345 Tage buchkauffrei – Du willst es nicht, aber es lässt dich nicht los (Buch 49)

Dass „Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk keine leichte Kost werden würde, war mir ja von Anfang an klar. Das Thema – Frauenmörder Fritz Honka – ist ja nun schon bedrückend, und von einer Lesung Strunks auf der Leipziger Buchmesse … Weiterlesen

Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein

noch119Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich bin ein echter Fan von Wiebke Lorenz – sie kann toll schreiben. Deswegen habe ich mir ihr neues Buch zum Erscheinungsdatum vorbestellt – und der Rest ist die Geschichte eines überforderten Bücherwurms und eines hohen Stapels ungelesener Bücher…

Zum Inhalt: Das darf alles einfach nicht wahr sein. Darf nicht, darf nicht. Und doch – Marie sitzt in der Forensik in einer Hamburger Klinik, sitzt hier und wird therapiert, obwohl sie keine echte Chance auf Heilung hat. Denn Marie leidet unter Zwangsgedanken, Gedanken, die unvorstellbar grausam sind und die ihr unwahrscheinlich viel Angst machen. Sie denkt ans Töten, an unvorstellbar grausame Mordszenarien, an Blut und Gewalt und all das – und immer gegen die, die sie am meisten liebt. Aber natürlich kommt man nicht allein fürs Denken in diese Abteilung der Klinik. Marie hat jemanden umgebracht. Nein, nicht irgendjemanden, sondern ihren Freund Patrick. Im Schlaf hat sie ihn auf unvorstellbar grausame Weise umgebracht, und sie kann sich nicht einmal daran erinnern. Gar nicht.
Doch das Urteil ist gefällt und nun ist Marie in der Klinik und muss sich in der Therapie allem stellen: ihrer Vergangenheit, in der sie Traumatisches erlebt hat, dem Beginn ihrer Zwangserkrankung und ihrer Beziehung mit dem erfolgreichen Autor Patrick Gerlach, die auf so grausame Weise endete – und das, obwohl Marie Patrick wirklich geliebt hat und sie ihre Gedanken eigentlich unter Kontrolle hatte. Denn Denken ist nicht Tun, das sagt Marie sich doch immer wieder! Und im Gespräch mit ihrem Arzt Dr. Falkenbach kommen nicht nur ihr selbst immer mehr Zweifel daran, ob sie Patrick wirklich getötet hat. Was ist in der Nacht geschehen? Und wird Maries Erinnerung irgendwann wiederkommen und ihr sagen, ob sie das Unvorstellbare getan hat oder was sonst passiert sein könnte?

Wie mir das Buch gefallen hat: Das Thema des Romans ist superspannend und wird von Wiebke Lorenz toll umgesetzt. Netterweise findet man im Nachwort auch noch einige Literaturhinweise zum Weiterlesen über diese Zwangsstörungen, die – wie in Maries Fall – wirklich durchaus beängstigend sein können. Es gefällt mir richtig gut, dass die Autorin hier nicht einfach etwas zusammenfantasiert, sondern dass sie recherchiert hat und daraus dann so eine spannende Geschichte gewoben hat.
Erzählt wird der Roman einmal durch Maries Erinnerungen, dann wieder personal, wenn Maries Klinikaufenthalt und ihr Erleben der Therapie geschildert werden. Dadurch hat man das Gefühl, ein sehr umfassendes Bild zu erhalten.
Als Leser denkt man sich natürlich irgendwie von Anfang an, dass Marie unschuldig ist bzw. dass es wohl kaum so sein wird, dass sie aufgrund ihrer Zwangsstörung einen Mord begangen hat, denn wo wäre dann schließlich die Geschichte des Romans, aber ich muss gestehen, dass ich absolut überrascht war von dem, was Wiebke Lorenz sich hier überlegt hat – immer wieder gab es Wendungen und Neuigkeiten, die mich total überrascht haben und die ich richtig gut fand. Sehr gelungen in jedem Fall.
Wie immer bei Wiebke Lorenz nimmt mich ihre Art zu erzählen schnell gefangen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Diese dunkle Gedankenwelt Maries, ihre Geschichten aus der Klinik, die schmerzhaften Erinnerungen, die wieder hochkommen, das alles mischt die Autorin so gut, dass ich einfach immer weiterlesen wollte. Noch ein Kapitel. Und noch eins.
Auf das Ende wäre ich nicht gekommen, auch wenn Teile der Auflösung irgendwann offensichtlich werden. Es hat beim Lesen einfach total gepasst und es war mir weder zu showdownmäßig noch zu konstruiert. Einfach gut.

