345 Tage buchkauffrei – In Lieblingsbücher springen (Buch 23)

  „Also, dass Sie das nicht kennen…“ Immer wieder schütteln meine kleinen Lieblingsleserinnen den Kopf. Sie können es nicht fassen. Frau Seitengeraschel, das kann doch nicht sein! Also nee. Auf nichts ist mehr Verlass. Aber Frau Seitengeraschel schüttelt auch den Kopf, … Weiterlesen

Martha Sophie Marcus: Rabenherz und Elsternseele

021Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ich hatte es mir gewünscht, weil es etwas Märchenhaftes an sich haben sollte. Ein Mädchen namens Jorinde, ein Verwandeln in Vögel, kommt uns ja bekannt vor und ist vielversprechend für ein Jugendbuch.

Zum Inhalt: Pia ist verzweifelt, denn ihre Oma ist verschwunden. Einfach so, ohne ein Wort, ist sie eines Tages nicht wieder aufgetaucht, und weder Pia noch ihre Eltern haben irgendeine Idee, wo sie kein könnte. Während Pias Eltern versuchen, sich irgendwie an den Gedanken zu gewöhnen, dass der alten Dame etwas passiert sein könnte, will Pia das überhaupt nicht glauben. Ihre Oma, die sie so lieb hat, die ihr all diese schönen, glitzernden Armbänder geschenkt hat, die immer für sie da ist – nein, die kann nicht einfach weg sein!
Doch als Pia eines Tages bei ihrer Oma im Haus die Blumen gießen will, ist das Haus nicht leer – es ist jedoch nicht ihre Oma, die sie dort antrifft, sondern ein Mädchen, das sich hier versteckt hat. Und mit Jorinde stimmt etwas nicht, mal ganz davon abgesehen, dass sie hier eingebrochen ist und sich von Pias Lieblingskeksen ernährt. Das Mädchen behauptet, in Schwierigkeiten zu sein und Hilfe von Pias Oma zu brauchen – und sie hat statt ihres rechten Fußes eine Vogelkralle.
Pia erfährt, dass Jorinde ein Vogelmensch ist und sich von Zeit zu Zeit in einen Vogel verwandeln muss. Das allein wäre ja schon genug zu verdauen, aber eine Entdeckung im Keller ihrer Oma zeigt ihr, dass da noch viel mehr ist, das sie nicht wusste und das ihre Mutter und ihr Papa immer vor ihr geheimgehalten haben. Ein altes Familiengeheimnis stellt Pia vor ebenso viele Antworten wie neue Fragen – und sie erfährt etwas über sich selbst, das ihr Leben für immer verändern wird.
Zeit um sich wirklich mit all diesen Neuigkeiten auseinanderzusetzen, bleibt aber nicht. Denn auch wenn Jorinde und Pia sich alles Andere als gut verstehen, gibt es etwas, das sie zusammen tun müssen und für das sie einander brauchen. Da die Gefahr, der sie sich gegenübersehen, größer ist, als sie zunächst vermutet haben, ist es nicht schlecht, dass sie auch noch Strix und Bubo kennenlernen, zwei Jungen, die ein ganz ähnliches Problem haben…

