345 Tage buchkauffrei – Wer nervt, muss nach Brandenburg (Hörbuch 13)

Ein weiteres Hörbuch, das ich von der lieben Cleo bekommen habe, ist „Übertrieben tot“ von Frau Freitag und Fräulein Krise. Ich habe „Der Altmann ist tot“ vor ein paar Jahren gelesen und fand es gut. „Übertrieben tot“ fand ich noch … Weiterlesen

Carina Bartsch: Türkisgrüner Winter

noch11Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Meine liebe Bücherfreundin macht keine halben Sachen. Wenn sie mir den ersten Band in die Hand drückt, dann bekomme ich garantiert auch den zweiten…

Zum Inhalt: Auch wenn es natürlich immer noch holtert und poltert und die sarkastischen Sprüche tief fliegen: Endlich scheinen es Elyas und Emely geschafft zu haben, sich mal nicht gegenseitig die ganze Zeit nur anzublaffen – nein, sie kommen sich nun endlich näher und Emely schwebt im siebten Himmel. Kann es etwas Schöneres geben, als mit Elyas Zeit zu verbringen? Niemand, da ist sich Emely sicher, niemand kann so toll reden, niemand sieht so gut aus, niemand passt so gut zu ihr wie er. Es könnte so schön sein! Elyas ist für Emely da, als sie ihn wirklich braucht, und als sie sich nicht gerade von ihrer besten Seite präsentiert. Danach scheinen die Zeichen auf Neuanfang zu stehen und alles ist perfekt.
Na gut, ein klein wenig drückt Emelys Gewissen, denn eigentlich müsste sie ihrem E-Mail-Freund Luca jetzt reinen Wein einschenken und ihm sagen, dass sie sich in Elyas verliebt hat und mit ihm zusammen sein will. Ein anderer Mann hat absolut keine Chance bei ihr, da ist sich Emely ganz sicher.
Aber es kommt, wie es kommen muss: Das Leben macht Emely einen Strich durch die Rechnung. Als sie nämlich gerade beschlossen hat, dass sie Elyas wirklich vertrauen kann, da bekommt sie rein zufällig mit, dass er ihr die ganze Zeit über etwas verheimlicht hat. Und zwar keine Kleinigkeit. Wie kann er ihr sowas nur antun? Alles Schlimme, das sie je über ihn gedacht hat, scheint nun also doch wahr zu sein? Emely kann sich das alles nicht erklären, aber sie ist zutiefst verletzt und verunsichert.
Radikal bricht sie den Kontakt zu Elyas ab – er darf ihr nie wieder wehtun. Und auch er zieht sich von ihr zurück; alles, was die beiden sich so vorsichtig aufgebaut hatten, fällt in sich zusammen. Emely vergräbt sich in ihre Arbeit in der Uni, versucht, Orte zu meiden, an denen sie Elyas treffen könnte. Doch das ist nicht so einfach – nicht nur, weil er der Bruder ihrer besten Freundin ist. Wird Emely es jemals schaffen, über Elyas hinwegzukommen, oder gibt es für die beiden doch noch ein Happy End?

Wie mir das Buch gefallen hat: Beim ersten Band habe ich mich noch ganz gut unterhalten gefühlt, fand, ein bisschen Kitsch im Herbst kann nicht schaden, und der Erzählstil der Autorin sagte mir sehr zu. Jetzt muss ich leider zugeben, dass der zweite Band dann aber eher nervig wurde – auch wenn Carina Bartsch meiner Meinung nach wirklich gut erzählen kann; das Buch ist leichte Unterhaltung, schnell gelesen.
Als Elyas und Emely sich annähern, denkt man schon zu Beginn des Romans: „Na, ob das hält?“ – und dann kommt ja diese (meiner Meinung nach eher unspektakuläre) Sache heraus, die Elyas getan hat, und alles bricht zusammen. Ich fand, dass beide Protagonisten da total übertrieben reagieren. Emely – gerade noch im siebten Himmel – will Elyas noch nicht mal erklären lassen, was er getan hat – und der Traummann wird zum Alptraum innerhalb von zehn Sekunden. Nun gut.
Dass man dann in Band 2 die ganze Zeit eigentlich nur damit beschäftigt ist, zu lesen, wie schlecht es Emely ohne Elyas geht, ging mir schnell auf die Nerven. Also, ich gebe zu, ich habe „Twilight“ mit Anfang 20 gerne gelesen, aber seitdem scheinen hunderte von Serien auf den Zug aufzuspringen und in Band 2 ist der Liebste, den man am Ende des ersten Bands in den Armen hielt, dann schon wieder unerreichbar. Und zwar immer, ohne dass man Probleme mal besprochen hätte.
Es ist ja nun von Anfang an klar, dass wir auf ein Happy End zusteuern, und das ist ja auch okay, aber man hätte den Leidensweg der beiden gern um hundert Seiten kürzen können. Emely als Protagonistin hätte etwas mehr Selbstbewusstsein wirklich gut getan. Sie macht sich immer so klein, und das gefällt mir nicht. Und am Ende all dieses Jammerns kommt dann die große Aussprache (und die ist ewig lang, ich habe gedacht, Elyas würde gar nicht mehr aufhören zu reden)…
Also: das, was der Erzählstil im ersten Band noch ‚rausgerissen hat, reicht im zweiten Band dann nicht mehr. Die Geschichte ist leider wenig originell, und gerade Emely konnte als Erzählerin nicht mehr überzeugen. Fürs Zwischendurchlesen sicher in Ordnung, aber mehr auch nicht.

