und niemand stoppen und aufhalten kann. Irgenwas stimmt da nicht! Aber was das ist, das ist kaum vorstellbar, denn ein großer Konzern hat seine Hände und eine ganz neue Technologie ins Spiel gebracht…

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich kann mir schon vorstellen, was Kinder an diesen Büchern gut finden. Die Geschichte ist gut aufgebaut, und Frank und seine Freunde sind sehr gute Identifikationsfiguren. Jeder junge Leser und jede junge Leserin wird sich in einer der Figuren wiederfinden können. Dass es um Computer, das Internet und Handys und so weiter geht, erhöht den Unterhaltungswert sicher noch und das „Reality Game“ hätte so, wie Schlüter es in seinem Roman anlegt, sicher auch sehr viele sehr begeisterte Zuschauer.
Das Rätsel um das, was mit Frank los ist, habe ich erst in diesem Jahr im Roman „BZRK“ von Michael Grant verfolgt – aber „Reality Game“ erschien erstmals 2003, sodass Schlüters Idee wirklich beachtlich ist und man auch sagen muss, dass er das Thema sehr gut für Jugendliche und Kinder aufbereitet – durchaus auch so, dass man über das Thema gut nachdenken und sprechen kann.
Mir persönlich hat das Buch mittelgut gefallen. Die Protagonisten waren mir zu wenig individuell und die Geschichte hat mir oft etwas zu schnelle Sprünge gemacht. Gerade die Hintergründe des Spiels, die Beweggründe des Konzerns und des Fernsehsenders – all das hätte meiner Meinung nach noch etwas verstärkt werden können, sodass hier das Thema Medien, Berichterstattung und Manipulation von Zuschauern und Fernsehbildern, noch deutlicher in den Vordergrund getreten wäre. Das ist sicherlich erstens auch für die Zielgruppe interessant und zweitens zielt der Roman ja auch nicht nur auf Unterhaltung ab, sondern will durchaus auch kritisieren. Das etwas stärker zu machen, hätte dem Buch wirklich nicht geschadet.

Kerstin Gier: Lügen, die von Herzen kommen

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir Weihnachten 2010 von einem unerwarteten Geldgeschenk, das ich in Bücher umgesetzt habe, bei Amazon gekauft. Bücher von Kerstin Gier eignen sich schließlich hervorragend dazu, mal abzuschalten.

Zum Inhalt: Als Johanna den Auftrag bekommt, einen Artikel zum Thema „Liebe im Internet“ zu schreiben, denkt sie sich nicht viel dabei. Sie loggt sich abends in einen Chatroom ein und beginnt ihre Recherche – mit der Konsequenz, dass sie dort tatsächlich jemanden kennen lernt. Boris ist witzig, nett – und offenbar der ideale Partner, denn bei einem Partnerschaftstest, den Johanna ihn ausfüllen lässt, erreichen die beiden eine Übereinstimmung von 99%. Der perfekte Partner also – und Boris wohnt auch noch in derselben Stadt wie Johanna und möchte sie gern treffen… Es gibt nur ein Problem. Johanna ist nämlich nicht blond, blauäugig und gertenschlank. Mit ihrem Nickname „fairy“ hat sie rein optisch nicht wirklich viel gemeinsam. Was wird Boris sagen? So kann sie ihn nicht treffen! Eine Diät muss her. Und zwar schnell.
Aber die Sache mit Boris ist nicht das Einzige, das Johanna am Herzen liegt. Wirklich zu schaffen macht ihr ihre Familie – ihre Hippiemutter Irmgard, die von allen nur mit ihrem spirituellen Namen „Keilash“ angesprochen werden möchte, ihr kleiner Bruder Phillip, der im Moment statt fürs Abi zu lernen mit einer etwas gruseligen Freundin zusammen ist, und ihre Schwester Toni, die mit ihren drei Kindern hoffnungslos überfordert ist. Und dann ist da noch der Stress in der Zeitungsredaktion wegen des neuen Chefs. Der sieht zwar ganz gut aus, ist aber – finden zumindest Johannas Kolleginnen – echt ein Kotzbrocken. Nur Johanna selbst kann das irgendwie gar nicht finden…

Wie mir das Buch gefallen hat: Die Idee für den Roman finde ich an sich nicht schlecht und die Umsetzung ist, wie man das von Frau Gier auch kennt, ziemlich lustig geworden. Johannas Kommentare in verschiedenen Situationen sind einfach sehr komisch und die Ironie in manchen Bemerkungen gefiel mir ganz besonders gut.
Dennoch gibt es meiner Meinung nach wirklich bessere Bücher von Kerstin Gier. Die Geschichte ist schon ziemlich vorhersehbar, die Figuren zum Teil für meinen Geschmack überzeichnet und die Tatsache, dass Johanna erst zufrieden mit sich und ihrem Gewicht ist, dann eine Diät macht und am Ende auch als Moppelchen glücklich ist, ist zwar in der Umsetzung hier witzig, aber auch irgendwie nichts Neues und ein bisschen viel Klischee.
Die Kritik klingt jetzt härter, als sie eigentlich ist, denn insgesamt hat mich „Lügen, die von Herzen kommen“ doch wirklich gut unterhalten, und genau dafür hatte ich mir das Buch ja auch gekauft. Deswegen: Erwartungen erfüllt, wenn dieser Roman für mich auch nicht der beste von Kerstin Gier ist.