345 Tage buchkauffrei – Du hättest einen Hype verdient, Septimus! (Buch 48) 

Es ist schon fast zehn Jahre her, dass ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. „Magyk“ von Angie Sage ist der Auftakt zur Heptalogie um Septimus Heap, einen jungen Zauberer mit großen magischen Kräften. Ich erinnere mich noch, dass ich damals … Weiterlesen

Astrid Lindgren: Rasmus, Pontus und der Schwertschlucker

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: So, das war jetzt das vorletzte Astrid-Lindgren-Buch. Lange habe ich es vor mir hergeschoben, weil es wieder eins war, das für mich keine Kindheitserinnerungen mitbringt. Zum Inhalt: Der Jahrmarkt ist in der Stadt und Rasmus … Weiterlesen

Astrid Lindgren: Rasmus und der Landstreicher

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich aus der Astrid-Lindgren-Box, die ich Weihnachten 2013 geschenkt bekommen habe. Es ist das vorletzte: nach den beiden Rasmus-Geschichten fehlt nur noch „Kalle Blomquist“. Zum Inhalt: Rasmus hat keine Eltern und muss … Weiterlesen

Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Es ist mal wieder Zeit, etwas aus meiner Astrid-Lindgren-Box vorzustellen, und deswegen habe ich in diesem Monat unter anderem mal „Pippi Langstrumpf“ gelesen. Zum Inhalt: Es gibt eine schwedische Kleinstadt, die nicht ist wie alle … Weiterlesen

Christoph Zachariae: Ödland – Der Keller

028Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Auf dieses Buch bin ich durch den Autor selbst aufmerksam geworden. Ich reagiere ja lange nicht positiv auf alle Werbeangebote, aber „Ödland“ klang wie etwas für mich…

Zum Inhalt: Sie ist nicht in der Enklave geboren, und allein das macht Mega zu etwas Besonderem. Eines Tages war sie plötzlich da – ein kleines Mädchen, über das niemand etwas wusste, und das trotzdem von den Wissenschaftlern herzlich aufgenommen und großgezogen wurde.
Und das war Megas Glück. Denn nachdem die Welt sich verändert hat, nichts mehr da ist von der einstigen Konsumgesellschaft, Rohstoffe so gut wie nicht mehr erhältlich sind und das Leben voller Gefahren ist, die es dem Einzelnen quasi unmöglich machen zu überleben, ist ihr unterirdisches Zuhause im „Keller“ eigentlich ein guter Ort. Hier haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine kleine Gemeinschaft gegründet, deren Überleben zunächst gesichert scheint. Mit Hilfe vieler Apparaturen und Erfindungen schaffen die Menschen es, ihre Gemeinschaft nicht nur weitgehend geheimzuhalten, sondern auch dafür zu sorgen, dass es hier allen eigentlich gut geht. Hier geht das Leben weiter – so nah an der Vergangenheit dran, wie es geht. Mit Geschichten, gemeinsamem Essen, geordneten Tagesabläufen.
Aber die Tage der Enklave sind gezählt, denn aufgrund der Ressourcenknappheit und der Tatsache, dass auch die Apparate der Wissenschaftler des „Kellers“ irgendwann Verschleißerscheinungen zeigen, kann es selbst hier nicht ewig so weitergehen. Immer wieder schicken die Forscher deswegen ein Mitglied ihrer Gemeinschaft hinaus an die Oberfläche, um das Ödland zu durchqueren und zu versuchen, Informationen und Hilfe zu bekommen – in einer Siedlung im Osten, von der die Wissenschaftler in Megas Zuhause gehört haben, die aber bisher niemand von ihnen je erreicht hat.
Mega hat sich immer gewünscht, den Keller verlassen zu dürfen und an der Oberfläche zu sein. Sonne und Wind zu spüren. Tageslicht zu sehen. Als sie erfährt, dass sie die nächste ist, die sich auf den Weg durch das Ödland machen soll, hat Mega allerdings genauso viel Angst wie Abenteuerlust in sich. Doch die Wissenschaftler glauben an sie – nicht zuletzt, weil Mega anders ist als alle die, die im Keller geboren wurden. Ihre Vergangenheit kann das Mädchen nicht abschütteln, und immer wieder scheinen Erinnerungen in ihr aufzukommen. Wer ist Mega? Ist sie wirklich diejenige, die die Menschen im Keller retten kann?