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich hatte mir etwas Märchenhafteres versprochen als das, was „Rabenherz und Elsternseele“ hinterher wirklich ist. Ich dachte bei Jorinde und bei Vogelmenschen an eine böse Zauberin, vielleicht ein Schloss in einem Zauberwald… sowas eben. Das bekommt man bei diesem Roman nicht.
Das macht aber nichts, kann ich am Ende des Buches sagen, denn „Rabenherz und Elsternseele“ ist wirklich ein gut erzähltes Jugendbuch, das beim Lesen echt Spaß macht. Die Autorin hat ein Element aus vielen Märchen genommen, nämlich die Verwandlung von Menschen in Vögeln, die wir ja nicht nur aus „Jorinde und Joringel“ kennen, und macht daraus eine Geschichte, die ein bisschen märchenhaft ist, ein paar Fantasyelemente hat und irgendwie etwas ganz Eigenes ist. Das finde ich überzeugend und es macht beim Lesen wirklich Spaß.
Pia ist eine ganz interessante junge Protagonistin und Erzählerin, die man mögen kann, weil sie witzig und schlagfertig ist und weil sie sich für eine Zwölfjährige sehr glaubwürdig verhält. Jorinde mochte ich auch, auch wenn sie und Pia sich wirklich absolut nicht gut verstehen – gerade diese Spannungen machen die Geschichte aber von Zeit zu Zeit auch echt lustig. Die anderen Figuren sind ebenfalls wirklich gut gezeichnet; jeder hat etwas, das ihn einzigartig macht und niemand wird so überzeichnet, dass er nicht mehr glaubwürdig wäre.
Das Familiengeheimnis von Pias Familie ist natürlich nicht ganz schwer zu erraten. Die Umsetzung ist auch richtig schön, und mir hat besonders gefallen, wie Pias Mutter, die bisher immer vermieden hat, sich damit auseinanderzusetzen, nun nicht mehr umhin kann, sich damit zu beschäftigen und einsehen muss, dass ihr Verhalten bisher nicht ganz richtig war. Mütter kommen in Jugendbüchern ja oft nicht gut weg, aber Pias Mutter kann man wirklich mögen.
„Rabenherz und Elsternseele“ ist ein Jugendbuch mit gut konstruierter, spannender Handlung und interessanten, glaubwürdigen Charakteren. Lesenswert. Hat mir gut gefallen.

Krystyna Kuhn: Das Tal 2.4 – Die Entscheidung

noch05Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Das Buch hatte ich vor einer Ewigkeit vorbestellt, da ich unbedingt wissen musste, wie diese Reihe zu Ende gehen würde.

Zum Inhalt: Sie haben sich entschieden, das Tal nicht zu verlassen, auch wenn es scheint, dass das Unheil, das über die Welt hereinbricht, von diesem Ort ausgeht. Und während ihre Mitschüler und Lehrer das Tal verlassen, machen sich Katie, Debbie, Rose, Julia, Chris, David, Ben und Robert auf den Weg zurück ins Grace College.
Irgendwas muss geschehen, das wissen sie, und von diesem Gedanken angetrieben durchsuchen sie das College um Hinweise auf das zu finden, was sie brauchen: eine Karte oder irgendeinen anderen Hinweis auf das, was sie tun sollen. Und tatsächlich – obwohl das College mittlerweile vollkommen verlassen ist und ein Ort, an dem man sich alles Andere als sicher fühlt, schaffen es die acht Freunde, einen wichtigen Hinweis zu finden: eine Karte, die sie weit nach unten in das Labyrinth und unter den Lake Mirror führen wird – an den Ort, an dem die Freunde schon Unheimliches gesehen und erlebt haben. Dies ist das Zentrum des Geheimnisses des Tals, das steht fest, und dorthin müssen sie, wenn sie die unheimlichen Geschehnisse weltweit noch irgendwie aufhalten wollen.
Die Welt wird nach diesem Tag nicht mehr so sein, wie sie war, das steht fest. Und während sie auf der Suche nach der Wahrheit in dem engen Labyrinth alles, auch ihr eigenes Leben, aufs Spiel setzen, treibt sie alle die Frage um, was hinter dem großen Ganzen steckt. Nur Robert ist von einer merkwürdigen Ruhe erfasst. Es ist, als habe er all das schon lange kommen sehen. Welche Rolle spielt er in der ganzen Geschichte? Und kann sein Wissen, können seine Ahnungen seine Freunde retten?

