345 Tage buchkauffrei – Sorry, ich kapier den Titel nicht. (Buch 43)

Der Roman „Sommer in Sepia“ von Marie Velden stand schon ein paar Jahre ungelesen in meinem Bücherregal, bis ich jetzt fand, es sei der richtige Zeitpunkt, es mal zu lesen. Also Sommergetränk eingeschenkt und losgelesen. Thomas ist schon seit vielen … Weiterlesen

Mary Woolstonecraft: Maria or The Wrongs of Woman

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Mary Woolstonecrafts Roman habe ich mir schon während des Studiums gekauft. Er zählte zu den Büchern, deren Titel ich mir in einem Seminar notierte und beschloss, das Buch später unbedingt lesen zu müssen. Unbedingt … Weiterlesen

Virginia Woolf: To the Lighthouse

noch25Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir noch zu Unizeiten gekauft, da es in einer Veranstaltung empfohlen wurde. Schon zu der Zeit hatte ich das Problem, dass ich mir mehr kaufte, als ich lesen konnte, und so lag das Buch jetzt echt jahrelang ungelesen im Regal.

Zum Inhalt: Alles beginnt im Sommerhaus der Ramsays an der schottischen Küste. Hier lernen sich Minta und Paul kennen, die ein Liebespaar werden, hier findet die introvertierte Malerin Lily Briscoe einen Freund und Zeit, um sich ihrer Kunst zu widmen, hier wünscht sich der jüngste Sohn der Familie, James, nichts sehnlicher, als zum Leuchtturm fahren zu können. Seine Mutter kann sich noch so bemühen, ihn mit Spielen und Märchen abzulenken, der kleine Junge möchte am folgenden Tag übers Meer fahren. Sein Vater aber macht ihm da keine Hoffnungen; Mr. Ramsay, ein vollkommen von sich eingenommener Schriftsteller, kann sich nicht in seinen Sohn hineinversetzen und versucht auch nicht, das Kind zu trösten. Im Gegenteil, ihn machen Gefühle anderer Menschen eher wütend, und oftmals zeigt er sich extrem cholerisch. Der erste Sommer, von dem in dem Roman erzählt wird, endet dennoch friedlich.
Zehn Jahre später sieht die Situation ganz anders aus. Die Ramsays haben harte Schicksalsschläge hinter sich und nicht alle von ihnen kehren in das Sommerhaus zurück, das nun ein Jahrzehnt leerstand. James und Cam sind aber wieder da, und auch ihr Vater begleitet sie. Dieses Mal soll es eine Reise zu dem Leuchtturm geben – aber da nichts ist wie vorher, ist auch diese Reise nun ganz anders als einst erwartet.
Auch Lily ist wieder in das kleine Haus zurückgekehrt, und auch sie hinterfragt hier unwillkürlich, wie der Sommer vor zehn Jahren gelaufen ist und was sich seitdem in ihrem Leben verändert hat. Zehn Jahre sind eben eine lange Zeit, und andererseits stimmt es nicht immer, dass man mit der Zeit klarer sieht…

Wie mir das Buch gefallen hat: „To the Lighthouse“ ist ein ungewöhnliches Buch, aber gerade das macht es meiner Meinung nach so lesenswert. An äußerer Handlung hat es wenig zu bieten, denn es „passiert“ wenig. Umso tiefer ist aber der Einblick, den die Autorin uns in die Gedankenwelt ihrer Figuren gibt. So erfahren wir sehr viel über das, was die Charaktere denken, über sich und über die Anderen, über Liebe und über Beziehungen. Das ist unheimlich interessant – natürlich deswegen, weil wir es hier mit Protagonisten zu tun haben, die alles Andere als einfach gestrickt sind, und die man beim Lesen auch nicht unbedingt sofort durchschaut. Gerade Mrs. Ramsay, der Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft in diesem Sommerhaus, blieb mir ein Rätsel. Das hat mir gut gefallen, das gebe ich zu, denn ich weiß, wenn ich das Buch noch einmal lese, werde ich dieses Rätsel wiederfinden und vielleicht mehr entschlüsseln.
Interessant ist auch der Aufbau des Romans, der in drei Teile geteilt ist. Teil 1 und 3 geben jeweils die Ereignisse eines Sommertages wieder, zwischen denen eben zehn Jahre liegen. Der zweite Teil, „Time Passes“, ist verhältnismäßig kurz, er erzählt aber in einer Weise, die an einen Zeitraffer erinnert, was in den zehn Jahren geschieht – mit der Familie Ramsay, aber auch mit dem Haus, in dem die Geschichte spielt. Der zweite Teil unterscheidet sich auch erzähltechnisch sehr stark von den anderen beiden Abschnitten; auch ein echter Pluspunkt.
Der Roman ist aber auch wirklich gerade von der Art des Erzählens her wirklich sehr besonders. Manche Sätze und Gedankengänge sind verschachtelt und erfordern ein sehr genaues Lesen, dann wieder sind Aussagen sehr kurz und prägnant. Die Gedankengänge verschiedener Figuren gehen ineinander über, und man hat das Gefühl, dass die Charaktere sehr authentisch sind, gefangen in ihrer Rolle, die sie erfüllen und erfüllen wollen, aber angesichts der Situation im Sommerhaus auch wieder überdenken.
Ein Roman, der mich beeindruckt hat, und zwar mehr, als ich es erwartet hätte.

