James Lloyd Carr: A Month in the Country

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir in London bei meinem Lieblings-Waterstones am Trafalgar Square gekauft. Ich wollte es eigentlich gar nicht, aber der nette Buchhändler hat es mir empfohlen, also konnte ich einfach nicht anders. … Weiterlesen

Christian Buder: Die Eistoten

noch02Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich bei der Verlosung im Büchertreff gewonnen. Der Autor, Christian Buder, hat unsere Leserunde dort begleitet und einige interessante Zusatzinformationen gegeben, die einen Blick in die Runde wert sein können!

Zum Inhalt: Ein kleiner, fast verschlafener Ort, der noch dazu kurz vor Weihnachten schneebedeckt ist. Weniger als tausend Menschen leben im kleinen Hintereck, und trotzdem macht das Verbrechen vor diesem Ort nicht Halt. Das zumindest vermutet die elfjährige Alice, die ihre Mutter vor vier Jahren durch einen tödlichen Unfall verloren hat. Nur glaubt Alice eben nicht daran, dass der Tod ihrer Mutter ein Unfall war. Sie ist sich vollkommen sicher, dass jemand ihre Mutter umgebracht haben muss. Und sie will den Mörder finden. Unbedingt.
Doch wenn man elf Jahre alt ist und noch dazu ein ungewöhnliches Kind, dann hat man es in einem Dorf wie Hintereck nicht gerade leicht. Alice ist außergewöhnlich intelligent und interessiert sich kein bisschen für Dinge, die für Gleichaltrige irgendwie interessant sind. Sie liest vor allem Fachliteratur, und der Serienmörder Ted Bundy hat es ihr in dem Bereich besonders angetan. Außerdem, und das findet vor allem ihr sehr bodenständiger Vater sehr beunruhigend, unterhält Alice sich von Zeit zu Zeit gern mit dem Philosophen Wittgenstein, und sie kann sich selbst nicht erklären, warum ihr dieser erscheint, für sie sind die Tipps und Ratschläge dieses Toten aber trotzdem hilfreich.
Als Alice eines Tages das Grab ihrer Mutter besucht, stoßen sie und ihr bester Freund Tom kurz darauf zufällig auf die Leiche eines Mädchens. Die Tote ist scheinbar erfroren und verharrt in einer sehr unnatürlichen Position – niemals kann sie so erfroren sein, sie wirkt wie von einem Anderen drapiert! Alice ist sich sicher, dass sie einem Mörder auf der Spur ist.
Der Verdacht verstärkt sich, als die Leiche kurze Zeit später an einem anderen Ort wieder auftaucht, eine Zahl an die Kirchentür geschmiert wird und Alice bei ihren Recherchen über die „Eistote“ feststellen muss, dass das Mädchen mit seinem Schicksal nicht alleine ist. Aber wie soll eine Elfjährige die Erwachsenen von etwas überzeugen, das diese nicht sehen wollen?

Wie mir das Buch gefallen hat: „Die Eistoten“ ist ein ungewöhnlicher Thriller. Das fängt bei seiner Protagonistin an, die mich an Flavia de Luce erinnert hat. Alice ist absolut anders als andere Kinder ihren Alters, und gerade das macht sie sehr interessant. Eine Thrillerhandlung durch die Augen dieses Mädchens mitzuerleben, ist auf jeden Fall eine Erfahrung, vor allem in Kombination mit den Menschen rund um Alice, die meistens überhaupt kein Verständnis dafür haben, dass sie so anders ist. Sie hat mir schon mal sehr gut gefallen.
Die Handlung ist gut konstruiert und immer wieder sieht man sich neuen Fragen gegenüber. Daran, dass Alice mit einem toten Philosophen spricht, muss man sich zugegebenermaßen erstmal gewöhnen, aber es gibt der Handlung auf jeden Fall noch mal einen interessanten Einschlag.
Hintereck, der winzige Ort, in dem de Thriller spielt, hat mir als Schauplatz auch sehr gut gefallen. Die Atmosphäre, die dort herrscht, wird von Buder sehr anschaulich dargestellt und ich habe mich ganz schnell eingesperrt in Hintereck wiedergefunden, unter Schnee und Eis. Gerade die Jahreszeit und die Wetterlage werden hier gut genutzt, um die bedrohliche Atmosphäre gut darzustellen.
Die Auflösung finde ich – innerhalb der Thrillerhandlung – glaubwürdig, auch wenn ich nicht so ganz zufrieden bin. Ich bin zwar nicht für diese Thriller, in denen der Bösewicht am Ende dreißig Seiten lang seine Motive darlegt, aber an der Stelle war mir das Ganze hier dann doch etwas dünn. Ich denke, dass man gerade bei den „Eistoten“ noch mehr aus der Hintergrundgeschichte des Mörders hätte herausholen können.
Es wird einen weiteren Thriller mit Alice geben, den ich auch wieder lesen möchte, da Christian Buder mit ihr eine Ermittlerin geschaffen hat, die sich nicht nur aufgrund ihres Alters von anderen Ermittlern in Thriller-Reihen abhebt und bei der ich gespannt bin, wie sie sich weiterentwickeln wird.

