345 Tage buchkauffrei – Traue niemandem, auch nicht dir selbst! (Buch 39) 

  Gillian Flynn hat etwas Neues veröffentlicht, und das hat mich natürlich sofort angefixt, denn ihre ersten drei Romane habe ich alle gelesen und fand sie wirklich gut. Als ich also von „The Grownup“ hörte, setzte bei mir der Muss-Ich-Haben-Reflex ein, … Weiterlesen

345 Tage buchkauffrei – Das hätte nicht sein müssen (Buch 2)

„Das Joshua-Profil“ von Sebastian Fitzek stand auf meiner „Muss ich haben“-Liste, seitdem ich ihn auf der Leipziger Buchmesse das erste Mal darüber hatte sprechen hören. Vor kurzer Zeit las ich dann auf Facebook, dass der Protagonist aus „Das Joshua-Profil“ auch … Weiterlesen

Chase Novak: Breed

noch86Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich als Leseexemplar bekommen. Ich habe es mir ausgesucht, weil es irgendwie spannend klang und ich gerade meiner Jugendbuchphase etwas überdrüssig wurde.

Zum Inhalt: Eigentlich haben sie alles, was man sich nur wünschen kann: Alex und Leslie Twisden sind beruflich erfolgreich, haben viel Geld und leben in einem Haus in New York, von dem andere Menschen nur träumen können. Sie sind wortgewandt, gebildet und in ihrem Umfeld beliebt. Und doch ist das Ehepaar nicht wirklich glücklich – denn die beiden wünschen sich ein Kind. Sie versuchen einfach alles, was in ihrer Macht steht – doch Leslie wird einfach nicht schwanger.
Als sie durch ein befreundetes Paar von einem slowenischen Arzt erfahren, der es angeblich immer schafft, Paaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen, überlegen Alex und Leslie nicht lange. Sie sehen ihre Chance gekommen und machen sich auf in das ihnen bisher unbekannte Land.
Die Behandlungsmethode von Dr. Kis ist mehr als ungewöhnlich; schmerzhaft und beängstigend ist all das, was sie dort erleben, besonders für Leslie. Doch dass der Arzt auch in ihrem Fall erfolgreich ist, kann sie nicht leugnen. Ziemlich schnell wird sie schwanger und bald schon halten Alex und sie ihre Zwillinge im Arm.
Doch die Idylle ist mehr als trügerisch, denn mit Leslie und Alex gehen schreckliche Veränderungen vor: sie haben beide plötzlich sehr verstärkte Instinkte, aber auch eine deutlich stärkere Körperbehaarung und ein unbändiges Verlangen nach Fleisch brechen immer mehr hervor. Nachts schließen Alex und Leslie ihre Kinder in ihrem Zimmer ein; doch selbst einander würden sie nie gestehen, warum sie das tun. Denn schließlich lieben sie Adam und Alice von ganzem Herzen. Niemals würden sie ihnen etwas antun. Oder?
Adam und Alice sind sich jedenfalls gar nicht sicher, ob sie ihren Eltern wirklich trauen können. Und deswegen fassen sie einen gefährlichen Plan…

Wie mir das Buch gefallen hat: Die Idee zu dem Roman finde ich sehr spannend; und ich denke, dass der Autor sich hier für ein interessantes Thema entschieden hat, gerade weil man weiß, wie sehr ein unerfüllter Kinderwunsch Menschen umtreiben kann. Daraus ein Horrorszenario zu entwickeln – ja, das ist beängstigend, also war ich sehr gespannt.
Die Umsetzung ist für meinen Geschmack aber nicht ganz gelungen. Gut erzählt ist zunächst, wie Alex und Leslie immer mehr Veränderungen durchmachen und ihre Instinkte und ihr mehr und mehr tierisches Verhalten kaum noch unterdrücken können. Wie sie sich dieser Veränderung hingeben und gleichzeitig versuchen, schon um ihrer Kinder wegen dagegen anzukämpfen, das hat mir gut gefallen, weil ich denke, dass dieser Konflikt auch wirklich spannend ist.
Auch der Plan von Adam und Alice und die Erkenntnis, dass es natürlich noch viel mehr Kinder mit ihrem Schicksal gibt, ist noch spannend. Wie die Kinder mit dem Grauen, das ihnen begegnet, umgehen, hat Novak interessant und kurzweilig erzählt – doch dann kommt der Punkt in dem Roman, ab dem irgendwie nichts Neues mehr passiert, sondern eigentlich nur noch auf Blut, Verfolgung und Überraschung gesetzt wird – sehr filmhaft erzählt, fand ich, also: viele Bilder, viele unerwartete, schnelle Momente, aber zu wenig Einblick in das Denken und Fühlen der handelnden Figuren und für meinen Geschmack zu effekthascherisch.
Das Ende ist irgendwie unerwartet, aber ich finde, hier hat er Autor es sich ein bisschen zu einfach gemacht – ich habe nichts gegen ein offenes Ende, aber hier war einfach irgendwann Schluss und zu viel blieb meiner Meinung nach unerzählt.
Fazit: Im Ansatz spannend und beängstigend, in der Umsetzung aber nicht ganz stimmig.

