345 Tage buchkauffrei – In Lieblingsbücher springen (Buch 23)

  „Also, dass Sie das nicht kennen…“ Immer wieder schütteln meine kleinen Lieblingsleserinnen den Kopf. Sie können es nicht fassen. Frau Seitengeraschel, das kann doch nicht sein! Also nee. Auf nichts ist mehr Verlass. Aber Frau Seitengeraschel schüttelt auch den Kopf, … Weiterlesen

Emma Brockes: Sie ging nie zurück

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch ist mir im Juni zugeschickt worden. Ich habe es erst fälschlicherweise für einen Roman gehalten und dachte noch, dass ich auf eine neue Familiensaga gerade keine Lust habe, doch dann habe ich festgestellt, … Weiterlesen

Martha Sophie Marcus: Rabenherz und Elsternseele

021Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ich hatte es mir gewünscht, weil es etwas Märchenhaftes an sich haben sollte. Ein Mädchen namens Jorinde, ein Verwandeln in Vögel, kommt uns ja bekannt vor und ist vielversprechend für ein Jugendbuch.

Zum Inhalt: Pia ist verzweifelt, denn ihre Oma ist verschwunden. Einfach so, ohne ein Wort, ist sie eines Tages nicht wieder aufgetaucht, und weder Pia noch ihre Eltern haben irgendeine Idee, wo sie kein könnte. Während Pias Eltern versuchen, sich irgendwie an den Gedanken zu gewöhnen, dass der alten Dame etwas passiert sein könnte, will Pia das überhaupt nicht glauben. Ihre Oma, die sie so lieb hat, die ihr all diese schönen, glitzernden Armbänder geschenkt hat, die immer für sie da ist – nein, die kann nicht einfach weg sein!
Doch als Pia eines Tages bei ihrer Oma im Haus die Blumen gießen will, ist das Haus nicht leer – es ist jedoch nicht ihre Oma, die sie dort antrifft, sondern ein Mädchen, das sich hier versteckt hat. Und mit Jorinde stimmt etwas nicht, mal ganz davon abgesehen, dass sie hier eingebrochen ist und sich von Pias Lieblingskeksen ernährt. Das Mädchen behauptet, in Schwierigkeiten zu sein und Hilfe von Pias Oma zu brauchen – und sie hat statt ihres rechten Fußes eine Vogelkralle.
Pia erfährt, dass Jorinde ein Vogelmensch ist und sich von Zeit zu Zeit in einen Vogel verwandeln muss. Das allein wäre ja schon genug zu verdauen, aber eine Entdeckung im Keller ihrer Oma zeigt ihr, dass da noch viel mehr ist, das sie nicht wusste und das ihre Mutter und ihr Papa immer vor ihr geheimgehalten haben. Ein altes Familiengeheimnis stellt Pia vor ebenso viele Antworten wie neue Fragen – und sie erfährt etwas über sich selbst, das ihr Leben für immer verändern wird.
Zeit um sich wirklich mit all diesen Neuigkeiten auseinanderzusetzen, bleibt aber nicht. Denn auch wenn Jorinde und Pia sich alles Andere als gut verstehen, gibt es etwas, das sie zusammen tun müssen und für das sie einander brauchen. Da die Gefahr, der sie sich gegenübersehen, größer ist, als sie zunächst vermutet haben, ist es nicht schlecht, dass sie auch noch Strix und Bubo kennenlernen, zwei Jungen, die ein ganz ähnliches Problem haben…

