345 Tage buchkauffrei – Was tun, wenn einen niemand versteht? (Hörbuch 14)

Andrea Sawatzki mag ich wirklich gerne. Sie kann lustig erzählen und dass sie ihre Romane selbst als Hörbücher einliest, finde ich in ihrem Fall wirklich total gut, weil sie toll vorliest und für verschiedene Figuren auch unterschiedliche Stimmfarben drauf hat. … Weiterlesen

345 Tage buchkauffrei – Wer nervt, muss nach Brandenburg (Hörbuch 13)

Ein weiteres Hörbuch, das ich von der lieben Cleo bekommen habe, ist „Übertrieben tot“ von Frau Freitag und Fräulein Krise. Ich habe „Der Altmann ist tot“ vor ein paar Jahren gelesen und fand es gut. „Übertrieben tot“ fand ich noch … Weiterlesen

Lisa Gardner: Wer stirbt, entscheidest du

noch51Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Es war vorher noch gar nicht so lange auf meinem Wunschzettel gewesen – erst kurz vorher hatte ich dort mal wieder ein paar Thriller hingeklickt.

Zum Inhalt: „Wen liebst du mehr?“, fragt der Fremde die Polizistin Tessa Leonie, und stellt sie vor die Wahl: ihr Ehemann oder ihre Tochter? Die Frage ist kaum zu beantworten, doch Tessa entscheidet sich für ihre kleine Tochter Sophie – und besiegelt damit das Schicksal ihres Mannes. Als die Detectives D.D. Warren und Bobby Dodge zum Tatort kommen, finden sie dort die völlig verstörte Tessa vor, die ihren Mann offenbar mit ihrer eigenen Dienstwaffe erschossen hat.
Der Fall scheint klar zu sein – Tessa Leonie ist selbst schwer verletzt, ihr Mann ist tot: Offensichtlich hat die Frau sich gegen ihren Ehemann zur Wehr gesetzt, ist offenbar einer Spirale der häuslichen Gewalt in Notwehr entkommen. Aber nach und nach kommen dann doch immer mehr Fragen auf: wie passt in diese Geschichte, dass die sechsjährige Sophie Leonie verschwunden ist? Hat der Vater das Mädchen entführt? Umgebracht? Wenn er das Kind in seiner Gewalt hatte, hätte Tessa ihren Mann doch niemals getötet – auch nicht in Notwehr? Wie sollen sie Sophie aufspüren? Es gibt keine Spur von dem kleinen Mädchen.
Der Fall wird immer verworrener, da Tessa sich in Widersprüche verstrickt und D.D. Warren und ihr Partner mehrfach zu Erkenntnissen kommen, die sie wieder an den Anfang ihrer Ermittlungen zurückwerfen. Was zunächst ganz klar erscheint, ist wenig später schon wieder vollkommen unmöglich – und die Uhr tickt, denn irgendwo dort draußen ist die kleine Sophie – und sie ist hoffentlich noch am Leben…
Als dann noch herauskommt, dass Tessa Leonie bereits in der Vergangenheit einmal einen Mann getötet hat, angeblich auch in Notwehr, wissen die Ermittler überhaupt nicht mehr, was sie glauben sollen. In diesem Fall ist nichts so, wie es scheint, und Warren kommt einfach nicht zur Ruhe – dabei bräuchte sie genau diese gerade jetzt besonders…