Wie mir das Buch gefallen hat: Endlich mal wieder eine Dystopie, die auch wirklich Dystopie ist und nicht verkappte Liebesgeschichte in einer bösen zukünftigen Welt. „Der Keller“ ist ein wirklich spannender Auftakt zu Zachariaes Ödland-Reihe.
Auffällig sind die eindrucksvollen Bilder, die im Kopf entstehen. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man sich ansieht, dass der Autor eigentlich Drehbuchautor und Regisseur ist: mit Bildern, die Atmosphäre schaffen, kennt er sich einfach aus. Wo immer Mega oder andere Figuren des Romans sind, man kann sich den Ort wirklich extrem gut vorstellen und atmosphärisch fand ich den Roman sehr dicht. Sowohl die bedrückende, gleichzeitig aber auch irgendwie heimelige Atmosphäre im Keller, als auch die große Weite des Ödlands, die einerseits so gefährlich ist, andererseits aber auch endlich Freiheit bietet, werden sehr eindrucksvoll beschrieben.
Die Handlung ist sehr gut konstruiert und Zachariae spielt häufig auf beängstigende Weise mit den Erwartungen der Leser. Gleich zu Anfang wird deutlich, dass Mega eine ungeklärte Verbindung zu einer weiteren Figur des Romans hat – Hagen, den ich im ersten Kapitel noch für den Protagonisten und einen der „Guten“ hielt, bis dann klar wurde, dass Hagen so ziemlich das Gegenteil von gut ist. In einem zweiten Handlungsstrang erfahren wir auch immer wieder etwas über ihn, aber je mehr man von ihm erfährt, desto unheimlicher wird er…
Mega ist eine sehr interessante Protagonistin, die noch viel Potenzial hat. Man weiß nichts über ihre Vergangenheit, aber die immer wieder auftauchenden kleinen Verweise auf Dinge, die sie wie aus der Erinnerung heraus tun kann, sind sehr spannend und deuten darauf hin, dass Mega vielleicht nicht zufällig bei den Wissenschaftlern im Keller landete. Auch die anderen Figuren fand ich glaubwürdig – manch einen, wie zum Beispiel Professor Walden, schließt man auch schnell ins Herz.
Das Ende, das sei verraten, ist so ein gemeiner Cliffhanger, dass es zum Haareraufen ist. Zum Glück gibt es Band 2 schon. 😉

John Green: Paper Towns

006Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir bei Foyle’s an der Southbank gekauft, als ich im Dezember dort war. Weder mit dem Laden noch mit diesem Autor habe ich bisher je falsch gelegen.

Zum Inhalt: In der Schule ist Quentin eher ein Außenseiter. Zusammen mit seinen besten Freunden Ben und Radar verbringt er den größten Teil seiner Freizeit mit Videospielen – und, aber das wissen die Anderen nicht – an Margo zu denken. Margo wohnt nebenan und war, als sie noch klein waren, Quentins beste Freundin. Heute ist Margo das beliebteste Mädchen der Schule, obwohl sie ganz anders ist, als das Klischee es an dieser Stelle wollen würde. Aber unerreichbar ist sie für Quentin trotzdem. Und das kann ganz schön frustrierend sein…
Aber dann steht Margo eines Nachts plötzlich in Quentins Zimmer. Sie ist auf einer geheimen Mission, will sich auf spektakuläre Weise an ihrem Exfreund und ein paar anderen Leuten rächen – und Quentin soll ihr helfen. Es wird eine unvergessliche Nacht, in der Quentin sich mehr als einmal fragt, wie er sich jemals darauf einlassen konnte, so etwas Irres zu machen.
Dennoch – als er in den frühen Morgenstunden nach Hause kommt, freut er sich darauf, dass jetzt in der Schule alles zwischen Margo und ihm anders sein wird. Doch daraus wird nichts, denn Margo kommt nicht in die Schule. Sie ist verschwunden – von zu Hause abgehauen, und ihre Eltern tun sich dabei vor allem selber leid. Quentin hingegen macht sich große Sorgen, Margo könnte sich etwas angetan haben, und er beschließt, dass er sich auf die Suche nach ihr machen muss. Seine Freunde erweisen sich bei diesem unerwarteten Abenteuer als große Hilfe, denn allein könnte Quentin all diese kryptischen Hinweise, die Margo zurückgelassen hat, niemals entschlüsseln. Doch bei allem Spaß, den die Suche macht, bleibt die bange Frage, was am Ende dieser Suche stehen wird. Können sie Margo finden – und lebt sie überhaupt noch?