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich hatte mir etwas Märchenhafteres versprochen als das, was „Rabenherz und Elsternseele“ hinterher wirklich ist. Ich dachte bei Jorinde und bei Vogelmenschen an eine böse Zauberin, vielleicht ein Schloss in einem Zauberwald… sowas eben. Das bekommt man bei diesem Roman nicht.
Das macht aber nichts, kann ich am Ende des Buches sagen, denn „Rabenherz und Elsternseele“ ist wirklich ein gut erzähltes Jugendbuch, das beim Lesen echt Spaß macht. Die Autorin hat ein Element aus vielen Märchen genommen, nämlich die Verwandlung von Menschen in Vögeln, die wir ja nicht nur aus „Jorinde und Joringel“ kennen, und macht daraus eine Geschichte, die ein bisschen märchenhaft ist, ein paar Fantasyelemente hat und irgendwie etwas ganz Eigenes ist. Das finde ich überzeugend und es macht beim Lesen wirklich Spaß.
Pia ist eine ganz interessante junge Protagonistin und Erzählerin, die man mögen kann, weil sie witzig und schlagfertig ist und weil sie sich für eine Zwölfjährige sehr glaubwürdig verhält. Jorinde mochte ich auch, auch wenn sie und Pia sich wirklich absolut nicht gut verstehen – gerade diese Spannungen machen die Geschichte aber von Zeit zu Zeit auch echt lustig. Die anderen Figuren sind ebenfalls wirklich gut gezeichnet; jeder hat etwas, das ihn einzigartig macht und niemand wird so überzeichnet, dass er nicht mehr glaubwürdig wäre.
Das Familiengeheimnis von Pias Familie ist natürlich nicht ganz schwer zu erraten. Die Umsetzung ist auch richtig schön, und mir hat besonders gefallen, wie Pias Mutter, die bisher immer vermieden hat, sich damit auseinanderzusetzen, nun nicht mehr umhin kann, sich damit zu beschäftigen und einsehen muss, dass ihr Verhalten bisher nicht ganz richtig war. Mütter kommen in Jugendbüchern ja oft nicht gut weg, aber Pias Mutter kann man wirklich mögen.
„Rabenherz und Elsternseele“ ist ein Jugendbuch mit gut konstruierter, spannender Handlung und interessanten, glaubwürdigen Charakteren. Lesenswert. Hat mir gut gefallen.

Simon Beckett: Der Hof

019Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Das Buch habe ich mir vorbestellt, weil ich mich sehr gefreut habe, dass Herr Beckett mal wieder ein Buch auf den Markt bringt.

Zum Inhalt: Nachdem er seine Heimat London hinter sich lassen musste, ist Sean in Frankreich unterwegs – eigentlich ohne Ziel. So lange er nicht erkannt wird, unauffällig irgendwo bleiben kann, ist ihm eigentlich alles egal. Nur weg aus England, weg von dem, was in dieser Nacht geschehen ist…
Doch dann passiert etwas, mit dem Sean niemals gerechnet hätte. In einem Waldstück tritt er in eine Falle, die ihn schwer am Fuß verwundet. Zum Glück wird er von den Schwestern Mathilde und Gretchen, die auf dem Hof leben, zu dem der Wald gehört, gefunden, und in einer Scheune gesund gepflegt.
Zunächst ist Sean zu schwach, um sich Gedanken darüber zu machen, warum er nicht im Haus untergebracht worden ist, warum Mathilde keinen Arzt anruft und warum die Schwestern sich überhaupt so merkwürdig verhalten. Erst nach und nach merkt er, dass er hier eigentlich vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten ist und dass er es hier nicht nur mit den beiden Schwestern, sondern auch mit deren cholerischem Vater. Dieser verhält sich mehr als merkwürdig und schnell wird Sean klar, dass die Familie hier nicht nur zurückgezogen, sondern in Wahrheit fast völlig abgeschottet von der Außenwelt lebt, und dass die Familie mindestens ein dunkles Geheimnis hütet.
Doch was soll Sean jetzt machen? Er selbst hat ja auch etwas zu verbergen und der Hof scheint ein möglicher Rückzugsort zu sein. Aber er hat keine Ahnung, worauf er sich einlässt…