Wie mir das Buch gefallen hat: „Wer stirbt, entscheidest du“ ist mein erster Thriller von Lisa Gardner. Ich fand ihn spannend und gut zu lesen, aber gleichzeitig ist für mich klar, dass das keine Serie ist, die ich unbedingt weiterverfolgen muss. D.D. Warren war mir als Ermittlerin sympathisch, aber dafür, dass sie offenbar in jedem Thriller von Gardner auftritt, war sie mir dann zu blass. Dem Vergleich mit den Ermittlern anderer Krimiserien (Kommissar Dühnfort, Jane Rizzoli und andere) kann sie nicht standhalten, dazu hat sie zu wenig Persönlichkeit.
Interessanter als ihre Perspektive fand ich dann auch tatsächlich die von Tessa Leonie, auch wenn ich zugeben muss, dass ich beim Lesen mehrfach verwirrt war und mich gefragt habe, wie denn nun das schon wieder alles zusammenhängt und ob man dieser Figur auch nur einen Steinwurf weit trauen kann. Gerade das hat mich aber wie immer dann doch von dieser Figur überzeugt. Sie hat einfach das gewisse Etwas, auch wenn es in ihrem Fall nicht unbedingt ein positives Etwas ist.
Was mich beim Lesen gestört hat, war, dass man nicht wirklich mitraten konnte, wie alles zusammenhängt. Dazu gab es zu viele Widrigkeiten, die man nicht absehen und vor allem eine Auflösung, auf die man nicht kommen konnte. Das fand ich etwas schade, da ich durch die zwei wechselnden Perspektiven (Warren und Leonie) immer davon ausgegangen war, dass man auf die Auflösung stoßen könnte, wenn man nur aufmerksam genug läse. Dem ist aber nicht so.
Was ich noch erwähnen möchte, ist, dass ich die Übersetzung an manchen stellen holprig fand. Dass Textstellen wie „Wen willst du anrufen?“ – „Ghostbusters!“ nur im Original lustig sind (vermutlich: „Who you gonna call?“ – „Ghostbusters!“), ist klar. Aber dass Sendungen immer „im Fernseher“ statt „im Fernsehen“ laufen („Wir sahen uns Sponge Bob im Fernseher an“), fand ich nicht gut formuliert, und auch an einigen anderen Stellen kamen mir Formulierungen holprig vor (z.B. als Warren zu Tessa Leonie sagt, sie habe doch auch eine Karte mit den „Landmarken“ („landmarks“) zeichen können. Mir ist klar, dass es das Wort „Landmarken“ gibt, aber das würde niemand in diesem Zusammenhang benutzen!).
Davon abgesehen ist „Wer stirbt, entscheidest du“ ein kurzweiliger und ziemlich temporeicher Thriller, bei dem wirklich erst am Ende alle Puzzleteilchen zusammenpassen.

Gabriele Haefs, Christel Hildebrandt & Dagmar Mißfeldt [Hrsg.]: Mord unterm Nordlicht

noch66Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich als Leseexemplar bekommen und ich kann nur mal wieder sagen, dass ich es mir auch nicht gekauft hätte. Warum nicht? Aufmerksame Leser wissen: ich bin einfach kein Fan von Kurzgeschichten oder kurzen Erzählungen.

Inhalt und meine Meinung: Was hat dieses Buch, das es dann doch für eine „Finger weg von Kurzgeschichten“-Tante wie mich interessant machen könnte? Ganz klar: skandinavische Autorinnen, von denen man eigentlich nicht unbedingt kurze Texte in die Hand bekommt, die man aber mit so einer Sammlung durchaus mal kennenlernen kann. Und ein paar sind auch dabei, die ich schon kannte und die ich gerne lese. Das ist schon mal ein echtes Plus.
Kurze Krimis sind für mich persönlich erst recht nichts. Der Plot kann nicht richtig aufgebaut werden, der Twist am Ende ist meistens ein bisschen flach und Charaktere lernt man auch nicht so richtig kennen, weswegen sich die Autorinnen natürlich auch oft nicht die Mühe machen, hier komplexe Protagonisten zu erschaffen. Das wiederum hemmt bei mir ein bisschen das Lesevergnügen – aber das ist ein generelles Problem bei Kurzgeschichten.
Viele der Geschichten fand ich dann auch erstaunlich gut, und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Manches Mal blitzt hier ein sehr böser Humor durch, den ich richtig gut finde. Die Autorinnen haben sich hier auch vor allem weibliche Protagonistinnen ausgedacht, die aus den unterschiedlichsten Gründen Verbrechen begehen – und das nicht zwangsläufig, indem sie mit einer Waffe in der Handtasche losziehen… nein, hier lernen wir – falls wir es noch nicht wussten – wie hinterhältig Frauen sein können. In dem Zusammenhang sei die Geschichte „Kleiner Sonnenschein“ von Guri B. Hagen erwähnt, die allein schon für ihren Titel nach dem Lesen einen Pluspunkt verdient.
Wenn schon Kurzgeschichte, dann bitte ein offenes Ende, das Gänsehaut verursacht. Dazu hat mir „Überbringerin der Wahrheit“ von Ditte Birkemose und Emma Hogh besonders gut gefallen. Da bleibt man am Ende sitzen und denkt: „Oh nein, wenn doch nur…“, aber mehr werde ich dazu nicht verraten.
Die Geschichten sind vom Erzählstil sehr unterschiedlich, und auch die länge variiert sehr stark. Das ist ein Plus, finde ich, denn so hat man wirklich das Gefühl, dass man jede Autorin so kennenlernt, wie sie sich hier präsentieren möchte. Zwischen all den Krimis findet sich dann auch die sehr ungewöhnliche Geschichte „Das Mädchen, das nicht dünn sein wollte“ von Maj Sjöwall. Diese Geschichte hat mich auf eine ganz unerwartete Weise berührt und wird mir sicher mit am meisten im Gedächtnis bleiben. Sie ist nicht nur inhaltlich ganz anders als die anderen, sie wird auch auf eine Weise erzählt, an die man sich weiterhin erinnern wird.
Für zwischendurch im Sommer sicherlich nett zu lesen. Zum Kennenlernen oder Wiederentdecken skandinavischer Autorinnen auch ein guter Lesetipp. Ganz gute und zum Teil richtig tolle Geschichten, die auf jeden Fall eins zeigen: hoch im Norden ist es vielleicht im Sommer sehr hell, doch dunkle Ecken finden sich hier immer…

