Astrid Lindgren: Karlsson vom Dach

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Mittlerweile habe ich aus der Astrid-Lindgren-Box, die ich zu Weihnachten bekommen habe, fast alle Bücher gelesen. Die letzten drei hatte ich mir für den Sommer vorgenommen und nun war „Karlsson vom Dach“ an … Weiterlesen

Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Es ist mal wieder Zeit, etwas aus meiner Astrid-Lindgren-Box vorzustellen, und deswegen habe ich in diesem Monat unter anderem mal „Pippi Langstrumpf“ gelesen. Zum Inhalt: Es gibt eine schwedische Kleinstadt, die nicht ist wie alle … Weiterlesen

Astrid Lindgren: Erzählungen & Märchen

023Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Es wird mal wieder Zeit für ein Buch aus meiner Astrid-Lindgren-Box. Und viele der Geschichten in diesem Buch wecken schöne Kindheitserinnerungen…

Inhalt und meine Meinung: Der Sammelband enthält Geschichten und Märchen aus insgesamt fünf verschiedenen Büchern der Autorin, die auch durchaus unterschiedlich gut sind. Es geht los mit Die Kinder aus der Krachmacherstraße und der längeren Erzählung Lotta zieht um. Diese Geschichten mag ich ganz gern, die kleine freche Lotta ist eine der Figuren von Astrid Lindgren, die ich besonders mag. Was ganz Besonderes sind sie für mich nicht, eher eine Mischung aus „Wir Kinder aus Bullerbü“ und „Madita“, und auch die Geschichte davon, wie Lotta auszieht von zu Hause, gibt es in einer der anderen Sammlungen noch mal sehr ähnlich mit einem kleinen Jungen namens Pelle. Die Kinder aus der Krachmacherstraße sind niedlich erzählt und ganz nett, aber für mich keine besonderen Highlights in Astrid Lindgrens Gesamtwerk.
Es folgt die Sammlung der Erzählungen aus Sammelaugust und andere Kinder – für mich mit Abstand die schwächste Sammlung von Erzählungen. Die Geschichten sind nicht vergleichbar mit Lindgrens Märchen oder ihren fröhlichen Erzählungen mit einem guten Ende für Kinder, denen es schlecht geht – sie sind oft sehr traurig, wie zum Beispiel die Geschichte der kleinen Märit, die sehr arm ist, und die ihr Leben gibt, um einen Jungen zu retten, in den sie heimlich verliebt ist – kurz nach der Beerdigung haben die Mitschülerinnen und Mitschüler Märit schon völlig vergessen. Ähnlich erschreckend sind auch einige der anderen Erzählungen, oder zumindest sehr traurig, und das gefällt mir nicht so. Es sind schon gute Geschichten, aber ich als Erwachsene musste bei manchen schon schlucken, und Kindern würde ich sie nicht vorlesen, glaube ich. Es gibt genügend schönere.
Märchen ist der schönste Band dieser Sammlung. Ja, an diesen Geschichten hänge ich auch deswegen, weil ich sie schon als Kind gelesen und geliebt habe, aber sie sind auch einfach zu schön. Ich liebe „Nils Karlsson Däumling“, der dem kranken Bertil die Zeit versüßt, in der dieser allein zu Hause ist, „Die Prinzessin, die nicht spielen konnte“ ist meiner Meinung nach eine der allerschönsten Lindgrengeschichten: eine Prinzessin lernt, ihre Fantasie zu gebrauchen… ganz niedlich. Aber auch „Die Puppe Mirabell“ und „Die Elfe mit dem Taschentuch“ haben es mir sehr angetan – wobei es in diesem Band wirklich keine einzige Erzählung gibt, die ich nicht schön finden würde, auch wenn zum Beispiel „Allerliebste Schwester“ auch recht traurig ist.
Richtig traurig wird es dann auch erst bei den Geschichten aus Klingt meine Linde. Hier geht es samt und sonders um Kinder, die sehr arm sind und sehr schwere Schicksale schultern müssen. „Die Schafe auf Kapela“ und „Junker Nils von Eka“ sind dabei zwar etwas weniger traurig, können aber mit „Sonnenau“ und „Klingt meine Linde“ absolut nicht mithalten. Sowohl Malin, die ihre Seele einem Lindenbaum schenkt, als auch „Sonnenau“, eine herzergreifende Geschichte über ein sehr armes Geschwisterpaar, das einen magischen Ort entdeckt, an dem es endlich glücklich sein kann, sind Erzählungen, die in einem nachklingen und die sehr schön sind. Alle Geschichten aus diesem Band sind sehr traurig und beschäftigen sich auf irgendeine Weise mit dem Thema Tod, sie sind aber seltsam tröstlich und einfach sehr warmherzig erzählt.
Die in diesem Sammelband getragenen Geschichten dürfen wirklich in keiner Astrid-Lindgren-Sammlung fehlen. Ich denke, hier wird jeder genau die eine Erzählung finden, die ihn besonders berührt. Lustig, schön, manchmal traurig. Hier bekommt man die große Bandbreite von Astrid Lindgrens Können zu sehen. Lesenswert.

Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz

011Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch ist nun das fünfte aus meiner Astrid Lindgren-Box, das ich gelesen habe. „Die Brüder Löwenherz“ liebe ich wirklich sehr. Dieses Buch habe ich zum ersten Mal gelesen, als ich schon in der vierten Klasse war oder so, denn meine Eltern haben die traurige Geschichte der beiden Brüder etwas von mir ferngehalten.

Zum Inhalt: Der kleine Karl Löwe ist schwer krank und jeder weiß, dass er bald sterben wird. Der kleine Junge liegt den ganzen Tag auf der Küchenbank und darf nicht nach draußen. Zum Glück hat er Jonathan, seinen großen Bruder, der sich um ihn kümmert und ihn aufheitert. Jonathan, das finden nicht nur Karl und seine Mutter, ist ein toller Junge, wie ein Märchenprinz. Am tollsten ist aber Jonathans großes Herz – als es eines Tages bei ihnen in der Wohnung brennt, ist es Jonathan, der seinen kleinen Bruder, den er liebevoll Krümel nennt, auf den Rücken nimmt und aus dem Fenster springt. Diesen Sprung überlebt der Junge nicht. Krümel bleibt zurück und ist tieftraurig, auch wenn er weiß, dass er auch bald sterben wird – und dass er Jonathan dann wiedersieht, in dem wundersamen Land Nangijala, von dem der große Bruder ihm immer erzählt hat.
Und dann ist Krümel tatsächlich in Nangijala, und zusammen mit Jonathan bewohnt er einen wunderschönen Hof im Kirschtal. Zum ersten Mal ist der kleine Junge gesund, und er ist glücklich. Das Leben im Kirschtal scheint paradiesisch zu sein – doch leider stimmt das nur auf den ersten Blick. Nangijala wird von dem bösen Tengil beherrscht und unterdrückt, und die Menschen leben in Angst vor ihm und seinem gefährlichen Monster: Katla. Die Menschen im Kirschtal zählen darauf, dass Jonathan Löwenherz, wie sie ihn nennen, ihnen helfen wird. ihr Land zu befreien. Jonathan weiß, dass der Kampf gefährlich werden wird, doch er will sich ihm stellen. Und auch Karl, der nicht länger „Krümel“ sein will, beschließt, sich der Gefahr zu stellen. Sie halten zusammen und lassen einander nicht im Stich, die Brüder Löwenherz.