Wie mir das Buch gefallen hat: Es ist gar nicht so leicht für mich, etwas zu „Der Hof“ zu schreiben. Eigentlich ist es gar kein schlechtes Buch. Man rätselt lange herum, was mit Sean los ist und warum er aus England abgehauen ist. Auch die Ereignisse auf dem Hof sind rätselhaft und die ganze Zeit über fragt man sich, was Sean wohl herausfinden wird. Die Handlung ist wirklich gut konstruiert und die Charaktere fand ich insgesamt glaubwürdig. Vor allem Sean mochte ich von Anfang an gern, auch wenn er mit einem David Hunter nicht mithalten kann.
Was man allerdings wissen sollte, ist, dass dieses Buch kein Thriller ist, wie man ihn von Beckett erwartet. Ich zumindest habe einen Thriller erwartet, der mich atemlos Seite um Seite lesen lassen würde und den ich nicht aus der Hand legen würde, bis ich ihn beendet hätte. Das war nicht der Fall. Ich gebe zu, dass ich anfangs irritiert und ein bisschen enttäuscht war. Ich bin auch ehrlich gesagt bis zum Schluss nicht dahinter gekommen, ob ich das Buch an sich eher „ganz gut“ als „großartig“ fand, weil ich gehofft hatte, dass Herr Beckett mir Gänsehaut verschaffen würde, oder ob es tatsächlich eher „ganz gut“ war.
Immer wieder werden Fragen aufgeworfen und das macht die Atmosphäre schon irgendwie unheimlich – zumindest zunächst. Mit der Zeit hat mich das immer weniger überzeugt. Die Handlung plätschert über weite Teile einfach vor sich hin, anders kann man das leider gar nicht sagen. Gerade in der Mitte des Buches waren es eher die Kapitel über Seans Leben in London, die mich interessiert haben.
Am Ende wartet Beckett dann mit einem Showdown auf, in dem es noch mal alle möglichen Auflösungen, Verwicklungen und so weiter gibt, aber irgendwie war mir das am Ende dann auch wieder zu viel. Den Epilog hingegen fand ich sehr gut, er hat den Roman gut abgerundet.
Insgesamt fand ich „Der Hof“ in Ordnung, aber ich hoffe, dass Beckett beim nächsten Mal wieder an seine David Hunter-Thriller anknüpft.

Brandon Mull: Fabelheim

noch72Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zu Ostern geschenkt bekommen. Mir war gar nicht klar, dass es der Anfang einer Reihe ist, bis ich die Folgebände in der Bibliothek gesehen habe, aber in dem Fall muss ich auch mal wieder sagen, es ist sicher interessant zu wissen, wie es weitergeht…

Zum Inhalt: Als Kendra und Seth erfahren, dass sie ihre Sommerferien bei ihren Großeltern verbringen sollen, sind sie nicht gerade begeistert. Die beiden sind eher merkwürdig – und lassen sich zudem so selten im Kreis der Familie blicken, dass die Kinder sie eigentlich kaum kennen. Zu zweit sieht man die beiden überhaupt so selten, dass Kendra schon vermutet, dass ihre Großeltern eventuell gar nicht mehr zusammen leben – und dass ihre Großmutter vielleicht sogar gar nicht mehr lebt.
Alles nicht die besten Voraussetzungen für gelungene Ferien – und als Kendra und Seth bei ihrem Großvater ankommen, wird auch ziemlich schnell klar, dass er absolut nicht so ist wie andere Großväter. Irgendwas stimmt mit ihm nicht – und die Regeln, die in seinem Haus gelten, sind mehr als merkwürdig. Dass sie den Wald nicht betreten sollen, weil es dort angeblich so viele Zecken gibt, schreckt Seth allerdings überhaupt nicht ab – und er macht dort eine Entdeckung, die viel weitreichender ist, als Kendra und er auch nur ahnen können. Kendra selbst allerdings findet auch etwas heraus, mit dem sie nie gerechnet hätte – und ihr und Seth eröffnet sich plötzlich eine vollkommen neue Welt: Fabelheim. Dieses Reservat für Fabelwesen aller Art ist nicht nur ein faszinierender und gefährlicher Ort, es ist auch der Grund, warum die Kinder ihre Großeltern so selten zu Gesicht bekommen, denn diese sind die Wächter dieses Ortes – und Fabelheim ist in Gefahr…