Elisabeth Herrmann: Das Dorf der Mörder

noch57Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch hatte ich mir direkt zum Erscheinungstermin vorbestellt, da ich nach „Schattengrund“ beschlossen hatte, dass ich mehr von Elisabeth Herrmann lesen wollte. Wie es dann immer so ist, das Buch landete am Ende trotzdem erstmal auf dem SuB…

Zum Inhalt: Für die aufstiegsorientierte Streifenpolizistin Sanela Beara ist der schreckliche Vorfall im Berliner Tierpark von Anfang an extrem spannend: Kinder, die mit ihren Erzieherinnen einen Ausflug in den Zoo machen, entdecken bei den Pekaris, einer Schweinerasse, dass in dem Gehege kein normales Futter liegt – die Tiere machen sich über eine menschliche Leiche her… als Sanela schon mal mit den Ermittlungsarbeiten beginnen will, bevor die Kollegen von der Kripo da sind, wird sie hinterrücks niedergeschlagen und kommt erst im Krankenhaus wieder zu sich. Hier hört sie dann, dass der Mord und auch der Überfall auf die selbst Charlotte Rubin zur Last gelegt werden; einer Mitarbeiterin des Tierparks, die für die Zucht und das Töten der Futtertiere zuständig ist. Sanela kann sich nicht vorstellen, dass Rubin eine Mörderin sein soll, aber sie muss erfahren, dass die Frau bereits gestanden hat.
Für Charlotte Rubin wird nun ein psychologisches Gutachten benötigt, und der junge Psychologe Jeremy Saaler wird so mit dieser Frau bekannt gemacht, da sie in der Praxis seines Mentors therapiert werden soll. Nur mit Saaler redet Frau Rubin überhaupt, und er merkt nach einem anfänglichen Ekel vor dieser Frau, dass er sie verstehen möchte – und dass er sie immer mehr als Menschen sieht und nicht als Monster. Nachdem Charlotte Rubin auf spektakuläre Weise versucht, sich das Leben zu nehmen, erwachen in Saaler auch erste Zweifel an der Schuld der Frau. Er merkt, dass irgendwas in Charlottes Kindheit geschehen sein muss, das sie nie verwunden hat und das sie bis heute traumatisiert. Kannte sie ihr Mordopfer von früher? Was verbindet sie mit dem Mann?
Es ist nicht leicht, in dem Fall voranzukommen, da Charlotte Rubin mehr als verschlossen ist und zum Beispiel gar nichts über ihre Familie preisgeben möchte. Was kann in ihrer Vergangenheit so Schlimmes passiert sein, das sie noch heute verfolgt und das dafür gesorgt hat, dass sie ein so einsames Leben gewählt hat?

Wie mir das Buch gefallen hat: Als ich das Buch zugeklappt habe, habe ich mir diese Frage wirklich gestellt: „Und, wie hat es dir gefallen?“ Schon daran merkt man, dass es keine eindeutige Antwort auf diese Frage geben wird. Ich fange mal mit dem an, was ich gut fand: „Das Dorf der Mörder“ ist ein gut erzählter Thriller. Die Handlung wird sinnvoll aufgebaut, falsche Ideen im Leser geweckt, Rätsel aufgeworfen, die am Ende erst Sinn machen, und dann ist da noch der sehr unheimliche und absolut geniale Prolog, der am Ende des Thrillers erst quasi aufgelöst wird und der für mich ein Highlight war.
Der Mord ist spektakulär, und die Recherchen rund um Tierparks und die Zucht von Futtertieren, die die Autorin betrieben hat, werden hier gut in die Handlung eingearbeitet. Ich fand, dass Charlotte Rubin eine interessante Figur war, die einerseits Rätsel aufgab, sehr viele Ecken und Kanten hatte und die ich trotzdem irgendwie mochte.
Ich glaube, letztlich hat mich der Titel irritiert. „Das Dorf der Mörder“ heißt der Thriller ja nun mal, und man muss sich durch gut die Hälfte des Buches erstmal durchwursteln, bis es überhaupt mal in dieses Dorf geht. Dadurch hatte ich beim Lesen immer das Gefühl, dass es nicht richtig voranging mit der Handlung, auch wenn – wie ich ja bereits erwähnt habe – Elisabeth Herrmann meiner Meinung nach wirklich einen gut strukturierten Thriller geschrieben hat. Dennoch wurden bei mir andere Erwartungen geweckt und ich hatte einfach lange das Gefühl, die Handlung habe noch nicht richtig begonnen.
Dass man bei den Ermittlern auf Außenseiterfiguren trifft, ist nicht ungewöhnlich, aber hier wäre ein bisschen weniger in Ordnung gewesen. Sanela Barea ist für meinen Geschmack zu sehr auf ihr Außenseitertum reduziert und darauf, dass sie eben bestimmte Charakterzüge hat, wofür man nach und nach ein paar Gründe genannt bekommt. Sie allein wäre ja in Ordnung, aber dann hätte Jeremy Saaler gern etwas weniger verunsichert und unerfahren sein dürfen. Im Grunde sind so nämlich beide Ermittler ein bisschen viel mit sich selbst beschäftigt.
Insgesamt hat mir „Das Dorf der Mörder“ schon ganz gut gefallen, es kann aber mit „Schattengrund“ zum Beispiel nicht mithalten.

