345 Tage buchkauffrei – In Lieblingsbücher springen (Buch 23)

  „Also, dass Sie das nicht kennen…“ Immer wieder schütteln meine kleinen Lieblingsleserinnen den Kopf. Sie können es nicht fassen. Frau Seitengeraschel, das kann doch nicht sein! Also nee. Auf nichts ist mehr Verlass. Aber Frau Seitengeraschel schüttelt auch den Kopf, … Weiterlesen

345 Tage buchkauffrei – Die Hüter der Bücher (Buch 20) 

  Meine Schwester ist von der „Bookless“-Trilogie von Marah Woolf total begeistert gewesen und das ist der Grund, aus dem ich zu Weihnachten den ersten Band geschenkt bekommen habe. Das war Grund genug, das Buch direkt im Urlaub zu lesen. Der … Weiterlesen

Sophie Divry: The Library of Unrequited Love

010Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir Ende Dezember in London bei meinem geliebten Waterstones am Trafalgar Square gekauft. Titel, Cover, Klappentext – alles klar, das brauchte ich.

Zum Inhalt: Normalerweise unbeachtet von den Bibliotheksbesuchern, die ihr viel zu wenige Fragen stellen, zu wenig ernst genommen von den Mitarbeiterinnen, die oben in der Abteilung für Belletristik arbeiten und die sich angeblich für etwas Besseres halten, kommt die Bibliothekarin, die für die Geographieabteilung zuständig ist, früh morgens zur Arbeit, um die Regale durchzuschauen und Bücher einzusortieren, die ausgeliehen gewesen waren und nun zurückgegeben wurden. Aber heute ist alles anders als sonst, denn als sie in die Bibliothek kommt, trifft sie unverhofft auf einen Besucher, der versehentlich über Nacht in der Bibliothek eingeschlossen gewesen war. Zunächst verärgert über den ungebetenen Gast, beginnt die Bibliothekarin damit, von ihrer anstrengenden Arbeit und den Besonderheiten des Ordnungssystems zu erzählen, redet sich aber immer mehr in Fahrt. Wir erfahren, wie einfach es durch ein zentrales Ordnungssystem ist, Bücher in Regalen aufzuspüren, welche Autoren sich den Respekt der Bibliothekarin verdient haben und auf welche sie herabsieht, was sie an Bibliotheken stört und was sie an ihnen liebt und letztlich hören wir noch etwa über Martin. Dieser mysteriöse Bibliotheksbesucher, dessen Nacken die einsame Bibliothekarin an einen Buchrücken erinnert und den sie deswegen so attraktiv findet, kommt seit längerer Zeit regelmäßig und scheint an einer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben. Jedes Mal hofft die Bibliothekarin, er möge sie wahrnehmen – als Frau. Ihr eine Frage stellen, mit ihr ins Gespräch kommen. Doch leider bleibt Martin unerreichbar.
Der Monolog de Bibliothekarin endet erst, als der Sicherheitsdienst oben die Türen aufschließt und der unfreiwillige Übernachtungsgast das Gebäude verlassen kann.

Wie mir das Buch gefallen hat: Wer sich auf „The Library of Unrequited Love“ einlässt, bekommt 92 Seiten lang einen dramatischen Monolog geliefert. Ohne Punkt und Komma redet die Erzählerin, und ohne einen einzigen Absatz läuft der Text über seine gesamte Länge. Dies fand ich zuerst etwas befremdlich, aber ist man erst einmal in die Gedankenwelt von Divrys etwas verbitterter Erzählerin eingestiegen, macht das Ganze einfach nur noch Spaß.
Erwartet hatte ich ehrlich gesagt etwas ganz Anderes, nämlich eine Art Liebeserklärung an das Lesen, an Bibliotheken und so weiter, aber die Liebe der Bibliothekarin zu Ordnung, zu Büchern, eigentlich auch zu Bibliotheken – und auch die zu Martin, sie alle sind wirklich unerwidert. Fast könnte sie einem leid tun, aber irgendwie war sie mir dazu nicht sympathisch genug. Wie eine reale Person auch, offenbart Divrys Ich-Erzählerin Facetten ihrer Persönlichkeit, die sympathisch sind, manchmal scheint sie aber wirklich auch sehr verbittert und sogar ein bisschen verrückt. Das macht beim Lesen unheimlich viel Spaß.
Richtig gut fand ich auch, dass man beim Lesen die ein oder andere interessante Information zum Thema Bibliotheken aufschnappen konnte, und ein bisschen schuldig habe ich mich tatsächlich am Frust der Bibliothekarin auch gefühlt, denn ich gehöre ja auch zu den Lesern, die Bücher immer besitzen wollen und deswegen eigentlich nichts aus Bibliotheken ausleihen. Das gebe ich ja zu. Nichtsdestotrotz gehe ich ganz gerne in Bibliotheken, weil ich die Atmosphäre in den meisten sehr mag. Wie sich die Gestaltung von Bibliotheken entwickelt hat, erzählt die Bibliothekarin hier übrigens auch zumindest kurz, und das fand ich zum Beispiel durchaus spannend.
Ein ungewöhnliches Buch, das aber durchaus lesenswert ist und uns vielleicht dazu anregen kann, unser Leseverhalten ein bisschen zu beobachten. (Nicht, dass wir das nicht ohnehin schon täten…)