Ilsa J. Bick: Ashes – Tödliche Schatten

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Nachdem ich den ersten Band gelesen hatte, war ich ja hin- und hergerissen, wie mir dieses Buch nun gefallen hatte. Aber irgendwie war eines klar: ich musste weiterlesen und deswegen habe ich dieses Buch dann vorbestellt…

Zum Inhalt: Die Ereignisse rund um die Veränderten spitzen sich zu und das Leben und Überleben werden immer gefährlicher. Tom hat mehr Glück gehabt, als er es selbst je für möglich gehalten hätte: ein älteres Ehepaar hat ihn gefunden und mit zu sich genommen, denn er erinnert die beiden an ihren verstorbenen Sohn. Tom kommt jedoch trotz seines recht guten Heims und der Gemeinschaft mit Jed und Grace nicht wirklich zur Ruhe  – er muss immer an Alex denken und er ist fest entschlossen, sie zu finden. Außerdem hat er da Gefühl, sich beschäftigen zu müssen, denn immer öfter kann er nun die Bilder aus seiner Zeit in Afghanistan nicht mehr verdrängen. Als Fremde schließlich Jed und Grace überfallen, begibt Tom sich auf eine lebensgefährliche Reise in Richtung Rule, wo er Alex vermutet…
Doch diese ist nicht mehr in dem kleinen Dorf – auch wenn die Alternative eigentlich noch viel schrecklicher ist. Eine Gruppe Veränderter hat sie gefangen genommen – und langsam beginnt Alex zu begreifen, welch tödliches Spiel einige der Bewohner von Rule eigentlich spielen…
Und auch im Dorf selbst ist die Ordnung nachhaltig gestört. Lena entdeckt, dass die Gemeinschaft, an die sie glaubte, auf Lügen aufgebaut ist, und dass es irgendein riesengroßes Geheimnis gibt, mit dem die Ältesten des Dorfes sich offenbar das Überleben sichern wollen – egal, auf wessen Kosten. Offenbar ist sich in der Welt nach der Katastrophe fast jeder selbst der nächste…