Wie mir das Buch gefallen hat: Anfangs war ich nicht gerade angetan von diesem Buch. Der Erzählstil ist sehr knapp, Mull hält sich nicht mit langen Beschreibungen auf, trotzdem kommt die Geschichte am Anfang nicht richtig in Fahrt. Bis Kendra und Seth endlich bei ihrem Großvater angekommen sind, ist die Geschichte wirklich eher mäßig und ich musste mich ein bisschen zum Dranbleiben motivieren, da ich schon so viel Gutes über das Buch gehört hatte.
Wenn man aber dann im Haus des Großvaters angekommen ist, nimmt die Handlung deutlich an Geschwindigkeit auf und ab da war ich in Fabelheims Bann gezogen. Die Geschichte ist spannend und es passiert unheimlich schnell unheimlich viel.
Kendra und Seth, aber auch ihr Großvater und andere Figuren, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen, sind sympathisch und lustig charakterisiert. Jeder für sich hat seine Eigenarten und Macken, was mir gut gefallen hat.
Einziges Manko an der Geschichte ist für mich, dass es wirklich nicht viele Beschreibungen, Hintergrundinformationen und Ähnliches gibt. Gerade im Wald, wo sich nun mal die merkwürdigsten Kreaturen aufhalten, hat es dadurch manchmal an Atmosphäre gefehlt. Ich denke, dass gerade in den Fabelwesen, ihren Geschichten und ihren Lebensräumen jede Menge Potenzial steckt, das Mull hier verschenkt, was ich etwas schade finde.
Da wir es hier mit dem Auftakt einer Reihe zu tun haben, gibt es natürlich Handlungsstränge, die noch nicht abgeschlossen sind. Trotzdem ist die Haupthandlung in sich geschlossen, es gibt keinen gemeinen Cliffhanger für den nächsten Band. Das ist ja immerhin auch schon mal etwas.
Fazit: „Fabelheim“ lohnt sich, aber das Kopfkino muss man manchmal selbst ein bisschen am Laufen halten, denn der Autor hält sich nicht mit Details auf.

Timothée de Fombelle: Vango – Zwischen Himmel und Erde

noch89Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Es ist mal wieder Zeit für ein Buch aus der Jugendbuchkiste von Stiftung Lesen. Da „Vango“ überall nur gute Kritiken bekommt, musste ich mir wirklich mal ein eigenes Bild machen.

Zum Inhalt: Nur Mademoiselle, deren wahren Namen auch niemand kennt, weiß, wer der kleine Junge ist, mit dem sie eines Tages auf der abgelegenen Insel auftaucht. Bei ihr wächst der kleine Vango auf, ein aufgeweckter Junge, der am liebsten klettert und die Umgebung erkundet – und der so rein zufällig auf ein Kloster stößt, in dem Mönche leben, die die ganze Welt eigentlich für tot hält. In der friedlichen Gemeinschaft der Männer fühlt der Junge sich wohl und hier möchte er gern bleiben. Doch Zefiro, der das Kloster führt, befiehlt Vango, ein Jahr lang die Welt kennenzulernen, bevor er sich wirklich für das Kloster entscheidet.
Und so zieht Vango los, um die Welt zu erkunden – eine Welt, in der es gerade ohnehin mehr als gefährlich ist, denn in Deutschland wächst die Macht der Nationalsozialisten zusehends und die Freunde Zefiros, zu denen Vango gehen soll, haben zum Teil allein deswegen bereits große Probleme. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass Vango Feinde hat, die hinter ihm her sind und ihm nach dem Leben trachten. Wohin er auch geht, irgendwer ist ihm immer auf den Fersen und er schwebt ständig in Lebensgefahr.
Vango selbst hat keine Ahnung von seiner Vergangenheit; der einzige Gegenstand, den er aus seinem Leben aus der Zeit vor dem mit Mademoiselle hat, ist ein blaues Tuch mit den Worten „Wie viele Königreiche kennen uns nicht“. Was das zu bedeuten hat, weiß er nicht, und er hat eigentlich auch nie nach seiner Vergangenheit gefragt. Doch nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem er verstehen muss, wer er ist, damit er sich gegen seine Feinde behaupten kann, die nicht nur sehr mächtig sind, sondern auch vor nichts zurückschrecken. Ohne seine Freunde, die Vango zum Teil helfen ohne dass sie ihn wirklich kennen, hätte der Junge keine Chance…