Carina Bartsch: Kirschroter Sommer

noch12Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Geliehen bekommen hatte ich das Buch von einer meiner Freundinnen schon vor einer Weile. Ungeduldig erwartete sie meine Meinung. Schließlich wurde sie rabiat: „Du liest das jetzt! Das wird super! Ich erwarte stündlich Bericht!“ Tja, was soll man da noch machen?

Zum Inhalt: Es ist Jahre her, dass Emely Elyas gesehen hat, ihre erste große Liebe, der ihr mit sechzehn das Herz gebrochen hat. Es hat lange genug gedauert, über den Typen hinwegzukommen, und immer noch nagt die Enttäuschung über das, was zwischen ihnen passiert ist, manchmal an ihr. Doch blöderweise ist Elyas der große Bruder ihrer allerbesten Freundin Alex, und als die nach Berlin zieht, beschließt sie, dass sie mit ihrem Bruder in eine WG ziehen möchte. Bisher war Berlin groß genug für Elyas und Emely, aber nun sieht es ernsthaft so aus, als müssten sich die beiden wieder öfter begegnen – und das kann nicht gutgehen.
Dass Elyas immer noch super aussieht, entgeht Emely natürlich nicht, und eigentlich ist er auch recht nett zu ihr – aber das ist bestimmt nur, weil er sich über sie lustig machen will. Genau wie damals, legt er es einfach darauf an, sie vorzuführen, da ist sich Emely sicher; und so stößt sie Elyas weit von sich, wenn immer er ihr zu nahe kommt. Und gerade darauf scheint er es blöderweise anzulegen.
Aber zum Glück gibt es ja auch noch andere Männer – Luca zum Beispiel, Emelys E-Mail-Freund, den sie noch nie gesehen hat, mit dem sie sich aber immer innigere E-Mails schreibt und den sie immer netter findet. Ein Treffen mit ihm ist für Emely anfangs eigentlich ausgeschlossen, denn die Illusion kann einfach nur zerstört werden, und außerdem ist es ihr auch irgendwie peinlich, mit Mitte zwanzig einen Internetfreund zu haben, aber andererseits ist Luca schon irgendwie spannend.
Natürlich würde Emely nie zugeben, dass Luca vor allem eins ist: eine wunderbare Ablenkung von Elyas, der sich immer weiter in ihr Leben drängt, ob sie will oder nicht. Und obwohl Emely sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, irgendwas an Elyas auch nur im entferntesten sympathisch zu finden, sprechen ihre Gefühle für ihn eigentlich schon lange eine ganz andere Sprache. Doch kann sie Elyas wirklich vertrauen? Lohnt es sich, sich auch nur ein ganz kleines bisschen auf ihn einzulassen?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich gebe zu, dass ich extrem skeptisch war, was „Kirschroter Sommer“ betrifft. Erstens: so ein richtig typisches Mädchenbuch, nun ja, und dann eine Autorin, die erst keinen Verlag gefunden hat, ihr Buch dann selbst bei Amazon veröffentlichte und nun aufgrund ihres Riesenerfolgs dort bei rowohlt untergekommen ist. Ja, ich bin manchmal voller Vorurteile, ich gebe es zu. Aber andererseits vertraue ich auf das Urteil der Freundin, die mir das Buch ans Herz gelegt hat. Und so fing ich an zu lesen.
Am ersten Abend las ich 300 Seiten. Das ist auch nicht weiter schwer, denn die fliegen nur so dahin. Der Erzählstil der Autorin ist leicht und lustig, Emely erzählt in einem sehr umgangssprachlichen Ton und ihre Sprüche sind manchmal schon etwas derbe – im Allgemeinen fand ich ihre zynische Art aber ganz amüsant und sympathisch.
Was die Geschichte betrifft, ist da nicht wirklich was dabei, das wir nicht schon kennen. Der gutaussehende und charmante Typ, der jede haben könnte (aber nur eine will); das Mädchen, das natürlich mal wieder ein Riesentollpatsch ist und sich selbst nicht besonders hübsch findet, und das natürlich – och Mensch, Leute, bitte nicht immer das! – nicht glauben kann, dass dieser tolle Mann sich ausgerechnet in sie verliebt hat. ARGH! Wie auch immer, so ist es natürlich in „Kirschroter Sommer“ auch, und auch, was es mit diesem Internetfreund auf sich hat, kann man sich ab Seite 20 denken. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, das einem hier nichts Neues geboten wird.
Und jetzt kommt’s: Trotzdem fand ich es toll. Trotzdem habe ich, nachdem ich gestern Abend mit dem Lesen begonnen hatte, heute morgen als erstes die letzten 200 Seiten gelesen – ach was, inhaliert. Denn auch, wenn man das alles schon irgendwie kennt, auch wenn mir Emely irgendwann richtig damit auf den Wecker ging, dass sie sich Elyas gegenüber zickig verhält, damit er nicht merkt, wie toll sie ihn findet, war es irgendwie einfach schön. Ein bisschen so, wie sich eine Hollywoodromanze im Fernsehen anzusehen. Ein paar Stunden abtauchen vom Alltag, ein bisschen was zu lachen haben, ein bisschen Romantik, ein bisschen Kitsch. Absolut geeignet dafür, sich mal für ein paar Stunden aus der Wirklichkeit auszuklinken und einfach zu lesen. Und was könnte man Mitte Oktober an einem Wochenendnachmittag Besseres machen? Genau. Ich bin dann mal weg – Band 2 lesen.