Wie mir das Buch gefallen hat: Was für ein superschönes Buch! Ich habe immer schon einen Kloß im Hals, wenn ich es nur aus dem Regal ziehe, denn ich weiß, dass es keine halbe Stunde dauern wird, bis ich das erste Mal weinen muss. Und auch später… nun, sagen wir mal, der Anfang ist da noch harmlos. Diese Geschichte rührt mich zu Tränen, es macht mich traurig und tröstet mich irgendwie gleichzeitig. Das mag komisch klingen, aber genauso ist es.
Diese Geschichte ist einzigartig. Allein schon Nangijala als Schauplatz ist wirklich schön – ein Land aus der Zeit der Sagen und Märchen, auf den ersten Blick wirklich magisch in seiner Schönheit, sodass ich mit Krümel und Jonathan am Lagerfeuer sitzen möchte, bis die Sonne wieder aufgeht. Dann aber wird es dort so unheimlich und gefährlich, dass man erst recht weiterlesen möchte, weil man unbedingt dabei sein will, wenn das Land gerettet wird. Es spricht für Astrid Lindgren, dass ich jetzt schon unzählige Male mit ihr durch Nangijala gereist bin und es für mich nichts an seiner Schönheit eingebüßt hat. Auch Tengil und Katla machen mir jedes Mal wieder Angst und mit Jonathan und Krümel Löwenherz hat Astrid Lindgren ohnehin zwei Figuren erschaffen, die man vom ersten Moment an mag und mit denen man dann wirklich mitfiebert bis zum Ende.
Die Geschichte selbst liest sich wie eine Sage oder Legende, und damit zeigt sich, dass Astrid Lindgren wirklich nicht nur eine Art von Kinderbüchern schreiben kann. Was ich an ihr auch mag, ist, dass sie sich an ein schwieriges Thema herangewagt hat – nämlich das, was nach dem Tod kommt. Heute gibt es ja viele Jugendbücher, die sich mit dem Thema Sterben beschäftigen, aber in meiner Kindheit war „Die Brüder Löwenherz“ das einzige, das ich kannte. Vielleicht ist das ein Grund, aus dem mich diese Geschichte immer wieder so berührt. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass „Die Brüder Löwenherz“ eines der schönsten Kinder- und Jugendbücher überhaupt ist.

Astrid Lindgren: Die Kinder aus Bullerbü

009Wie ich zu dem Buch bekommen bin: Ach ja, Buch Nummer 4 aus meiner schönen neuen Astrid-Lindgren-Box. Acht Bücher liegen hier also noch und warten auf mich. Schön, schön…

