Sally Nicholls: Keiner kommt davon

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Das Buch habe ich mir letzte Woche aus der Bücherei ausgeliehen. Ich sage gleich dazu, dass ich es mir jetzt auch kaufen werde. Ich liebe es. Ich muss es haben. („My preciousssss…“) Zum Inhalt: … Weiterlesen

Christine Wirth: Fairlight

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ich habe von Christine Wirth schon „Das Bildnis des Grafen“ und „Vom Ernst des Lebens“ gelesen und beide Bücher haben mir sehr gut gefallen. Da lag es nahe, dass ich mir auch ihren dritten Roman zulege, der aber zeitlich vor den beiden anderen entstand.

Zum Inhalt: Der erste Weltkrieg ist noch nicht allzu lange vorbei, als die drei Mediziner John Raeburn, Edward Vaughan und Morgan Thorpe auf dem Weg zu einem Medizinerkongress plötzlich Probleme mit ihrem Wagen haben und die Reise unterbrechen müssen. Während sie noch dabei sind, sich zu fragen, was sie tun sollen, machen sie Bekanntschaft mit Francis Fairlight, der die Männer einläd, ihn zu seinem Zuhause, dem beeindruckenden, aber auch sehr düsteren Fairlight-Anwesen zu begleiten, wo sie bleiben können, bis sie ihr Reiseproblem gelöst haben.
Eigentlich steht den Ärzten also nur ein kurzer Aufenthalt auf Fairlight bevor und angesichts der Tatsache, dass die schroffen Fairlightbrüder, auf die sie dort neben Francis noch treffen, sie nicht eben überschwänglich willkommen heißen, ist ihnen das auch nur recht. Doch schnell wird das Interesse der Mediziner an dem geweckt, was hinter den Mauern dieses düsteren Hauses vor sich geht. Denn neben Francis Fairlight, einem zuweil schroffen aber dann auch wieder sehr besorgten Mann, leben hier noch der dandyhafte Bruder Frederick, der gewissenhafte Clayton, der sich aber genau wie der Vater der Brüder zu Anfang nicht in Fairlight aufhält, und der jüngste – Eugene, genannt Florey, der von seinen Brüdern nahezu angebetet wird und der oftmals geistig verwirrt zu sein scheint. Das Verhältnis der jüngeren drei Brüder untereinander ist ebenfalls vollkommen undurchsichtig, mal scheint es voller Verachtung, sogar Angst zu sein, dann wieder scheinen die drei eher wie Liebhaber denn wie Brüder.
Vor allem Dr. Raeburn lassen die Verhältnisse auf Fairlight keine Ruhe, denn er hat plötzlich das untrügliche Gefühl, Francis und Florey vor langer Zeit unter ganz anderen Umständen schon einmal begegnet zu sein – aber ist das möglich? Raeburns Versuche, dem auf den Grund zu gehen, scheitern auch an der Fassade, die Francis aufrecht zu erhalten versucht, denn dieser fürchtet mehr als alles Andere um das Leben und Wohlbefinden des kleinen Florey, der aber wiederum immer stärkere Züge einer psychischen Störung zeigt…