Wie mir das Buch gefallen hat: „Vango“ ist ein außergewöhnliches Jugendbuch. Es ist sprachlich sehr dicht, sehr anspruchsvoll erzählt und übersetzt; und das ist schon allein sehr beeindruckend. Das hat mir wirklich gut gefallen, denn bei den ständig wechselnden Schauplätzen ist es wirklich beachtlich, wie schnell auch die Atmosphäre des Romans sich mitverändert.
Der Roman wird temporeich erzählt, was daran liegt, dass man ständig mit neuen Figuren, neuen Schauplätzen und unterschiedlichen Zeiten konfrontiert wird, in denen die Geschichte spielt. Trotzdem gelingt es de Fombelle, den Leser bei der Stange zu halten und nicht zu überfordern – auch das spricht definitiv für die Qualität des Romans.
Gerade dass die Handlung irgendwie mittendrin beginnt, man nichts über Vango weiß und auch über einen längeren Zeitraum nicht wirklich etwas über ihn erfährt, ist spannend, weil man unbedingt wissen möchte, was es mit Vango auf sich hat. Als Leser fragen wir uns genau das, was so viele  Charaktere innerhalb dieses Romans auch wissen wollen: Wer ist dieser Vango überhaupt? Ein ungewöhnlicher Anfang für einen Roman, aber wirklich gut.
Warum ich nicht vollends begeistert bin, lässt sich auch recht einfach sagen: „Vango – Zwischen Himmel und Erde“ ist sehr eindeutig der erste Teil einer Reihe. Etliche Handlungsstränge bleiben in der Luft hängen, nichts wird wirklich entschlüsselt, keine Geschichte ist beendet. Das fand ich irgendwie schade. Natürlich ist es sicherlich eine lohnenswerte Reihe – wieder mal eine – aber dass der Roman für sich allein eigentlich kaum stehen kann, ist für mich ein Minuspunkt. Liegt vielleicht auch daran, dass ich gern mal wieder ein Jugendbuch lesen würde, das einfach nur für sich steht…

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

noch104Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich als Leseempfehlung geschenkt bekommen. Ehrlich gesagt gehört „Die Insel der besonderen Kinder“ zu einem der Bücher, die ich dieses Jahr unbedingt lesen wollte (eigentlich letztes schon) und so habe ich mich natürlich sehr gefreut und es gleich gelesen.