Zum Inhalt: Ach, wie schön ist es in Bullerbü, diesem kleinen Dorf, das nur aus drei Bauernhöfen besteht: dem Nordhof, dem Südhof und dem Mittelhof. Hier gibt es sechs Kinder, die zusammen richtig viel Spaß haben – auch wenn die Mädchen die Jungen manchmal ganz schön doof finden – und umgekehrt. Lisa jedenfalls ist von ihren Brüdern Lasse und Bosse manchmal doch genervt, vor allem, weil Lasse immer denkt, dass er alles bestimmen kann, nur weil er der Älteste ist. Aber dann wieder ist es  auch einfach schön, wenn sie zu sechst losziehen können, die Kinder von Bullerbü, um große Abenteuer zu erleben.
So sind Lasse, Bosse, Ole, Britta, Inga und Lisa mehr als einmal auf Schatzsuche, sehen einen Wassergeist, legen sich mit dem bösen Schuhmacher Nett an, backen Zuckerkuchen und erkunden die Gegend rund um Bullerbü. Es gibt ja so viel zu entdecken! Wenn Lisas Eltern immer wüssten, was ihre Tochter für Felsen und Bäume erklimmt, wären sie vielleicht erschrocken, aber was soll man machen, wenn es doch in Bullerbü so schön ist und es so viel zu tun gibt? Deswegen können sich Lisa und Inga auch nie einigen, wann es in Bullerbü eigentlich am schönsten ist. Vielleicht im Sommer, wenn man ein Seeräuber sein und schwimmen gehen kann? Wenn man sein Geld mit dem Verziehen von Rüben verdienen kann? Wenn man Mittsommer feiern kann? Oder vielleicht ist es auch im Frühling am schönsten, wenn man nachsehen kann, ob schon Leberblümchen wachsen, wenn die Natur erwacht, die Lämmchen geboren werden und Ostern kommt? Weihnachten allerdings ist auch besonders schön, finden die Kinder aus Bullerbü. Und wenn man in der Silvesternacht das neue Jahr mit Fruchtsaft und Äpfeln begrüßen kann, dann ist das doch auch etwas ganz Besonderes.
Eines ist es jedenfalls nie in Bullerbü – und das ist: langweilig. Wer möchte schon in Stockholm leben, wenn es doch in Bullerbü so unglaublich schön ist?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ach, Bullerbü… einer meiner liebsten Orte im Astrid-Lindgren-Kosmos. Was mir an „Die Kinder aus Bullerbü“ so gut gefällt, sind auch tatsächlich die verschiedenen Kinder, die alle so liebenswert sind. Natürlich hat Ich-Erzählerin Lisa vielleicht einen kleinen Vorteil, weil ihre Erzählstimme mir so gut gefällt, aber ich glaube, am liebsten mag ich Lasse, dem einfach immer etwas einfällt, der nie um eine Antwort verlegen ist und der die anderen Kinder mit seinen verrückten Ideen immer bestens unterhält.
In Bullerbü ist die Welt noch in Ordnung, aber auch wirklich auf eine schöne Art und Weise. Ich finde es total schön, in diese Welt zu versinken und für eine Weile dort unterzukommen. In diesem Buch erfahren wir nicht viel über die Welt der Erwachsenen, und es gibt nicht wie bei „Madita“ Hinweise auf Missstände im Land oder auf wirklich arme Menschen, hier ist einfach ein Stück heile Kindheit zu finden, und das ist einzigartig. Die Geschichten sind mir immer noch ganz nah, jede weckt irgendwie Erinnerungen, und ich erinnere mich gern daran, dass ich auch gern wie Lisa ein Lämmchen gehabt hätte, das mich zur Schule begleitet, dass ich auch gern wüsste, wo die beste Stelle für Walderdbeeren ist und wie groß Bosses Vogeleiersammlung in Wirklichkeit ist.
Den Kopf geschüttelt habe ich nur ein einziges Mal, als nämlich Lasse ein schwarzes Bild malt und zu Britta sagt, auf dem Bild sähe man „fünf schwarze Neger“ in einem dunklen Raum. Der Satz hat eine Fußnote bekommen und eine Erklärung, dass der Begriff früher in Ordnung gewesen sei, man heute aber „Schwarze“ sage. Na gut, das ist mir immer noch lieber als eine völlige Neuübersetzung, die eine ganz andere Sprache heraufbeschwören könnte. Ausgerechnet bei den Lindgren-Büchern immer auf diese „political correctness“ hinzuweisen, finde ich übertrieben, denn gerade Astrid Lindgren war ja nun wirklich absolut keine Rassistin, aber nun gut. Das nur am Rande.
Für mich ist „Die Kinder aus Bullerbü“ ein Stück Kindheit, und ich lege es allen ans Herz, die es noch nicht kennen und denen, die es schon kennen und vielleicht lange nicht gelesen haben. Wiederlesen lohnt sich.

Astrid Lindgren: Mio, mein Mio

007Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch war natürlich auch in meiner Astrid-Lindgren Box, und da gehört es auch hin, denn es ist eines der schönsten Märchen, die es gibt. Das schon mal vorweg.