Wie mir das Buch gefallen hat: Wenn eine Reihe es verdient, eine Dystopie zu sein, dass ganz sicher „Ashes“. Absolut schonungslos erzählt, ist dieses Endzeitszenario einfach nichts für schwache Nerven. Auch bei diesem Band muss ich wieder sagen: Junge Erwachsene ist von mir aus als Einordnung gut, aber die Angabe „ab 14“ finde ich bedenklich, da eine Verfilmung dieser Reihe unter keinen Umständen unter FSK 18 laufen könnte, dazu sind viele Szenen wirklich zu heftig. Mir wurde beim Lesen manchmal wirklich schlecht. Und das ist mein Ernst. Horrorfans kommen hier voll auf ihre Kosten.
Obwohl mir solche blutigen Geschichte eigentlich überhaupt nicht liegen und ich ehrlich gesagt noch nie Romane gelesen habe, die mit solch ekligen Kopfkinobildern mithalten können, habe ich „Ashes – Tödliche Schatten“ aber trotzdem gelesen und dafür gibt es gute Gründe:
Im ersten Band erfahren wir, wie Alex die Katastrophe und alles um sich herum erlebt; im zweiten Band kommen mehrere Perspektiven hinzu. Das sorgt dafür, dass man schnell ein recht umfassendes Bild über die Lage bekommt, und dass man in diese grauenhafte Welt hineingezogen wird und unterschiedliche Überlebensstrategien kennenlernt; bei einigen voller Entsetzen – und immer wieder fragt man sich, wie man selbst sich wohl in einer solchen Notlage verhalten würde.
Die Autorin ist Jugendpsychiaterin und ihr Wissen über die menschliche Psyche nutzt sie wirklich sehr gut, um die unterschiedlichen Figuren auszuarbeiten. Für mich standen dabei nach wie vor Alex und Tom im Mittelpunkt, was bei Alex aufgrund der Tatsache, dass sie einen Gehirntumor hat, besonders spannend ist, und Tom leidet nach wie vor unter seinen Erinnerungen an seinen Einsatz in Afghanistan. Auch hier weiß Bick, wovon sie redet, da sie Major bei der Air Force war. Sie stellt bei Tom neben seiner Traumatisierung aber auch heraus, dass er in der Army einige Dinge gelernt hat, mit denen er sich und Anderen nun helfen kann – und sie macht deutlich, dass Tom durch den Umgang mit anderen Menschen in Kriegssituationen auch bereits Erfahrung mit Menschen gemacht hat, die andere ohne zu zögern foltern und quälen. Gerade diesen Aspekt fand ich in dem Roman sehr glaubwürdig und gut eingebracht.
Was man beachten sollte, ist, dass es in Band 2 direkt weitergeht, als habe man Band 1 gerade erst zugeklappt. Die Autorin hält sich an keiner Stelle mit Rückblicken auf, die einem auf die Sprünge helfen, Anmerkungen, in denen sich jemand an etwas erinnert, laufen nach dem Schema: „Alex musste daran denken, was aus Ellie geworden war.“ Und wenn man selbst nicht mehr weiß, was das ist, dann hat man schlicht und ergreifend Pech gehabt. Ein Roman, der einen zur Verzweiflung bringen wird, wenn man Band 2 als ersten liest.
Packend, spannend, unglaublich schrecklich – „Ashes: Tödliche Schatten“ ist die Dystopie der Dystopien.

Douglas Preston & Lincoln Child: Relic – Museum der Angst

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Irgendwann hat Thore mal mit der Pendergast-Reihe begonnen und so sind dann einige der Bücher in unser Regal gewandert. Obwohl ich „Ritual“ bereits seit ein paar Jahren kannte und toll finde, dauerte es bis zum nächsten Pendergast einfach eine Weile…

Zum Inhalt: Die geplante Ausstellung zum Thema „Aberglauben“ im Museum of Natural History in New York soll ein echter Knaller werden – ein Riesenereignis, nicht nur für die Medien, für ausgewählte Gäste, nein, das Museum verspricht sich riesige Besucherströme und große Aufmerksamkeit. Streng geheim laufen die Vorbereitungen, nicht einmal die Mitarbeiter des Museums, die nicht direkt mit der Ausstellung betraut sind, dürfen wissen, was alles ausgestellt wird.
Viel Aufmerksamkeit erhält die kleine Figur des Mbwun. „Der auf allen Vieren geht“, eine mystische Bestie des Stammes der Kothoga. Eine ganz unscheinbare, aber doch irgendwie faszinierende Figur, bekanntermaßen die einzige ihrer Art. Diese Figur ist ein Teil einer Sammlung von Gegenständen, die seit einiger Zeit unbeachtet im Museum standen – denn die Forscher, die sie vor einigen Jahren auf einer Expedition zusammentrugen, gibt es zum Teil nicht mehr. Und so standen die Kisten einige Zeit über unbeachtet im großen Keller des Museums…
Gerade der kommt nun aber zu ungewollter Aufmerksamkeit, als zwei kleine Jungen, die im Museum gespielt hatten, dort ermordet aufgefunden werden. Sie sind grausam zugerichtet worden – und die Morde an ihnen sollen nicht die einzigen bleiben. Schnell werden Gerüchte in der Stadt laut, dass hier ein Museumsmonster am Werk ist, denn die Opfer haben merkwürdige Biss- und Kratzspuren. Aber ein Monster mitten in New York? Das kann ja auch wieder nicht sein. Oder doch? Das FBI jedenfalls schaltet sich ein und schickt einen seiner kompromisslosesten Agenten: Special Agent Pendergast…