Isabel Abedi: Whisper

noch69Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch stammt aus der Bücherkiste, die wir in der Schule für unsere jungen Leserinnen und Leser angeschafft haben. „Whisper“ wurde mir dort wärmstens empfohlen.

Zum Inhalt: Noa ist es gewöhnt, dass ihre Mutter Kat, ihres Zeichens bekannte Schauspielerin aus Film und Fernsehen, den großen Auftritt braucht. Deswegen ist sie wirklich erstaunt, dass Kat ausgerechnet in einem kleinen Dorf ein Haus mietet und Noa und ihren besten Freund dorthin verschleppt, um mal was Anderes zu sehen und zu erleben. Noa ist absolut nicht begeistert, auch wenn sie den Abstand zu ihren Freunden auf der anderen Seite auch gut gebrauchen kann – mit ihrem Exfreund hat sie Schlimmes erlebt und Noa will einfach nur vergessen.
Ablenkung kommt in Form von David, einem Jungen aus dem Dorf, der Kat und Noa beim Renovieren hilft. David ist sehr nett und anders als die anderen Jungen, die Noa kennt – aber das ist nicht das einzige, das die beiden bald schon verbindet: beim Gläserrücken, das eigentlich ganz lustig beginnt, zeigt sich plötzlich der Geist von Eliza, einem Mädchen, das in den 1970er Jahren in dem Haus wohnte, das Kat nun gemietet hat. Eliza wurde umgebracht und das Verbrechen wurde nie aufgeklärt. Noa und David haben das Gefühl, sie müssten Elizas Mörder auf die Schliche kommen, damit das Mädchen endlich seinen Frieden finden kann. Aber im Dorf will niemand über Eliza sprechen – doch nicht nur das: es gibt hier durchaus auch Menschen, die sich wünschen, dass die Wahrheit niemals ans Licht kommen wird…

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich fand „Whisper“ ganz gut und auch recht unterhaltsam, aber hin und weg bin ich von diesem Buch nicht. Was mich ärgert, ist die Erklärung für den Titel. Zweimal wird erwähnt, dass Noa das Haus wegen des Geistes von Eliza „Whisper“ nennen würde, aber das übernimmt der Erzähler – Noa slbst sagt das nie und ehrlich gesagt wäre das auch Quatsch, denn Elizas Geist flüstert nicht. Hier wollte man wohl einfach den Titel begründen, und das gefällt mir gar nicht.
Die Geschichte wird spannend erzählt und Noa ist eine ganz liebenswerte Protagonistin, wenn auch nicht herausstechend in den vielen Romanen für Teenies in dem Alter. Auch die anderen Figuren fand ich ganz gut gelungen, aber auch hier gibt es keine großen Überraschungen.
Die Geistergeschichte um Eliza ist Abedi gut gelungen, ich fand sie gut aufgebaut und interessant. Was mir hier nur gefehlt hat, war ein richtiger Schluss. Das, was man am Ende von einer solchen Geschichte erwartet, kam irgendwie zu kurz. Schade, denn das habe ich als etwas inkonsequent empfunden.
Die Atmosphäre im Haus und auch in dem kleinen Dorf konnte man sich ganz gut vorstellen. Ich kenne bereits „Isola“ von Abedi und fand auch da, dass der Schauplatz sehr stimmig war. Das macht auch hier einen Reiz des Buches aus.
Für zwischendurch ist „Whisper“ sicher eine gute Lektüre, aber zu meinen Lieblingsbüchern wird es nie gehören.