Wie mir das Buch gefallen hat: Wie, DAS war jetzt der letzte Band der Reihe? Moment mal! Auf diese Auflösung habe ich jetzt drei Jahre gewartet? Nee. Gibt es doch gar nicht. Ich bin nicht zufrieden mit dem Ende der Reihe!
So, aber nun: woran lag es? Erstens: der gesamte letzte Band spielt an einem einzigen Tag und ist quasi der Showdown der Serie. Von Anfang an soll Endzeitstimmung vermittelt werden, und das würde ja eigentlich bedeuten, dass die Spannung die ganze Zeit auf einem sehr hohen Niveau gehalten würde – das gelingt nicht. Im Gegenteil – all diese Effekte, die die Autorin hier bemüht, um das Ende der Welt heraufzubeschwören, fand ich eher übertrieben und sehr unglaubwürdig. Das Tal hat plötzlich Macht über die ganze Welt? Ah ja. Sehr merkwürdig. Das haben wir ja schon am Ende des letzten Bandes erfahren, aber nun wird das Ganze auf die Spitze getrieben.
Für eine genaue Betrachtung der Freunde bleibt keine Zeit mehr. Irgendwie wachsen natürlich alle über sich hinaus und werden zu Helden, alle möglichen Charaktere aus der Vergangenheit tauchen auf und bekommen zum Teil sehr konstruierte Rollen zugewiesen, alles scheint darauf angelegt zu sein, diese Geschichte jetzt noch irgendwie zu einem passenden Abschluss zu bringen.
Das mag ja auch alles in Ordnung sein, aber erstens ist des Rätsels Lösung am Ende irgendwie so an den Haaren herbeigezogen, dass man sich fast fragt, ob das wirklich alles gewesen sein soll, und zweitens habe ich mich gefragt, ob man wirklich ab Band 1 hätte ahnen können, dass es auch nur entfernt auf so etwas hinauslaufen würde. Und das glaube ich nicht. Ich muss also am Ende einer Reihe, die ich anfangs so sehr mochte, leider sagen, dass ich das Gefühl habe, Frau Kuhn habe am Anfang nicht genau genug überlegt, worauf das Ganze hinauslaufen solle – und so bleibt ein überkonstruiertes, wenig überzeugendes Ende. Schade drum.

Neil Gaiman: Neverwhere

noch22Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch hatte ich mir für eine Leserunde gekauft. Da es in London spielt und überall ganz gute Bewertungen hat, klang es eigentlich ganz interessant.