Zum Inhalt: Eigentlich hat Jacob seinen Großvater immer für verrückt gehalten. Was der alte Mann über seine Kindheit erzählt hat, das kam dem Teenager immer mehr als merkwürdig vor. Für Märchen hielt er die Geschichten über das Waisenhaus, in dem der Großvater im Krieg gelebt hatte, auf einer kleinen walisischen Insel inmitten von lauter besonderen Kindern. Dem Mädchen, das schwebt, wenn man keine Gewichte in seine Schuhe tut, zum Beispiel, oder dem unsichtbaren Millard oder Emma, die Feuer mit ihren Händen machen kann. Und all den anderen.
Doch in der Nacht, in der sein Großvater ermordet wird und Jacob das Monster mit eigenen Augen sieht, beginnt er sich zu fragen, was wirklich an den Geschichten des Großvaters dran war. Die letzten Worte des alten Mannes und die wiederkehrenden Alpträume lassen Jacob einfach keine Ruhe. Und so beschließt er, herauszufinden, was an den Geschichten dran ist – und zu erfahren, wie sein Großvater wirklich war, denn so sehr Jacob den alten Mann auch liebte – richtig nah kam er ihm nicht.
Auf der kleinen Insel vor der Küste von Wales eröffnet sich Jacob eine ganz andere Welt. Das liegt allerdings erstmal daran, dass die Einheimischen den Umgang mit Touristen nicht gerade gewöhnt sind und dass Jacob sich nach dem Waisenhaus erkundigt, finden sie auch mehr als merkwürdig. Der erste Besuch dort entpuppt sich auch wirklich als eine Enttäuschung, doch irgendetwas zieht Jacob immer wieder dorthin zurück. Er ahnt ja nicht, dass er von seinem Großvater eine ganz besondere Gabe geerbt hat, die es ihm einerseits ermöglichen wird, das Erlebte des alten Mannes endlich zu verstehen, die andererseits aber auch dafür sorgt, dass er sich in großer Gefahr befindet. Erst als Jacob die merkwürdige Miss Peregrine und ihre besonderen Schützlinge kennengelernt hat, kann er anfangen, diese Rätsel zu lösen. Und es wird nicht einfach für ihn, denn ein paar Entscheidungen stehen bevor, die sein ganzes Leben verändern können.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Die Insel der besonderen Kinder“ ist so ein Buch, bei dem man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Es ist irgendwie mehr ein Gesamtkunstwerk als ein Roman, und das gefällt mir auf jeden Fall schon mal extrem gut. In die Geschichte eingebettet sind nämlich eine Reihe von Fotos, Bilder, die Jacob zum Teil erst für billige Fotomontagen hält, deren Geheimnissen er aber erst später auf die Schliche kommt. Auch Briefe sind nicht einfach als Fließtext wiedergegeben, sondern handschriftlich layoutet (dass alle Handschriften sich sehr ähnlich sehen, nun gut… 😉 ). Auf jeden Fall macht das was her, und es macht Spaß, sich diese Bilder anzusehen, die so sehr zur Geschichte beitragen und die Jacob quasi auch in der Hand gehalten hat…
Die Geschichte ist ebenfalls spannend: sehr düster und unheimlich (auch die Szenen, die am Tag spielen, waren für mich immer irgendwie düster und dunkel), atmosphärisch ziemlich dicht und gut gemacht. Die kleine Insel, auf der dann auch noch mal abgeschottet von der Inselgemeinde das Waisenhaus liegt, konnte ich mir sehr gut vorstellen; hier ist es Ransom Riggs wirklich gut gelungen, einen ganz eigenen und ungewöhnlichen Schauplatz zu erschaffen.
Die Handlung ist gut konstruiert und zum Teil nicht vorhersehbar, was mir wirklich gut gefallen hat. Die ungewöhnlichen Figuren haben einen ganz eigenen Charme, der mir beim Lesen auch noch mal sehr gut gefallen hat. Nicht alle der besonderen Fähigkeiten sind leicht und lustig, gerade ein Charakter namens Enoch machte mich ziemlich fertig zwischendurch.
Jacob ist ein toller Ich-Erzähler, der mit seinen pragmatischen Gedanken und seinem manchmal recht trockenen Humor wirklich dafür gesorgt hat, dass der Einstieg in die Geschichte schnell ging und man sich schnell mit ihm identifizieren konnte.
Ungewöhnlich – das ist wohl das erste Wort, das mir zu diesem Buch einfällt. In jedem Fall aber ein für mich ein wirklich lohnenswertes Leseerlebnis: kurzweilig, spannend, düster, nichts, was einem so vorkommt wie abgekupfert aus tausend anderen ähnlichen Romanen. Daumen hoch!

Veit Etzold: Spiel des Lebens

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch musste ich einfach annehmen, als es mir als Leseexemplar angeboten wurde. Es spielt nämlich im wunderschönen London…