Wie mir das Buch gefallen hat: Zunächst einmal finde ich bei „Relic“ die Zuordnung in ein Genre schwer. Thriller? Auf jeden Fall. Dieses Buch hat alles, was ein Thriller braucht. Horror? Definitiv. Gestern Abend konnte ich „Relic“ einzig aus dem Grund nicht auslesen, dass es mir draußen zu schnell zu dunkel wurde. Ein bisschen wie „Akte X“, aber ganz eigen – in jedem Fall großartig.
Natürlich habe ich große Erwartungen an Special Agent Pendergast gehabt, der aber in „Relic“ noch nicht so auftrumpft, wie es wohl in späteren Bänden der Fall sein soll. Trotzdem ist Pendergast als Ermittler einzigartig und überzeugend und eine Figur, die man auf jeden Fall im Gedächtnis behält und die heraussticht aus der Ermittlerflut, die einem in Thrillern entgegenschlägt.
Das Setting ist einfach toll gewählt. Alle Kapitel dieses Romans spielen im Naturhistorischen Museum und dadurch bekommt man schnell einen guten Eindruck von der Atmosphäre dort und vor allem auch von seiner Größe. Die Anzahl der Mitarbeiter und Institute und Forschungseinrichtungen hatte ich nicht erwartet und ich hatte das Gefühl, dass hier alles stimmt und dass die Autoren sich dabei auf Fakten berufen, was ich überzeugend fand und was dann in den Szenen mit dem Museumsmonster die Spannung noch mehr nach oben getrieben hat.
Ich sage es immer wieder, ich habe nichts übrig für den großen Showdown. Und als hier hundert Seiten vor Schluss ein Showdown in den Katakomben des Museums angebahnt wurde, war ich skeptisch – um dann mit schreckgeweiteten Augen weiterzulesen. Und weiter. Und weiter. Und dann musste ich unterbrechen – aus Gründen der Schreckhaftigkeit. Heute Vormittag im Hellen ging es wieder. Toll gemacht, durchgehend spannend und einfach gut.
Dass der echte Knaller dann erst im Epilog kommt, ist auch richtig toll gemacht. Man sitzt schon schön zurückgelehnt da – gleich ist das Buch ausgelesen – und plötzlich hier der große Schocker. Fantastisch!
Gerade bin ich sehr zufrieden damit, dass noch weitere Pendergast-Thriller im Regal warten…

 

Ilsa J. Bick: Zeichner der Finsternis

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir gewünscht, weil ich in diesem Jahr bereits „Ashes“ von Ilsa J. Bick gelesen habe und ich fand, dass die Beschreibung zu diesem Buch auch spannend klang. Nun habe ich es zu Weihnachten von meinen Eltern bekommen.