Ich lese… To the Lighthouse (Teil 3)

woolflighthouseNun habe ich die letzten 130 Seiten doch nicht mehr aufgeteilt, aber das liegt vor allem daran, dass ich es jetzt unbedingt auslesen wollte. Wenn man durch die knapp vierzig Seiten des zweiten Teils („Time Passes“) durch ist, stellt sich nämlich schlicht und ergreifend die Frage, wie es denn nun weitergeht.

Time Passes“ mag nur vierzig Seiten lang sein, aber trotzdem hat es dieser Teil des Romans in sich. Er erzählt vor allem davon, was mit dem Haus passiert, nachdem die Ramsays und ihre Gäste abgereist sind. Es erzählt davon, wie die Haushälterin kommt, um das Haus zu reinigen, wie Tage und Nächte vergehen, dann Monate, und wie das Haus, in das niemand mehr zurückkommt, immer mehr verfällt.
Und dabei beginnt der Abschnitt harmlos damit, dass Prue und Andrew zusammen mit Mr. Bankes und Lily vom Strand wiederkommen und das Licht ausschalten. Die  Dunkelheit, die sich über das Haus liegt, ist wie ein Vorbote für das, was danach kommt.

So with the lamps all put out, the moon sunk, and a thin rain drumming on the roof a downpouring of immense darkness began. nothing, it seemed, could survive the flood, the profusion of darkness which, creeping at keyholes and crevices, stole around the window blinds, came into bedrooms, swallowed up here a jug and a basin, there a bowl of red and yellow dahlias, there the sharp edges and firm bulk of a chest of drawers. Not only was furniture confounded; there was scarcely anything left of body or mind by which one could say, „This is he“ or „This is she“. (pp. 187-188)

In der Tat verschwinden die Charaktere, denen wir im ersten Teil begegnet sind, fast vollständig. Wir sehen zu, wie das Haus mehr und mehr verwahrlost, wie Gegenstände zerfallen und schimmeln, wie Tiere sich in dem Haus einnisten. Wir hören die Haushälterin sagen, dass ein Mensch allein dem Verfall nicht mehr Herr werden kann.
Und die Ramsays selbst – sie werden zu Randbemerkungen. Was ihnen geschieht, wird in Klammern geliefert, als sei es unwichtig, sodass man das Gefühl hat, die Autorin wolle hier vor allem zeigen, wie bedeutungslos Menschenleben für den Verlauf der Zeit und der Jahre sind. So musste ich die erste Klammerbemerkung ungläubig zweimal lesen:

[Mr. Ramsay, stumbling along a passage one dark morning, stretched his arms out, but Mrs. ramsay having died rather suddenly the night before, his arms, though stretched out, remained empty.] (p. 192)

So geht es noch mit weiteren Schicksalsschlägen der Familie Ramsay und ich ertappte mich beim Lesen dabei, dass ich Ausschau nach diesen Klammern hielt. Ja, gut, die Fenster sind undicht, die Jahre – vor allem die Kriegsjahre des Ersten Weltkriegs – gehen nicht spurlos an dem Haus vorbei, aber was ist mit den Ramsays?
Ich war richtig erleichtert, als die Haushälterin schließlich einen Brief bekommt, in dem die Ramsays ihre Rückkehr ankündigen. Und tatsächlich reisen zwei Gäste auch dann gleich schon wieder an. Eine davon ist Lily Briscoe. Der Nachname lässt darauf schließen, dass sie nicht geheiratet hat…