Zum Inhalt: Richard Mayhew hat eigentlich ein recht durchschnittliches Leben. Er wohnt in einer kleinen Wohnung in London, geht einer recht unspektakulären Bürotätigkeit nach und seine Verlobte Jessica und er führen eine Beziehung mit Höhen und Tiefen. Ist das das Leben, dass der junge Mann sich erträumt hatte, als er seine Heimat verließ, um in London sein Glück zu finden? – Dennoch ändert sich in Richards Leben eigentlich nur wenig, und das liegt auch daran, dass Richard oftmals recht antriebslos ist. Obwohl er häufig zum Beispiel das Gefühl hat, dass Jessica eigentlich nicht die Frau fürs Leben ist, beendet er die Beziehung nicht und lässt sich mehr und mehr von ihr herumschubsen.
Dies ändert sich erst an einem denkwürdigen Abend, an dem Richard und Jessica auf dem Weg zu einem sehr wichtigen Dinner sind – zumindest für Jessica und ihre Karriere ist es wichtig; Richard hingegen fungiert hier nur als der Vorzeigepartner, und Jessica ist nervös, weil sie nicht sicher ist, wie vorzeigbar Richard tatsächlich sein wird.
Als die beiden durch die Straßen Londons gehen, finden sie dort ein schwer verletztes Mädchen. Jessica will allenfalls einen Krankenwagen rufen, sonst aber mit der Sache nichts zu tun haben; doch Richard hat das Gefühl, dem Mädchen unbedingt helfen zu müssen. Er nimmt es mit zu sich nach Hause – und von dort an ändert sich sein Leben schlagartig. Denn Door ist kein gewöhnliches Mädchen: in der Unterwelt Londons, London Below, ist sie eine wichtige Persönlichkeit – und sie ist genau deswegen in Gefahr. Door wird von zwei Auftragsmördern gejagt und ehe er es sich versieht, hat Richard in dem London, das wir kennen, keinen Platz mehr – er ist Teil von London Below, einer Welt, in der Magie alltäglich ist, die aber auch deswegen voller ungeahnter Gefahren steckt. Ausgerechnet Richard soll nun Door bei ihrer gefährlichen Mission helfen und erst dann wieder zurück nach Hause kommen können?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich würde mich gern den Rezensentinnen und Rezensenten anschließen, die sich vor Begeisterung überschlagen, wenn von diesem Roman die Rede ist, aber ich kann es nicht. Ich will aber trotzdem mit dem anfangen, das ich gut und wirklich zum Teil faszinierend fand, und das ist eindeutig Gaimans Darstellung Londons. Der Roman spielt ja nun zu einem großen Teil in einer Art „Parallellondon“, aber dieses ist unglaublich gut recherchiert. Hier tauchen U-Bahn-Stationen auf, die heute nicht mehr zum Netz der Londoner Tube gehören, die es aber einst durchaus gab; Sehenswürdigkeiten, Straßen, Plätze, Personen, alles Mögliche wird herangezogen und leicht oder nur so weit verändert, dass es in Gaimans „London Below“ passt. Das hat mir beim Lesen viel Freude bereitet und ich habe mehrfach begeistert meine Lieblingsorte wieder-  und London mit anderen Augen gesehen. Das ist wirklich ganz großartig gemacht.
Die Sprache Gaimans ist voller Wortwitz, Anspielungen und so weiter. Das macht das Buch meiner Meinung nach nahezu unübersetzbar, bzw. denke ich, dass viel vom ursprünglichen Charme des Romans auf der Strecke bleibt. Im Original hat mir die Sprache aber wirklich gut gefallen, nur liegt irgendwie die Vermutung nahe, dass Gaiman über seine Formulierungen mehrfach die Handlung vergessen hat, denn die fand ich wenig unoriginell und auch in weiten Teilen überhaupt nicht spannend. Nur aufgrund des Schauplatzes und der sprachlichen Gestaltung habe ich bis zum Schluss durchhalten können; Handlung und auch Figuren haben mir eher mäßig gefallen.
Von allen Charakteren am besten gefallen haben mir Mr. Croup und Mr. Vandemar, die beiden Auftragsmörder aus dem „London Below“. Sie sind wortgewandt, sehr lustig und erinnern an Fantasyausgaben von Dickens-Bösewichten. Ihre Dialoge sind jedes Mal Highlights in der Handlung und haben manch eher zähes Kapitel sehr aufgelockert.
Ist „Neverwhere“ nun ein Roman zum Weiterempfehlen? Eigentlich schon, zumindest Londonliebhabern würde ich doch einen Blick in diesen Roman mal nahelegen. Zwar ist Englands Hauptstadt nicht gerade ein seltener Romanschauplatz, doch das, was Gaiman hier mit meiner Lieblingsstadt macht, habe ich so noch in keinem Roman gefunden.

Philip Pullman: Grimm Tales (for Young and Old)

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Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Waterstones am Trafalgar Square in London. Ein regnerischer Frühherbsttag im September 2013. Eine Buchsüchtige, die „nur mal schauen“ will. Ein Buch mit einem interessanten Cover. Muss ich noch mehr sagen? You get the picture? 😉