Wie mir das Buch gefallen hat: John Green kann eine Sache wirklich unfassbar gut, und das ist, Geschichten erzählen, die gleichzeitig urkomisch und irgendwie sehr traurig sind. Manche der Szenen in diesem Roman haben mich beim Lesen laut lachen lassen, andere haben mich fast zu Tränen gerührt. Die Geschichte von Quentins Suche nach Margo ist unheimlich einprägsam und schön erzählt und das Besondere ist, dass dabei ganz deutlich wird, dass auch Quentin selbst an dieser Suche wächst und sich verändert – er lernt etwas über sich selbst, und zwar auf ganz unkonventionelle Weise.
„Paper Towns“ ist nur am Rande eine Liebesgeschichte. Es ist eine Geschichte über den letzten Sommer, bevor man an einer Universität anfängt, wenn man beginnt, sich über seine Zukunft Gedanken zu machen und wenn man merkt, dass die eigenen Erwartungen an das Leben nicht unbedingt das sind, was selbst deine besten Freunde vom Leben erwarten. Die Erkenntnis, die Quentin hier gewinnt, macht beim Lesen nachdenklich und vielleicht auch ein bisschen nostalgisch.
Ich mochte „Paper Towns“ vor allem deswegen, weil es so authentisch daherkommt. Die Charaktere sind zum Teil schon ein wenig überzeichnet, sodass man das ein oder andere Mal wirklich lachen muss (zum Beispiel über die verrückte Sammlung, die Radars Eltern zu Hause haben), aber gleichzeitig wirken sie gerade dadurch irgendwie besonders echt. Und bei der Beschreibung einer der Partys, von denen Quentin seine Freunde abholt, weil diese zu betrunken zum Fahren sind, musste ich doch etwas peinlich berührt an eigene Partys zum Ende meiner Schulzeit hin denken…
Bisher war Stephen Kings „The Body“ („Stand By Me“) immer irgendwie die Geschichte für mich, die mir als erstes eingefallen wäre, wenn ich ein Buch zum Thema Freundschaft hätte nennen müssen. „Paper Towns“ rückt mindestens bis dorthin auf. Ein schöner Roman ohne Knalleffekte, aber mit ganz viel Herz und Humor.

Krystyna Kuhn: Das Tal 2.4 – Die Entscheidung

noch05Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Das Buch hatte ich vor einer Ewigkeit vorbestellt, da ich unbedingt wissen musste, wie diese Reihe zu Ende gehen würde.