The Lighthouse„, der dritte Abschnitt, bestätigt dies dann auch. Hier liegt ein sehr interessanter Fokus auf Lily, fand ich. Sie ist tatsächlich noch unverheiratet, aber wenn sie auf die Ehe von Paul und Minta schaut, ist sie darüber auch gar nicht traurig, denn Lily zufolge ist es den beiden nicht unbedingt vergönnt gewesen, „happily ever after“ zu leben.
Nun, nachdem sie zurückgekehrt ist in das Haus, denkt Lily viel über Mrs. Ramsay nach und in ihrer Erinnerung ist die Frau schon deutlich sympathischer, als Lilys unmittelbare Wahrnehmung von vor zehn Jahren war. Es scheint, als ginge es jetzt für sie darum, die Geschichte abzuschließen.
Da ist einerseits Mr. Ramsay. Lily hat das Gefühl, dass er eine bestimmte Erwartungshaltung an sie hat – dass sie ihn zumindest bemitleidet, sich ihm öffnet; zwischendurch scheint sie darüber nachzudenken, ob er sich noch mehr von ihrer Verbindung erhofft. Aber genau das kann sie nicht, sie ist nicht der Typ Frau, den Ramsay ihrer Meinung nach sucht; sie erinnert sich daran, wie er manchmal mit seiner Frau umgesprungen ist, und dass sie dies unerträglich gefunden hat. Sie erinnert sich auch, dass sie Mrs. Ramsay nicht besonders mochte; das Verhalten dieser Frau, die immer ihren Willen bekam, und das aufgrund ihres Auftretens. Dennoch überkommt sie plötzlich eine Trauer für Mrs. Ramsay und diese gipfelt in einem unerwarteten Gefühlsausbruch:

„Mrs. Ramsay!“ Lily cried, „Mrs. Ramsay!“ But nothing happened. The pain increased. That anguish could reduce one to such a pitch of imbecility, she thought! […] Heaven be praised, no one had heard her cry that ignominious cry, stop, pain, stop! She had not obviously taken leave of her senses. No one had seen her strip of board into the waters of annihilation. She remained a skimpy old maid, holding a paint brush. (p. 265)

Dieser Gefühlsausbruch immerhin führt dazu, dass Lily erneut über Mr. Ramsay nachdenkt, und dass sie das Meer beobachtet, auf dem er gerade unterwegs ist. Für Lily bedeutet ihre Wiederkehr in das Haus, dass sie einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen kann.

Mr. Ramsay hingegen hat es natürlich nicht leicht. Von seinen acht Kindern sind – aus verschiedenen Gründen – nicht alle in diesem Sommer bei ihm. James und Cam sollen den Vater zum Leuchtturm begleiten – zehn Jahre später findet der Ausflug statt, den James sich damals so gewünscht hatte. Ohne Mrs. Ramsay ist nichts so, wie es sein sollte. Es gibt zuerst Unklarheiten darüber, was für die Fahrt mitzunehmen ist, und auch die Überfahrt selbst ist geprägt davon, dass James und Cam ihren Vater unerträglich finden. James, das wissen wir, hat seinen Vater schon immer gehasst, und auf dem Boot scheint sich dieser noch zu verstärken, während es Cam gelingt, den Vater in etwas anderem Licht zu sehen.
Deutlich wird in jedem Fall, dass jedes Familienmitglied nur allzu deutlich merkt, wer fehlt, und die Harmonie und die Wärme aus dem längst vergangenen Sommer können nicht wiederhergestellt werden; das Bindeglied fehlt. Interessant, dass Mrs. Ramsay so präsent ist, obwohl sie nicht mehr lebt.
James‘ Gedanken zu dem Leuchtturm, der letzten Endes ganz anders aussieht als er immer dachte, fand ich dann aber sehr schön und sehr tröstlich:

James looked at the Lighthouse. He could see the white-washed rocks; the tower, stark and straight; he could see that it was barred with black and white; he could see windows in it; he could see washing spread on the rocks to dry. So that was the Lighthouse, was it?
No, the other was also the Lighthouse. For nothing was simply one thing. The other Lighthouse was true too. It was sometimes hardly seen across the bay. In the evening one looked up and saw the eye opening and shutting and the light seemed to reach them in that airy sunny garden where they sat.(pp. 272 – 273)

Ein schöner Roman, ein trauriger Roman, in jedem Fall einer, bei dem man, wenn man ihn ein zweites Mal liest, noch viel entdecken kann, denke ich. „To the Lighthouse“ hat mir gut gefallen; schön, dass das Buch jetzt zu den gelesenen wandern darf.

