Michel de Montaigne – How We Weep and Laugh at the Same Thing

Jetzt habe ich schon drei Penguins vorgestellt und man sieht schon, wie unterschiedlich die Genres sind, die man bei Penguin für die Black Classics ausgewählt hat. Der vierte Band aus der Reihe war Michel de Montaignes „How We Weep and … Weiterlesen

Carolin-Therese Wolf: Die Räuber – REMIXED

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Tjaja, das Hörbuch gab es im letzten Monat kostenlos bei „Audible“ und da dachte ich, man könnte ja nicht so viel falsch machen. 😉 Inhalt und meine Meinung: Ich habe „Die Räuber“ von Friedrich Schiller … Weiterlesen

Mary Woolstonecraft: Maria or The Wrongs of Woman

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Mary Woolstonecrafts Roman habe ich mir schon während des Studiums gekauft. Er zählte zu den Büchern, deren Titel ich mir in einem Seminar notierte und beschloss, das Buch später unbedingt lesen zu müssen. Unbedingt … Weiterlesen

Lucy Maud Montgomery: Emily of New Moon

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir vor ein paar Jahren gekauft, weil ich es unbedingt haben musste… immerhin bin ich seit Ewigkeiten ein großer Fan von Lucy Maud Montgomerys „Anne“-Reihe, und ich hatte aus Kindertagen … Weiterlesen

Friedrich Schiller: Die Räuber

noch14Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich habe mal mit dem Anspruch Germanistik studiert, dass ich alles Mögliche lesen würde, das auf den Leselisten dieser Welt stand. Ich denke zwar inzwischen nicht mehr, dass das möglich ist, aber die zig Klassiker, die ich damals gekauft habe, verdienen es in jedem Fall auch, gelesen zu werden.

Zum Inhalt: Der alte Markgraf Moor hat zwei sehr ungleiche Söhne, Karl und Franz. Die beiden unterscheiden sich nicht nur rein äußerlich dadurch, dass Karl gut aussehend, groß und stark ist, wohingegen Franz hässlich, klein und schwächlich ist; auch vom Charakter her könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein, denn während Karl von allen geliebt wird ob seiner Großzügigkeit, Ehrlichkeit und Freundlichkeit, ist Franz böse und hinterhältig, und er beneidet seinen Bruder darum, dass dieser nicht nur vom Vater so sehr geliebt wird, sondern dass er auch noch der Erstgeborene ist, der später einmal alles bekommen soll.
Als Karl zum Studium in Leipzig ist, kommt der gute Sohn allerdings etwas vom Weg ab. Er nimmt das Leben dort sehr leicht und macht unter anderem Schulden, sehr zum Ärger seines Vaters. Franz sieht seine Chance gekommen, und als ein Brief von Karl zum Schloss gelangt, in dem dieser seinen Vater um Verzeihung bittet und ihm verspricht, dass er sich ändern wird, sieht Franz eine unverhoffte Chance gekommen. Er unterschlägt diesen Brief und fälscht stattdessen einen, der von einem angeblichen Freund verfasst worden ist und der Karl in das denkbar schlechteste Licht rückt. Der alte Moor ist verzweifelt und in seinem Kummer enterbt er Karl.
Diese Tat bereut er sehr schnell, da er seinen Sohn immer noch von ganzem Herzen liebt. Auch Amalia, die in der Obhut des alten Moor lebt und die mit Karl liiert war, bestärkt den alten Mann darin, dass dieser Karl verzeihen müsse. Amalia liebt Karl aufrichtig und lässt nicht zu, dass er in ein schlechtes Licht gerückt wird. Vehement weist sie auch immer wieder Franz ab, der selbst Interesse an ihr hat und hofft, dass sie ihn nun heiraten wird.
Doch Karl ahnt nicht, dass er bei seinem Vater längst wieder willkommen wäre. Er hört nur davon, dass er enterbt und verstoßen wird, und ist vollkommen verzweifelt. Seine Freunde haben eine Räuberbande gegründet, der Karl sich nun anschließt, weil er glaubt, dass seine Freunde und er im Sinne der Gerechtigkeit handeln, wenn sie von den Reichen nehmen und den Armen geben. Doch nicht alle Räuber haben so ehrenwerte Absichten, und es soll Karl zum Verhängnis werden, dass er dies nicht bemerkt und, nachdem er zum Hauptmann ernannt wird, einen folgenschweren Treueschwur leistet…