Zum Inhalt: Bei seinen Pflegeeltern ist der kleine Bosse alles Andere als willkommen. Er darf keine Freunde mit nach Hause bringen und obwohl er am liebsten immer leise sein soll, mögen sie es auch nicht, wenn er ein Buch liest. Klein und blass und schwächlich finden sie ihn, und Bosses einziger Trost sind sein Freund Benka, bei dem er manchmal sein darf, und ein altes Brauereipferd, von dem er sich so oft wünscht, dass es sein eigenes wäre. Bosses Leben ist trostlos und voller Sehnsucht nach ein bisschen Geborgenheit – bis er eines Abends eine leere Bierflasche findet, in die tatsächlich ein Geist eingesperrt worden ist. Und noch merkwürdiger ist es, dass der Geist auch tatsächlich nach ihm, Bosse, gesucht hat.
Bosse ist nämlich gar nicht irgendein armer, kleiner Junge, er ist der Sohn des Königs aus dem Land der Ferne, und dorthin bringt ihn der Geist jetzt auch. Hier schließt der König seinen lange verschollenen Sohn nicht nur überglücklich in die Arme, er sagt ihm auch, wie er wirklich heißt: Mio. Und Mio hat ein wunderschönes Leben bei seinem Vater, dem König. Zum ersten Mal ist er überglücklich und lernt, was Familie und Freundschaft bedeuten können.
Doch auf den Königssohn wartet eine gefährliche Aufgabe: eine uralte Prophezeiung besagt nämlich, dass er losziehen wird, um gegen den grausamen Ritter Kato zu kämpfen, der das Land der Ferne erzittern lässt, der viele Kinder entführt hat und von dem es heißt, dass er statt eines Herzen nur einen Stein in der Brust hat. Jeder weiß, dass es die einzige Chance für die entführten Kinder ist, von Mio gerettet zu werden. Doch sein Sieg über den bösen Ritter ist keineswegs sicher. Kann Mio wirklich ein mutiger Ritter sein, wenn er doch solche Angst hat, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich liebe dieses Buch. Und tatsächlich gibt es eine Stelle, an der ich seit mehr als 25 Jahren immer weinen muss (durfte ich gerade erst wieder feststellen). Das allein zeigt schon, dass „Mio, mein Mio“ ein Buch ist, dessen Zauber nie veraltet. Immer noch streife ich gerne mit Mio durch das Land der Ferne, und bin vorher jedes Mal erleichtert, wenn er sein trauriges Leben in Schweden aufgeben kann, um endlich glücklich zu werden. Es gibt am Anfang eine Szene, in der Bosse allein durch die Stadt läuft, durch die erleuchteten Fenster glückliche Familien anschaut und dabei sehr traurig wird, und die geht mir auch immer noch total nahe (ist aber nicht die, bei der ich weinen muss).
Astrid Lindgren kann so verschiedenartige Geschichten erzählen, dass man nur voller Bewunderung dafür sein kann. Das „Land der Ferne“ ist auf jeden Fall einer ihrer schönsten Orte, ein märchenhafter Platz voller Blumen, blühender Bäume und schöner Plätze, an denen man (nicht nur) als Kind gern Stunden verbringen möchte. Der Gegensatz zu dem Land, in dem Ritter Kato wohnt, könnte auch nicht größer sein, und mit wenigen, aber sehr eindringlichen Worten schafft Lindgren es immer, ihre Orte atmosphärisch sehr dicht erscheinen zu lassen. Und trotz der Gewissheit, dass am Ende alles gut wird, kann man Mios Angst oft sehr gut nachempfinden.
Mio ist ein Junge, der zuerst gar nicht wie ein Held scheint, und der bis zum Ende auch nicht furchtlos oder übermächtig wäre. Aber wie wir es von Astrid Lindgrens Helden erwarten, wächst er über sich hinaus, weil er ein großes Herz hat und das Böse nicht ertragen kann. Wahrscheinlich ist Mio gerade deswegen nämlich doch ein Held.
„Mio, mein Mio“ ist eines der Bücher, von denen ich mir wünsche, dass Kinder sie noch in vielen Jahren lesen werden, und da die Geschichte meiner Meinung nach absolut zeitlos ist, hat sie vielleicht sogar eine Chance…

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter

004Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Auch „Ronja Räubertochter“ befindet sich in der Astrid Lindgren-Box, die ich zu Weihnachten bekommen habe. Was wäre eine Sammlung der Lindgren-Romane auch ohne Ronja?

