345 Tage buchkauffrei – Eine neue Thrillerreihe anfangen? (Hörbuch 15)

Wenn man eine Weile keine Bücher kauft und entsprechend nicht andauernd in Buchhandlungen herumhängt, um den Kaufwunsch nicht unnötig nach oben zu drängen, dann gehen so manche Neuerscheinungen auch mal an einem vorbei. Ja, sie begegnen einem auf anderen Blogs … Weiterlesen

Katja Klimm: Am Sonntag stirbt Alison

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir vor ein paar Tagen aus der Stadtbibliothek mitgenommen. Es klang nach einem ganz guten Thriller und ich dachte, ich versuch es mal. Zum Inhalt: Seitdem ihre Mutter von einem Amokläufer … Weiterlesen

Pierre Lemaitre: Alex

012Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Waterstones am Trafalgar Square in London. Die magischen Worte – der magische Buchladen. Zwei Bücher zum Preis von einem. Da muss man sich „nur noch“ entscheiden…

Zum Inhalt: Sie liebt es, Perücken zu tragen und eine Andere zu sein. Sie ist viel allein unterwegs, pflegt eigentlich keine sozialen Kontakte. Alex lebt für sich allein, zurückgezogen. Und trotzdem ist da plötzlich dieser Mann, der sie beobachtet, zu verfolgen scheint. Noch während Alex versucht, sich darüber klarzuwerden, ob sie in Gefahr ist, ist der Mann plötzlich da und entführt sie. Nahezu bewusstlos ist die junge Frau, als sie in einem verlassenen Gebäude, das sie an eine Lagerhalle erinnert, zu sich kommt. Der Entführer behandelt sie brutal, sperrt sie in einen Käfig ein, in dem sie sich kaum bewegen kann. Hier muss Alex ausharren, dem Fremden völlig ausgeliefert. Wer ist der Mann? Und warum hat er gerade sie entführt? Alex weiß nur eines, denn das hat der Entführer ihr gesagt: er will sie sterben sehen.
Kaum ist Alex entführt worden, da weiß auch schon die Polizei davon und die Ermittlungen beginnen. An vorderster Front kämpft Camille Verhoeven, ein Polizeibeamter, der sich einen Namen gemacht hat, weil er einen siebten Sinn zu haben scheint, was Ermittlungen betrifft. Bekannt ist er auch aufgrund seiner geringen Körpergröße, die ihm immer wieder zu schaffen macht. Doch diese kompensiert er dadurch, dass er bei einem Fall nie lockerlässt, was ihn für seinen Chef unersetzlich macht. Eigentlich sind Entführungsfälle für Verhoeven tabu, denn vor einigen Jahren ist seine Frau entführt und ermordet worden. Ein solcher Fall reißt alte Wunden auf, aber für Camille Verhoeven steht fest, dass er Alex finden muss. Er ahnt nicht, auf was für eine Geschichte er sich jetzt eingelassen hat…

Wie mir das Buch gefallen hat: In Großbritannien hat dieses ursprünglich auf französisch erschienene Thrillerdebut Wahnsinnskritiken bekommen. Ein Plot voller Wendungen, bei dem bis kurz vor Schluss überhaupt nicht klar ist, wie alle Ereignisse dieses Thrillers zusammenhängen. Wenn so etwas auf einem Buch draufsteht, glaube ich das immer noch lange nicht; als versierte Krimileserin kriegt man immer noch alles Mögliche raus. Bei „Alex“ (auf Deutsch übrigens: „Ich will dich sterben sehen“) ist das nicht so. Immer wieder war ich erstaunt darüber, wie die Geschichte sich entwickelte.
Zum Teil ist dieser Thriller nichts für schwache Nerven. Es gab die ein oder andere Szene, in der ich mir am liebsten die Augen zugehalten hätte, um nicht hinsehen zu müssen, was mein Kopfkino aus Lemaitres Worten herausholt. Ich bin für Ekelszenen und Horror nicht unbedingt zu haben, aber hier hat es dann trotzdem irgendwie gepasst. Sehr gruselig, sehr grausig – und man konnte das Buch dann erst recht nicht aus der Hand legen.
Verhoeven war mir anfangs nicht unbedingt sympathisch. Der zwergenhafte Ermittler war mir zunächst zu spleenig, aber mit der Zeit haben mir er und sein Team immer besser gefallen. Besonders spannend ist aber, dass im ersten Teil des Buches abwechselnd von den Ermittlungen und von Alex‘ Situation berichtet wird. Ich wollte unbedingt wissen, was aus Alex wird und fand die Spannung manchmal kaum auszuhalten.
Es ist ganz schwierig, etwas zu dem Thriller zu sagen, ohne zu viel zu verraten. Wenn man die Auflösung kennt, fallen plötzlich auch ganz viele Details vom Anfang anders ins Bild. Das hat mir sehr gut gefallen – Lemaitre weiß, was er tut.
Mich hat dieser Thriller sehr gut unterhalten. Wer mit etwas ungewöhnlichen Ermittlern etwas anfangen kann und bei Thrillern gern auch mal zu welchen mit einem ungewöhnlichen Plot greift, ist mit „Alex“ sicher gut beraten.