Wie mir das Buch gefallen hat: Zur literarischen Bedeutung dieses Werkes brauche ich nun wirklich nichts zu sagen, aber ich habe mich darauf gefreut, mich mit diesem sogenannten „Lesedrama“ auf mein Sofa zu verziehen. In einer Vorrede zu dem Drama schreibt Schiller, er halte das Drama unter anderem deswegen für ein Lesedrama, da es sehr abstoßende Sprache und sehr böse Taten enthalte – was zweifellos auch stimmt. Die Gräueltaten der Räuber sind wirklich furchteinflößend, und sicherlich nicht frei erfunden, da es zur Entstehungszeit des Dramas durchaus solche Räuberbanden in Deutschland gab.
Warum es auch heute noch Spaß macht, dieses Drama zu lesen? Ehrlich gesagt, weil es spannend ist. Franz Moor ist wirklich eine Figur, die sehr böse ist und vor nichts zurückschreckt. Was er alles tut, um der Erbe seines Vaters zu werden, ist auch aus heutiger Sicht noch skrupellos und verabscheuenswert. Gleichzeitig habe ich gerade ihn als sehr glaubwürdig empfunden, da er zwar einerseits wirklich alles daran setzt, seine Position zu verbessern, er andererseits aber auch immer wieder feige und mitunter sogar ängstlich handelt. Er ist gefangen in seiner Rolle, und es scheint für ihn keine Möglichkeit zu geben, sich zu ändern.
Ebenso ist Amalia eine Frauenfigur, wie wir sie auch heute noch in Romanen finden könnten. Sie ist wortgewandt und mutig – wie sie sich gegen Franz auflehnt, ist absolut bemerkenswert. Sie ist es auch, die dafür sorgen könnte, dass noch alles gut ausgeht, und sie ist es, die zwischen den zerstrittenen Parteien vermitteln kann. Amalia wird mir besonders in Erinnerung bleiben. Von allen Dramenheldinnen, die mir bislang untergekommen sind, gefällt sie mir deutlich am besten.
Karl ist ein Vertreter des Sturm und Drang, wie er – heutzutage – im Buche steht. Er ist ein wirklicher Held, und das, obwohl (oder weil) er sich nicht immer so verhält, wie man es eigentlich von einem Vorzeigesohn erwarten würde.
Zum Ende des Dramas würde ich gern noch sagen, dass ich es extrem spektakulär finde – was in den letzten Szenen passiert, ist wirklich spannend und könnte auch Freundes des Hollywoodshowdowns gefallen – es gibt eben nur kein Happy End. Die letzten Sätze des Dramas deuten an, wie es mit Karl Moor enden wird, und dies ist trauriger, als wenn er tatsächlich vor den Augen der Zuschauer stürbe, finde ich. Fast unerwarteterweise hatte ich am Schluss des Dramas wirklich einen Kloß im Hals.
„Die Räuber“ ist für mich ein absolutes Paradebeispiel dafür, dass manche Werke vollkommen zurecht Klassiker werden und dass es Inhalte gibt, die nie wirklich veralten, selbst wenn sie in einer anderen Zeit spielen.

Virginia Woolf: Mrs. Dalloway

noch20Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich habe den Roman während des Studiums bereits auf Deutsch gelesen, aber dann dachte ich, es wäre eigentlich gut, ihn auch mal im Original zu lesen. Also kaufte ich ihn – und las ihn jetzt, ungefähr zehn Jahre später…