Inhalt und meine Meinung: Märchen faszinieren mich schon immer, und deswegen war es für mich klar, dass ich dieses Buch haben musste. Eine englische Version von 53 Märchen der Gebrüder Grimm, das allein fand ich schon interessant, denn mich interessierte, was aus Namen, Zaubersprüchen und anderen Reimen wird, wenn man übersetzt. Hinzu kommt, dass es ja auch Märchen gibt, die eigentlich im Dialekt erzählt werden (zum Beispiel mein geliebter „Fischer un sin Fru“). Was passiert eigentlich damit, wenn übersetzt wird?
Eigentlich also ganz profane Fragen, auf die dieses Buch Antwort gibt; aber es bietet noch viel mehr. Pullmans Versionen der Märchen sind keine neuen Erzählungen, keine modernen Fassungen, keine Gegendarstellungen irgendwelcher Figuren. Er erzählt die Märchen so, wie die Gebrüder Grimm sie aufgeschrieben haben, nur an sehr wenigen Stellen nimmt er eine kleine Ergänzung oder Erklärung vor oder setzt ein Element ein, das das Märchen in der Grimm-Fassung nicht hat, das dafür aber in einem ähnlichen Märchen (zum Beispiel aus dem britischen oder spanischen Raum) vorkommt. Man merkt es beim Lesen nicht, da wir alle Märchen auf leicht unterschiedlich erzählte Weisen gewöhnt sind. Jedenfalls gelingt es Pullman, sehr märchenhaft und schön zu erzählen – und ich gebe gern zu, dass ich von allen 53 Märchen in diesem Buch nicht alle kannte.
Was das Lesevergnügen aber besonders macht, ist Pullmans Herangehensweise an diese Märchen. Schon im Vorwort macht er deutlich, dass Märchen auch ihn schon immer begeistert haben, weil sie das Erzählen auf den Kern hinunterbrechen: wir wissen gleich, wer gut und wer böse ist, die Figuren kommen weitgehend ohne Namen aus, sondern werden nach ihren Eigenschaften oder Berufen benannt (Ausnahme sind hier Namen, die früher in Deutschland sehr häufig vorkamen: Hans zum Beispiel), die Handlung wird stetig vorangetrieben, Charakterstudien oder ausufernde Ortsbeschreibungen gibt es nicht. Prinzessinnen sind schön, Wälder dunkel,  Stiefmütter böse. Damit hat sich das. Und trotzdem lieben wir Märchen.
Im Anschluss an jedes Märchen, das Pullman erzählt, gibt es einen kurzen Zusatz zu diesem, und das fand ich immer besonders interessant. Zunächst gibt Pullman an, welche Märchennummer aus dem internationalen Märchenverzeichnis dieses Märchen hat (ich wusste nicht, dass es so etwas gibt), dann welche ähnlichen Märchen es in anderen Kulturkreisen gibt und wie diese heißen, die Quelle, von der die Gebrüder Grimm dieses Märchen haben, und dann einen kurzen Kommentar Pullmans zu dem Märchen selbst.
Diese Kommentare sind wirklich toll. Sie sind recht kurz, aber sie geben jedes Mal einen interessanten Blick auf die Geschichte: wo eigentlich ein erzählerischer oder logischer Bruch ist, welche Passagen der Geschichte in einem modernen Roman sicherlich ausgeschmückt werden würden, einen Hinweis zur Grausamkeit des Märchens oder zu dem historischen Hintergrund, in dem es entstand. Besonders gut hat mir dort auch gefallen, wenn Pullman Begriffe aus der englischen und deutschen Fassung miteinander vergleicht. Ich kann mir vorstellen, dass es schwieriger ist, Märchen zu übersetzen, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Gerade diese Kommentare machen dieses Märchenbuch definitiv zu etwas Besonderem – ein Buch zum Lesen, Vorlesen und Wiederlesen. Sehr empfehlenswert. Für Märchen ist man einfach nie zu alt.

Brandon Mull: Fabelheim

noch72Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zu Ostern geschenkt bekommen. Mir war gar nicht klar, dass es der Anfang einer Reihe ist, bis ich die Folgebände in der Bibliothek gesehen habe, aber in dem Fall muss ich auch mal wieder sagen, es ist sicher interessant zu wissen, wie es weitergeht…

Zum Inhalt: Als Kendra und Seth erfahren, dass sie ihre Sommerferien bei ihren Großeltern verbringen sollen, sind sie nicht gerade begeistert. Die beiden sind eher merkwürdig – und lassen sich zudem so selten im Kreis der Familie blicken, dass die Kinder sie eigentlich kaum kennen. Zu zweit sieht man die beiden überhaupt so selten, dass Kendra schon vermutet, dass ihre Großeltern eventuell gar nicht mehr zusammen leben – und dass ihre Großmutter vielleicht sogar gar nicht mehr lebt.
Alles nicht die besten Voraussetzungen für gelungene Ferien – und als Kendra und Seth bei ihrem Großvater ankommen, wird auch ziemlich schnell klar, dass er absolut nicht so ist wie andere Großväter. Irgendwas stimmt mit ihm nicht – und die Regeln, die in seinem Haus gelten, sind mehr als merkwürdig. Dass sie den Wald nicht betreten sollen, weil es dort angeblich so viele Zecken gibt, schreckt Seth allerdings überhaupt nicht ab – und er macht dort eine Entdeckung, die viel weitreichender ist, als Kendra und er auch nur ahnen können. Kendra selbst allerdings findet auch etwas heraus, mit dem sie nie gerechnet hätte – und ihr und Seth eröffnet sich plötzlich eine vollkommen neue Welt: Fabelheim. Dieses Reservat für Fabelwesen aller Art ist nicht nur ein faszinierender und gefährlicher Ort, es ist auch der Grund, warum die Kinder ihre Großeltern so selten zu Gesicht bekommen, denn diese sind die Wächter dieses Ortes – und Fabelheim ist in Gefahr…