Sigrid Hunold-Reime: Schattenmorellen

noch99Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch gab es kostenlos für den Kindle bei der Weihnachtsaktion von amazon.de und da es ganz interessant klang, habe ich mich auch gar nicht erst darum bemüht, zu widerstehen…

Zum Inhalt: Wie die Zeit vergeht! Plötzlich ist man alt und hat sein Leben schon zu einem guten Teil hinter sich. Martha wollte eigentlich nur die Schattenmorellen in ihrem Garten ernten, da fällt sie von der Leiter und als sie wach wird, liegt sie in einem Krankenhaus. Ende ist es mit der Selbstständigkeit; für das Krankenhauspersonal ist Martha nur eine alte Frau, die nicht immer zurechnungsfähig ist und die zudem noch störrisch ist und sich nicht alles vorschreiben lassen will. Gut, Martha kann nicht immer zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart unterscheiden, aber sie weiß ganz genau, was sie will. Und vor allem: was sie nicht will. Ihr Nachbar Rudolf Knissel lauert nämlich geradezu darauf, sich um sie zu kümmern. Seit Jahren wünscht er sich schon eine Beziehung mit Martha; und sie kann ihm nicht sagen, dass sie von ihm nichts wissen will, denn sie beide verbindet seit einer Nacht, die mehr als fünfzig Jahre zurückliegt, ein ganz schreckliches Geheimnis. Wenn Rudolf damals nicht gewesen wäre… Nein, daran will Martha lieber gar nicht denken.
Während Martha eigentlich einfach alles tun sollte, um wieder gesund zu werden, bemerkt sie, dass sie ihr Leben draußen erst einmal sortieren muss, denn ausgerechnet jetzt kommen Wahrheiten ans Licht, die alles in Frage stellen. Dass sie dann auch noch Eva wiedertrifft, eine Frau aus ihrer Vergangenheit, die ihrerseits mit einem dunklen Geheimnis und einer wahrhaft verhängnisvollen Affäre kämpft, die ihr ganzes Leben verändern könnte.

Wie mir das Buch gefallen hat: Martha hat mir als Ich-Erzählerin sehr gut gefallen. Sie ist alt, älter als Protagonistinnen meistens sind, aber sie ist schlagfertig, witzig und in ihrer sturen Art einfach total glaubwürdig. Gerade in den Szenen, in denen sie sich gegen eine Bevormundung wehrt, der nur zugrunde liegt, dass sie über siebzig ist, hat Martha mich an meine Großmutter erinnert und das wiederum hat mich sehr amüsiert.
Die Geschichte wird gut aufgebaut und spannend erzählt. Es gibt einerseits die Wechsel zwischen der Gegenwart und Marthas Erinnerungen, und immer wieder bekommt man auch einen Einblick in die Gespräche im Schwesternzimmer. Die Krankenschwestern haben einen durchaus lustigen Blick auf Martha, sind vielleicht zum Teil etwas stereotyp, aber trotzdem insgesamt unterhaltsam.
Als Eva auftaucht und somit noch ein zweites Frauenschicksal eine Rolle spielt, das mindestens so voller dunkler Geheimnisse ist wie das von Martha, nimmt der Roman noch einmal Fahrt auf. Das fand ich spannend, aber ich habe erwartet, dass die Geschichten noch stärker miteinander verbunden werden würden als die Autorin dies letzten Endes macht. Das fand ich ein bisschen schade.
Irgendwann sind dann auch beide Geheimnisse gelüftet und ab dann plätschert die Geschichte für mein Gefühl nur noch so vor sich hin. Man erfährt mehr über Marthas Wutanfälle im Krankenhaus, man erfährt, wie Eva versucht, mit ihrem Schicksal fertig zu werden, aber so wirklich mitgerissen war ich von der Geschichte dann einfach nicht mehr.
Die Auflösung hätte da natürlich noch mal Einiges wieder gutmachen können, aber eine zunächst listig scheinende Idee entpuppt sich hinterher als eine Lösung, die dann doch zu einfach ist. Ich war jedenfalls irgendwie enttäuscht.
Mein Fazit: für zwischendurch ein netter Roman, aber mehr auch nicht.