Ich lese… To the Lighthouse (Teil 2)

ramsayTatsächlich beginne ich, mich für Virginia Woolf zu begeistern. Und das, obwohl während dieser 100 Seiten Lesestoff Folgendes passierte: es ist Abend, die Familie macht sich fürs Abendessen fertig, es wird gegessen, das Abendessen ist vorbei. Mit anderen Worten: an äußerer Handlung ist hier wieder so gut wie nichts vorhanden. Und trotzdem ist es großartig.

Tatsächlich werden Paul und Minta nun etwas mehr in den Mittelpunkt gerückt. Die beiden, die mit Nancy und Andrew (zweien der acht Kinder der Ramsays) unterwegs sind, sind tatsächlich ein Liebespaar, und Paul traut sich, Minta einen Heiratsantrag zu machen. Alles ja so weit ganz schön, aber bei diesem abendlichen Spaziergang am Meer verliert Minta die Brosche, die sie von ihrer Großmutter geerbt hat, und sie ist untröstlich darüber. Nancy kann sich allerdings nicht wirklich vorstellen, dass es bei Mintas Gefühlsausbruch wirklich nur um diese Brosche geht:

Nancy felt, it might be true that she minded losing her brooch, but she wasn’t only crying for that. She was crying for something else. We might all sit down and cry, she felt. But she did not know what for. (p. 117)

Tatsächlich liegt über dem ganzen Abend eine Traurigkeit, die man sich an dieser Stelle jedoch nicht recht erklären kann. Nur Paul scheint glücklich zu sein; er ist wild entschlossen, Mintas Brosche im nächsten Morgen bei Tageslicht zu finden, und außerdem kann er es nicht erwarten, Mrs. Ramsay zu erzählen, dass er Minta einen Antrag gemacht hat. Obwohl er mit Mrs. Ramsay bisher nicht über das Thema gesprochen hat, ist er sich sicher, dass sie das von ihm erwartet hat und das hat ihm den nötigen Mut verschafft.
Tatsächlich liegt er mit seiner Vermutung über Mrs. Ramsay richtig, denn sie ist in der Tat damit beschäftigt, sich Gedanken um das Glück der beiden zu machen, und sie hofft auch, dass Lily von Mr. Bankes geheiratet werden wird. Dass es sich bei den beiden nicht um die große Liebe handelt, ist ihr klar, trotzdem scheint ihr die Ehe für beide eine gute Lösung, zumal Lily laut Mrs. Ramsay nicht gut genug aussieht, um von Männern ihren Alters wahrgenommen zu werden. Schon immer wieder interessant, welches Frauenbild hier vermittelt wird, denn auch wenn Mrs. Ramsay hier die unangefochtene Heldin ist, in den Augen ihres Mannes ist sie recht ungebildet und naiv – und genau das liebt er an ihr. Sie wiederum versucht auch gar nicht, dieses Bild zu verändern.
Bei diesem Abendessen ist sie nun auch die perfekte Gastgeberin, kümmert sich um alle und smalltalkt, was das Zeug hält. Wir erfahren dabei vor allem etwas über Lily, in deren Gedankenwelt der Leser eintaucht. Lily ist nämlich ziemlich froh, dass sie nicht heiraten muss, dass sie etwas hat, von dem sie leben kann. Ihre Kunst macht sie glücklich, und sie fragt sich, warum alle Menschen der Liebe hinterherzulaufen scheinen, obwohl jeder weiß, wie schmerzhaft Liebe oft ist und wie unbefriedigend eine Ehe sein kann. Dennoch ist Lily selbst von Paul fasziniert und im Hause der Ramsays hat sie oft das Gefühl, Liebe sei erstrebenswert.