Rebecca Fischer: Nur lieben ist schöner

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch ist ein Geschenk der lieben Bloggerin von Ich lese halt gern (ich weiß nicht, ob ich ihren Vornamen nennen darf, darum mache ich es nicht). Wenn man dieses Buch sieht, weiß man, dass es sich bestens für einen Sofanachmittag eignet, und da habe ich es auch gelesen.

Zum Inhalt: Nelly ist Expertin für die ganz großen Gefühle – zumindest beruflich. Sie schreibt Liebesromane für den Amor-Verlag und lässt dort regelmäßig ihre Heldinnen in die starken Arme eines attraktiven Mannes sinken. Das Leben kann so schön sein – wenn es in einem ihrer Romane stattfindet. Mit dem eigenen Liebesleben sieht es nicht gerade rosig aus. Dabei wünscht Nelly sich doch nichts sehnlicher als einen romantischen und liebevollen Mann! Kann doch nicht so schwer sein!
Aber bei Nellys besten Freundinnen sieht es nicht viel besser aus. Inka, ihres Zeichens erfolgreiche Hochzeitsplanerin, verliebt sich immer in Männer, die weit weg wohnen. Und Fernbeziehungen funktionieren auf die Dauer einfach nicht bei ihr. Denn eigentlich kommt es für Inka nicht in Frage, Hamburg zu verlassen. Und einen Mann um sich zu haben, der neu nach Hamburg kommt und hier niemanden außer ihr kennt? Auch komisch. Und Tinette, die in ihrer Agentur Schauspieler vermittelt, verliebt sich immer in Männer, die irgendwie vergeben sind – meist sogar verheiratet. Dauerhaft klappt es jedenfalls nie so recht. Dabei scheinen die Männer immer erstmal alle so toll!
Und dann, mitten in einem plötzlich einsetzenden Job-Chaos, lernt Nelly einen Mann kennen, der eigentlich ihren Vorstellungen entspricht. Und auch Tinette und Inka treffen auf Männer, die eigentlich genau das sind, was sie immer wollten. Aber irgendwie ist das Glück trotzdem nicht perfekt, keine Himmel voller Geigen, kein ewiges Betrachten des Lebens durch die rosarote Brille. Denn auch wenn die Romantik in Nellys Leben schon irgendwie perfekt ist – ihre Romanheldinnen würden vergehen vor Glück! – irgendwie ist ihr der Traummann dann doch wieder suspekt. Und schwer einschätzbar. Was soll man von seinem Verhalten halten? Schwierig!
Auf dem Weg zur großen Liebe gibt es die ein oder andere Hürde und den ein oder anderen inneren Schweinehund zu überwinden. Zum Glück hat man ja seine Freundinnen, auf die man sich verlassen kann.

Wie mir das Buch gefallen hat: Wie ein Stück Sahnetorte zum Sonntagnachmittagskaffee auf dem Sofa, so ist dieses Buch. Wie man es aus dem Genre kennt, hat man eine Ich-Erzählerin, mit der man sich ganz gut identifizieren kann und die ganz lustig und mit einer nötigen Portion Selbstironie Liebesirrungen und -wirrungen beschreibt. Was ich an Nelly Sander mag, ist, dass sie Autorin von Liebesromanen ist und dass ihr vom Verlag angeraten wird, in dem wachsenden Genre für „freche Frauen“ zu schreiben und sich an Bridget Jones zu orientieren. Nelly weigert sich, das zu tun, was ihre Erschafferin beruflich macht – sehr lustig.
Die Konstellation mit der sich anbahnenden Liebesgeschichte und mit den liebenswerten aber etwas schrägen Freundinnen ist ebenfalls nicht neu, aber gut umgesetzt. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Frage, die sich die Freundinnen irgendwann stellen: Ist das Ideal, hinter dem jede von ihnen her ist, wirklich das, was sie suchen? Oder wäre man am Ende nie glücklich mit dem, was man haben kann?
Humorvoll, manchmal nachdenklich, manchmal ganz schön kitschig, aber dennoch durchweg unterhaltsam – eine Lektüre, wie für einen gemütlichen Lesenachmittag am Ende einer stressigen Woche gemacht.

