345 Tage buchkauffrei – Wer bist du noch, wenn du dich selbst nicht mehr kennst? (Buch 29)

„Boy 7“ von Mirjam Mous ist ja schon lange eigentlich kein Geheimtipp mehr, eher eins von den Büchern, bei denen du dir immer wieder selbst sagen musst, dass du es trotz des Hypes ganz bestimmt irgendwann lesen wirst. Ganz bestimmt. … Weiterlesen

345 Tage buchkauffrei – Eine Welt ohne Kaffee und Schokolade ist sinnlos (Buch 12)

„Bitterzart“ heißt das Buch von Gabrielle Zevin, das diese Welt ohne Kaffee und ohne Schokolade beschreibt. Es ist die Welt im Jahr 2083, in der alle Ressourcen, die die Menschheit einst hatte, so gut wie verbraucht sind. Textilien werden nicht … Weiterlesen

Christoph Zachariae: Ödland – Der Keller

028Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Auf dieses Buch bin ich durch den Autor selbst aufmerksam geworden. Ich reagiere ja lange nicht positiv auf alle Werbeangebote, aber „Ödland“ klang wie etwas für mich…

Zum Inhalt: Sie ist nicht in der Enklave geboren, und allein das macht Mega zu etwas Besonderem. Eines Tages war sie plötzlich da – ein kleines Mädchen, über das niemand etwas wusste, und das trotzdem von den Wissenschaftlern herzlich aufgenommen und großgezogen wurde.
Und das war Megas Glück. Denn nachdem die Welt sich verändert hat, nichts mehr da ist von der einstigen Konsumgesellschaft, Rohstoffe so gut wie nicht mehr erhältlich sind und das Leben voller Gefahren ist, die es dem Einzelnen quasi unmöglich machen zu überleben, ist ihr unterirdisches Zuhause im „Keller“ eigentlich ein guter Ort. Hier haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine kleine Gemeinschaft gegründet, deren Überleben zunächst gesichert scheint. Mit Hilfe vieler Apparaturen und Erfindungen schaffen die Menschen es, ihre Gemeinschaft nicht nur weitgehend geheimzuhalten, sondern auch dafür zu sorgen, dass es hier allen eigentlich gut geht. Hier geht das Leben weiter – so nah an der Vergangenheit dran, wie es geht. Mit Geschichten, gemeinsamem Essen, geordneten Tagesabläufen.
Aber die Tage der Enklave sind gezählt, denn aufgrund der Ressourcenknappheit und der Tatsache, dass auch die Apparate der Wissenschaftler des „Kellers“ irgendwann Verschleißerscheinungen zeigen, kann es selbst hier nicht ewig so weitergehen. Immer wieder schicken die Forscher deswegen ein Mitglied ihrer Gemeinschaft hinaus an die Oberfläche, um das Ödland zu durchqueren und zu versuchen, Informationen und Hilfe zu bekommen – in einer Siedlung im Osten, von der die Wissenschaftler in Megas Zuhause gehört haben, die aber bisher niemand von ihnen je erreicht hat.
Mega hat sich immer gewünscht, den Keller verlassen zu dürfen und an der Oberfläche zu sein. Sonne und Wind zu spüren. Tageslicht zu sehen. Als sie erfährt, dass sie die nächste ist, die sich auf den Weg durch das Ödland machen soll, hat Mega allerdings genauso viel Angst wie Abenteuerlust in sich. Doch die Wissenschaftler glauben an sie – nicht zuletzt, weil Mega anders ist als alle die, die im Keller geboren wurden. Ihre Vergangenheit kann das Mädchen nicht abschütteln, und immer wieder scheinen Erinnerungen in ihr aufzukommen. Wer ist Mega? Ist sie wirklich diejenige, die die Menschen im Keller retten kann?