It is so beautiful, so exciting, this love, that I tremble on the verge of it […]; also it is the stupidest, the most barbaric of human passions. […]
Yet, she said to herself, from the dawn of time odes have been sung to love; wreaths heaped and roses; and if you asked nine people out of ten they would say they wanted nothing but this – love; while the women, judging from her own experience, would all the time be feeling, This is not what we want; there is nothing more tedious, puerile, and inhumane than this; yet it is also beautiful and necessary. (pp. 154 – 155)

Mr. Tansley ist jedenfalls auch von allem genervt – allen voran von den Frauen am Tisch, denn er denkt, dass er nur ihretwegen Smalltalk machen und über Belanglosigkeiten reden muss. Er kommt sich in seiner Welt, in der sich alles um ihn und seine Dissertation dreht, so wichtig vor, dass er denkt, es sei angenehmer, sich nur mit Männern seines Schlages zu unterhalten. Nichtsdestotrotz versucht er, Mrs. Ramsay zu beeindrucken und deutlich zu machen, dass er mehr ist als nur ein Student. Sie reagiert jedoch nicht wirklich darauf.

Tatsächlich geht es hier vor allem nun um die Liebe zwischen den Ramsays. Als die beiden vor dem Abendessen einen Spaziergang machen, kommen sie mir sehr distanziert vor. Persönliche Themen werden gemieden, und jeder von beiden versucht vor allem, sich so zu geben, dass es in das Bild passt, das der andere von ihm hat. Mrs. Ramsay schämt sich zum Beispiel dafür, dass ihr Mann gesehen hat, dass sie nachdenklich am Fenster stand. Sie ist tatsächlich stets darum bemüht, ihm intellektuell unterlegen zu sein – selbst bei so etwas. Schrecklich!
Er hingegen hat plötzlich das Gefühl, er müsste sich ihr als Draufgänger präsentieren und gibt sich abenteuerlustig, aber sie geht darauf überhaupt nicht ein, weil sie weiß, dass seine Ideen ohnehin nicht umgesetzt werden.
Später wird jedoch deutlich, dass die beiden einander sehr wohl lieben, dass ich ihre Liebe einfach nur nicht verstehe.
Beim Abendessen zum Beispiel überkommt Mrs. Ramsay ein plötzliches Gefühl der Liebe und Bewunderung für ihren Mann – und für mich kam dies aus heiterem Himmel:

Then, realising that it was because she admired him so much that she was waiting for him to speak, she felt as if somebody had been praising her husband to her and their marriage, and she glowed all over without realising that it was she herself who had praised him. (p. 143)

Man muss allerdings sagen, dass der Moment gleich darauf wieder zerstört wird: Ramsay ärgert sich über eine wirklich banale Sache am Tisch und seine Frau kann das, bei aller Liebe und Bewunderung, nicht begreifen.
Unerklärlich, die Beziehung der beiden. Vor allem eine Szene nach dem Abendessen ist mir dabei noch aufgefallen; die Ramsays sind nun endlich für sich: die Kinder schlafen, die Großen sind zu einem Spaziergang aufgebrochen, andere Gäste sind weg und Tansley arbeitet.

She knew what he was thinking, You are more beautiful than ever. And she felt herself very beautiful. Will you not tell me just for once that you love me? He was thinking that, for he was roused, what with Minta and his book, and its being the end of the day and their having quarrelled about going to the Lighthouse. But she could not do it; she could not say it. Then, knowing that he was watching her, instead of saying anything she turned, holding her stocking, and looked at him. And as she looked at him she began to smile, for though she had not said a word, he knew, of course he knew, that she loved him. He could not deny it. (p. 185)

Das Kapitel „The Window“ endet also sehr friedlich, und irgendwie auch mit einem Triumpf für Mrs. Ramsay. Sie mag sich oft naiv geben und ihr Licht unter den Scheffel stellen, damit ihr Mann umso besser dasteht, aber er kann sie nicht dazu zwingen, ihm zu sagen, dass sie ihn liebt. Und so verweigert sie ihm dies, obwohl sie es tut und die Worte keine Lüge wären.

„The Window“, der erste Teil, ist nun also gelesen. Fensterhaft hat er mir einen Einblick in das Leben, vor allem aber in die Gedanken der Familie Ramsay und ihrer Gäste gegeben. Das Fenster spielt auch eine Rolle, da das Licht von dort nach draußen fällt und es vielen Charakteren daher ein Anhaltspunkt und auch eine Art Versprechen ist, dass alles gut werden wird. Mrs. Ramsay, die von verschiedenen Figuren hinter dem Fenster gesehen wird, ist die Frau, die mühelos alle beeindruckt und die das Herz ihrer Familie zu sein scheint.
Der zweite Abschnitt heißt „Time Passes“ und ist nur vierzig Seiten lang. Dennoch habe ich vor, ihm seinen eigenen Platz zu gewähren, weil ich mir vorstellen könnte, dass der dritte Teil dann wieder ganz anders wird.