Bettina Belitz: Scherbenmond

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Das Buch habe ich mir gleich zu seinem Erscheinen gekauft und wollte eigentlich bei der Leserunde auf buechertreff.de mitlesen. Das habe ich dann aber nicht geschafft, im Januar war ich nicht ganz auf der Höhe, und deswegen lag das Buch lange auf dem SuB, bis es nun erlöst wurde.

Zum Inhalt: Es ist alles verwirrend und es ist alles irgendwie schwierig für Ellie. Colin ist verschwunden und sie hat Sehnsucht nach ihm. Ihr Vater ist ebenfalls verschollen – und Ellie sieht sich der Aufgabe gegenüber, ihren Bruder Paul nach Hause zu holen, der sich von der Familie mehr oder weniger losgesagt hat und in Hamburg Medizin studiert. Also macht Ellie sich auf den Weg nach Hamburg, nicht ganz ungefährlich, weil sie immer noch wegen all der Ereignisse der letzten Monate ziemlich neben sich steht, und macht dort ihren Bruder ausfindig. Doch Paul hat sich vollkommen verändert – er hat das Studium an den Nagel gehängt und arbeitet mit einem sehr merkwürdigen Galeristen zusammen – und nicht nur das, Ellie erfährt, dass ihr Bruder plötzlich schwul geworden sein soll, was sie stutzig macht, genau wie Pauls Verhalten im Allgemeinen. Irgendwas stimmt hier absolut nicht. Paul wird sich jedenfalls nicht einfach so nach Hause holen lassen, das steht fest.
Und dann tritt auch Colin wieder in Ellies Leben, und dadurch wird alles nur noch komplizierter. Denn Tessa, der Mahr, der Colin erschaffen hat und es nicht duldet, dass Colin mit einem anderen Wesen glücklich ist, ist immer noch da und immer noch auf der Jagd nach Colin. Der wiederum hat als einziger eine Idee, was mit Paul nicht stimmen könnte – und wenn Colin richtig liegt, dann ist Ellies Bruder in Lebensgefahr! Es besteht Handlungsbedarf, und in diesem Kampf brauchen Ellie und Colin alle Unterstützung, die sie kriegen können, selbst wenn es dabei um eine ihnen nur flüchtig bekannte Journalistin und Ellies Schulfreund Tilmann geht, der seit dem Zusammentreffen mit Tessa auch sehr verändert ist…

Wie mir das Buch gefallen hat: Wer erwartet, dass „Scherbenmond“ in allem eine Fortsetzung von „Splitterherz“ ist, der wird irritiert sein, wenn er in die „Scherbenmond“-Geschichte eintaucht. Anfangs erkennt man noch die „Splitterherz“-Atmosphäre wieder, doch schnell wird klar, dass hier eine Weiterentwicklung der Idee zugrunde liegt, die zwar absolut schlüssig, aber doch ganz anders ist als erwartet. „Scherbenmond“ ist um einiges düsterer als der erste Band, um einiges erwachsener, bedrohlicher und unheilvoller. Vom beschaulichen Dörfchen im Westerwald verschlägt es die Leser für einen Großteil der Handlung nach Hamburg und die Hansestadt hat ein paar düstere Ecken und eine ziemlich bedrohliche Kreatur in petto.
Ellie ist jetzt keine Schülerin mehr, die sich llebhaft daran erinnert, wie es ist, beliebt sein zu wollen. Sie geht ihren Weg und auch, wenn sie oft Angst hat, wütend und verzweifelt ist, ist sie stets bereit, sich den Situationen zu stellen, die auf sie zukommen. Dabei wird Ellie aber keineswegs zu einer furchtlosen Heldin, nein, sie schreit, flucht, schlägt um sich und ist manchmal unerträglich, aber am Ende gibt es sogar dafür eine gute Erklärung. 😉
Auch Ellies Liebe zu Colin ist nicht mehr mit Bella und Edward zu vergleichen. Erstens kann Ellie sich ihrer Gefühle gar nicht immer so sicher sein, zweitens ist in der Welt, in der die beiden leben, einfach nicht immer eitel Sonnenschein, ganz im Gegenteil. Es geht um Leben und Tod und Ellies Angst um ihre Familie hindert sie natürlich auch daran, ein romantisches und sorgloses Techtelmechtel mit Colin zu haben.
Bettina Belitz hat Ellie erwachsen werden lassen, hat eine junge Frau aus ihr gemacht, die es sich und anderen nicht immer leicht macht, die die rosarote Brille abgesetzt hat und sich einer gefährlichen Schlacht stellen muss. Ich habe nicht damit gerechnet, dass dieser Roman so düster wird und so gruselig – ich habe auch nicht damit gerechnet, dass es so ans Eingemachte gehen würde, aber es macht Sinn und es hat mir gefallen. Jetzt bin ich natürlich gespannt, ob der dritte Band, dessen Cover ja dann noch dunkler ist als das von „Splitterherz“ und „Scherbenmond“ auch noch mal eine Schippe an Grusel drauflegen wird.