John Irving: Garp und wie er die Welt sah

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Mein Mann ist der Irving-Sammler im Haus und als wir zusammengezogen sind, sind seine Irving-Romane in mein Bücherregal eingezogen. Jetzt habe ich „Garp und wie er die Welt sah“ in einer Leserunde gelesen.

Zum Inhalt: Ungewöhnlichere Umstände als die, unter denen der kleine T.S. Garp zur Welt kommt, kann es eigentlich nicht geben, doch seine Mutter Jenny Fields tut alles, um dem Jungen alles zu ermöglichen, wovon er nur träumen könnte. Garp zuliebe entfernt Jenny sich von ihrer eigenen Familie und arbeitet jahrelang als Krankenschwester in einer Schule für Jungen, um sicherzustellen, dass Garp diese Schule einmal wird besuchen können.
Und es gelingt ihr, aus Garp einen ganz außergewöhnlichen Jungen zu machen. Garps Blick auf die Welt ist manchmal mehr als ungewöhnlich, aber wer wollte ihm das bei der Familie auch verübeln? Und schließlich entdeckt Garp ganz unverhofft auch das Schreiben für sich – für seine zukünftige Frau Helen beschließt er, Schriftsteller zu werden, und tatsächlich hat er damit auch Erfolg. So speziell, wie Garp auch manchmal auf die Welt schaut und so pragmatisch, wie er manche Situationen auch sieht, Garp ist immer ehrlich sich selbst gegenüber und er versucht, seine Weg zu gehen. Dabei steht er sich selbst oft im Weg und verhindert so manches Mal das vermeintlich große Glück – aber auch das Schicksal meint es nicht immer nur gut mit Garp und er muss einige Widrigkeiten in seinem Leben bewältigen, um seine Ziele zu erreichen. Dabei lernt Garp Schritt für Schritt das zu schätzen, was er hat, und er lernt, mit großen Schmerzen, schweren Schicksalsschlägen, abstrusen Situationen und auch mit sich selbst umzugehen.

Wie mir das Buch gefallen hat: Meine Meinung zu diesem Buch ist total gespalten. Ich war am Anfang absolut begeistert. Dies ist der dritte Roman, den ich von John Irving gelesen habe, und ich liebe seine Art zu erzählen, die vielen Kleinigkeiten in den Romanen, die humorvollen Bemerkungen, Irvings Umgang mit Situationen und Menschen. Auch „Garp“ hat mich in seinen Bann gezogen. Gerade die Tatsache, dass es hier nur einen großen Handlungsstrang gibt, dass es immer Garps Sicht auf die Welt ist, das fand ich besonders an diesem Irving-Roman und das hat mir sehr gut gefallen. Ich war wirklich einfach beeindruckt, wie Irving es schaffte, mir Garps Sicht, die so anders ist als meine, nahezubringen. Es war wirklich spannend und amüsant zu lesen. Richtig gut.
Sechs Kapitel vor Schluss wendete sich für mich beim Lesen dann das Blatt irgendwie. Nachdem eine entscheidende Situation im Roman eintritt und man diese als Leser zusammen mit Garp verdaut hat, fiel der Roman für mich irgendwie ab. Auch wenn Garps Geschichte da noch nicht zuende erzählt ist, hatte ich beim Lesen manchmal das Gefühl, dass jetzt nicht mehr wirklich was kommen kann. Das hat dann dazu geführt, dass es mir beim Lesen manchmal schwerfiel, dranzubleiben. Auch wenn es bis zum – viel zu lang geratenen – Epilog immer wieder Szenen gab, die ich spannend, interessant, lustig, tragisch oder anrührend fand, konnte mich der Roman auf den letzten 150 Seiten nicht mehr so richtig fesseln und überzeugen. Zwar bleibt am Ende die Tatsache, dass „Garp und wie er die Welt sah“ ein guter und durchaus lesenswerter Roman ist, aber hinter „Das Hotel New Hampshire“ und vor allem hinter „Zirkuskind“ bleibt dieser Roman meiner Meinung nach schon deutlich zurück.