Zum Inhalt: Sie haben sich entschieden, das Tal nicht zu verlassen, auch wenn es scheint, dass das Unheil, das über die Welt hereinbricht, von diesem Ort ausgeht. Und während ihre Mitschüler und Lehrer das Tal verlassen, machen sich Katie, Debbie, Rose, Julia, Chris, David, Ben und Robert auf den Weg zurück ins Grace College.
Irgendwas muss geschehen, das wissen sie, und von diesem Gedanken angetrieben durchsuchen sie das College um Hinweise auf das zu finden, was sie brauchen: eine Karte oder irgendeinen anderen Hinweis auf das, was sie tun sollen. Und tatsächlich – obwohl das College mittlerweile vollkommen verlassen ist und ein Ort, an dem man sich alles Andere als sicher fühlt, schaffen es die acht Freunde, einen wichtigen Hinweis zu finden: eine Karte, die sie weit nach unten in das Labyrinth und unter den Lake Mirror führen wird – an den Ort, an dem die Freunde schon Unheimliches gesehen und erlebt haben. Dies ist das Zentrum des Geheimnisses des Tals, das steht fest, und dorthin müssen sie, wenn sie die unheimlichen Geschehnisse weltweit noch irgendwie aufhalten wollen.
Die Welt wird nach diesem Tag nicht mehr so sein, wie sie war, das steht fest. Und während sie auf der Suche nach der Wahrheit in dem engen Labyrinth alles, auch ihr eigenes Leben, aufs Spiel setzen, treibt sie alle die Frage um, was hinter dem großen Ganzen steckt. Nur Robert ist von einer merkwürdigen Ruhe erfasst. Es ist, als habe er all das schon lange kommen sehen. Welche Rolle spielt er in der ganzen Geschichte? Und kann sein Wissen, können seine Ahnungen seine Freunde retten?

Wie mir das Buch gefallen hat: Wie, DAS war jetzt der letzte Band der Reihe? Moment mal! Auf diese Auflösung habe ich jetzt drei Jahre gewartet? Nee. Gibt es doch gar nicht. Ich bin nicht zufrieden mit dem Ende der Reihe!
So, aber nun: woran lag es? Erstens: der gesamte letzte Band spielt an einem einzigen Tag und ist quasi der Showdown der Serie. Von Anfang an soll Endzeitstimmung vermittelt werden, und das würde ja eigentlich bedeuten, dass die Spannung die ganze Zeit auf einem sehr hohen Niveau gehalten würde – das gelingt nicht. Im Gegenteil – all diese Effekte, die die Autorin hier bemüht, um das Ende der Welt heraufzubeschwören, fand ich eher übertrieben und sehr unglaubwürdig. Das Tal hat plötzlich Macht über die ganze Welt? Ah ja. Sehr merkwürdig. Das haben wir ja schon am Ende des letzten Bandes erfahren, aber nun wird das Ganze auf die Spitze getrieben.
Für eine genaue Betrachtung der Freunde bleibt keine Zeit mehr. Irgendwie wachsen natürlich alle über sich hinaus und werden zu Helden, alle möglichen Charaktere aus der Vergangenheit tauchen auf und bekommen zum Teil sehr konstruierte Rollen zugewiesen, alles scheint darauf angelegt zu sein, diese Geschichte jetzt noch irgendwie zu einem passenden Abschluss zu bringen.
Das mag ja auch alles in Ordnung sein, aber erstens ist des Rätsels Lösung am Ende irgendwie so an den Haaren herbeigezogen, dass man sich fast fragt, ob das wirklich alles gewesen sein soll, und zweitens habe ich mich gefragt, ob man wirklich ab Band 1 hätte ahnen können, dass es auch nur entfernt auf so etwas hinauslaufen würde. Und das glaube ich nicht. Ich muss also am Ende einer Reihe, die ich anfangs so sehr mochte, leider sagen, dass ich das Gefühl habe, Frau Kuhn habe am Anfang nicht genau genug überlegt, worauf das Ganze hinauslaufen solle – und so bleibt ein überkonstruiertes, wenig überzeugendes Ende. Schade drum.

Watt Key: Alabama Moon

noch68Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Bald habe ich sie durch, unsere Jugendbuchkiste, aber im Moment bin ich immer noch dran. Meine jungen Mitleserinnen und Mitleser empfehlen mir immer so viele Bücher, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll, und so dauert es manchmal etwas länger, bis ich wirklich zu allem komme.