Wie mir das Buch gefallen hat: Christine Wirth hat eine Art zu erzählen, die mir gut gefällt. Sie versteht es, Stimmungen zu verdeutlichen und Atmosphären entstehen zu lassen – trotz des anders versprechenden Namens wird zum Beispiel ganz schnell klar, dass „Fairlight“ ein Ort ist, der in starkem Kontrast zu dem steht, was der Name verspricht. Überhaupt gibt sich die Autorin sprachlich viel Mühe, ihren Erzählstil der Zeit anzupassen, in der der Roman spielt. Ich denke, dass ein Lektor an der ein oder anderen Stelle noch ein paar Formulierungen etwas ändern würde, aber das ist nun mal bei jedem Autor so und kein Schwachpunkt des Romans, der mir wirklich auch sprachlich gut gefallen hat.
Die Charaktere des Romans fand ich gelungen, weil sie sehr glaubwürdig wirken und zum Teil wirklich schwer durchschaubar sind. Bei Florey, der von nahezu allen Figuren des Romans auf irgendeine Weise eine Anziehungskraft ausübt, ging es mir so, dass ich ständig meine Meinung über ihn änderte – insgesamt blieb er aber am schwersten greifbar für mich und zum Teil war er mir richtig unheimlich. Am liebsten mochte ich Dr. Raeburn, den freundlichen und zuverlässigen Arzt, der aber auch nicht perfekt ist und bei dem man merkt, dass er den Tod seiner Frau noch nicht verwunden hat.
Die Geschichte ist zum Teil wirklich schon harter Tobak, und das sollte man sicherlich wissen, bevor man „Fairlight“ liest. Das Verhältnis der Brüder zueinander ist zum Teil schon befremdlich, da sie, wie schon erwähnt, manchmal wie Liebende wirken und miteinander umgehen, dann aber auch wieder schonungslos und fast grausam zueinander sind. Es dauert wirklich bis ganz zum Schluss, bis man sich wirklich einen Reim auf all das machen kann, auch wenn es natürlich zwischendrin immer wieder Andeutungen gibt.
Das Ende möchte ich natürlich nicht verraten, aber auch wenn es im Epilog irgendwie wieder versöhnlich wird, war ich über eine Auflösung wirklich entsetzt und sie hat bei mir auch dazu geführt, dass ich das Verhalten einer der Figuren gar nicht mehr verstehen konnte und sie im Nachhinein auch nicht mehr sympathisch finde, auch wenn ich in manchen Bereichen Mitleid mit ihr habe.
Mein Fazit: ein ungewöhnlicher historischer Roman, der hinter die Fassade einer Adelsfamilie blickt und Entsetzliches enthüllt. Auf jeden Fall ein Buch, das ich lesenswert finde und bei dem ich bis zum Schluss an der Auflösung herumgerätselt habe.

Ariana Franklin: Die Teufelshaube

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Den ersten Band habe ich letztes Jahr gelesen, nun sollte in einer Leserunde mit zwei meiner liebsten Büchertreffmädels der zweite Band bezwungen werden, und deswegen musste das Buch angeschafft und gelesen werden. 🙂

Zum Inhalt: Es ist ein bitterkalter Winter, als England durch die Nachricht erschüttert wird, dass die sagenumwobene Rosamund, die Geliebte des Königs Henry II. gestorben ist. Und die Umstände ihres Todes sind mehr als mysteriös – die Frau hat giftige Pilze zu essen bekommen und ist an den Wirkungen des Gifts gestorben. Wer hat sie getötet? Und wollte er eigentlich Henry und gar nicht in erster Linie Rosamund treffen? Oder hat die eifersüchtige Königin ihre Finger im Spiel?
Ermitteln kann und soll natürlich nur Eine – Adelia, die Totenleserin, die einst aus Salerno nach England kam, um mysteriöse Morde an Kindern aufzuklären. Diese Frau verfügt über Fähigkeiten und Wissen, das andere in den Schatten stellt und Henry erwartet von ihr, dass sie der Aufgabe ohne Weiteres nachkommt. Und natürlich sperrt Adelia sich den Wünschen des Königs nicht – immerhin werden sie ihr von Rowley überbracht, ihrem einstigen Geliebten, mit dem sie inzwischen ein gemeinsames Kind hat – und der das Amt des Bischofs angenommen hat und damit eigentlich unerreichbar für sie ist. Eigentlich zumindest…
Am Tatort macht Adelia nicht nur einige interessante Entdeckungen hinsichtlich des Todes der Geliebten des Königs, sie lernt auch deren offenbar wahnsinnige Haushälterin kennen. Dakers liebte und liebt Rosamund so abgöttisch, dass sie deren Tod kaum wahrhaben will – und dass jemand ihrer Herrin zu nahe kommt, will sie auch nicht…
Doch Adelia wird schnell merken, dass es noch weit gefährlichere Menschen im Zusammenhang mit diesem Mord gibt. Und bei einem einzigen Mord bleibt es auch gar nicht… die Ärztin muss schnell handeln, um Schlimmeres zu verhindern und um sich selbst und das Leben ihres Kindes zu schützen.