John Stephens: Emerald – Die Chroniken von Anbeginn

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir bei Amazon Vine ausgesucht. Ich habe lange überlegt, ob ich schon wieder eine Fantasy-Trilogie anfangen wollte, aber diese klang so vielversprechend…

Zum Inhalt: Es ist ein Tag, den Kate nie vergessen wird: ein fremder Mann taucht bei ihnen zu Hause auf, und ihre Eltern nehmen plötzlich Abschied von den Kindern: Kate, die ihrer Mutter versprechen muss, auf die Kleineren aufzupassen, ist nun plötzlich mit Emma und Michael allein – sie sind Waisen, die von Waisenhaus zu Waisenhaus weitergereicht werden, weil sie nirgendwohin passen und weil sie sich außerdem strikt weigern, adoptiert zu werden: die Geschwister glauben ganz fest daran, dass ihre Eltern wiederkommen werden.
Und dann werden sie ein weiteres Mal in ein neues Waisenhaus gesteckt, aber dort ist alles ganz anders als in den Waisenhäusern zuvor: erstmal gibt es dort keine anderen Kinder außer ihnen, sie bekommen genügend zu essen und man ist freundlich zu ihnen. Erstmals können Kate, Emma und Michael ein bisschen auftamen, doch dann überschlagen sich die Ereignisse – und alles wegen eines geheimnisvollen Buches, das eine besondere Kraft hat: legt man ein Foto auf die leeren Seiten und berührt das Bild, dann reist man an den Ort und in den Zeitpunkt, an dem das Bild aufgenommen wurde.
Was zunächst ganz amüsant klingt, ist der Beginn eines gefährlichen Abenteuers, bei dem sich schnell herausstellt, dass das Buch eine größere Kraft hat, als die Kinder zunächst dachten. Das Buch „Emerald“ ist nur eines von drei Büchern, die unheimliche Macht verleihen können. Und natürlich wollen böse Mächte an das Buch gelangen – um jeden Preis. Kate, Emma und Michael hingegen erfahren, dass sie in dem Kampf um die sogenannten „Chroniken von Anbeginn“ eine große Rolle spielen und dass sie vorherbestimmt sind, eine große Aufgabe zu erfüllen. Dabei wachsen alle drei über sich hinaus und zeigen, was in ihnen steckt – vor allem aber wird ihnen klar, dass es das Wichtigste ist, dass sie einander haben.

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich bin von diesem Buch absolut begeistert. Es erzählt eine tolle Geschichte, die für mich oftmals eher märchenhaft als typisch fantasymäßig war. Das fand ich schon ziemlich ungewöhnlich und sehr gut. Es hat mich überzeugt. Vor allem finde ich, neben der Geschichte, die spannend, aber auch unheimlich lustig ist, die drei Geschwister so toll. Sie sind sehr authentisch, weil sie zwar einerseits zusammenhalten und sich total lieb haben, andererseits kabbeln und necken sie sich gegenseitig auch viel und gönnen einander auch nicht immer alles. Das fand ich ungewöhnlich für ein solches Buch, aber total treffend. Gerade diese Gespräche zwischen den Geschwistern sind oft richtig witzig und mir gefällt, dass Emma, Michael und Kate normale Kinder und keine Superhelden sind.
In einem Interview sagte der Autor, dass sein großes schriftstellerisches Vorbild Charles Dickens ist, weil dieser zum Beispiel seine bösen Charaktere durch das Übertreiben bestimmter Eigenschaften auch immer irgendwie skurril und lustig macht. Diese Technik hat Stephens selbst auch angewandt – und so kann man auch über die böse Gräfin mal schmunzeln und all die gruseligen Gestalten, die so auftreten, haben einen hohen Wiedererkennungswert.
Insgesamt ist es einfach eine wunderschöne und ganz toll erzählte Geschichte, bei der alles rundum einfach stimmig ist. Der erste Band dieser Trilogie hat mich vollkommen begeistert – ich will mehr!