Sophie Kinsella: Wedding Night

20130703-145621.jpgWie ich zu dem Buch gekommen bin: Es geschah letzten Samstag bei Waterstone’s in Cardiff. Ich stöberte in den Regalen und eher zufällig stieß ich dabei auf die Reihe mit den Romanen von Sophie Kinsella. Erstaunt stellte ich fest, dass es ein neues Buch von ihr gibt. Aber ich blieb standhaft. Den ganzen Samstag. Und den halben Sonntag…

Zum Inhalt: Er wird ihr einen Antrag machen! Sie weiß es einfach. Lottie hat sich für das Mittagessen mit ihrem Freund Richard extra chic gemacht. Nun sitzt sie mit ihm in einem tollen Restaurant und wartet darauf, dass er ihr die Frage aller Fragen stellt. Nur leider hat sie Richards Andeutungen zu der Frage, die ihm unter den Nägeln brennt, falsch verstanden und statt eines Heiratsantrags will Richard einfach nur wissen, für welches Reiseziel Lottie gern seine Bonusmeilen aus dem Vielfliegerprogramm einsetzen würde. Lottie ist entsetzt!
Da Richard und sie offenbar nicht dasselbe wollen, beschließt Lottie, dass die Beziehung einfach keinen Sinn mehr hat und kurzerhand trennt sie sich von ihm. Nicht nur Richard trifft diese Nachricht vollkommen unerwartet, auch Lotties Schwester Fliss ist vollkommen entsetzt, als sie diese Neuigkeit erfährt. Das kann doch nicht Lotties Ernst sein!
Doch es wird noch schlimmer. Um sich von ihrem Liebeskummer abzulenken, geht Lottie zu einem Date mit ihrer Jugendliebe Ben. Mit Ben hat sie den schönsten Sommer ihres Lebens verbracht und nun werden Erinnerungen wach. Ben, der immer noch fantastisch aussieht, erklärt Lottie nun auch gleich, dass er sie nie vergessen konnte und dass die fünfzehn Jahre ohne sie verlorene Zeit waren. Immer habe er an sie gedacht, sagt Ben, und es sei falsch gewesen, dass sie mit achtzehn gedacht hatten, dass ihre Liebe eine räumliche Distanz nicht überwinden könnte. Er macht Lottie einen Heiratsantrag – und überwältigt vor Glück sagt sie ja. Die beiden beschließen, dass sie so schnell wie möglich heiraten wollen, und Lottie kann überhaupt nicht verstehen, warum Fliss nicht auch durchdreht vor Glück. Ganz im Gegenteil – Fliss beschließt, alles daran zu setzen, dass diese Hochzeit niemals stattfindet…

Wie mir das Buch gefallen hat: Sophie Kinsella war mal wieder jeden Cent wert. Ich habe beim Lesen manchmal richtig lachen müssen und gleichzeitig ist die Geschichte nicht total oberflächlich und seicht. Die Mischung macht es.
Kinsellas Heldinnen Lottie und Fliss mochte ich beide, obwohl mir Fliss deutlich näher war. Sie versucht, ihre Trennung zu verarbeiten und mit der Tatsache klarzukommen, dass andere Leute sie für verbittert halten, obwohl sie einfach nur ihr Recht will. Fliss ist außerdem darauf aus, Lottie um jeden Preis zu beschützen. Und an diese wiedergefundene Jugendliebe glaubt sie erst recht nicht. Lottie hingegen mochte ich wegen ihrer Naivität und ihrem Glauben an das Gute (im wahren Leben könnte ich sie allerdings kaum ertragen…).
Die beiden Schwestern erzählen mehr oder weniger abwechselnd, und das gibt der Handlung einen guten Dreh. Zwischen dem Himmel voller Geigen, den wir mit Lottie erleben, und der pragmatischen Sicht von Fliss liegen Welten, gerade das hat mir gefallen.
Dass alles irgendwie gut ausgeht und am Ende alle glücklich und zufrieden sind, weiß man ja schon, bevor man überhaupt anfängt zu lesen. Von Sophie Kinsella will man doch vor allem eines: eine Geschichte, bei der man nicht zu viel denken muss, die einen unterhält und ein bisschen berieselt. Genau das macht „Wedding Night“, und zwar gut.
Klassische Kinsella-Lektüre, man kriegt, was man erwartet. Ich bin sehr zufrieden.