Anne Hertz: Sternschnuppen

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich Weihnachten 2010 von meiner Schwester Bille und ihrem Mann geschenkt bekommen. Immerhin verbirgt sich hinter Anne Hertz ja auch ein Team von Schwestern… Jedenfalls wanderte das Buch gar nicht lange auf den SuB, sondern wurde schnell gelesen.

Zum Inhalt: Svenjas Leben verläuft genau nach Plan: endlich hat sie den heißersehnten Direktorenposten im Fürstenberger Hotel in Hamburg an der Angel. Wenn ihr langjähriger Freund Carsten nun noch aus München nachkommt und seinen Job in Hamburg beginnt, werden sie sich eine schöne Wohnung kaufen und ihr Leben wird perfekt sein. Alles, was sie sich erträumt haben, wird wahr werden. Nun ja, bis auf die Tatsache, dass Svenja keine Kinder bekommen kann – denn Kinder haben Carsten und sie sich immer gewünscht. Doch nun haben sie ihr Leben auch so arrangiert.
Denkt Svenja zumindest. Dann aber bricht in ihrem Leben das Chaos aus: Während sie noch damit zurechtkommen muss, dass der Russe Sascha, den sie an ihrem Ausgehabend mit ihrer Schwester Merle auf dem Kiez kennengelernt hat, ihr in ihrem Job auf unliebsame Weise wiederbegegnet, stellt sie nicht nur fest, dass sie schwanger ist – und dann gleich mit Zwillingen – nein, zu allem Überfluss erwischt sie Carsten, dem sie freudestrahlend die gute Nachricht überbringen will, mit seiner Sekretärin im Bett. So. Was nun?
Svenja braucht einen Plan, wie sie Kinder und Karriere unter einen Hut bringen kann. Das ist in ihrer Position gar nicht so einfach und unter ihren Angestellten laufen bereits Wetten darüber, wie lange die Neue sich in ihrem Job überhaupt halten kann. Aber Svenja macht das, was sie am besten kann: nicht aufgeben. Langsam aber sicher schält sie sich aus ihrem Chaos heraus und ordnet ihr Leben ganz neu.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Sternschnuppen“ scheint vom Cover her ein sehr seichtes Frauenromänchen zu sein, und sicherlich ist es auch reine Unterhaltungsliteratur, aber es hat mir Spaß gemacht, in das chaotische Leben von Svenja Christiansen einzutauchen und an ihrem Schicksal teilzuhaben. Natürlich sind viele der Ereignisse und Wendungen nicht wirklich überraschend, aber trotzdem kann man mit diesem Roman ein paar sehr nette Lesestunden verbringen – und das habe ich auch gemacht.
Die Figuren sind sympathisch oder unsympathisch, von den meisten hat man schnell ein Bild, und nur in einer täuscht man sich irgendwie. Der norddeutsche Humor, den ich dem Roman attestieren möchte, ist sehr angenehm, Svenjas zynische Kommentare haben mir sehr gut gefallen. Die lustigen Momente sind glücklicherweise auch überwiegend nicht so slapstickhaft, sondern wirklich lustig. Das hat mir sehr gut gefallen.
„Sternschnuppen“ war mein erster Roman von Anne Hertz, aber bestimmt nicht mein letzter. Man kann bei diesem Buch total abschalten und sich in seinem Sessel zurücklehnen um einfach nur zu lesen. 🙂