Wie mir das Buch gefallen hat: Endlich mal wieder eine Dystopie, die auch wirklich Dystopie ist und nicht verkappte Liebesgeschichte in einer bösen zukünftigen Welt. „Der Keller“ ist ein wirklich spannender Auftakt zu Zachariaes Ödland-Reihe.
Auffällig sind die eindrucksvollen Bilder, die im Kopf entstehen. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man sich ansieht, dass der Autor eigentlich Drehbuchautor und Regisseur ist: mit Bildern, die Atmosphäre schaffen, kennt er sich einfach aus. Wo immer Mega oder andere Figuren des Romans sind, man kann sich den Ort wirklich extrem gut vorstellen und atmosphärisch fand ich den Roman sehr dicht. Sowohl die bedrückende, gleichzeitig aber auch irgendwie heimelige Atmosphäre im Keller, als auch die große Weite des Ödlands, die einerseits so gefährlich ist, andererseits aber auch endlich Freiheit bietet, werden sehr eindrucksvoll beschrieben.
Die Handlung ist sehr gut konstruiert und Zachariae spielt häufig auf beängstigende Weise mit den Erwartungen der Leser. Gleich zu Anfang wird deutlich, dass Mega eine ungeklärte Verbindung zu einer weiteren Figur des Romans hat – Hagen, den ich im ersten Kapitel noch für den Protagonisten und einen der „Guten“ hielt, bis dann klar wurde, dass Hagen so ziemlich das Gegenteil von gut ist. In einem zweiten Handlungsstrang erfahren wir auch immer wieder etwas über ihn, aber je mehr man von ihm erfährt, desto unheimlicher wird er…
Mega ist eine sehr interessante Protagonistin, die noch viel Potenzial hat. Man weiß nichts über ihre Vergangenheit, aber die immer wieder auftauchenden kleinen Verweise auf Dinge, die sie wie aus der Erinnerung heraus tun kann, sind sehr spannend und deuten darauf hin, dass Mega vielleicht nicht zufällig bei den Wissenschaftlern im Keller landete. Auch die anderen Figuren fand ich glaubwürdig – manch einen, wie zum Beispiel Professor Walden, schließt man auch schnell ins Herz.
Das Ende, das sei verraten, ist so ein gemeiner Cliffhanger, dass es zum Haareraufen ist. Zum Glück gibt es Band 2 schon. 😉

Michael Grant: Gone – Rache

001Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch gab es rund um die Nikolaustage frisch für den SuB. Die Reihe um die FAYZ und die Kinder, die dort ihre eigene Gesellschaft gründen (müssen), habe ich eigentlich immer ganz gern gelesen. Also habe ich mich auch auf den vierten Band von „Gone“ gefreut.

Zum Inhalt: In der FAYZ ist schon lange nichts mehr einfach, und damit haben sich die Jugendlichen mehr oder weniger arrangiert. Doch die Lage spitzt sich immer mehr zu und langsam bekommen die Jugendlichen Probleme mit ihren Wasservorräten. Der See, aus dem sie immer Wasser bezogen haben, trocknet langsam aus, und in der FAYZ gibt es keinen Regen, der das Problem irgendwie beheben könnte. Mit einer kleineren Gruppe von Freunden macht Sam sich auf, um eine andere Möglichkeit ausfindig zu machen – doch der große See ist viele Meilen entfernt und außerhalb dessen, was die Kinder zu ihrer Stadt gemacht haben, lauern zum Teil unbekannte Gefahren, die tödlich sein können. Doch ohne Wasser werden alle sterben – Sam bleibt also mal wieder keine Wahl.
In der FAYZ selbst hingegen  haben es die Kinder nicht nur damit zu tun, dass Hunger, Wasserknappheit und die sich zum Teil zuspitzenden Mutationen der Freaks ihr Leben bestimmen, es hat auch eine neue Seuche Einzug in die Gemeinschaft gehalten, und diese kostet unzählige Kinder ihr Leben. Die Heilerinnen sind dem Ansturm nicht mehr gewachsen und dabei ist die Grippeepidemie, die die FAYZ in Schach hält, erst der Anfang. Die viel schlimmeren Gefahren lauern draußen in Form eines Parasiten, der mehr und mehr Mitglieder der FAYZ befällt und auf grausame Art und Weise tötet.
Der Gaiaphage hingegen, die dunkle Stimme, die sich einigen Kindern als eine rachsüchtige Gottheit offenbart, scheint seine große Stunde nahen zu sehen. Doch um seinem Ziel näherzukommen, braucht er Astrids Bruder, den kleinen Pete, der durch seinen Autismus diese Welt ganz anders sieht als alle Anderen…