Gerd Ruebenstrunk: Arthur und die vergessenen Bücher

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch hat mich vom Titel her schon immer angesprochen – ich liebe Bücher über Bücher. Zum ersten Mal richtig etwas davon gehört habe ich letztes Jahr bei den Buchvorstellungen in Klasse 5 und jetzt habe ich das Buch von meinem Mann zu Weihnachten bekommen.

Zum Inhalt: Arthurs Eltern haben nie wirklich Zeit für ihn und deswegen ist die Tatsache, dass der alte Buchhändler, der von allen nur der „Bücherwurm“ genannt wird und bei dem Arthur arbeitet, ihn in den Ferien immer gern bei sich aufnimmt, für Arthur ein echtes Geschenk. Und das trotz Larissa, der Enkelin des Bücherwurms, die ziemlich merkwürdig ist und Arthur eigentlich total auf die Nerven geht.
Nach einem Überfall auf den Bücherwurm erfährt Arthur zum ersten Mal, dass der alte Mann wirklich in komische Geschäfte verstrickt ist, in denen es um die sogenannten vergessenen Bücher geht, die ihren Besitzern ungeahnte Macht verleihen können. Und deswegen dürfen diese uralten und mächtigen Bücher auf keinen Fall in die falschen Hände geraten! Als der Bücherwurm einen Hinweis darauf bekommt, wo das „Buch der Antworten“ sein könnte, beschließt er, dass dieses gefunden und in Sicherheit gebracht werden muss. Doch die Reise, die zunächst nach Amsterdam führen soll, kann der alte Mann nicht selbst antreten – und so bittet er Arthur und Larissa darum, auf die Jagd nach diesem Buch zu gehen.
Was für die beiden Jugendlichen wie ein ganz spannendes Abeneteuer beginnt, entpuppt sich bald schon als eine sehr rätselhafte Reise voller Gefahren, denn natürlich haben es nicht nur die „Guten“ auf das Buch der Antworten abgesehen – und auf ihrer Reise müssen Larissa und Anton sich manchmal extrem vor Fremden in acht nehmen, ihnen manchmal aber auch fast blind vertrauen…

Wie mir das Buch gefallen hat: „Arthur und die vergessenen Bücher“ ist der Auftakt zu einer Trilogie, und mir ist jetzt schon klar, dass ich unbedingt erfahren möchte, wie es weitergeht. Die Geschichte hat der Autor sich spannend ausgedacht, die Jagd nach dem Buch der Antworten wird nie langweilig und ist immer richtig toll erzählt. Was mir dabei vor allem gut gefallen hat, sind auch die Stadtbeschreibungen von Amsterdam und Bologna, denn die Städte werden nicht nur namentlich genannt, sie werden richtig in die Geschichte eingebaut, das fand ich toll.
Arthur und Larissa als Protagonisten sind ebenfalls sehr sympathisch und weder zu heldenhaft noch zu tollpatschig dargestellt. Von dem, was sie erleben, mal abgesehen, wirken sie sehr authentisch und das fand ich richtig gut.
Die Geschichte ist eine gelungene Mischung aus fantastischen Elementen und einem Roman, der in der Gegenwart spielt und von „ganz normalen“ Menschen erzählt. Das macht sicher auch einen Reiz dieses Buches aus. Mir hat’s wirklich sehr gut gefallen! 🙂

Sabine Weiß: Die Buchdruckerin

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich bei vorablesen „historead“ gewonnen. Historische Romane lese ich ganz gerne und dann noch einer über den Buchdruck… das kann man sich doch nicht entgehen lassen!