Doris Bezler: Schlaf still, mein Mädchen

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von meiner Schwester und ihrem Mann Weihnachten 2011 geschenkt bekommen. Es lag also noch gar nicht sooo lange auf dem SuB, bis es befreit wurde.

Zum Inhalt: Die Trennung von ihrem Mann Rolf ist Maren alles andere als leicht gefallen. Und dass sie nun allein mit ihrer kleinen Tochter Julia in dem riesigen Haus in dem winzigen Taunusdörfchen wohnt, anstatt dass sie eine schöne Stadtwohnung hat und in der Nähe all ihrer Freunde ist, macht es auch nicht einfacher. Richtig schlimm wird es aber, als Maren immer wieder von der schlimmen Geschichte hört, die hier vor drei Jahren passiert ist. Die kleine Melanie verschwand eines Tages plötzlich und obwohl alles darauf hindeutet, dass sie einem Verbrechen zum Opfer fiel, konnte der Fall nie gelöst und das Mädchen nie gefunden werden. Unwillkürlich macht Maren sich immer öfter Sorgen um Julia, die für ihr Alter ziemlich keck ist und es auch mit der Wahrheit nicht immer so ganz genau nimmt. Hier und da erzählt das Mädchen schon mal Geschichten, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen, und sie findet im Dorf tatsächlich auch einen Freund, von dessen Freundschaft sie ihrer Mutter lieber nichts erzählen möchte – schließlich soll es ein Geheimnis bleiben…
Maren selbst lernt auf einer ihrer Joggingrunden dann auch jemanden kennen – Thorsten Steiner ist Journalist und obwohl Maren anfangs ein komisches Gefühl bei ihm hat, sieht sie ihn öfter und beginnt, ihn immer mehr zu mögen, vor allem auch deswegen, weil er sich von Anfang an richtig gut mit Julia versteht, die ihn am liebsten gar nicht mehr gehen lassen würde. Doch es wird auch schnell klar, dass mit Thorsten irgendetwas nicht stimmt – und Maren weiß nicht, ob sie ihm wirklich trauen kann.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Schlaf still, mein Mädchen“ ist ein guter Krimi, den ich innerhalb kurzer Zeit gelesen habe, was natürlich schon mal für das Buch an sich spricht. Marens neues Leben in dem kleinen Dorf, der ewige Dorftratsch um die verschwundene Melanie, das alles wird gut erzählt und trägt dazu bei, dass man sich von Anfang an darüber im Klaren ist, dass der Täter noch da ist und dass er es auf Julia abgesehen hat. Sehr selten, aber sehr effektiv nimmt Doris Bezler auch die Täterperspektive ein und lässt ihre Leser in der Gedankenwelt des Unbekannten umherstreifen. Hinsichtlich seiner Motive begegnet einem zwar nichts, was man nicht auch aus anderen Krimis schon kennt, aber „Schlaf still, mein Mädchen“ ist ohnehin kein Thriller, der Effekthascherei betreibt oder das ganz große Neue heraufbeschwört.
Man kann das Buch eigentlich auch sehr gut als Buch über Beziehungen lesen. Maren, die tief verunsichert ist und sich nicht wieder verletzen lassen will, hat zu ihrem Exmann ein angespanntes Verhältnis, bei dem man aber anfangs noch sicher ist, dass sie ihn trotz allem zurücknehmen würde. Im Verlaufe des Buches zeigt sich, dass deutlich mehr dahintersteckt und dass die Autorin sich viele Gedanken zu den beiden Figuren gemacht hat. Darüber hinaus gibt es noch Thorsten, zu dem Maren auch ein Verhältnis hat, das nur als kompliziert bezeichnet werden kann. Im Hinblick auf diese Konstellation hat mir das Ende sehr gut gefallen, weil es unerwartet und überhaupt nicht abgedroschen war.
Der Fall um die vermisste Melanie wird natürlich im Verlauf der Handlung auch noch gelöst, wenn auch etwas plötzlich, nachdem die Geschichte lange etwas in den Hintergrund getreten war. Mit der Krimihandlung war ich manchmal etwas unzufrieden, weil es da durchaus hätte schneller vorangehen können, zumindest an einigen Stellen.
Wenn „Schlaf still, mein Mädchen“ sicherlich auch nicht das beste Buch des Jahres in meiner Hitliste wird, steht in jedem Fall fest, dass es ein richtig guter und gut erzählter Krimi ist, der die Menschen und ihre Geschichten gut abbildet und der spannend ist, obwohl einige Wendungen schnell vorhersehbar sind. Meine Amazon-Recherchen haben ergeben, dass dies das einzige Buch ist, das Doris Bezler veröffentlicht hat – ich hoffe, dass das nicht so bleibt.