Zum Inhalt: Wild geht es zu in der Mattisburg bei den zwölf Räubern, ihrem Anführer Mattis und seiner Frau Lovis. Doch als in einer Gewitternacht, in der der Blitz in die Burg einschlägt und sie und den Felsen, auf dem sie steht, in zwei Hälften teilt, Mattis‘ Tochter Ronja geboren wird, ändert sich der wilde Räuberhauptmann zumindest in einer Hinsicht: er entdeckt eine liebevolle Seite an sich – Ronja möchte er beschützen, sie soll alles haben, was sie will, und wenn sie groß ist, soll sie seinen Platz einnehmen. Etwas problematisch daran ist, dass er Ronja gegenüber nicht rechtfertigen kann, warum er anderen Menschen etwa wegnimmt, was ihnen eigentlich gehört, aber Mattis ist sich trotzdem sicher, dass Ronja ihn schon verstehen wird, wenn sie älter ist.
Nun aber genießt die wilde kleine Räubertochter erstmal ihr Leben in der Mattisburg und draußen im großen Wald. Dort ist alles spannend und aufregend und trotz der vielen Gefahren, die dort auf ein kleinen Mädchen warten könnten, schlägt Ronja sich sehr tapfer, denn sie weiß: wer im Wald keine Angst hat, dem kann auch weniger passieren.
Das schöne Räuberleben ändert sich für alle, als in die andere Hälfte der Burg plötzlich der Räuberhauptmann Borka mit seiner Familie und seinen Leuten einzieht. Borka und Mattis sind verfeindet und Mattis findet, dass in der Burg kein Platz für beide Räuberstämme ist. Er will Borka um jeden Preis loswerden und dazu ist ihm alles recht. Das Problem ist nur, dass die beiden sturen Räuberhauptmänner nicht damit gerechnet haben, dass ihre beiden Kinder sich – so wenig sie es anfangs auch wollen – sehr gut verstehen. Birk Borkassohn und Ronja werden schnell unzertrennliche Freunde, die gemeinsam im Wald viele Abenteuer bestehen. Sie retten einander aus so mancher gefährlichen Situation und es kommt sogar so weit, dass beide beschließen, sich gegen ihre Familien zu stellen, wenn diese ihnen verbieten, Zeit miteinander zu verbringen. Können die sturen Räuberkinder schließlich doch noch ihre Familien zusammenbringen?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ach ja, die mutige Ronja Räubertochter… Was mir an ihr so gut gefällt, ist, dass sie eine Lindgren-Heldin wie keine andere ist. Sie hat natürlich schon auch Eigenschaften, die andere Protagonistinnen bei Lindgren auch haben, aber Ronja ist eine ganz besondere Figur, die man glaube ich gerade deswegen einfach nie vergisst. Was ich an ihr mag, ist, dass sie einerseits unheimlich mutig ist, trotzig und wild – Ronja lässt sich nichts gefallen, sie traut sich alles, sie macht, was sie will, und wenn sie in Gefahr ist, gibt sie niemals einfach auf. Andererseits ist Ronja aber auch ein sehr emotionaler und liebevoller Charakter. Ich mag die Szenen, in denen sie im Wald ist und sich nach ihre Mutter sehnt, aber auch die, in denen sie voller Verzweiflung ist, weil sie Birk nicht sehen darf, oder wenn sie ihren Frühlingsschrei loslassen muss, weil sie so froh ist, zu leben.
Darüber hinaus ist das Buch eine ganz offensichtliche Liebeserklärung an Freundschaft, die uns über uns hinauswachsen lässt, die uns zeigt, was wir bereit sind zu tun – für die, die uns am Herzen liegen. Ich kenne viele schöne Kinder- und Jugendbücher zu dem Thema, aber „Ronja Räubertochter“ ist darunter definitiv ein ganz besonderes, weil es Astrid Lindgren gelingt, diese Freundschaft ohne viele Schnörkel und große Dramen zu erzählen. Es ist, was es ist (frei nach Erich Fried).
Ich mag das Buch auch wegen der unheimlichen Atmosphäre im Wald, wegen der Graugnome und der Druden, der frechen Rumpelwichte („Wieso tut sie su?“) und wegen der Wildpferde, die nicht so leicht zu zähmen sind, wie die Räuberkinder sich das vorstellen. Hier stimmt für mich alles, auch wenn ich nicht weiß, ob ich so mutig wäre wie Ronja, und im Dunkeln durch diesen Wald laufen würde.
Kurz und knapp: Ein weiteres Buch von Astrid Lindgren, auf das ich um nichts verzichten möchte.

 

Astrid Lindgren: Madita

002Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich besitze schon länger eine Ausgabe meines liebsten Astrid Lindgren Klassikers, aber jetzt zu Weihnachten habe ich ja noch mal die ganze Box geschenkt bekommen und das war eine gute Gelegenheit, das Buch direkt noch mal zu lesen.

