Rachel Klein: The Moth Diaries

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich stöberte so bei Amazon vor mich hin, als ich mir dieses Buch auffiel – es war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht erschienen. Das Cover wirkte so düster und der Klappentext klang gut, da wanderte das Buch auf die Vorbestellungsliste. Und hier ist es nun.

Zum Inhalt: Nach dem Tod ihres Vaters ist Rebecca schwer traumatisiert. Das Mädchen wird von seiner Mutter in ein Internat verfrachtet, denn auch sie ist mit der Trauer überfordert und hält es nicht gut aus, dass Kind ständig um sich zu haben. So beginnt mitten in einem laufenden Schuljahr Rebeccas Zeit im Internat – und trotz aller Eigeneiten und der strengen Regeln, die dort herrschen, fühlt das Mädchen sich dort schnell wohl. Nicht zuletzt wegen Lucy, ihrer allerbesten Freundin, die für Rebecca ein Fels in der Brandung und der wichtigste Mensch auf der Welt ist.
Im neuen Schuljahr beschließt Rebecca, ein Tagebuch zu führen. Ursprünglich hat sie nur vor, ihre Tage zu dokumentieren. Keine Schwärmereien, keine Träumereien – nichts von dem, was Mädchen normalerweise aufschreibenswert finden, soll in diesem Tagebuch stehen. So ist Rebeccas Plan. Doch als sie diesen aufstellt, weiß sie noch nichts von der Neuen. – Ernessa ist anders als die anderen Mädchen im Internat. Ernsthafter. Geheimnsivoller. Einflussreich vom ersten Tag an. Und das kommt Rebecca komisch vor. Beunruhigend wird die Situation für sie, als Ernessa sich mit Lucy anfreundet und die beiden nur noch zusammen glucken. Lucy ist doch Rebeccas Freundin! Und Ernessa hat einen sehr schlechten Einfluss auf sie. Was tun die beiden immer so geheimnisvoll? Warum verändert Lucy sich so?
Am schrecklichsten ist es für Rebecca, dass die anderen Mädchen sich nicht groß an Ernessa stören. Sie merken nicht, was Rebecca bald schon zu ahnen beginnt: mit der Neuen stimmt was nicht. Ist Ernessa überhaupt ein Mensch? Und was hat sie vor? Es wird unheimlich im Internat, und Rebecca weiß, dass auch sie in Gefahr ist, als die erste von mehreren Schreckensmeldungen verkündet wird. Doch niemand will ihr glauben – kann sie überhaupt irgend jemandem vertrauen?

Wie mir das Buch gefallen hat: Dieses Buch ist schon irgendwie besonders und es fällt mir jetzt gar nicht so leicht, etwas Abschließendes zu diesem Buch zu sagen. Aber natürlich mache ich es trotzdem.Beginnen muss man dabei mit der Erzählform. Dass ein Roman in Form eines Tagebuchs geschrieben ist, ist jetzt nichts, was schon mal dagewesen wäre, aber Rebeccas Aufzeichnungen wirken dabei wirklich authentisch – wie ein echtes Tagebuch. Es fehlen Einträge, nicht alles ist logisch, mit dem Fortschreiten des Romans fragt man sich immer mehr, ob man dieser Erzählerin noch über den Weg trauen kann. Kann das, was sie aufschreibt, wirklich passiert sein? Stimmen ihre Vermutungen?
Fest steht, es geschehen seltsame Dinge an ihrer Schule, es ist erschreckend, bedrückend, unheimlich, manchmal gruselig, und nachdem ich auf den ersten dreißig Seiten gedacht hatte, dass dies eines der Bücher sein würde, bei denen Cover und Klappentext schon das beste am Buch gewesen wäre, belehrte mich die Geschichte eines Besseren und ich konnte es irgendwann wirklich nicht mehr weglegen.
Es ist bestimmt schon fünfzehn Jahre her, dass ich das „Tagebuch der Laura Palmer“ gelesen habe. Ich erinnere mich nicht mehr wirklich an den Inhalt, aber ich weiß, dass ich die Stimmung beim Lesen ähnlich empfunden habe. Aber ansonsten kenne ich nichts Vergleichbares.
Ich liebe Bücher, die es ihren Lesern offen lassen, was sie mit dem Inhalt machen. Ich will nicht unbedingt, dass mir der Autor eine und die einzige Wahrheit hinknallt und gut ist. Und das ist unbedingt positiv an diesem Roman hervorzuheben. Mal mochte ich die Figuren überhaupt nicht, mal dachte ich, sie seien unglaublich echt und sympathisch, mal dachte ich, dass die Leute der armen Rebecca doch endlich glauben sollten, mal dachte ich, dass ich das Tagebuch einer Wahnsinnigen in den Händen hatte. Irre, das beschreibt dieses Buch in mehr als einer Hinsicht. Es ist wirklich toll zu lesen – man muss sich aber erstmal in den Stil der Autorin einfinden – und bleibt mit seiner Geschichte garantiert im Gedächtnis.