J. A. Kerley: Little Girls Lost

noch33Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir bei „Murder and Mayhem“ in Hay-on-Wye gekauft. Der Autor war mir bis dahin nicht bekannt, aber beim Stöbern konnte ich diesem Buch einfach absolut nicht widerstehen. Es brauchte ein neues Zuhause.

Zum Inhalt: Eigentlich ist Conner Sandhill aus dem Polizeidienst ausgestiegen. Der einstige Ermittler führt nun eine Gaststätte in Mobile, Alabama, und ist inzwischen allen als der „Gumbo King“ bekannt. Aber jetzt braucht Carson Ryder plötzlich seine Hilfe, denn der Detective sieht sich einem Fall gegenüber, der nicht nur schwer zu knacken ist, sondern auch unglaublich schrecklich: immer wieder werden kleine Mädchen entführt und verschwinden spurlos. Die Bevölkerung ist aufgebracht und verängstigt – die Polizei muss nun schnell Ergebnisse bringen. Dies wünscht such auch die Bürgermeisterin der Stadt, denn die Wahl steht kurz bevor und es geht um jede Stimme.
Niemand ahnt, wie perfide der Täter vorgeht, der die kleinen Mädchen entführt, denn er lernt die Kinder tatsächlich in ihren Schulen kennen, versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen und spioniert sie aus, bis er dann zuschlägt.
Carson Ryder greift nach jedem Strohhalm, der sich ihm bietet, aber die Bedingungen für ihn sind erschwert. Sein Partner, Harry Nautilus, ist außer Gefecht gesetzt, und liegt mit schweren Verletzungen in seinem Krankenbett zu Hause. Zwar kann Ryder einige Male kurz mit ihm sprechen, aber Nautilus darf keiner Anstrengung ausgesetzt sein und darf deswegen eigentlich überhaupt nicht in die Ermittlungsarbeiten einbezogen werden. Sandhill ist Ryders letzte Hoffnung – aber Sandhill ist ein Einzelgänger, der nicht immer nach Regeln spielt. Vielleicht ist es aber gerade das, was die Polizei von Alabama jetzt braucht, denn der Gegner ist gefährlich und schreckt vor nichts zurück. Das nächste kleine Mädchen hat er schon im Visier.

Wie mir das Buch gefallen hat: Mir war nicht klar, dass es sich bei „Little Girls Lost“ um einen Thriller handelt, der in eine Reihe gehört. Carson Ryder und Harry Nautilus sind in vielen Fällen offenbar schon zusammen angetreten und so setzt Kerley voraus, dass man weiß, mit wem man es zu tun hat. Das ist schlecht, wenn man in die Reihe einsteigt, ich war völlig irritiert am Anfang, wer Ryder ist und was wohl mit Nautilus geschehen sein könnte.
Der Fall ist recht spannend und zum Teil auch sehr beunruhigend und unheimlich geschildert. Da in diesem Thriller die Perspektive mehrfach wechselt, erfährt man auch, wie die Kriminellen ticken, und das ist gerade in einem Fall, in dem es um Kinder geht, natürlich etwas, das einem an die Nieren geht.
Meiner Meinung nach hat der Thriller aber auch ein paar Längen. Die ganze Geschichte um Sandhill, seine Beziehung zu einem der kleinen Mädchen und auch die Geschichte um Nautilus und Ryder; das alles wird lang und breit erzählt und es geht mit der Ermittlung des Falls manchmal etwas langsam voran. Das hat mich etwas genervt, zumal der Fall an sich eben so spannend war! Wenn man beim Lesen das Gefühl hat, dass die Zeit drängt, und in dem Thriller selbst nichts passiert, ist das schon mal lästig.
Unglaubwürdig fand ich dann auch noch die Figur Rose. Rose ist eigentlich (!) einer der „Bösen“, aber sein Verhalten ist zum Teil recht merkwürdig und am Ende ziemlich unglaubwürdig. Ich hasse Enden, die aussehen wie aus schlechten Filmen kopiert. Und so war auch hier der Showdown zu heftig und mal wieder nach dem Motto „Mit einer Schusswunde am Kopf gehen wir noch lange nicht nach Hause“. Nicht mein Fall.
Insgesamt war das Buch ganz in Ordnung, aber restlos hat es mich nicht überzeugt und ich bin nicht Versuchung, jetzt loszuziehen und mir alle anderen Bände der Reihe zu besorgen!

J.A. Konrath: Mr. K

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich habe seit einer gefühlten Ewigkeit keinen Thriller mehr gelesen und das ist für mich doch eher ungewöhnlich. Also habe ich zugegriffen, als mir „Mr. K“ als Leseexemplar angeboten wurde.