Wie mir das Buch gefallen hat: Anfangs war ich nicht gerade angetan von diesem Buch. Der Erzählstil ist sehr knapp, Mull hält sich nicht mit langen Beschreibungen auf, trotzdem kommt die Geschichte am Anfang nicht richtig in Fahrt. Bis Kendra und Seth endlich bei ihrem Großvater angekommen sind, ist die Geschichte wirklich eher mäßig und ich musste mich ein bisschen zum Dranbleiben motivieren, da ich schon so viel Gutes über das Buch gehört hatte.
Wenn man aber dann im Haus des Großvaters angekommen ist, nimmt die Handlung deutlich an Geschwindigkeit auf und ab da war ich in Fabelheims Bann gezogen. Die Geschichte ist spannend und es passiert unheimlich schnell unheimlich viel.
Kendra und Seth, aber auch ihr Großvater und andere Figuren, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen, sind sympathisch und lustig charakterisiert. Jeder für sich hat seine Eigenarten und Macken, was mir gut gefallen hat.
Einziges Manko an der Geschichte ist für mich, dass es wirklich nicht viele Beschreibungen, Hintergrundinformationen und Ähnliches gibt. Gerade im Wald, wo sich nun mal die merkwürdigsten Kreaturen aufhalten, hat es dadurch manchmal an Atmosphäre gefehlt. Ich denke, dass gerade in den Fabelwesen, ihren Geschichten und ihren Lebensräumen jede Menge Potenzial steckt, das Mull hier verschenkt, was ich etwas schade finde.
Da wir es hier mit dem Auftakt einer Reihe zu tun haben, gibt es natürlich Handlungsstränge, die noch nicht abgeschlossen sind. Trotzdem ist die Haupthandlung in sich geschlossen, es gibt keinen gemeinen Cliffhanger für den nächsten Band. Das ist ja immerhin auch schon mal etwas.
Fazit: „Fabelheim“ lohnt sich, aber das Kopfkino muss man manchmal selbst ein bisschen am Laufen halten, denn der Autor hält sich nicht mit Details auf.

Halo Summer: Feenlicht und Krötenzauber

noch79Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zu Ostern geschenkt bekommen. Ich hätte es mir aufgrund des Covers ehrlich gesagt nicht gekauft, aber bei amazon.de hat es ganz gute Bewertungen.

Zum Inhalt: Eigentlich sind sie drei ganz normale kleine Mädchen – doch dann werden Lisandra, Thuna und Maria eines Tages durch einen geheimnisvollen blauen Wind auf einem Spielplatz gepackt und in eine andere Welt gebracht. Hier wachsen sie auf, ohne dass sie sich daran erinnern könnte, woher sie kommen, und sie haben auch viele Jahre keinen Kontakt zueinander, sodass sie einander nicht wiedererkennen, als sie in der merkwürdigen Sumpfloch-Schule schließlich wieder aufeinander treffen. Dennoch verstehen sich die Mädchen auf Anhieb gut miteinander und landen auch im selben Zimmer.
In Sumpfloch ist es wirklich gut, Freundinnen zu haben, denn hier ist alles etwas merkwürdig – und das fängt schon damit an, dass die Lehrer hier im besten Fall nur Halbvampire sind – es gibt weitaus merkwürdigere Wesen hier, an diesem magischen Ort, an dem den Kindern, die so gar keine Talente im Hinblick auf Magie zeigen, geholfen werden soll. Und genau darin können Lisandra, Thuna und Maria natürlich auch Hilfe gebrauchen – denn immerhin  sind sie aufgrund ihrer Herkunft zu Magie gar nicht in der Lage, auch wenn sie weder ihre Herkunft erinnern noch eines wissen: Menschen aus unserer Welt entwickeln in Amuylett ein ganz besonderes magisches Talent, wenn sie erwachsen werden. Und genau das will sich eine der bösesten Hexen, eine uralte Cruda zunutze machen. Sie ist den Mädchen dicht auf den Fersen und hat Spione in Sumpfloch, die ihr helfen sollen, die Mädchen zu finden.
Diese ahnen davon aber nichts – bis sich die merkwürdigen Ereignisse in ihrer Schule häufen und immer klarer wird, dass sie in Gefahr sind. Wem können sie an diesem Ort eigentlich wirklich trauen?