Vincent Kliesch: Bis in den Tod hinein

noch42Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Vorbestellt natürlich! Ganz dringend. Auch wenn man weiß, dass ein Thriller von Vincent Kliesch bedeutet, dass man wieder mindestens eine Nacht nicht schlafen kann – ein klarer Fall von „unbesehen kaufen“. Als ich das Buch vorbestellt habe, habe ich nicht mal den Klappentext gelesen. Kliesch ist für mich ein Autor, bei dem ich weiß, dass mich Gutes erwartet – in Gestalt des Bösen.

Zum Inhalt: Julius Kern hat gerade seinen wohlverdienten Familienurlaub in die USA angetreten, da geschehen in Berlin schon die nächsten spektakulären Verbrechen – doch jetzt müssen seine Kollegen einmal ohne ihn zurechtkommen. Dennis Baum untersucht das mysteriöse Verschwinden eines Topmodels, das eigentlich in der Jury einer Modelcastingshow sitzen sollte, nun aber wie vom Erdboden verschluckt ist. Und der Neue im Team, Severin Boesherz, hat es mit einem ganz perfiden Mörder zu tun: die Opfer sind anscheinend zufällig ausgewählt worden, jedes auf andere Art und Weise getötet, jedes mit einer Zahl versehen. Auch bei diesen Zahlen scheint es zunächst keine nachvollziehbare Struktur zu geben. Es wird kein Countdown gezählt, es lässt sich kein Muster erkennen… aber irgendwas müssen diese Zahlen ja bedeuten! Hinzu kommen die Todesursachen, von denen eine grausamer ist als die andere. Ein Brandstifter geht selbst in Flammen auf, und hier scheint erstmal klar, dass Gleiches mit Gleichem vergolten wird, aber bei den anderen, zum Teil noch sehr viel grausameren Morden, ist der Zusammenhang zwischen der Person und der Todesart nicht so einfach auf den ersten Blick zu erkennen. Wie soll man von solchen Verbrechen auf den Täter schließen – und vor allem: wie soll man ihn aufhalten?
Severin Boesherz, ein extrem eigenwilliger Ermittler, lässt sich nicht beeindrucken oder gar einschüchtern. Mit messerscharfem Verstand kombiniert er Tathergänge anhand der Tatorte und der Leichen; ihm entgeht nichts und sein Blick für jedes Detail erinnert an Sherlock Holmes. Boesherz verliert nie den Überblick über das Geschehen, so scheint es. Doch ist er einem solchen Täter, der ebenfalls erschreckend genau zu planen scheint, wann er mordet, wirklich gewachsen?
Da Daniela Castella, die Leiterin des Dezernats, kein Risiko eingehen will, stellt sie Boesherz eine „Expertin“ im Bereich der Serienmörder zur Seite. Boesherz ist von Linda Bartholy zunächst schwer genervt, denn er hält nichts von Psychologinnen, die ihm irgendwelche Vermutungen präsentieren – er braucht Fakten. Doch dann erkennt er, dass er Bartholy vielleicht unterschätzt hat, und dass es sich lohnen könnte, sie besser kennenzulernen…
Eins ist klar, Boesherz könnte sich mit dem Fall um „Jack“, wie der Spitzname für den Mörder im LKA lautet, in Berlin einen Namen machen – und auch Dennis Baum könnte zeigen, was in ihm steckt, wenn er den Fall um das verschwundene Model ohne Julius Kern löst. Aber in beiden Fällen ist das natürlich leichter gesagt als getan…

Wie mir das Buch gefallen hat: Während ihrer Ermittlungen im Fall „Jack“ begeben sich Boesherz und eine Kollegin zu Madame Tussaud’s und sehen sich dort die Wachsfiguren an.