Wie mir das Buch gefallen hat: Michael Grant kann spannend schreiben und erzählen und „Gone“ ist eine Reihe, die ich bis zum Schluss verfolgen werde. Dennoch bin ich am Ende von Band 4 etwas ernüchtert in meiner Begeisterung. Die Handlung ist zwar nach wie vor in sich schlüssig, spannend und temporeich, voller aufkommender Fragen, voller Wendungen, aber sie ist vor allem auch eines: grausam und brutal.
Natürlich kann man durch ekelhafte Parasiten, sich die Lungen aus den Leibern hustende Jugendliche und ein großes Gemetzel nach dem nächsten Spannung erzeugen, die Frage danach, ob das sein muss, sollte aber erlaubt sein. Immerhin haben wir es rein theoretisch mit einem Jugendbuch zu tun, und das ist in Band 4 endgültig nicht mehr erkennbar. Viele Kapitel dienten meiner Meinung nach nur dazu, das Grauen sehr eindringlich und detailliert zu beschreiben, und das hätte absolut nicht sein müssen. Subtil beschriebenes Grauen, Grusel, bei dem es mir kalt den Rücken runterläuft – her damit. Aber hier kann ich nur sagen: würde das Buch verfilmt, müsste es definitiv ab 18 sein, und ich könnte die Hälfte der Zeit nicht hingucken. Mindestens.
Ein bisschen hat mir auch die Weiterentwicklung der Charaktere gefehlt. Sam ist mir immer noch zu gut für die Welt, in der er lebt, er scheint gar nicht an seinen Aufgaben zu wachsen und lässt sich mehr und mehr von anderen sagen, was zu tun ist. Ich bin gespannt, ob er zu alter Stärke zurückfinden wird. Auch der Konflikt zwischen ihm und seinem Bruder Caine gerät hier deutlich in den Hintergrund – hoffentlich holt Grant hier nur zu einem neuen Schlag aus! Diesen Handlungsstrang wünsche ich mir für Band 5 deutlich stärker.
Das Ende macht allerdings Lust auf Band 5 und ich bin schon gespannt. Bei so einer guten Reihe darf auch mal ein Band dazwischen sein, er nicht überragend ist. Mehr Kritik an diesem Buch wäre dann auch Jammern auf hohem Niveau.

Thomas Thiemeyer: Das verbotene Eden – Logan und Gwen

noch23Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Der erste Teil der Trilogie um „Das verbotene Eden“ hatte mir gut gefallen, also lag es nahe, sich auch den zweiten zu wünschen. Letztes Jahr im Herbst bekam ich ihn dann geschenkt.

Zum Inhalt: Gwen kann es einfach nicht ertragen, dass ihre Freundin Juna sie verlassen hat – und dann auch noch mit einem Mann! Was hat sie getan, das so schrecklich war, dass es die Andere in die Flucht schlug? Warum war sie nicht gut genug? Zweifel und Schuldgefühle quälen Gwen und das Leben in Glânmor ist für sie zunehmend schwierig. Selbst die Prüfung dazu, in den Stand der Heilerinnen erhoben zu werden, empfindet sie als kaum schaffbar, dabei ist Gwen wirklich eine der talentiertesten Anwärterinnen. Es ist einfach nichts mehr, wie es war. Und als sich die Gelegenheit bietet, die vertraute Heimat zu verlassen und sich einer Gruppe von Kriegerinnen anzuschließen, die losziehen wollen, um es endlich mit dem Inquisitor aufzunehmen, da schließt Gwen sich ihnen an. Sie ist keine Kriegerin und ihre Gründe sind zweifelhaft, doch sie weiß, dass sich in ihrem Leben etwas ändern muss – und dafür wird sie alles riskieren.
Logan ist der ältere Sohn des Schmieds Gunnar. In der Gemeinschaft der Männer ist er zwar nicht wegen seiner Schmiedekunst bekannt, doch Logan schafft es, sich bei einem Turnier den Rang des jüngsten Champions aller Zeiten zu erkämpfen. Er ist vielleicht nicht der stärkste Krieger im Land, doch er ist schnell, wendig und klug. Wer es mit ihm aufnehmen will, muss mit allem rechnen. Doch Logan reicht sein Dasein in der Gesellschaft der Männer nicht. Er möchte losziehen und einen der sagenumwobenen Wanderer treffen, die durch das Land reisen und Geschichten von fernen Orten erzählen. Gunnar macht sich zwar Sorgen darum, dass diese Reise recht gefährlich werden könnte, doch weder er noch Logan ahnt, dass er auf der Reise ausgerechnet auf eine junge Frau treffen wird, die das Leben Logans – und das seiner Familie – gehörig auf den Kopf stellen wird.