Zum Inhalt: Es ist ein warmer Morgen im Juni, als Clarissa Dalloway sich mit den Vorbereitungen zu der Party beschäftigt, die sie am Abend geben wird, und plötzlich unterbrochen wird, weil ihr alter Freund Peter Walsh unverhofft vor ihr steht (Clarissa Dalloway hätte ihre Post besser gründlicher gelesen, sie hätte von dem Besuch gewusst). Dies trägt nur weiter dazu bei, dass Clarissa sich in Gedanken an die Vergangenheit verliert. Heute ist sie 52 Jahre alt, verheiratet, hat eine fast erwachsene Tochter. Ihr Leben ist ganz anders, als es hätte sein können, wenn sie damals Peter Walsh geheiratet hätte, doch Clarissa gab ihm einen Korb und Peter wanderte daraufhin nach Indien aus, heiratete und führte eine unglückliche Ehe. Er scheint Clarissa Dalloway nie vergessen zu haben, und immer noch denkt auch er an den Sommer zurück, in dem sich die Weichen für seine und ihre Zukunft stellten. Nicht ganz unbeteiligt ist daran auch Sally Seton, die damals eng mit Clarissa und Peter befreundet war. Sie half Peter während der Zeit seines Liebeskummers – und sie und Clarissa waren einander so eng verbunden, dass es sogar zu einem Kuss zwischen den beiden Frauen kam; an diesen Moment denkt Clarissa am Tag ihrer Party auch wieder zurück. Sie muss feststellen, wie sehr sich das Leben verändert hat, wie sich manche Menschen nie verändern und andere dafür sehr.
In dem Roman gibt Virginia Woolf ihren Lesern tiefe Einblicke in die Gedankenwelt Clarissa Dalloways und ihrer Freunde und Angehörigen. Im Kontrast dazu steht dann noch der kurze Handlungsstrang um Septimus Warren Smith, für den das Leben ganz andere Sorgen bereithält als für Londons „high society“. Der Krieg hat tiefe Spuren bei Warren Smith hinterlassen und seine Frau steht hilflos daneben, während er mehr und mehr in seiner eigenen Welt versinkt, die er sich durch die schlimmen Erfahrungen im Krieg und den Verlust seines besten Freundes aufgebaut hat.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Mrs Dalloway“ ist ein Roman, der mir wirklich gut gefallen hat. Er ist anders als viele andere Romane, weil es hier vergleichsweise wenig Handlung gibt, dafür aber tiefe Einblicke in die Gedanken der Charaktere, die Woolf hier entwirft. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich richtig eingelesen hatte, denn Gedanken sind eben oftmals auch etwas sprunghaft, und Woolf verlässt schnell auch mal die Perspektive einer Figur und wechselt zu einer anderen – da muss man dranbleiben. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, und wenn man sich an den wirklich einzigartigen Erzählstil gewöhnt hat, hat man einen Roman vor sich, der damit spielt, wie Menschen über sich selbst und über ihre Mitmenschen denken, wie sie ihre Handlungen begründen und hinterfragen und wie sie sich zum Teil auch immer wieder die Frage stellen, was geschehen wäre, wenn sie an der ein oder anderen Stelle anders entschieden hätten. Es hat mir gut gefallen, diese Gedanken zu verfolgen; ich fand, dass Virginia Woolf sehr glaubhafte Charaktere geschaffen hat. Gerade Clarissa Dalloway, auf ihre Art durchaus etwas spröde und immer darauf bedacht, wie sie auf andere Menschen wirken könnte, kann durchaus auf eine ereignisreiche Jugend zurückschauen – und was aus der im jungen Alter so „wilden“ Sally Seton geworden ist, ist ebenfalls interessant.
Gleichzeitig lohnt sich der Roman auch deswegen, weil er einen Einblick in die Gesellschaft seiner Entstehungszeit gibt. Das britische Empire ist Thema, man erfährt, wie London wahrgenommen wird, und dann ist da natürlich noch der Krieg, der zumindest bei Septimus Warren Smith tiefe Wunden hinterlassen hat. Ohne diese Figur hätte ich beim Lesen vielleicht gar nicht daran gedacht, dass der Roman kurz nach Ende des Krieges spielt. Denn während Clarissa und ihresgleichen allerhöchstens feststellen, dass die Läden in der Bond Street sich etwas verändert haben, ist Warren Smith so stark traumatisiert, dass er sich in der Realität immer weniger zurechtfindet. Mit ihm hat Woolf eine Figur geschaffen, die ich wirklich gern mochte, mit der man mitleiden muss und für die Partys, gesellschaftliche Verpflichtungen und die neueste Mode keine Rolle spielen. Es ist überzeugend, dass Clarissa Dalloway und Septimus Warren Smith nicht aufeinandertreffen und nur dadurch verbunden sind, dass Warren Smiths Arzt abends zu Clarissas Party geht, denn so wird deutlich, wie sehr die Gesellschaft auseinanderklafft.
„Mrs. Dalloway“ hat mir sehr gut gefallen. Ein Klassiker, den ich weiterempfehlen möchte.