Zum Inhalt: Christian Cage ist in Winter, Wisconsin aufgewachsen. Hier lebt er bei seinem Onkel Hank, denn seine Eltern sind seit vielen Jahren verschwunden.Die Leute in Winter sagen, dass zuerst Christians Vater mit einer anderen Frau durchgebrannt ist, und dass Christians Mutter einige Jahre später aus ähnlichen Gründen verschwand – aber Christian weiß es besser. Er ist sich sicher, dass seine Eltern nicht abgehauen, sondern auf die andere Seite gewechselt sind – und auch er könnte dorthin gelangen, wenn er es wagen würde, durch die Tür zu gehen, die er auf seine Zimmerwand gemalt hat und der nur noch die Klinke fehlt. Hat er sie einmal gemalt, wird es kein Zurück geben.
Überhaupt ist Christians Talent ziemlich außergewöhnlich. Einerseits ist er in der Lage, mit seinem Pinsel auf den Grund der Seelen seiner Mitmenschen zu blicken und das zu Papier zu bringen, was sie dachten, tief in sich verschlossen zu haben, andererseits hat er immer wieder Alpträume, in denen er plötzlich nicht mehr er selbst ist, sondern ein kleiner Junge namens David, der vor vielen Jahren in Winter lebte, und der Schreckliches erlebte.
Ein solcher Alptraum ist es dann auch, der Christian in große Schwierigkeiten bringt, denn eines Morgens muss er feststellen, dass er in der Nacht die Scheune eines Nachbarn mit erschreckenden Bildern verunstaltet hat. Niemand kann sich erklären, warum der Junge, den in Winter sowieso alle für etwas gestört halten, das getan hat, aber auch Christian selbst hat absolut keine Ahnung, warum er das getan hat. Dass ausgerechnet ein Geschichtsreferat über Winter ihn auf die Spur eines alten Geheimnisses bringen wird, kann er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Wie mir das Buch gefallen hat: Nach „Ashes“ von Ilsa J. Bick ging es mir so, dass ich die Geschichte eigentlich super fand, sie mir aber stellenweise zu brutal war. Es fiel mir nicht leicht, das vernünftig in Worte zu fassen, und vielleicht tue ich mich deswegen jetzt auch etwas schwer mit meiner Meinung zum „Zeichner der Finsternis“.
Was ich gut finde, ist die düstere Aufmachung des Buches, nicht nur das Cover meiner Ausgabe gefällt mir, auch im Innenteil hat der Aufbau-Verlag sich etwas Gutes ausgedacht und die Seiten sind dort, wo die neuen Kapitel anfangen, oben dunkelund werden nach unten hin heller. Ich mag es, wenn Bücher irgendwie besonders gestaltet sind.
Die Geschichte, die die Autorin hier erzählt, fand ich an vielen Stellen wirklich gut und spannend, insgesamt aber nicht schlüssig. Zunächst gewinnt man als Leser den Eindruck, es ginge Christian um die Suche nach seinen Eltern in irgendeiner fantastischen Welt hinter einer gemalten Tür. Das hat mich ein bisschen an „Tintenherz“ erinnert und ich fand das ganz gut. Dann folgt aber dieser Alptraum, nach dem Christian feststellt, dass er nachts Wolfsgesichter und Hakenkreuze auf eine Scheune gemalt hat und dann geht es darum, dass er eben irgendwelche medialen Fähigkeiten hat und so einem Geheimnis in Winter auf die Schliche kommen könnte. Irgendwie eine völlig andere Geschichte, die nicht mal so richtig was mit seinem künstlerischen Talent zu tun hat. Dann wieder stellt sich heraus, dass Christian Verbindungen zu Menschen aufnehmen und ihre tiefsten Ängste malen kann. Diese Bilder sind für die Betroffenen so erschreckend, dass sie eine Kofrontation mit diesen Ängsten nicht immer überleben. Man hat also drei meiner Meinung nach richtig spannende Ideen vor sich, die aber leider nicht wirklich sinnvoll zusammengefügt werden. Zwar kommt diese Suche nach den Eltern der Autorin am Ende des Romans ganz gelegen und das Malen menschlicher Alpträume sorgt für den ein oder anderen Schockmoment zwischendurch, im Prinzip hätten aber Christians Träume und seine telepathischen Fähigkeiten für die eigentliche Geschichte ausgereicht, alles Andere kam mir wie Effekthascherei vor und war oftmals wirklich überflüssig. Genau das ist schade, weil die Kernhandlung eigentlich schon sehr spannend ist.
Das Ende war für mich zudem irgendwie sowieso nicht ganz schlüssig, auch wenn ich da jetzt nichts vorwegnehmen möchte.
Fazit: Viele gute Ideen, die aber in der Geschichte nicht überzeugend zusammenfinden und deswegen eher so wie eine Ansammlung von Dingen wirken, die die Autorin unheimlich findet. Schade, mabn hätte einfach mehr draus machen können.

Stephen King: Carrie

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich im vergangenen Jahr von meiner Schwester und meinem Schwager zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ich kannte „Carrie“ schon, aber hatte es noch nicht selbst, und darum ist meine Ausgabe nun auch noch mal – wenn auch streng genommen etwas zu Unrecht – auf den SuB gewandert.

Zum Inhalt: Sie ist anders als die anderen Mädchen – und wäre doch so gern wie sie. Carrietta White, von allen Carrie genannt (wenn sie nicht gerade mit einem Schimpfwort bedacht wird), lebt mit ihrer verrückten Mutter Margaret in einer Kleinstadt in Maine. Margaret ist eine fanatische und vollkommen verrückte Christin, die fest davon überzeugt ist, dass jede Frau – sie selbst eingeschlossen – eine Sünderin ist und der Strafe eines zornigen Gottes ausgesetzt ist. Carrie soll deswegen ein Kind bleiben, ein reines und unschuldiges Kind – und so wächst Carrie abgeschottet von vielen ganz normalen Aspekten des Lebens auf.
In der Schule wird das Mädchen, das in seinem Unglück auch noch nicht besonders attraktiv aussieht, ständig gehänselt und fertiggemacht. Lediglich Sue Snell, ein Mädchen in Carries Jahrgang, hat sich bislang oft zurückgehalten – aber eines Tages ist esso weit: in der Dusche nach dem Sportunterricht bekommt die sechzehnjährige Carrie zum ersten Mal ihre Tage. Während das völlig verzweifelte Mädchen überhaupt nicht weiß, wie ihr geschieht, und fürchtet, zu verbluten, können die Mädchen ihrer Klasse sich kaum beruhigen in all ihrem Spott.
Dieser Moment hat ungeahnte Folgen für alle Beteiligten: die Mädchen bekommen schwere Strafen von der Schule – und für die allseits beliebte Chris Hargensen bedeutet das, dass sie einen regelrechten Hass auf auf Carrie entwickelt, der sie vor nichts zurückschrecken lässt. Carrie selbst entdeckt, dass sie über Kräfte verfügt, derer sie sich bislang nicht bewusst war. Sie kann Dinge bewegen, ohne sie zu berühren. Wenn sie zornig wird, geschehen Dinge… und darum sollte man Carrie besser nicht reizen!