Zum Inhalt: Endlich beginnt das Studium am ehrwürdigen King’s College in London – Emily Waters kann es kaum erwarten, ihrer überbesorgten Mutter zu entkommen, die es schon kaum ertragen kann, wenn Emily länger allein unterwegs ist – und das, obwohl Emily London in- und auswendig kennt und genau weiß, wie sie sich verhalten muss und wohin man an dunklen Herbstabenden besser nicht geht.
Schweren Herzens lässt Mrs. Waters Emily in ein Wohnheim ziehen – und zunächst scheint Emily dort einfach nur glücklich zu sein. Sie freut sich auf ihre Vorlesungen, ihre Kommilitonen und auf das Studentenleben – bis sie eines Tages Post bekommt, die ihr ziemlich unheimlich ist. Irgendein Fremder will mit ihr das „Spiel des Lebens“ spielen und bedroht sie. Wenn Emily nicht in Windeseile knifflige Rätsel löst, die irgendwie alle mit John Miltons „Paradise Lost“ zu tun haben, werden schreckliche Dinge geschehen – und nur zu schnell wird klar, dass der Unbekannte wirklich vor nichts zurückschreckt – nicht mal vor Mord.
Aber was soll Emily getan haben, was will der Fremde von ihr? Sie hat keine Ahnung, was hinter der ganzen Sache stecken könnte; doch bald schon beschleicht sie das Gefühl, dass ihre Eltern wissen könnten, was hier eigentlich los ist. Doch die schweigen zu allem – bis es nicht mehr anders geht und alle „Mitspieler“ der Wahrheit ins Gesicht sehen müssen…

Wie mir das Buch gefallen hat: „Spiel des Lebens“ ist ein wirklich spannender Jugendthriller, der mir aus mehreren Gründen sehr gut gefallen hat und nur einen Kritikpunkt bei mir zurückgelassen hat. Erstens: Veit Etzold kann sehr gut und sehr spannend erzählen. Die Geschichte ist toll strukturiert, arbeitet zum Teil mit der Täterperspektive, ist gut durchdacht und sehr temporeich. Das ist wirklich gelungen.
London als Kulisse finde ich persönlich immer großartig, und dieser Roman macht deutlich, dass Etzold sich in London wirklich auch sehr gut auskennt (er studierte selbst auch am King’s College und lebte einige Jahre in dieser Stadt): London ist nicht einfach nur Kulisse, es ist wirklich ein Schauplatz: Straßen, U-Bahn-Haltestellen, Sehenswürdigkeiten, Eigenheiten der Stadt – alles kommt vor und jeder, der schon mal in London war, erkennt und erlebt die Stadt hier wieder. Das fand ich großartig.
Emily Waters ist eine sympathische Protagonistin und sie und Etzolds andere Figuren wirken überzeugend und sind nicht zu übertrieben dargestellt. Auch Emilys Eltern zähle ich in diese Kategorie, sie wirkten ebenfalls glaubwürdig dargestellt.
Das Ende ist großartig und superspannend – endet aber recht offen. Eine Fortsetzung wäre möglich, aber nicht unbedingt nötig, die Geschichte ist in sich abgeschlossen.
Einziger Kritikpunkt für mich: die Beweggründe des Täters sind zwar verständlich, aber irgendwie ist bei dem, was geschehen ist und wofür sie büßen soll, an einer Stelle ein logischer Bruch für mich bzw. eine Sache, die ich nicht wirklich glaubwürdig finde im Schicksal des Täters, das zu seinen Taten führt. Schwer, das zu beschreiben, ohne zu viel zu verraten. Aber da ist eben eine Sache für mich etwas merkwürdig.
Insgesamt absolut lesenswert und spannend – Veit Etzolds erster Thriller für Jugendliche und junge Erwachsene lohnt sich!

Thomas Thiemeyer: Das verbotene Eden – David und Juna

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: „David und Juna – Das verbotene Eden“ ist eines der Bücher, die rund um meinen Geburtstag hier eingezogen sind. Ich war gespannt…