Petra Busch: Schweig still, mein Kind

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch hat Thore für mich bei einer seiner letzten großen Amazonbestellungen mitbestellt, damit für mich auch was im Päckchen ist. 🙂

Zum Inhalt: Als Kommissar Ehrlinspiel aus Freiburg in das kleine Dorf im Schwarzwald gerufen wird, um in einem Mordfall zu ermitteln, ist es ein bisschen so, als würde er in eine andere Welt gelangen. Ein grauenhafter Mord steht ihm bevor, der ermordeten jungen Frau wurde ihr ungeboerenes Kind herausgeschnitten – dann aber wiederum wurde die Leiche nahezu liebevoll auf einem Moosbett drapiert. Was hat das zu bedeuten?
Die Ermittlungen aber sind das, was nun erst deutlich macht, dass die Dorfbewohner von den Städtern wie dem Kommissar rein gar nichts halten. Solche Sachen kann man schließlich unter sich regeln, sagt man sich im Dorf. Sünderinnen erhalten einfach ihre gerechte Strafe – und die ermordete Elisabeth ist da nicht die erste. Für die Dorfbewohner ist ihr Tod ganz eng mit dem Glauben an den Rabenmann verknüpft, eine Gestalt, die mit der Geschichte des Dorfes verknüpft ist und der man alljährlich durch eine recht schaurige Prozession gedenkt. Wer sündigt, den holt sich der Rabenmann – das steht für einige Menschen im Dorf ganz und gar außer Frage.
Ehrlinspiel ermittelt gegen all diese Widerstände, auch wenn die Informationen, die er bekommt, spärlich sind. Elisabeths Familie ist ihm auch nicht ganz geheuer, denn dort schwingt die sehr verbitterte Frieda das Zepter und Elisabeths authistischer Bruder Bruno spricht – wenn auch natürlich unabsichtlich – in Rätseln. Versucht Frieda, ihren Sohn zu schützen? Und welche schrecklichen Ereignisse aus der Vergangenheit haben zu Elisabeths Tod geführt? Welche Rolle spielt Elisabeths beste Freundin Sina, deren Kind vor Jahren spurlos verschwand? Ehrlinspiel muss sich bei seinen Ermittlungen beeilen, denn die nächste Rabenprozession steht kurz bevor.

Wie mir das Buch gefallen hat: Regionalkrimis gibt es viele. Meistens sind sie besonders lustig – oder so gedacht – weil die Autoren versuchen, auf der Kluftingerwelle mitzuschwimmen. Petra Busch tut das nicht und hat das meiner Meinung nach auch absolut nicht nötig, denn „Schweig still, mein Kind“ ist ein absolut gelungener, richtig guter Thriller, der viel Spaß macht und sehr spannend erzählt ist.
Die eingeschworene Dorfgemeinschaft hat mir an diesem Roman besonders gut gefallen, wie sie gegen den fremden Kommissar zusammensteht und eigentlich nichts preisgeben will. Was ich zunächst erwartet hatte, war, dass der Aberglaube um den Rabenmann etwas mehr im Vordergrund stehen würde. Über weite Teile des Thrillers gibt es immer nur Andeutungen zu dieser Geschichte, was es damit wirklich auf sich hat, erfährt man spät. Aber das ist stimmig und Petra Busch nutzt das neue Wissen ihrer Leser dann auch gut für den Showdown.
Ebenfalls gut gelungen fand ich die Figur des Bruno. Es ist bestimmt nicht einfach, einen Autisten darzustellen, ohne in gängige Klischees zu verfallen, vor allem, wenn einige Kapitel aus der Ich-Perspektive dieser Figur geschrieben werden. Die Autorin erwähnt in ihrer Danksagung, dass sie mit einem Autisten in Kontakt stand und dass der ihr – so weit das möglich ist – Einblicke in seine Welt gegeben hat. Das finde ich sehr spannend.
Kommissar Ehrlinspiel ist ebenfalls ganz sympathisch, wenn auch kein herausragender Kommissar, wobei Katzenfans das anders sehen könnten, denn der Kommissar ist absoluter Katzenfreak, was ich manchmal fast befremdlich fand, aber das ist ja Ansichtssache.
Weitere Thriller von Petra Busch? Gerne!