Wie mir das Buch gefallen hat: Das Buch ist bei CreateSpace erschienen, und das hat mir gleich etwas Sorgen gemacht. Ich habe schon Bücher aus Selbstverlagen gelesen und diese gut gefunden, aber es ist auch klar, dass solche Autoren von negativer Kritik härter getroffen werden. Dennoch muss ich es einfach sagen: „Feenlicht und Krötenzauber“ hat mir nicht besonders gut gefallen, womit ich mich von der überwiegenden Meinung der Amazon-Rezensenten abgrenze.
Die Idee zu der Geschichte ist nicht schlecht, aber die Umsetzung gibt für meinen Geschmack zu wenig her. Die Schule mit ihren Lehrern, denen man vertrauen kann oder eben nicht (und oftmals ist natürlich nichts so, wie es scheint), die Unterrichtsräume in Kerkern hat und von magischen Fackeln erleuchtet wird, erinnert vermutlich nicht zufällig in mancherlei Hinsicht an Hogwarts, auch wenn Sumpfloch wahrhaftig kein besonders einladender Ort ist. Aber allein das, dann der verbotene Wald und so weiter – für mich gab es zu viele Parallelen.
Die Charaktere sind meiner Meinung nach zu wenig ausgearbeitet. Am meisten gelingt es der Autorin noch bei Scarlett, einer Freundin der drei eigentlichen Heldinnen, aber gerade diese drei Mädchen, die doch eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten, bleiben leider sehr blass. Über ihre Gedanken, Gefühle und überhaupt über ihre Geschichten erfährt man zu wenig und so haben sie für mich kein Identifikationspotenzial. Das ist schade, denn eigentlich gibt es hier ganz gute Ideen, aber insgesamt sind die drei sehr oberflächlich charakterisiert und damit uninteressant.
Im Handlungsverlauf werden auftretende Probleme immer sehr schnell und einfach gelöst. Es gibt dadurch kaum Gelegenheiten zum Mitfiebern, weil man immer schon genau weiß, dass jetzt gleich jemand mit einer Lösung um die Ecke kommt; und vor allem sind eben auch Gedanken und Gefühle der Figuren zu wenig ausgearbeitet, als dass man hier wirklich Spannung erleben könnte.
Insgesamt stecken in „Feenlicht und Krötenzauber“ viele ganz gute Ideen und Ansätze, aber mehr auch nicht. Eine Reihe, die ich nicht weiterverfolgen werde.

Alina Bronsky: Spiegelriss

noch88Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Zusätzlich zu der Jugendbuchkiste, die meine Lesekids bekommen haben, gab es auch noch 400€, die wir in Bücher investieren durften. „Leider“ passt auch davon wieder eine ganze Menge in mein Beuteschema, sodass es nun hin und wieder auch diese Bücher hier geben wird. 😉