Wie mir das Buch gefallen hat: „Carrie“ ist bekanntlich zwar nicht der erste Roman, den King schrieb, aber der erste, der veröffentlicht wurde. Seinen Schreibstil erkennt man schon in diesem Buch sehr deutlich und an „Carrie“ gefällt mir vor allem, dass die Erzählung des Romans durch fiktive Zeitungsintervews, wissenschaftliche Arbeiten, Biographien der Überlebenden und Meldungen der Polizei aus der Ballnacht unterbrochen werden. Das ist gut gemacht und ich weiß noch, dass ich mich beim ersten Mal, als ich „Carrie“ gelesen habe, gefragt habe, ob einige dieser Meldungen nicht echt sind. 😉 Auch wenn ich das jetzt nicht mehr glaube, finde ich die Idee sehr gut umgesetzt.
Carries Geschichte ist ein bisschen tragisch, da das Mädchen sich gerade in dem Moment für Hohn und Spott rächt, als eigentlich die anderen dabei sind, etwas wieder gutzumachen, und als eigentlich nur noch Chris und ihr durchgeknallter Freund es darauf anlegen, sie wirklich bloßzustellen. Das ist für mich beim Lesen immer irgendwie ein sehr trauriger Moment.
Insgesamt ist „Carrie“ irgendwie ein Klassiker dieses Genre und nicht uninteressant zu lesen, aber die Geschichte ist zum Teil wirklich sehr extrem und überzogen. Die Charaktere sind schon sehr einfach zu durchschauen, und bis auf Sue Snell, deren Beweggründe nicht immer gut sind, aber authentisch wirken, sind doch alle Figuren recht „einfach gestrickt“. Es gehört, wenn man King liest, sicherlich irgendwie auch dazu, dass man „Carrie“ kennt, es ist aber längst nicht sein bester Roman (was eigentlich auch schlimm wäre, wenn der erste gleich der beste wäre!).

Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich mir vorbestellt, als ich im August bei Amazon gesehen habe, dass es einen neuen Thriller von Yrsa Sigurdardottir geben würde. Ich habe mir nicht mal die Kurzbeschreibung durchgelesen, weil ich wusste, dass ich mit dieser Autorin nichts falsch mache. So entging mir dann auch nur die Information, dass dieser Thriller nicht zur Reihe um Dóra, die Ermittlerin aus Sigurdardottirs anderen Thrillern, gehört.

Zum Inhalt: Sie wollen ein altes Haus in einer verlassenen Gegend renovieren und daraus ein Gästehaus machen, das möglichst attraktiv für Urlauber sein soll, und deswegen bringen Katrín, Líf und Gardar, die alle drei eigentlich vollkommen ungeeignet für ein Leben in nahezu unberührter Natur sind, Materialien und Vorräte in das kleine isländische Dorf Hesteyri, das im Winter menschenleer und bei schlechtem Wetter von der Außenwelt abgeschnitten ist.
Nichts kann ihren Enthusiasmus bremsen Katrín erhofft sich durch die Renovierung eine Zukunftsperspektive für ihren Mann Gardar, der nach dem Verlust seines Jobs zunächst vor dem Nichts gestanden hatte, und Líf, eine Freundin der beiden, sucht nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ebenfalls nach einer Aufgabe, der sie sich widmen kann.
Doch der Enthusiasmus der drei wird schnell von unheimlichen Ereignissen überschattet: immer wieder ist eine Kinderstimme zu hören, die mal unheimlich kichert, mal Drohungen ausstößt. Im Haus geht es absolut nicht mit rechten Dingen zu und schnell wird die Situation so bedrohlich, dass Katrín, Líf und Gardar diesen Ort unbedingt verlassen möchten. Doch der Kontakt zur Außenwelt ist abgeschnitten: die Handyakkus sind plötzlich vollkommen entladen, Strom gibt es nicht. Und da draußen ist irgendwas…
Währenddessen muss der Psychiater Freyr in einem seltsamen Fall ein Urteil abgeben: eine ältere Dame hat sich in einer Kirche das Leben genommen und einen Abschiedsbrief hinterlassen, der Rätsel aufgibt. Es ist von einem Jungen die Rede, der zur Schulzeit dieser Frau plötzlich von einem Tag auf den anderen verschwand und nie gefunden wurde. Aber es ist auch davon die Rede, dass Benni gefunden werden müsse – und diese Botschaft trifft Freyr bis ins Mark, denn Benni ist sein Sohn, der vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist. Was hat diese Frau mit Benni zu tun? Woher kannte sie ihn überhaupt? Der Fall wird immer mysteriöser, als Freyr auf dem Rücken der Frau merkwürdige Narben entdeckt, von denen der Pathologe meint, ähnliche schon bei anderen Toten gesehen zu haben – und diese gingen alle in die Schulklasse der Selbstmörderin.
Als sei dies alles nicht genug, beginnt Freyr nun, nachts unheimliche Geräusche und die Stimme seines toten Sohnes zu hören – was hat das alles zu bedeuten?