Zum Inhalt: Jacqueline Daniels, von allen nur Jack Daniels genannt, war einst eine erfolgreiche, knallharte Polizistin, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, dem Bösen auf die Schliche zu kommen und ihm das Handwerk zu legen. Jack schreckt vor nichts zurück – sie gibt sich große Mühe, genauso abgebrüht zu sein wie ihre männlichen Kollegen, denn die nehmen die zierliche Frau nicht immer ganz so ernst.
Doch Jack hat nun ganz andere Probleme, denn sie erwacht in einem Lagerraum, in dem sie an einen Betonblock gefesselt ist. Wie sie in diesen Raum gekommen ist, weiß sie nicht, aber eines ist ihr klar: ihre Zeit läuft ab – und zwar sichtbar, vor ihren Augen, denn dort befindet sich eine kleine Digitaluhr, die ihr verrät, dass sie nur noch zwei Stunden hat, bis… ein Blick durch den Raum lässt Jack schaudern. Auf einmal weiß sie, wer sie entführt hat, und zu sagen, ihr schlimmster Albtraum würde wahr, scheint nun fast untertrieben.
Vor drei Jahren hätte sie die Chance gehabt, diesen Mann hinter Gitter zu bringen. Er spielt ein grausames Spiel, er ist ein Mann ohne Gewissen, ein echter Psychopath. Jacks und sein Weg haben sich bereits vor einundzwanzig Jahren das erste Mal gekreuzt und seitdem hat er es auf die Polizistin abgesehen. Jetzt will er Jack zeigen, dass manchmal im Leben auch das abgrundtief Böse siegt…

Wie mir das Buch gefallen hat: Bis zum Ende des Thrillers hätte ich nicht sagen können, ob ich dieses Buch gut oder schlecht fand, da es einfach für beide Seiten wirklich einige Punkte gibt. Ich fange mal mit den guten Seiten an:
Die Geschichte ist sehr gut aufgebaut. Parallel werden vier Handlungsstränge erzählt: Jacks Anfänge bei der Polizei im Jahr 1989, als sie auch das erste Mal Bekanntschaft mit dem Täter macht (mehr oder weniger jedenfalls), ihre Jagd nach dem Mörder im Jahr 2007 und schließlich gibt es das Jahr 2010: in diesem Handlungsstrang erzählt Jack einmal, was sie in ihrer Gefangenschaft erlebt, in einem weiteren wird beschrieben, wie ihre Kollegen fieberhaft nach ihr suchen, nachdem sie verschwunden ist. Die Art, wie all diese Handlungsstränge ineinandergreifen, fand ich richtig gut gemacht, und auch, wenn der Showdown dadurch etwas lang wurde (es gab immerhin irgendwie mehrere), war die Erzählweise schon ziemlich spannend.
Jack fand ich als Protagonistin gelungen und auch glaubwürdig, auch wenn dieses Thema „Frau bei der Polizei wird von ihren Kollegen nicht ernst genommen“ auch etwas weniger hätte breitgetreten werden können.
Die Dialoge sind zum Teil recht lustig und schlagfertig, wenn die Ermittler miteinander sprechen, auch wenn man sagen muss, dass der Autor gerade mit Jacks Kollegen Herb und Harry manchmal tief in die Klischeekiste gegriffen hat. Das fand ich aber beim Lesen nicht weiter störend. Da der Thriller mit einem Epilog endet, der verspricht, dass das Ganze noch lange nicht vorbei ist, werden die Charaktere ja vielleicht auch noch weiter ausgebaut.
Mal wieder ein extrem blutiger Thriller, nichts für schwache Nerven, und der Ekelfaktor kommt auch nicht zu kurz. Mir war’s an Grausamkeiten zu viel. Ich weiß, es ist Geschmackssache, aber Grusel und Ekel sind für mich einfach nicht dasselbe, und auf die ein oder andere Beschreibung hätte ich gut verzichten können.
Der Superkiller, Mr. K., den die Polizei nach knapp 200 Morden immer noch nicht geschnappt hat, fand ich irgendwie ein bisschen übertrieben. Wenn sowas realistisch ist, ist die Vorstellung natürlich wirklich beängstigend, aber es kam mir schon ziemlich überzogen vor. Am Ende ist mir dann auch der Antrieb für diese Morde wirklich zu schwach erklärt, und überhaupt fand ich den Showdown um Jackies Gefangenschaft auf mehreren Ebenen unglaubwürdig und zu plötzlich. Gerade eine der Figuren, die dort plötzlich auftaucht, hätte vom Autor deutlich mehr vorbereitet werden müssen – ich war am Ende wirklich irritiert; vor allem, weil man auch etwas über Jack erfährt, bei dem ich doch den Kopf schütteln musste; es passt irgendwie so gar nicht.
Es ist schwer, ein Fazit zu ziehen. „Mr. K“ ist in jedem Fall ein sehr spannend zu lesender Thriller, aber wirkt in einigen Passagen nicht ganz zu Ende gedacht. Und man sollte es blutig mögen, wenn man sich auf Konraths Buch einlassen will…