Wie mir das Buch gefallen hat: Den ersten Band um die Totenleserin fand ich ja noch ganz okay, aber dieser Band hat mich jetzt nun wirklich gar nicht vom Hocker gerissen. Die Handlung ist mittelmäßig spannend – der Anfang hat mir ganz gut gefallen, aber am Ende wollte ich dann nur noch einfach mit diesem Buch abschließen und es fertig gelesen haben. Der Mord an Rosamund und alle anfänglichen Ermittlungen in dem Schloss, in dem der König sie untergebracht hatte, sind jedoch, das muss ich zugeben, doch ganz spannend. Sobald Adelia aber im Kloster Godstow Unterschlupf gefunden hat und dort weiterermittelt, wurde es immer langatmiger…
Die Charaktere dieses Romans… nun ja. Die alte Gyltha und den Araber Mansur, der sich immer als Arzt ausgeben muss, damit Adelia in Ruhe ermitteln kann, finde ich noch ganz originell und sympathisch, aber Adelia selbst zum Beispiel ist eine Figur, mit der ich mich weder identifizieren kann beim Lesen, noch finde ich sie besonders sympathisch. Sie ist für meinen Geschmack zu klischeehaft unabhängig und intelligent, wunderschön ohne es zu wissen, stolz, all das. Sie ist jedem überlegen. Das gefällt mir absolut nicht an ihr.
Natürlich wird in vielen historischen Romanen darauf eingegangen, dass Frauen zu dieser Zeit eine untergeordnete Rolle in der Gesellschaft hatten und natürlich sehe ich es so, dass man das mittelalterliche Frauenbild durchaus kritisch sehen muss, aber man muss es mir als Leserin nicht auf jeder dritten Seite wieder sagen, um sicherzustellen, dass ich das auch verstehe. Mir war’s ein bisschen zu viel. Und gerade weiß ich nicht, ob ich den dritten Band noch lesen werde.

Sabine Weiß: Die Buchdruckerin

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich bei vorablesen „historead“ gewonnen. Historische Romane lese ich ganz gerne und dann noch einer über den Buchdruck… das kann man sich doch nicht entgehen lassen!

 Zum Inhalt: Die Geschichte um die Druckerin Margarethe Prüß beginnt um 1520 in Straßburg. Hier wächst das Mädchen quasi mit dem Beruf der Druckerin auf, denn ihrem Vater gehört eine Druckerei und das wissenshungrige Mädchen interessiert sich von klein auf für die Abläufe und Vorgänge beim Drucken eines Buches. Margarethe darf sogar für ihren Vater Korrektur lesen, und so sorgt er dafür, dass seine Tochter nach seinem Tod die Hälfte der Druckerei zugesprochen bekommt. Dieser Schritt macht ihren Bruder sehr wütend, und Margarethe muss feststellen, dass es nicht einfach ist, als Frau in diesem Beruf Fuß zu fassen.
Doch mit Hilfe ihres ersten Ehemanns Reinhard Beck gelingt ihr dies dann doch, und die beiden führen die Druckerei erfolgreich gemeinsam. Dabei begeben sie sich aber öfter in Gefahr, denn es ist die Zeit der Reformation und Martin Luthers Thesen verbreiten sich in rasender Geschwindigkeit – natürlich gerade auch wegen des Buchdrucks. Plötzlich wollen alle Menschen die Texte über den Glauben selbst lesen und sich selbst ein Bild machen – einfach nur zu hören, was der Klerus zu sagen hat, das gilt nun nichts mehr.
Es ist eine gute Zeit für die Drucker – und eine gefährliche, denn viele Schriften, die nun von allen möglichen Reformatoren und Predigern verfasst werden, gelten als ketzerisch und gefährlich. Nur im Verborgenen können sie gedruckt und verbreitet werden – und dies ist ein wirklich gefährliches Unterfangen.
In dieser aufregenden, aber auch schwierigen Zeit, wird Margarethe erwachsen, sie muss ihre immer größer werdende Familie versorgen, schwere Schicksalsschläge überwinden und mehrfach ihre Meinung über Menschen, die sie zu kennen glaubte, revidieren. Aber Margarethe ist eine starke Frau, die sich immer wieder aufrappelt und die ihren Weg weitergeht und sich für das einsetzt, an das sie glaubt.