Zum Inhalt: Die Regierung ist böse. Es ist am besten, wenn man im Wald lebt, wo man alles hat, was man braucht, und wo sie einen nicht finden. Ein Haus, einen Job, Annehmlichkeiten der westlichen Gesellschaft – all das ist unnötig, es engt einen nur ein. Das weiß Moon von seinem Vater: Paps ist schlau, und er ist Moons bester Freund. Zusammen leben die beiden in einem Bau im Wald. Hier versorgen sie sich selbst, hier bringt Paps Moon alles bei, was er wissen muss, und die beiden verlassen den Wald immer nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Gewehrkugeln müssen sie zum Beispiel kaufen, und ein paar andere Dinge gibt es in Mr. Absroscottos Laden auch immer im Tausch gegen Gemüse und andere Dinge aus dem Wald.
Moon ist sehr zufrieden mit seinem Leben, auch wenn er weiß, dass er ganz anders aufwächst als andere Kinder. Doch da er immer mit Paps zusammen ist und somit nie einsam, vermisst er auch nichts. Doch dann wird Paps plötzlich durch eine entzündete Verletzung sehr krank, und es wird schnell deutlich, dass er sterben wird. Moon ist verzweifelt, doch sein Paps macht ihm Mut: er soll sich nach Alaska durchschlagen – dort leben viele Leute genauso wie er, und dort wird Moon ein neues Zuhause finden. Und auch wenn Moon nach dem Tod seines Vaters zunächst einfach nur verzweifelt ist, macht er sich auf den Weg nach Alaska.
Aber so einfach ist diese Aktion natürlich nicht, denn die Behörden bekommen schnell Wind davon, dass Moon allein durch die Gegend irrt und keine Eltern mehr hat. Man will ihm helfen und ihn aus seiner Situation retten – das Problem ist nur, dass Moon überhaupt nicht gerettet werden will, und dass er schnell das Vertrauen in die Erwachsenen verliert, die sich jetzt seiner annehmen. Ein großes Abenteuer beginnt.

Wie mir das Buch gefallen hat: Ehrlich gesagt, Cover und auch Klappentext haben mich nicht besonders angesprochen. Eine Abenteuergeschichte im Wald… na gut, das mag ja für Jungs um die zwölf ganz nett sein, aber mehr auch nicht. Wie sagt man jedoch so schön auf Englisch: „Don’t judge a book by its cover“ – und man sagt es mit Fug und Recht. „Alabama Moon“ hat mich absolut positiv überrascht.
Es gelingt Watt Key, eine Geschichte zu erzählen, die wirklich ihresgleichen sucht. Moons Leben in den Wäldern, seine Sicht auf die Welt und die Geschichte darüber, wie er nach dem Tod seines Vaters versuchen muss, sich selbst zu finden und herauszufinden, wie sein Leben weitergehen soll, ist einzigartig und sehr spannend. Key erzählt anschaulich und mit der richtigen Mischung aus Details und Überblicksinformationen, wie man sich ernährt, wenn man in Alabamas Wäldern lebt, wie man dort einen Unterschlupf baut und vor welchen Tieren man sich in acht nehmen muss. Der Kontrast zwischen Moons Leben und dem der Leser wird aber dann besonders deutlich, wenn Moon im Jugendheim oder im Gefängnis ist – dort schwärmt er von den Duschen, den weichen Betten und dem guten Essen, während dies für uns – und für alle anderen Figuren im Roman – natürlich Orte sind, mit denen man keinerlei Annehmlichkeiten verbindet.
Moon ist auch der Ich-Erzähler des Romans, eine gut gewählte Perspektive, denn so lernt man mit der Zeit, ihn zu verstehen und sich in seine Lage einzufühlen. Die Geschichte, die erzählt, wie er langsam allein zurechtkommen muss und wie er es schafft, Freunde zu finden und seinen Weg zu gehen, hat mich doch sehr viel mehr berührt, als ich es für möglich gehalten hätte.
Gerade weil die Geschichte so ungewöhnlich ist, klingt sie auch nach dem Lesen noch nach. Das finde ich sehr schön, und ich hoffe, dass dieser Roman noch viele begeisterte Leser finden wird.

Timothée de Fombelle: Vango – Zwischen Himmel und Erde

noch89Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Es ist mal wieder Zeit für ein Buch aus der Jugendbuchkiste von Stiftung Lesen. Da „Vango“ überall nur gute Kritiken bekommt, musste ich mir wirklich mal ein eigenes Bild machen.