Wie mir das Buch gefallen hat: Was ich wirklich an dieser Trilogie mag, ist, dass sie sich jedes Mal andere Protagonisten und andere Geschichten vornimmt. Noch dazu ist Thiemeyers Idee des Virus, der Männer und Frauen entzweit und dadurch eine völlige Neuordnung der Gesellschaft nötig macht, eine tolle Idee für eine Dystopie, auch deswegen, weil Thiemeyer es sich nicht so einfach macht wie andere Autoren, die einem einfach nur eine alternative Gesellschaft vorsetzen und nicht deutlich machen, wie es dazu kam, dass Strukturen sich in eine bestimmte Richtung änderten.
Ich mag auch Logan und Gwen. Sie sind beide interessante Figuren und sie werden gut charakterisiert. Sie sind starke Persönlichkeiten, aber sie sind dennoch überfordert mit dem, was sie erleben, und mit dem, was ihre Gefühle mit ihnen anstellen können. Für keinen der beiden ist dies zunächst vorstellbar und Thiemeyer schildert die Annäherung der beiden Protagonisten sehr gut. Man muss sich allerdings erst durch die gesamte erste Hälfte des Romans lesen, um dabei zu sein, wie Logan und Gwen sich das erste Mal (unter recht spektakulären Umständen) begegnen. Diese erste Begegnung wird übrigens richtig gut erzählt; und überhaupt versteht der Autor es wirklich gut, die unterschiedlichen Perspektiven seiner Charaktere dazu zu nutzen, seine Geschichte von allen Seiten zu beleuchten und voranzutreiben.
Thiemeyers Dystopie wirkt sehr glaubwürdig. Das liegt auch daran, dass immer mal wieder Relikte aus unserer Welt auftauchen. Das sind U-Bahnen und Namen von Straßenbahnhaltestellen, aber auch Ruinen von Kaufhäusern und Musik, die uns allen bekannt ist. An einer Stelle singen Logan und Gwen das Lied „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo, nur wissend, dass es ein Lied aus der Zeit „vor dem Zusammenbruch“ ist. Das lässt beim Lesen schon mal innehalten. Thiemeyer arbeitet hier deutlicher als viele andere Jugendbuchdystopien mit den Grundzügen des Genres: er warnt vor dem, was wir verlieren könnten. Er zeigt uns, was auf dem Spiel steht.
Auch der zweite Band von „Das verbotene Eden“ ist also eine klug geschriebene Dystopie mit interessanten Protagonisten. Ich freue mich auf das Lesen von Band 3, zumal die beiden Figuren im Mittelpunkt Magda und Ben sein werden, die beide keine Jugendlichen mehr sind, im Gegenteil. Dies wird der Trilogie sicher eine interessante neue Wendung für ihren Abschluss geben.

Caragh O’Brien: Der Weg der gefallenen Sterne

noch31Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir gekauft, nachdem ich ja schon auf Anraten einer Freundin die ersten zwei Bände gekauft hatte. Da ich gerade erst Band 2 gelesen habe, wollte ich nun auch wissen, wie die Trilogie ausgeht.