 Zum Inhalt: Die Geschichte um die Druckerin Margarethe Prüß beginnt um 1520 in Straßburg. Hier wächst das Mädchen quasi mit dem Beruf der Druckerin auf, denn ihrem Vater gehört eine Druckerei und das wissenshungrige Mädchen interessiert sich von klein auf für die Abläufe und Vorgänge beim Drucken eines Buches. Margarethe darf sogar für ihren Vater Korrektur lesen, und so sorgt er dafür, dass seine Tochter nach seinem Tod die Hälfte der Druckerei zugesprochen bekommt. Dieser Schritt macht ihren Bruder sehr wütend, und Margarethe muss feststellen, dass es nicht einfach ist, als Frau in diesem Beruf Fuß zu fassen.
Doch mit Hilfe ihres ersten Ehemanns Reinhard Beck gelingt ihr dies dann doch, und die beiden führen die Druckerei erfolgreich gemeinsam. Dabei begeben sie sich aber öfter in Gefahr, denn es ist die Zeit der Reformation und Martin Luthers Thesen verbreiten sich in rasender Geschwindigkeit – natürlich gerade auch wegen des Buchdrucks. Plötzlich wollen alle Menschen die Texte über den Glauben selbst lesen und sich selbst ein Bild machen – einfach nur zu hören, was der Klerus zu sagen hat, das gilt nun nichts mehr.
Es ist eine gute Zeit für die Drucker – und eine gefährliche, denn viele Schriften, die nun von allen möglichen Reformatoren und Predigern verfasst werden, gelten als ketzerisch und gefährlich. Nur im Verborgenen können sie gedruckt und verbreitet werden – und dies ist ein wirklich gefährliches Unterfangen.
In dieser aufregenden, aber auch schwierigen Zeit, wird Margarethe erwachsen, sie muss ihre immer größer werdende Familie versorgen, schwere Schicksalsschläge überwinden und mehrfach ihre Meinung über Menschen, die sie zu kennen glaubte, revidieren. Aber Margarethe ist eine starke Frau, die sich immer wieder aufrappelt und die ihren Weg weitergeht und sich für das einsetzt, an das sie glaubt.

 Wie mir das Buch gefallen hat: Trotz des klischeehaften „Die + Berufsbezeichnung“-Titels, der ja so vielen historischen Romanen anhaftet, verbirgt sich hinter diesem Titel kein einfach gestrickter historischer Roman, bei dem die Geschichte eigentlich nur Kulisse für die Liebesgeschichte der Protagonistin ist. Im Gegenteil: „Die Buchdruckerin“ ist ein Roman, dem man schnell anmerkt, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Sabine Weiß versteht es, die historischen Fakten interessant und spannend in ihren Roman zu integrieren und gerade das, was man über den Buchdruck erfährt, fand ich sehr spannend und es hat mir wirklich sehr gut gefallen.
Im Nachwort habe ich dann festgestellt, dass es neben vielen der Reformatoren, die ihren Auftritt in diesem Roman haben, tatsächlich auch Margarethe Prüß und ihre Familie wirklich gab. Auch wenn über deren Leben nicht viele Informationen erhalten sind, finde ich es großartig, dass der Protagonistin dieses Romans eine „echte Person“ zugrunde liegt, der so ein tolles Denkmal gesetzt wurde.
Die Handlung des Romans ist spannend und gut erzählt, sodass man damit viele schöne Lesestunden verbringen kann. Ein toller historischer Roman, der auf jeden Fall lesenswert ist!

Pierre Bayard: How to Talk about Books You Haven’t Read

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Den Titel dieses Buches habe ich eines Tages im Büchertreff entdeckt und mir war gleich klar, dass ich ein Buch mit einem solchen Titel einfach haben muss. Also habe ich es auf meine Wunschliste gesetzt und dann auch wirklich von meinen Eltern zum Geburtstag bekommen.