Zum Inhalt: Nur Mademoiselle, deren wahren Namen auch niemand kennt, weiß, wer der kleine Junge ist, mit dem sie eines Tages auf der abgelegenen Insel auftaucht. Bei ihr wächst der kleine Vango auf, ein aufgeweckter Junge, der am liebsten klettert und die Umgebung erkundet – und der so rein zufällig auf ein Kloster stößt, in dem Mönche leben, die die ganze Welt eigentlich für tot hält. In der friedlichen Gemeinschaft der Männer fühlt der Junge sich wohl und hier möchte er gern bleiben. Doch Zefiro, der das Kloster führt, befiehlt Vango, ein Jahr lang die Welt kennenzulernen, bevor er sich wirklich für das Kloster entscheidet.
Und so zieht Vango los, um die Welt zu erkunden – eine Welt, in der es gerade ohnehin mehr als gefährlich ist, denn in Deutschland wächst die Macht der Nationalsozialisten zusehends und die Freunde Zefiros, zu denen Vango gehen soll, haben zum Teil allein deswegen bereits große Probleme. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass Vango Feinde hat, die hinter ihm her sind und ihm nach dem Leben trachten. Wohin er auch geht, irgendwer ist ihm immer auf den Fersen und er schwebt ständig in Lebensgefahr.
Vango selbst hat keine Ahnung von seiner Vergangenheit; der einzige Gegenstand, den er aus seinem Leben aus der Zeit vor dem mit Mademoiselle hat, ist ein blaues Tuch mit den Worten „Wie viele Königreiche kennen uns nicht“. Was das zu bedeuten hat, weiß er nicht, und er hat eigentlich auch nie nach seiner Vergangenheit gefragt. Doch nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem er verstehen muss, wer er ist, damit er sich gegen seine Feinde behaupten kann, die nicht nur sehr mächtig sind, sondern auch vor nichts zurückschrecken. Ohne seine Freunde, die Vango zum Teil helfen ohne dass sie ihn wirklich kennen, hätte der Junge keine Chance…

Wie mir das Buch gefallen hat: „Vango“ ist ein außergewöhnliches Jugendbuch. Es ist sprachlich sehr dicht, sehr anspruchsvoll erzählt und übersetzt; und das ist schon allein sehr beeindruckend. Das hat mir wirklich gut gefallen, denn bei den ständig wechselnden Schauplätzen ist es wirklich beachtlich, wie schnell auch die Atmosphäre des Romans sich mitverändert.
Der Roman wird temporeich erzählt, was daran liegt, dass man ständig mit neuen Figuren, neuen Schauplätzen und unterschiedlichen Zeiten konfrontiert wird, in denen die Geschichte spielt. Trotzdem gelingt es de Fombelle, den Leser bei der Stange zu halten und nicht zu überfordern – auch das spricht definitiv für die Qualität des Romans.
Gerade dass die Handlung irgendwie mittendrin beginnt, man nichts über Vango weiß und auch über einen längeren Zeitraum nicht wirklich etwas über ihn erfährt, ist spannend, weil man unbedingt wissen möchte, was es mit Vango auf sich hat. Als Leser fragen wir uns genau das, was so viele  Charaktere innerhalb dieses Romans auch wissen wollen: Wer ist dieser Vango überhaupt? Ein ungewöhnlicher Anfang für einen Roman, aber wirklich gut.
Warum ich nicht vollends begeistert bin, lässt sich auch recht einfach sagen: „Vango – Zwischen Himmel und Erde“ ist sehr eindeutig der erste Teil einer Reihe. Etliche Handlungsstränge bleiben in der Luft hängen, nichts wird wirklich entschlüsselt, keine Geschichte ist beendet. Das fand ich irgendwie schade. Natürlich ist es sicherlich eine lohnenswerte Reihe – wieder mal eine – aber dass der Roman für sich allein eigentlich kaum stehen kann, ist für mich ein Minuspunkt. Liegt vielleicht auch daran, dass ich gern mal wieder ein Jugendbuch lesen würde, das einfach nur für sich steht…