Zum Inhalt: Gaia und die anderen Bewohner Sylums haben das Ödland verlassen und sind auf dem Weg zur Enklave. Hier hoffen sie, dass sie ein neues Leben anfangen können, dass es ihnen allen besser gehen und dass die Männer hier endlich glücklich werden können – als gleichberechtigte Bürger, was im alten Sylum nicht der Fall war; und die neuen gesellschaftlichen Strukturen sind für alle noch gewöhnungsbedürftig. Auch wenn Gaia weiß, dass es nicht einfach wird, ihren Leuten all ihre Träume zu ermöglichen, versucht sie, die positive Stimmung aufrechtzuerhalten und den Menschen Hoffnung zu geben.
Auf ihrem Weg zurück in die alte Heimat trifft Gaia auch auf ihren Bruder Jack und nun hat sie noch einen Verbündeten mehr, der auf ihrer Seite steht. Den kann sie auch dringend brauchen, denn in der Enklave sind die Menschen aus Sylum alles Andere als willkommen. Hier ist gerade einigermaßen wieder Ordnung eingekehrt und der Protektor hat ohnehin Mühe, sein Volk bei Laune zu halten. Um hier Paaren zu ermöglichen, Kinder zu haben, was ja in der Enklave ein Problem ist, hat man sich etwas ganz Neues ausgedacht: ein Verfahren, das einerseits ein Segen für diejenigen ist, die sich Kinder wünschen, und andererseits viel Schmerz für viele junge Frauen mit sich bringt.
Gaia und der Protektor geraten aneinander, und es stellt sich schnell heraus, dass es nicht einfach wird, allen Menschen ein glückliches Leben zu ermöglichen. Überall werden Opfer gebracht und die persönliche Freiheit fordert einen hohen Preis. Und auch Leon hat noch eine Rechnung mit seinem Vater offen – und genau diese persönliche Fehde könnte für alle Bewohner Sylums zu einer Gefahr werden…

Wie mir das Buch gefallen hat: Eine Zeit lang dachte ich, dass es immer der zweite Band der Trilogie wäre, der am schwächsten ausfiele. Jetzt habe ich schon wieder einen schwachen dritten Band einer Trilogie gelesen und muss sagen, dass ich glaube, dass die Autorin hier eine gute Idee hatte, ihr aber lange nicht klar war, wohin die Reise gehen sollte. Ich hatte ja schon die ganze Zeit beim zweiten Band das Gefühl, dass er wenig mit dem ersten zu tun hatte, und Band 3 versucht jetzt, diese Brücke zu schlagen. Gelingt das? Bedingt, würde ich sagen. Aber allein daran, dass der dritte Band schon hundert Seiten weniger hat als seine beiden Vorgänger, sehen wir schon, dass da nicht mehr viel kommen kann.
Ich war ein bisschen enttäuscht. Gaia entwickelt sich nicht genug weiter – dafür, dass sie nun eigentlich eine Anführerin ist, der die Menschen vertrauen und für die sie die Verantwortung hat, wirkt sie immer noch sehr jung und beeinflussbar. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Autorin Gaias Verhalten an ihre neue Rolle angepasst hat und das fand ich sehr störend.
Mehr als nur ein bisschen war ich davon genervt, dass nun die Liebesgeschichte zwischen Gaia und Leon, die eigentlich klar sein sollte, immer wieder problematisiert wird, auch wenn nicht großartig etwas passiert, das die Liebe der beiden gefährden würde. Die Ungewissheit über das Ende, die hier sicher aufgebaut werden sollte, war meiner Meinung nach überhaupt nicht da.
Mein größter Kritikpunkt ist jedoch die Weiterführung der Geschichte darum, dass die Menschen in der Enklave Probleme damit haben, Nachwuchs zu bekommen, der gesund ist. Im ersten Band ging es deswegen um die gestohlenen Kinder – und von denen ist nun gar keine Rede mehr. Dafür gibt es jetzt neue Methoden, die nicht weniger zweifelhaft sind, aber bei denen die Autorin es dabei belässt zu sagen, dass Gaia – aus persönlichen Gründen übrigens – sehr traurig darüber ist; weiter problematisiert wird das Ganze gerade am Schluss nicht und das fand ich schwierig.
Am Ende dieser Trilogie bleibt der Eindruck, dass die Autorin eine gute Idee für eine Dystopie hatte, aus der sie im ersten und zweiten Band noch einiges rausholen konnte, für deren Ende dann aber eigentlich nichts mehr übrig war. Schade.

Caragh O’Brien: Das Land der verlorenen Träume

noch32Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir genau wie den ersten Band der Trilogie („Die Stadt der verschwundenen Kinder„) auf Anraten einer Freundin gekauft. Monatelang auch nur das. Im Regal stehen gelassen und nun endlich gelesen, damit ich nächste Woche ein paar Jugendbücher in petto habe, wenn ich meine jungen Lieblingsleserinnen und -leser wiedersehe.