 Inhalt und meine Meinung: Wer kennt die Situation nicht – plötzlich, egal aus welchen Gründen – muss man über ein Buch sprechen, das man gar nicht kennt. Bestimmte Klassiker nicht gelesen zu haben, das geben manche Menschen nicht gern zu. Ein Buch, über das alle reden, nicht gelesen zu haben – kaum denkbar. Wie oft fühlt man sich als der Einzige, der ein bestimmtes Buch nicht gelesen hat? Pierre Bayard macht Mut. 😉
„How to talk about books you haven’t read“ macht erstmal eines klar: Egal, wie viele Bücher man gelesen hat, es sind immer millionenfach mehr Bücher auf der Welt vorhanden, die man nicht gelesen hat. Es wird niemals möglich sein, alles gelesen zu haben, und von daher braucht man sich der Tatsache nicht zu schämen, dass man nicht alles kennt.
Bayard knöpft sich verschiedene literarische Texte oder Aussagen von Schriftstellern (allen voran natürlich Oscar Wilde mit seinem berühmten Ausspruch: „I never read a book I must review; it prejudices you so.“) vor, an denen er aufzeigt, warum Lesen nicht immer der richtige Umgang mit einem Buch ist – man denke nur mal an die Gefahren, die ein Buch bergen kann (zum Beispiel die Gefahren durch ein Buch in der Bibliothek in „Der Name der Rose“), warum es manchmal ausreicht, den Autor zu kennen, um sich eine Meinung über ein bestimmtes Buch zu bilden, und vieles mehr.
Bayard unterteilt Bücher, die man nicht gelesen hat, in folgende Kategorien: Bücher, die man nicht kennt, Bücher, die man überflogen hat, Bücher, von denen man gehört hat, und Bücher, die man gelesen aber wieder vergessen hat. Für jede Kategorie legt er da, warum man sich für solche Bücher nicht schämen braucht, ganz im Gegenteil, gerade Bücher, von denen man nur gehört hat, dienen Bayard zufolge ausgezeichnet dazu, um darüber zu reden – am besten mit jemandem, der sie auch nicht gelesen hat.
Laut Bayard ist es völliger Blödsinn, dass man bereits als Schüler eingetrichtert bekommt, dass man ein Buch quasi auswendig kennen muss, um behaupten zu können, man habe es gelesen. Schülern werde kein Freiraum dabei gelassen, ihr eigenes Verständnis des Textes zu entwickeln, sie müssten immer buchstabengetreu an dem Buch bleiben, dies sei aber falsch und unnatürlich. Bayard, der selbst Professor für Literatur ist, ist der Meinung, dass Schüler und Studenten, die nur einen Teil des Textes oder etwas über den Text gelesen haben, sich selbst in den Text viel mehr einbringen und sich mehr Gedanken dazu machen, wie sie dazu stehen. Da ist vielleicht etwas Wahres dran…
Was an Bayards „Ratgeber“ sehr kurzweilig ist, sind die vielen Romane, die er heranzieht, um verschiedene Formen des Nicht-Lesens und verschiedene Verhaltensweisen im Umgang mit Literatur aufzuzeigen. Erstens konnte ich dabei meine Wunschliste erweitern, zweitens finde ich es ganz interessant, wenn Literatur in Literatur beschrieben wird. Lustig finde ich dabei vor allem ein Spiel, das Bayard aus einem Roman von David Lodge entnommen hat und das „Demütigung“ heißt. Dabei muss der Spieler, der an der Reihe ist, ein Buch nennen, das er nicht gelesen hat, von dem er aber denkt, dass die anderen es gelesen haben. Für jeden Mitspieler, der das genannte Buch gelesen hat, bekommt er einen Punkt. Je mehr Bücher man also nicht gelesen hat, umso mehr Chancen hat man in dem Spiel, aber man macht auch seine Bildungslücken deutlich, woher wohl der Name des Spiels kommt.
„How to talk about books you haven’t read“ ist interessant geschrieben und auch vom Inhalt her das Lesen wert, manchmal ist es aber etwas sperrig, sodass ich es über Wochen gelesen habe, weil ich nicht mehr als ein Kapitel am Tag gelesen habe. Trotz des lustigen Titels ist das Buch recht anspruchsvoll geschrieben und deswegen nichts, was man einfach so nebenher lesen kann. Dennoch lohnt es sich, sich auch mal über das Nicht-Lesen Gedanken zu machen, deswegen meiner Meinung nach schon eine Empfehlung wert.