 Wie mir das Buch gefallen hat: Trotz des klischeehaften „Die + Berufsbezeichnung“-Titels, der ja so vielen historischen Romanen anhaftet, verbirgt sich hinter diesem Titel kein einfach gestrickter historischer Roman, bei dem die Geschichte eigentlich nur Kulisse für die Liebesgeschichte der Protagonistin ist. Im Gegenteil: „Die Buchdruckerin“ ist ein Roman, dem man schnell anmerkt, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Sabine Weiß versteht es, die historischen Fakten interessant und spannend in ihren Roman zu integrieren und gerade das, was man über den Buchdruck erfährt, fand ich sehr spannend und es hat mir wirklich sehr gut gefallen.
Im Nachwort habe ich dann festgestellt, dass es neben vielen der Reformatoren, die ihren Auftritt in diesem Roman haben, tatsächlich auch Margarethe Prüß und ihre Familie wirklich gab. Auch wenn über deren Leben nicht viele Informationen erhalten sind, finde ich es großartig, dass der Protagonistin dieses Romans eine „echte Person“ zugrunde liegt, der so ein tolles Denkmal gesetzt wurde.
Die Handlung des Romans ist spannend und gut erzählt, sodass man damit viele schöne Lesestunden verbringen kann. Ein toller historischer Roman, der auf jeden Fall lesenswert ist!

Eric Walz: Die Giftmeisterin

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von einem Freund geschenkt bekommen.

Zum Inhalt: Ermengard will beichten. Innerhalb von zwei Wochen hat sie Dinge erlebt, die ihr Leben erschüttert haben. Und sie war nicht nur Zeugin, nein, sie hat auch einen Mord begangen, und auch davon möchte sie berichten und nichts verschweigen.
Alles beginnt damit, dass Ermengard eines Nachts das Haus verlässt, um sich in der Kälte der Nacht abzuregen – sie wird von Eifersucht geplagt, denn ihr Mann ist bei seiner Konkubine Emma, einer Frau, mit der er nicht nur das Bett teilt, sondern die ihm auch sonst viel zu bedeuten scheint. Draußen jedoch stolpert Ermengard über die Leiche des jungen Hugo, der, genau wie Ermengards Mann Arnulf, am Hofe des Königs Karl des Großen dient. Jemand hat Hugo die Kehle durchgeschnitten…
Ermengards Mann soll ermitteln, und Ermengard selbst versucht auch, Hugos Mörder zu finden. Das ist gar nicht so einfach, denn viele Dinge laufen am Hofe verdeckt ab. Und wem kann man glauben? Den Töchtern und den Konkubinen des Königs, die im Frauenhaus leben und die zum Teil ihre ganz eigenen Interessen verfolgen? Den Männern, die für Karl kämpfen und an seinem Hofe arbeiten?
Und neben den Ermittlungen in dem Mordfall hat Ermengard auch noch ihre ganz privaten Probleme. Denn nicht nur hält sie die Eifersucht auf die Konkubine ihres Mannes kaum noch aus, auch Emma, die junge Frau, die Arnulf bereits eine Tochter geschenkt hat, macht der Gräfin zu schaffen, denn Emma teilt Ermengard unverblümt mit, dass sie vorhat, Arnulf dazu zu bringen, sich von Ermengard scheiden zu lassen um mit ihr zusammen zu sein. Das kann und will Ermengard nicht dulden! Dass im kleinen Dorf Aachen nun gerade die geheimnisvolle Fionee angekommen ist, die sich selbst als „Glücklichmacherin“ bezeichnet und die Ermengard helfen will, kommt da gerade recht. Doch kann Ermengard wirklich wieder glücklich werden? Und kennt Fionee wirklich das richtige Mittel dazu?