Zum Inhalt: Es ist Gaia gelungen, aus der Enklave zu fliehen und zusammen mit ihrer Schwester die Flucht anzutreten. Obwohl das Baby sehr geschwächt ist und Gaia große Angst um ihre kleine Schwester hat, reitet sie mit ihr hinaus ins Ödland, wo sie hofft, Antworten und Lösungen zu finden für all das, was mit der Gesellschaft, in der sie lebt, nicht in Ordnung ist.
Vollkommen geschwächt und dem Tode nah wird Gaia schließlich von einem jungen Mann aufgelesen, der sie in den Ort bringt, in dem er lebt. Sylum ist ein Ort, der Gaias alter Heimat überhaupt nicht ähnlich ist. Was Technologie ist, mag Sylum rückständig sein (so hat von Strom hier noch nie jemand etwas gehört), aber die Menschen haben insgesamt einen höheren Lebensstandard und es scheint ihnen gutzugehen. Doch schnell stellt Gaia fest, dass die Regeln, nach denen in Sylum gelebt wird, auch durchaus ungewöhnlich sind. So haben hier nur die Frauen das sagen – Männer haben hier kein Wahlrecht, führen nur Befehle aus und können nur hoffen, dass eine Frau ihnen die Ehe anbietet. Es ist Männern verboten, Frauen zu berühren, und da es weitaus mehr Männer als Frauen in Sylum gibt, achten nicht nur die Frauen sehr genau darauf, dass kein Mann sich hier zu viele Rechte herausnimmt.
Gaia braucht einige Zeit, um einigermaßen einen Platz in dieser merkwürdigen Gesellschaft zu finden, in der man ihr auch gleich ihre kleine Schwester abgenommen hat um sie bei einer Frau, die das Baby stillen kann, aufwachsen zu lassen; und sie leidet, weil sie Maya nicht sieht. Außerdem vermisst sie Leon, von dem sie nicht einmal weiß, ob der noch lebt. Doch dann, ganz plötzlich und unverhofft, sieht sie ihn wieder – als Gefangenen der Frauen Sylums…

Wie mir das Buch gefallen hat: Auch wenn ich von Dystopien erstmal die Nase voll hatte, mochte ich ja bereits den ersten Band um die junge Hebamme Gaia, weil ich fand, dass die Autorin dem Genre mit ein paar eigenen Ideen auf die Sprünge geholfen hat. Dies ist im zweiten Band eigentlich sogar noch besser gelungen, finde ich. Sylum ist ein Ort, wie er mir bisher in keiner Dystopie begegnet ist, und das finde ich gut. Zwar ist die Idee, dass die Frauen hier die Herrschaft haben, auch nicht ganz neu, wenn es um alternative Gesellschaftsdarstellungen geht, aber ich fand die Umsetzung hier trotzdem gut. Die klaren und sehr strengen Regeln für den Umgang zwischen Männern und Frauen fand ich auch interessant und es gelingt der Autorin ziemlich gut deutlich zu machen, was Leon in einer Szene zu Gaia sagt: Jede Gesellschaft, die irgendjemanden unterdrückt, ist ungerecht – in dem Fall also auch eine, in der Gaia eben nicht zu den Unterdrückten gehört; dieses Mal ganz im Gegensatz zu Leon.
Auch wenn natürlich auch in diesem Band die Liebeswirrungen von Gaia eine Rolle spielen, fand ich es schön, dass diese nicht den Hauptteil der Handlung eingenommen haben. Es geht wirklich vielmehr darum, wie ein Entkommen aus dieser Gesellschaft oder eine Veränderung des Systems möglich wären, damit alle Bürger Sylums gleichberechtigt wären. Das ist sehr interessant und macht aus dem Roman eher ein Buch für junge Erwachsene als ein Jugendbuch.
Allerdings muss ich auch bemängeln, dass ich fand, dass die Probleme, die in Band 1 im Vordergrund standen, hier irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein schienen. Bei der Lösung dieses Handlungsstrangs ist man jetzt keinen einzigen Schritt weiter, sodass ich mich frage, was im dritten Band geschehen soll und ob es wirklich so einfach werden wird, alles aufzulösen, was die Autorin hier begonnen hat. Ich lasse mich überraschen und habe mir Band 3 schon auf den Nachttisch gelegt.