Wie mir das Buch gefallen hat: Dieser Thriller ist der Wahnsinn. Ich habe mich schon lange nicht mehr so gegruselt, wenn ich ein Buch gelesen habe. Sigurdardottir hat bereits in ihrem letzten Thriller im Prolog und im Epilog ein übersinnliches Phänomen untergebracht, aber „Geisterfjord“ basiert komplett darauf, dass Unerklärliches und Unheimliches geschieht. Ein ganz subtiler Horror zieht sich durch das Buch. Kinderlachen im Dunkeln, Fußabdrücke, mysteriöse Botschaften, ein unerklärlicher Gestank, Schatten, Geräusche, Stimmen, die Warnungen aussprechen – nichts davon ist neu und doch ist es einfach so großartig erzählt, dass ich gestern Abend irgendwann aufhören musste, weil es mir zu unheimlich war.
Ein Element, das dabei eine Rolle spielt, ist, dass sämtliche Charaktere des Romans eigentlich nicht an übersinnliche Phänomene glauben und nach natürlichen Erklärungen für alles suchen. Bis zum Schluss war ich gespannt, ob alles sich irgendwie erklären lassen würde. Am sympathischsten war mir dabei Freyr, der seit dem Verschwinden seines Sohnes mit einer schrecklichen Schuld lebt, und der nun, da er Stimmen hört, denkt, er sei einfach wahnsinnig – so wie seine Patienten.
Gerade die Szenen in dem verlassenen Dorf sind sehr atmosphärisch: Schnee, Dunkelheit, Sturm… dann dazu diese Abgeschiedenheit von allem… das ist einfach eine Mischung, die es in sich hat und die den Gruselfaktor noch erhöht.
Die Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt und lange Zeit fragt man sich einfach nur, wie beide Fälle überhaupt zusammenhängen können. Von Zeit zu Zeit werden dem Leser Schnipselchen an Informationen dazu zugeworfen, aber so richtig kommt man dann wieder doch nicht dahinter. Als sich dann am Ende ganz viele Teilchen ineinander fügen, war ich davon sehr beeindruckt, weil es trotzdem absolut nicht überkonstruiert wirkte – und das Gefühl habe ich schnell, wenn man am Ende so viele Informationen auf einmal bekommt.
Laut Verlag ist „Geisterfjord“ ein Stand-Alone-Thriller, was ich gut finde, weil es im Moment gefühlt immer nur Reihen mit irgendwelchen Ermittlern gibt und keine einzelnen Thriller mehr, aber ich hoffe, dass Sigurdardottír noch weitere Thriller dieser Art schreiben wird, denn „Geisterfjord“ hat mich durch und durch begeistert und mich nicht mehr losgelassen, bis ich die letzte Seite gelesen hatte.
Meine absolute Leseempfehlung für diesen Herbst für alle, die sich mal wieder richtig gruseln möchten!

Stephen King: Es

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich habe „Es“ schon einmal gelesen, aber das ist sicher fünfzehn Jahre her. Besessen habe ich es aber nie, bis Thore es letztes Jahr unbedingt lesen wollte. Da hat amazon schnell geholfen und seitdem stand das Buch in unserem Regal.