Wie mir das Buch gefallen hat: Historische Romane gibt es viele. Doch „Die Giftmeisterin“ lohnt sich, auch wenn der Titel meiner Meinung nach nicht ganz passt, immerhin steht nicht Fionee im Vordergrund, sondern ganz eindeutig Ermengard, die mit sich und ihrer Tat abrechnet. Natürlich spielt Fionee schon eine wichtige Rolle, aber es gibt durchaus andere, ebenso zentrale Figuren in diesem Roman.
Die Geschichte, die auf 410 Seiten in 60 Kapiteln erzählt wird, erzählt Walz aus Ermengards Sicht. Sie schreibt ihre Geschichte auf Pergament, und sie lässt sie in ihrem Haus herumliegen, nicht wissend, wer sie je lesen wird. Die Idee finde ich gut, weil man sich so als Leser angesprochen fühlt, wir sind ja nun quasi die Finder dieser Geschichte.
Ermengard ist eine sympathische Ich-Erzählerin, auch wenn sie den Fall um Hugos Tod am Ende dann für meinen Geschmack etwas zu Sherlock-Holmes-like löst. Zwar ist die Auflösung glaubhaft und nachvollziehbar, aber ich hätte es besser gefunden, wenn man als Leser auch auf die Lösung hätte kommen können.
Aber davon abgesehen ist es leicht, sich in Ermengards Situation hineinzufühlen. Sie liebt ihren Mann und möchte ihn nicht mit Emma teilen, auch wenn sie weiß, dass es gar nichts Ungewöhnliches ist, dass er eine Konkubine hat. Und „ganz nebenbei“ ermittelt sie auch noch in dem Mordfall, denn Ermengard ist neugierig und will dem Mörder auf die Schliche kommen.
Gut gefallen hat mir auch, wie Walz dem Leser Einblicke in das Leben der Konkubinen am Königshof gibt. Dabei sind alle Frauen, die im Frauenhaus leben, ganz unterschiedlich porträtiert und jede ist auf ihre Weise sehr interessant.
In der Erzählung gibt es zwischendurch immer wieder Rückblicke in Ermengards Vergangenheit. Diese beschäftigen sich zumeist damit, wie das Leben mit Arnulf früher war, und geben Einblicke in die Liebesgeschichte der beiden. So lernt man die Ich-Erzählerin nicht nur besser kennen, man versteht auch die Motivation für den Mord, den sie begeht.
„Die Giftmeisterin“ ist ein kurzweiliger, gut zu lesender historischer Roman und hat mir sehr gut gefallen.

Mani Beckmann: Moorteufel

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch ist mir irgendwann bei amazon.de empfohlen worden und ich habe es auf meinen Wunschzettel gesetzt und es mir dann nach Weihnachten von meinem Weihnachtsgeld gekauft. Gelesen habe ich es aber erst jetzt, mehr als ein halbes Jahr später (wie das eben manchmal ist, wenn man sich einen Stapel Bücher zulegt…).

Zum Inhalt: Der Sohn des Magisterbauern eines kleinen Dorfes ist ein Deserteur. Er will nicht in den Krieg gegen Napoleon ziehen. Der Amtmann des Bezirks versucht, hart gegen die Deserteure vorzugehen – vor allem aber deswegen, weil er weiß, dass der Sohn des Magisterbauern in seine Tochter verliebt ist. Dies will er erst recht nicht dulden, da der Junge ihm nicht gut genug für seine Familie ist. Der junge Mann muss daraufhin aus seinem Dorf ins Moor fliehen, wobei ihn seine Familie tatkräftig unterstützt. Diese Flucht wird jedoch weit mehr als zunächst vermutet – denn endlich kommt er den Geheimnissen seiner Herkunft auf die Spur und erfährt vieles über die Bewohner seines Heimatortes, das diese bisher zu verdecken versucht hatten. Legenden der Gegend werden aufgelöst und die wirklichen Ereignisse dahinter kommen zum Vorschein. Und am Ende sieht der Magisterbauer sich einer großen Herausforderung gegenüber: kann er sein Heimatdorf vor den nahenden Feinden retten?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich fand das Buch ganz nett, es ist vielleicht sogar etwas, das man noch einmal wiederlesen könnte. Es war zwar nicht besonders spannend – und ein bisschen mehr Bezug zum historischen Hintergrund hätte ich persönlich schön gefunden – aber man konnte es sehr gut lesen und es war ganz unterhaltsam. Als Ferienlektüre durchaus empfehlenswert.

Iny Lorentz: Dezembersturm

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich in einer Leserunde gelesen. Unter den angemeldeten Teilnehmern wurde es verlost – und ich war dabei! Konnte also nichts dafür, dass das Buch zu mir nach Hause kam!