Zum Inhalt: Madita ist sieben Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester Lisabeth auf Birklund. Den Engströms geht es dort richtig gut, denn Maditas Vater arbeitet bei der Zeitung und verdient nicht schlecht – was er zu schätzen weiß, denn Maditas Vater ist politisch durchaus engagiert und möchte nicht, dass seine beiden Mädchen ihr gutes Leben einfach nur hinnehmen. So richtig versteht Madita nicht immer, was gemeint ist, wenn von der „Hilflosigkeit der Armut“ die Rede ist, aber so wild und unbedacht das kleine Mädchen ist, Madita hat ihr Herz auch wirklich auf dem rechten Fleck und spürt genau, wann man nicht so sehr an sich selbst denken sollte, sondern zum Beispiel an Abbe Nilsson von nebenan, der den ganzen Tag Zuckerkringel backen muss, der davon träumt, mal ein Seefahrer zu werden, und der doch fast nichts hat. In Abbe ist Madita auch ein kleines bisschen verliebt, aber davon ahnt er natürlich nichts.
Zu Hause, das weiß Madita, ist es am schönsten. Da kommt die alte Linus-Ida zum Wäschewaschen und erzählt – sehr zum Leidwesen von Maditas Mutter – Geschichten von der Hölle und dem Jüngsten Gericht, und in der Küche ist Alva und kümmert sich liebevoll um die ganze Familie. Lisabeth und Madita lieben das Dienstmädchen sehr und das beruht auf Gegenseitigkeit. Nicht selten ist es Alva, die nach Maditas wilden Abenteuern das Schlimmste abfängt, bevor die Eltern es mitbekommen.
Mit Madita wird es absolut niemals langweilig. Ob sie mit ihrer kleinen Schwester Lisabeth im Fluss die Geschichte von Moses im Weidenkorb nachspielt, mit einem Regenschirm vom Schuppendach springt, nachts im Schuppen mit Abbe einem Geist auflauert, auf dem Dach des Schulhauses balanciert oder in der Küche bei Alva sitzt und Geschichten hört oder beim Plätzchenbacken hilft – Madita hat immer wieder Einfälle, die ihre Umgebung nur den Kopf schütteln und ihre kleine Schwester sagen lassen: „Du bist doch verdreht, Madita!“

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich liebe „Madita“. Als Kind liebte ich das wilde Mädchen genau für diese Wildheit, für die vielen Ideen, für den Mut und für ihr gutes Herz; heute liebe ich ihre Geschichten immer noch und doch ganz anders. „Madita“ hat für mich eine ganz neue Seite bekommen. Viel mehr sieht man als Erwachsene auch das, was Astrid Lindgren so nebenbei erzählt: Wie Maditas Vater darunter leidet, dass er die soziale Ungerechtigkeit nicht abschaffen kann. Wie Madita schnell intuitiv versteht, dass sie nach der Prügelei mit der armen Mia auf dem Schulhof deutlich weniger Ärger bekommt, weil ihr Vater eben bei der Zeitung ist, während Mia mit ihren sieben Jahren schon nahezu auf sich selbst gestellt ist. Wie Maditas Eltern das Dienstmädchen Alva mit auf den Herbstball der „feinen Gesellschaft“ nehmen und damit den Missmut der gesamten High Society auf sich ziehen. Wie Madita ihren Geldgewinn den Nilssons zukommen lässt. Und vieles mehr. Das alles kommt mit Astrid Lindgrens unvergleichlicher Stimme daher – gut, für mich natürlich mit der Stimme der Übersetzerin – und macht dann zusammen einen Roman für Kinder und Erwachsene in einem malerisch schönen Schweden, in dem Madita und Lisabeth zwei kleine, sehr glückliche Mädchen sind, die es im Leben sehr gut haben und deren Leben so sind, wie wir auf den ersten Blick denken, wenn wir an Astrid Lindgrens Kinderhelden denken. Aber dahinter steckt eben noch so viel mehr, und genau das macht für mich den Zauber dieses Buches aus.
„Madita“ ist für mich eines dieser Bücher, die ich schon so oft gelesen habe, und die dennoch nie etwas von ihrer Besonderheit einbüßen. Ein absoluter Klassiker, eines der Bücher auf dieser Welt, die ich am allermeisten liebe, vielleicht, weil es mich auf eine ganz einzigartige Weise an das Gute glauben lässt und ein Stück heile Kindheit zurückbringt.