Zum Inhalt: Die Stadt Derry einen weniger schönen Ort zu nennen, wäre noch geschmeichelt. Hier, in dieser kleinen Stadt im Bundesstaat Maine, geschehen mehr schreckliche Dinge als irgendwo sonst – und ungefähr jedes Vierteljahrhundert wird es in Derry wieder besonders schlimm, ohne dass irgendjemandem die Regelmäßigkeit auffallen würde – außer einem, nämlich Mike Hanlon, den Bibliothekar der Stadt.
Als es 1985 wieder mit den Morden losgeht, die alle gemeinsam haben, dass hauptsächlich Kinder getötet werden und dass noch mehr Kinder vermisst werden, deren Leichen man nicht finden kann, weiß Mike, was er zu tun hat: er ruft seine Freunde aus Kindertagen an, die er alle seit 27 Jahren nicht mehr gesehen hat. Stan, Ben, Bill, Richie und Beverly haben Derry inzwischen verlassen und sind heute erfolgreiche Erwachsene, die nur zwei Dinge gemeinsam haben: sie haben alle keine Kinder – und sie können sich kaum (oder eher gar nicht) an ihre eigene Kindheit erinnern. Keinem von ihnen war dies je wirklich bewusst, aber als nun Mike anruft und sie an ein Versprechen erinnert, das sie vor 27 Jahren gegeben haben, wissen alle sofort, was zu tun ist, und obwohl sie von einer plötzlichen Todesangst heimgesucht werden, reagieren sie auf Mikes Anruf.
Und dies ist auch sehr wichtig, denn ES ist zurückgekehrt, jenes Monstrum, das unterhalb der Stadt Derry haust, das jede beliebige Gestalt annehmen kann. Das Monster, das Bills kleinen Bruder Georgie auf dem Gewissen hat und viele andere Kinder mehr. Zu siebt sind die Freunde damals gegen ES angetreten, sie haben sich dem Bösen gestellt und hätten ES fast besiegt – aber leider eben nur fast. Nun ist ES wieder da, und es wird Zeit, dass die Freunde zuende bringen, was sie als Kinder begonnen haben.
Die Rückkehr nach Derry ist für alle schmerzhaft, denn sie wissen, dass es ihren Tod bedeuten kann, wenn sie wiederkommen. Dennoch ist ihre Verbindung zu ihren Freunden aus Kindertagen nach all den Jahren, in denen sie keinen Kontakt hatten, noch so eng, dass sie wissen, dass sie keine Wahl haben. Sie müssen sich ES stellen.
Der Roman erzählt die Erlebnisse der Freunde zu der Zeit, als sie Kinder waren, und auch die Geschichte um ihre Rückkehr nach Derry. Dabei wird jede der Figuren mal durch die personale Erzählform in den Mittelpunkt gerückt. Zwischendurch, in den „Zwischenspielen in Derry“ tritt dann immer noch Mike Hanlon als Ich-Erzähler in den Vordergrund, denn er hat Hintergrundinformationen zum Erscheinen von ES gesammelt, die er in seinem Notizbuch aufschreibt, das man als Leser des Romans quasi lesen darf.

 Wie mir das Buch gefallen hat: Oftmals, wenn ich etwas von Stephen King lese, bin ich überrascht davon, wie gut das ist, was ich lese. Auch „Es“ ist so viel mehr als eine Horrorgeschichte. „Es“ ist vielmehr eine Geschichte über Freundschaft und Mut und darüber, an seine Grenzen zu gehen und über sich hinauszuwachsen. In diesem Roman kann man sich natürlich mehrfach gruseln und ekeln und genau das erleben, was man beim Lesen eines Horrorromans erleben will – und auch das hat mir wirklich gut gefallen, zumal King, wenn man sich an bestimmte Eigenheiten seines Schreibens gewöhnt hat, sehr gut erzählen und Spannung sehr lange aufrecht erhalten kann. Aber man kann bei diesem Roman auch lachen und – zumindest am Ende – auch weinen und all das zusammen macht für mich ein richtig rundum gutes Buch aus.
Ich habe mit den Freunden mitgefiebert und mitgelitten und wer denkt, dass Stephen King in „Stand by me“ schon die schönste Geschichte über Freundschaft erzählt hat, der sollte „Es“ schon allein deswegen lesen, weil ich finde, dass die Freundschaften, von denen hier erzählt wird, mit „Stand by me“ mithalten können.