Zum Inhalt: Ostpreußen im Jahre 1875. Lore Huppach ist fünfzehn Jahre alt, als ihre Eltern und ihre Geschwister einem Brandanschlag zum Opfer fallen: eines nachts steht das Haus des Dorfschullehrers und seiner Familie plötzlich in Flammen und alle werden in ihren Betten vom Feuer überrascht – bis auf Lore, die gerade von einem Besuch bei ihrem Großvater zurückkommt. Der alte Wolfhard von Trettin liegt im ständigen Streit um das Gutshaus und das Familienvermögen, auf das es sein Neffe Ottokar abgesehen hat. Und der schreckt vor gar nichts zurück…
Dies muss Lore nun wirklich Angst machen, denn nach dem Tod ihrer Familie ist sie nun allein erbberechtigt und Ottokar fürchtet, dass sein Onkel erhebliche Teile seines Vermögens heimlich zur Seite geschafft hat, um sie Lore zu geben. Und damit liegt er nicht ganz falsch – doch Wolfhard von Trettin denkt sogar noch weiter: er möchte seine Enkeltochter in Sicherheit bringen und beschließt deswegen, dass Lore ein neues Leben beginnen soll, und zwar möglichst weit weg von Ottokar und dessen Ehefrau Malwine: Lore soll in die USA auswandern und dort ihr Leben ganz neu aufbauen.
Doch das Schicksal will es anders. Zwar geht Lore an Bord der Deutschland, die nach Amerika übersetzen soll, das Schiff kommt aber niemals dort an… es gerät in Seenot und Lore hat wieder einmal großes Glück, weil sie nicht nur knapp dem Tode entronnen ist, sondern weil sie auf der Deutschland auch noch Menschen kennengelernt hat, die ihr nun helfen können, einen Neuanfang zu wagen…

Wie mir das Buch gefallen hat: „Dezembersturm“ ist ein sehr guter historischer Roman, der mich sehr gut unterhalten hat. Er ist der Auftakt zu einer Trilogie, erzählt aber eine in sich abgeschlossene Handlung, was mir schon mal sehr gefällt.
Den Autoren (hinter dem Pseudonym Iny Lorentz verbirgt sich ein Autorenehepaar) gelingt es sehr gut, Charaktere zu zeichnen und eine spannende Handlung zu konstruieren, die an keiner Stelle langweilig wird. Historische Ereignisse werden in den Roman sehr gut eingebunden, was ebenfalls ein riesiger Pluspunkt ist. Für mich ein kleiner Minuspunkt: Lore, die Protagonistin, hätte für meinen Geschmack ein paar Ecken und Kanten mehr vertragen.
Alles in allem wirklich ein Roman, den man weiterempfehlen kann!

Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der schwarze Mönch

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Der zweite Band um die Henkerstochter Magdalena Kuisl war netterweise in dem Edelfeder-Buchpaket, das mir der Ullstein-Verlag zugeschickt hat. Der dritte Band erscheint auch schon bald, darum musste ich nun erst einmal den zweiten schnell lesen.

Zum Inhalt: Da ist der beschauliche Ort Schongau gerade zur Ruhe gekommen, da geschehen schon wieder mysteriöse Dinge – und die Familie Kuisl ist natürlich mittendrin. Denn eines Abends wird der Pfarrer in seiner eigenen Kirche ermordet – vergiftet! Wer kann so etwas getan haben? Wieso bringt jemand ausgerechnet den Dorfpfarrer um? Doch abgesehen von diesem Rätsel tut sich noch eine weitere Frage auf, denn offenbar hat der sterbende Mann noch versucht, seinen Mitmenschen eine Nachricht zukommen zu lassen, und der Henker von Schongau, der ja keineswegs auf den Kopf gefallen ist, stößt auf diese Spur: der Mord muss irgend etwas mit einem alten Schatz der Tempelritter zu tun haben, der scheinbar ausgerechnet hier in Schongau oder in der Nähe zu finden sein muss.
Der Henker beginnt natürlich umgehend mit seinen Nachforschungen – und diese führen zu einem schwarz gewandeten Mönch, der immer auffallend stark nach Veilchen riecht und der auch etwas mit der Räuberbande, die Schongau heimsucht, zu tun haben könnte. Doch der Fremde ist nicht so einfach zu fassen, und niemand weiß, was er als nächstes im Schilde führt.
Natürlich sind bei den Ermittlungen auch die Henkerstochter Magdalena und der junge Medicus Simon Fronwieser mit von der Partie. Doch das Paar hat dieses Mal auch privat einige Probleme zu überwinden, denn unverhofft taucht die Schwester des Pfarrers, Benedikta, auf, und mischt in den Ermittlungen mit, weil sie herausfinden möchte, welches Geheimnis ihr Bruder aufgedeckt hat, und warum er deswegen ermordet wurde. Benedikta ist weltgewandt, klug, schön und auch ein bisschen geheimnisvoll, und Simon erliegt ihrem Charme sofort. Magdalena Kuisl hat daran natürlich schwer zu knabbern, und sie sieht sich gezwungen, einige ihrer Nachforschungen nun völlig auf eigene Faust durchzuführen, was sie in große Gefahr bringt, denn mit dem Orden, der auf der Suche nach dem Schatz der Templer ist und der den „wahren Glauben“ verbreiten möchte, ist wirklich nicht zu spaßen.