Er [Boesherz] und Olivia fachsimpelten angesichts der ausgestellten Figuren über alle erdenklichen Themen […] und sogar über Literatur, als sie an den Wachsfiguren der bedeutenden Schriftsteller Günter Grass, Bertolt Brecht und der eines aufstrebenden deutschen Thrillerautors vorbeischlenderten, dessen Name Boesherz partout nicht einfallen wollte, obwohl er erst vor Kurzem eine spannungsgeladene Trilogie von ihm verschlungen hatte. (S. 182)

Ich sage dazu nur eins: Herr Kliesch, wenn von Ihnen wirklich jemals eine Wachsfigur bei Madame Tussauds steht, dann gehe ich dort hin und mache ein Foto mit dieser Figur und mir! Versprochen!
Vincent Kliesch hat mich auch dieses Mal wieder überhaupt nicht enttäuscht – im Gegenteil. Ich gebe zu, dass ich Befürchtungen hatte, wie es denn nun ohne Tassilo und ohne Julius Kern überhaupt werden sollte, aber tatsächlich muss ich sagen, dass Kliesch es einfach kann: er kann großartige, superspannende Thriller schreiben, die für mich immer „Tagbücher“ sein werden, weil ich sie definitiv abends allein zu Hause nicht lesen kann; er kann Figuren erfinden, die interessant und gleichzeitig nicht zu abgedreht sind, und er schafft es irgendwie, dass von Zeit zu Zeit ein böser Humor in den Seiten aufblitzt, und das gefällt mir unheimlich gut.
Was dieser Thriller neben Morden zu bieten hat, die es einem eiskalt den Rücken ‚runterlaufen lassen, ist einerseits ein Erzähltempo, das mitreißt, weil Perspektiven wechseln, manchmal wie Kameraeinstellungen; man denkt, man wäre gerade an einem bestimmten Ort mit einer bestimmten Figur des Romans um dann festzustellen, dass Kliesch einen hier an der Nase herumgeführt hat, und Handlungen zusammen erzählt, die nicht am selben Ort spielen. Hut ab!
Vor allem aber schafft Kliesch es in diesem Thriller, die Medienwelt herrlich aufs Korn zu nehmen. Immer wieder geht es um Castingshows, um diese unsäglichen Laienschauspieler im Nachmittagsfernsehen, um Sendeformate, die immer wieder umgewälzt werden und die immer günstiger sein müssten – allerdings macht Kliesch das nicht, ohne deutlich zu machen, dass nun mal letzten Endes der Zuschauer entscheidet, was im Fernsehen läuft. Einige der Aussagen und Gedanken dazu fand ich jedenfalls sehr interessant. Da Kliesch sich in der Medienwelt auskennt, nehme ich ihn hier auf jeden Fall beim Wort.
Der andere Punkt ist die Auseinandersetzung mit Sprache. Bei der Widmung des Thrillers „Für alle Freunde des Genitivs. Gebt nicht auf!“, habe ich noch gelacht. Später im Thriller vergeht einem das Lachen, aber auch wenn hier zum Teil extreme Gegenpole gezeigt werden (absolute Sprachkontrolle, bei der jeder Begriff mit dem etymologischen Bezug gesehen wird, sodass man beim Lesen schlucken muss und denkt: „Aha, es besteht ein Unterschied zwischen weshalb und warum, der mir bisher nicht klar war (und den ich auch weiterhin ignorieren werde) steht einem – nun ja – sagen wir rudimentären Sprachgebrauch im Fernsehen und bei einigen Jugendlichen gegenüber: „Das stell ich Facebook!“), denke ich, dass es spannend ist, dass ein Thriller sich hier mal eines solchen Themas annimmt – und wenn’s auch nur der Psychopath ist, der sich mit sowas auskennt.
Letzten Endes nur noch eins, und das lasse ich unkommentiert stehen: Den „Struwwelpeter“ werde ich in Zukunft mit anderen Augen sehen…
Herr Kliesch, ich weiß nicht, was Sie bei diesem Wetter machen, aber ich bitte Sie inständig, sich DIREKT an den nächsten Thriller zu setzen.