Zum Inhalt: Ihr altes Leben scheint in einer Zeit zu liegen, die unendlich lange her ist. Juli hat nichts mehr – keinen Vater, kein Zuhause, auch zu ihrer Mutter und zu ihren Geschwistern gibt es keine Verbindung. Ksü und Ivan sind ihr schon so lange nicht mehr begegnet, dass sie keine Vorstellung hat, was aus ihnen geworden ist, und sie selbst lebt in einem Rudel Ausgestoßener – Straßenkinder ohne Zuhause, junge Menschen, die im System keinen Platz haben, sich Schauergeschichten über Pheen erzählen und einfach nur überleben wollen. Sie sind Freaks – oder zumindest keine Normalen mehr. Die Welt hat sich verändert und nichts ist mehr sicher. Nichts und niemand.
Juli versucht, ihre Identität geheimzuhalten, denn wenn sie auffliegt, das weiß sie, ist sie verloren. Die Stadt ist plakatiert mit Fahndungsplakaten nach ihr, und die Belohnung ist so hoch, dass Juli sich keine großen Hoffnungen machen kann, verschont zu werden. Wer sie findet, hat Glück. Und deswegen darf ihr genau das nicht passieren. Nur die Tatsache, dass das Leben der vergangenen Monate sie so stark gezeichnet hat, kommt ihr hier zugute, denn man erkennt in dem Wesen in abgerissenen Kleidern und ohne Schuhe kaum noch das gepflegte und gut genährte Mädchen, das auf den Fahndungsplakaten zu sehen ist.
Das zumindest denkt Juli, bis sie herausfinden muss, dass es in ihrem Rudel doch jemanden gibt, der hinter ihre Fassade schauen kann. Kojote ist einer der Anführer – er ist stark und klug, und ihm kann Juli nichts vormachen. Kojote selbst hat alles verloren und hasst die Gesellschaft, in der er jetzt leben muss. Er sagt, dass er Juli helfen will, herauszufinden, was mit ihrer Mutter geschehen ist nach der großen Katastrophe und wie es für das meistgesuchte Mädchen der Stadt weitergehen kann. Doch kann Juli einem Jungen, der nichts mehr zu verlieren hat, wirklich vertrauen?

Wie mir das Buch gefallen hat: „Spiegelriss“ ist deutlich spannender als „Spiegelkind„, das ja auch bereits sehr gut war. Es beginnt vollkommen unerwartet in einer Situation, die man am Ende des ersten Bandes nicht erahnen konnte, und nur ganz langsam lässt sich zusammenpuzzlen, was in der Zwischenzeit mit Juli geschehen ist und wie sie in das Rudel gekommen ist, in dem sie sich nun durchschlagen muss – vollkommen ohne ihre Familie und ihre Freunde. Das fand ich sehr spannend und erzählerisch überzeugend, zumal sich die Autorin nicht lange mit Beschreibungen der veränderten gesellschaftlichen Lage aufhält – sie stellt ihre Leser einfach vor vollendete Tatsachen, das fand ich gut.
Julis Suche nach der Wahrheit über sich selbst und nach einer möglichen Aussöhnung mit dem, was geschehen ist, ist wirklich toll dargestellt – und immer wieder hofft man, dass Situationen sich zum Guten wenden, nur damit man dann enttäuscht wird. Figuren, die man aus dem ersten Band bereits kennt, tauchen wieder auf und sind zum Teil ebenfalls völlig anders, als man sie in Erinnerung hatte – was wiederum nur logisch ist, da die Welt um Juli herum sich rasend schnell verändert und immer härter wird.
Auch Juli selbst hat eine Weiterentwicklung durchgemacht, der man hier auch noch folgen kann. Von dem unwissenden Mädchen, das man in „Spiegelkind“ kennengelernt hat, ist nichts mehr übrig. Juli ist zwar noch weit davon entfernt, alles zu wissen, aber die Welt ist ihr nicht mehr so fremd und sie ist vor allem nicht mehr so naiv. Ihre Entwicklung fand ich glaubhaft und stimmig.
Da „Spiegelriss“ der zweite Band einer Trilogie ist, hatte ich mir keine großen Hoffnungen auf eine in sich geschlossene Geschichte gemacht, da ja der zweite Band oftmals nur der Platzhalter bis zum Finale ist – aber dem ist hier nicht so. Die Handlung ist – erstmal – durchaus abgeschlossen und lässt vermuten, dass Band 3 nicht nahtlos an die letzte Szene dieses Bands anknüpfen wird, was mir nur recht ist.
Vielversprechend, spannend und überzeugend – ich freue mich darauf zu erfahren, wie die Geschichte um Juli enden wird.