Wie mir das Buch gefallen hat: Schon der erste Band um die Henkerstochter und ihre Familie (ich rechne Simon einfach mal dazu) hat mir sehr gut gefallen. Der zweite Band ist meiner Meinung nach sogar noch besser: erstens ist der Fall, den es zu lösen geht, komplexer und mysteriöser (wobei man wirklich vor allem positiv hervorheben muss, dass man es hier nicht mit so einem typischen Tempelritterschatzroman zu tun hat, die ja seit ein paar Jahren die Regale der Buchläden verstopfen!), zweitens gelingt es dem Autor, hier sehr interessant die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander weiterzuführen. Dabei gibt es einige sehr interessante Einblicke in die Zeit, zu der der Roman spielt, vor allem in Hinblick auf Medizin und gesellschaftliche Strukturen. Das Problem, das Magdalena und Simon haben, weil sie nicht heiraten dürfen, wird von Oliver Pötzsch zum Beispiel immer wieder thematisiert und dabei gefällt es mir besonders gut, dass er sich nicht einfach darüber hinwegsetzt und sich sagt, dass seine Figuren eben total aufgeklärt und modern sind, sondern dass er diese Grenzen einhält. Ich bin gespannt, wie das weitergeführt werden wird.
Besonders hervorheben muss man darüber hinaus bei diesem Buch noch den Anhang, da Pötzsch hier eine kleine Führung durch Schongau veranstaltet, die es seinen Lesern möglich macht, die Handlungsorte aufzusuchen. Das macht das Lesevergnügen auch im Nachhinein noch authentischer und hat mich sehr überzeugt.
Der dritte Band erscheint im September und ich freu mich schon darauf!

Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch hat mir Thore geschenkt, einfach so von einem „Einkaufsbummel“ bei amazon.de mitgebracht. Das Buch war noch gar nicht lange auf meinem Wunschzettel gewesen, da stand es schon zu Hause im Regal…

Zum Inhalt: Jakob Kuisl wollte eigentlich niemals Henker werden. Zu schrecklich erschien ihm, selbst natürlich auch Sohn eines Henkers, dieser Beruf immer. Doch dem Schicksal kann er nicht entgehen, und so ist er als Erwachsener selbst der Henker von Schongau. Gesellschaftlich wird er gemieden, die Leute sehen ihn in der Öffentlichkeit schief von der Seite an – in aller Heimlichkeit jedoch kommen sie gerne zu ihm und lassen sich das ein oder andere Mittelchen von ihm geben, das sie bei einem Arzt nicht bekommen würden.
Kuisl hat auch immer ein gutes Verhältnis zur Schongauer Hebamme Martha Stechlin gehabt, die außerhalb des Ortes lebt und ebenfalls eine Außenseiterin ist. Die meiste Zeit verbringt die Frau mit den Waisenkindern des Ortes, die in ihr jemanden finden, der sie ernst nimmt und sich um sie kümmert.
Doch dann wird eines Tages die Leiche eines der Jungen ans Ufer des Lech gespült: und er trägt ein geheimnisvolles Mal auf dem Rücken, das den Schongauern eines verrät: hier hatte eine Hexe ihre Finger im Spiel. Und wer sollte sonst eine Hexe sein, wenn nicht die Hebamme?
Und so wird diese in den Kerker gebracht und soll der Folter ausgesetzt werden: ein Hexenprozess soll in Gang kommen – und keiner weiß, in welche Hysterie das Dorf dann noch verfallen wird.
Jakob Kuisl glaubt nicht an die Schuld der Hebamme und er macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Eines der Kinder, das immer bei der Hebamme war, will den Teufel in Schongau gesehen haben: ein hinkender Mann in wehendem Mantel und mit einer Knochenhand geht um und ist hinter den Kindern her? Wer ist der Fremde?
Kuisl beginnt zusammen mit seiner Tochter Magdalena und dem jungen Medicus Simon, der unglücklich in die Henkerstochter verliebt ist, nach dem Fremden zu suchen.