Zum Inhalt: Ein Virus, von der Menschheit selbst erschaffen, hat vor 65 Jahren dazu geführt, dass Männer und Frauen nicht mehr zusammen leben können. Hass, Verachtung und viele Vorurteile haben sich entwickelt, das Land ist in einem Zustand angelangt, in dem es viel von dem Komfort, den wir kennen, nicht gibt. Strom, warmes Wasser, Zentralheizung – all das existiert weder in der Welt der Männer, die zumindest noch über Autos und Motorräder verfügen und die sich einer Form des Christentums zugewandt haben, die vollkommen frauenfeindlich ist und in der von Nächstenliebe nicht mehr viel zu spüren ist, noch in der Welt der Frauen, die ihren eigenen Göttinnen huldigen und sehr viel naturverbundener leben als die Männer.
Nur eines bringt Männer und Frauen unvermeidlich immer wieder zusammen – der Nachwuchs. Bei den sogenannten Landernten, wenn die Männer zu den Dörfern der Frauen kommen, um sich mit Getreide und anderen Gütern zu versorgen, zeugen sie Nachwuchs mit empfängnisbereiten Frauen. Das Ganze ist streng geregelt – und doch funktioniert es nicht, denn der Hass auf beiden Seiten ist zu groß geworden und in jedem Lager gibt es machthungrige Anführer, die das andere Geschlecht am liebsten ganz vernichtet sehen möchten (außer eben für das Zeugen von Nachwuchs).
In diesen ganzen Machtkämpfen, die immer weiter zu eskalieren drohen, begegnen sich durch einen Zufall die kriegerische Juna, die in ihrem Volk hohes Ansehen genießt, und der kluge und besonnene David, der in einer Klosterbibliothek Bücher restauriert und der dort besonderes Interesse an einem verbotenen, weil widernatürlichen Buch gefunden hat: William Shakespeares „Romeo und Julia“. Dass es eine solche Liebe wirklich geben kann, kann David kaum glauben, doch als er Juna näher kennenlernt, muss er feststellen, dass diese „Hexe“ gar nicht so ist, wie er gedacht hat – ganz im Gegenteil. Hat das Virus etwa seine Wirkung eingebüßt?

Wie mir das Buch gefallen hat: Dystopien sind nichts Neues mehr, und ich habe auch bereits einige gelesen. Was mir hier gut gefallen hat, ist Thiemeyers Idee, die beiden Geschlechter gegeneinander aufzuhetzen, ihnen eigene Arten von Gesellschaft zu erschaffen (die ich auch durchaus stimmig fand) und Stärken und Schwächen beider Geschlechter zu benennen. Interessanterweise schreibt Thiemeyer hier den Männern eine – wenn auch verfälschte – starke religiöse Gesinnung zu, lässt sie diejenigen sein, die sich nicht nur nach technischen Errungenschaften, sondern auch nach alten Bildungsgütern sehnen; während die Frauen vollkommen ohne Literatur auszukommen scheinen, Bücher generell keine Rolle spielen und sie sehr naturverbunden, aber durchaus sehr gut organisiert leben (zum Teil auch besser als die Männer). Dennoch, und auch das stellt Thiemeyer hier sehr gut heraus, gibt es auf beiden Seiten Vorurteile, Angst, Hass und Machthunger, der dazu führt, dass die Fronten sich immer mehr verhärten.
Ebenfalls überzeugend ist für mich hier gewesen, dass sich die Liebesgeschichte zwischen David und Juna nicht so rasant entwickelt, wie es manchmal in Romanen dieser Art der Fall ist. Es ist glaubwürdig, dass sowohl David als auch Juna Vorbehalte dem anderen gegenüber haben, und es ist von Thiemeyer wirklich gut beschrieben, wie sie sich nur zaghaft ihren Gefühlen stellen, die in ihrer Welt, in der Homosexualität normal und Heterosexualität „krank“ ist, für viele Schwierigkeiten sorgen.
Schön fand ich den Bezug zu Shakespeares „Romeo und Julia“, auch wenn ich durch einige Aussagen, die vor allem David zu dem Drama macht, mit einem anderen Ausgang des Romans gerechnet hatte. Das war aber gerade gut, dass sich das nicht bestätigte. Und diese Geschichte ist ja auch noch nicht fertig erzählt.
Ein bisschen Kritik gibt es auch, denn in der ersten Hälfte gab es meiner Meinung nach ein paar Längen, bis die Geschichte so richtig in Gang kam. Anfangs faszinierten mich die unterschiedlichen Gesellschaftsformen, aber dann hätte es mit der eigentlichen Handlung einfach etwas schneller vorangehen können. Mehr habe ich nicht zu meckern – „David und Juna“ lohnt sich. 🙂