Petra Busch: Schweig still, mein Kind

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch hat Thore für mich bei einer seiner letzten großen Amazonbestellungen mitbestellt, damit für mich auch was im Päckchen ist. 🙂

Zum Inhalt: Als Kommissar Ehrlinspiel aus Freiburg in das kleine Dorf im Schwarzwald gerufen wird, um in einem Mordfall zu ermitteln, ist es ein bisschen so, als würde er in eine andere Welt gelangen. Ein grauenhafter Mord steht ihm bevor, der ermordeten jungen Frau wurde ihr ungeboerenes Kind herausgeschnitten – dann aber wiederum wurde die Leiche nahezu liebevoll auf einem Moosbett drapiert. Was hat das zu bedeuten?
Die Ermittlungen aber sind das, was nun erst deutlich macht, dass die Dorfbewohner von den Städtern wie dem Kommissar rein gar nichts halten. Solche Sachen kann man schließlich unter sich regeln, sagt man sich im Dorf. Sünderinnen erhalten einfach ihre gerechte Strafe – und die ermordete Elisabeth ist da nicht die erste. Für die Dorfbewohner ist ihr Tod ganz eng mit dem Glauben an den Rabenmann verknüpft, eine Gestalt, die mit der Geschichte des Dorfes verknüpft ist und der man alljährlich durch eine recht schaurige Prozession gedenkt. Wer sündigt, den holt sich der Rabenmann – das steht für einige Menschen im Dorf ganz und gar außer Frage.
Ehrlinspiel ermittelt gegen all diese Widerstände, auch wenn die Informationen, die er bekommt, spärlich sind. Elisabeths Familie ist ihm auch nicht ganz geheuer, denn dort schwingt die sehr verbitterte Frieda das Zepter und Elisabeths authistischer Bruder Bruno spricht – wenn auch natürlich unabsichtlich – in Rätseln. Versucht Frieda, ihren Sohn zu schützen? Und welche schrecklichen Ereignisse aus der Vergangenheit haben zu Elisabeths Tod geführt? Welche Rolle spielt Elisabeths beste Freundin Sina, deren Kind vor Jahren spurlos verschwand? Ehrlinspiel muss sich bei seinen Ermittlungen beeilen, denn die nächste Rabenprozession steht kurz bevor.

Wie mir das Buch gefallen hat: Regionalkrimis gibt es viele. Meistens sind sie besonders lustig – oder so gedacht – weil die Autoren versuchen, auf der Kluftingerwelle mitzuschwimmen. Petra Busch tut das nicht und hat das meiner Meinung nach auch absolut nicht nötig, denn „Schweig still, mein Kind“ ist ein absolut gelungener, richtig guter Thriller, der viel Spaß macht und sehr spannend erzählt ist.
Die eingeschworene Dorfgemeinschaft hat mir an diesem Roman besonders gut gefallen, wie sie gegen den fremden Kommissar zusammensteht und eigentlich nichts preisgeben will. Was ich zunächst erwartet hatte, war, dass der Aberglaube um den Rabenmann etwas mehr im Vordergrund stehen würde. Über weite Teile des Thrillers gibt es immer nur Andeutungen zu dieser Geschichte, was es damit wirklich auf sich hat, erfährt man spät. Aber das ist stimmig und Petra Busch nutzt das neue Wissen ihrer Leser dann auch gut für den Showdown.
Ebenfalls gut gelungen fand ich die Figur des Bruno. Es ist bestimmt nicht einfach, einen Autisten darzustellen, ohne in gängige Klischees zu verfallen, vor allem, wenn einige Kapitel aus der Ich-Perspektive dieser Figur geschrieben werden. Die Autorin erwähnt in ihrer Danksagung, dass sie mit einem Autisten in Kontakt stand und dass der ihr – so weit das möglich ist – Einblicke in seine Welt gegeben hat. Das finde ich sehr spannend.
Kommissar Ehrlinspiel ist ebenfalls ganz sympathisch, wenn auch kein herausragender Kommissar, wobei Katzenfans das anders sehen könnten, denn der Kommissar ist absoluter Katzenfreak, was ich manchmal fast befremdlich fand, aber das ist ja Ansichtssache.
Weitere Thriller von Petra Busch? Gerne!