Wie mir das Buch gefallen hat: Ein sehr guter historischer Roman, der richtig schön im Süden Deutschlands angesiedelt ist und sympathische Figuren enthält, die man schnell ins Herz schließt. Vor allem der Henker und Simon sind tolle Figuren! Interessant ist, dass Pötzsch im Nachwort erzählt, dass er selbst ein Nachkomme der Kuisls ist – und das macht den Roman irgendwie nochmal interessanter, auch wenn natürlich einiges erfunden oder verändert worden ist.
Was mir nicht klar ist, ist, warum der Roman „Die Henkerstochter“ heißt, denn diese Titelfigur ist absolut nicht Hauptfigur des Romans. Ich schätze, dass ullstein hier versucht hat, einen Titel á la „Die Wanderhure“ zu erschaffen, was das Buch aber gar nicht nötig hätte.
Mir hat’s sehr gut gefallen und ich würde es weiterempfehlen.

Katerina Timm: Hexenschwester

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch war in meinem Edelfeder-Belohnungspaket von vorablesen.de! Und nachdem ich eine begeisterte Rezension zu diesem Roman gelesen hatte, musste ich ihn jetzt auch mal schnell lesen.

Zum Inhalt: Clara und Lene sind Zwillingsschwestern. Zusammen mit ihrer Familie leben die Töchter des Weinbauern Kalkhof in Büdingen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges.
Lene und Clara sind als Kinder unzertrennlich, sie haben sogar eine eigene Geheimsprache entwickelt, in der sie miteinander sprechen können. Alles teilen die beiden Mädchen, bis sie schließlich in das Alter kommen, in dem sie heiraten können. Lene verrät also Clara nicht, dass sie in den Sohn des Buchbinders; Velten Eckstein, verliebt ist. Schließlich hatten die Schewstern sich immer versprochen, dass sie Zwillinge heiraten wollten, um sich auch als Ehefrauen kaum trennen zu müssen.  – Nach einem Vorfall auf der Kirmes ist Lene sich auch sicher, dass Velten um ihre Hand anhalten wird. Als er dann im Hause ihres Vaters steht, und um Claras Hand bittet, scheint ihre Welt zunächst vollkommen zusammenzubrechen.
Doch Lene ist stark und sie beißt sich durch. Aus jeder Situation, in die sie gerät, versucht sie, das Beste zu machen. Sie ist klug und lernt schnell, sie ist fleißig und hilfsbereit. Alles scheint trotz der unglücklichen Liebe zu Velten irgendwie seinen Gang zu gehen, Lene selbst wird ebenfalls verheiratet und hat sich um ihren Haushalt zu kümmern.
Der Krieg jedoch verändert ihr Leben von einem Tag auf den anderen, ohne dass sie eine der Schlachten überstehen müsste, die dieser mit sich bringt. Auf andere Weise treten Veränderungen und Menschen in Lenes Leben, die alles auf den Kopf stellen, was bisher war. – Noch viel schlimmer sind allerdings die Hexenprozesse, die in Büdingen mittlerweile nahezu an der Tagesordnung sind. Jede Frau ist in Gefahr, als Hexe denunziert zu werden, und jeder weiß, dass es eigentlich kein Entkommen mehr gibt, wenn man erst einmal unter Verdacht geraten ist. Und ein solcher Prozess hebt Lenes Leben dann auch endgültig aus den Angeln…

Wie mir das Buch gefallen hat: Dieser Roman ist wunderschön und traurig und spannend – und so vieles mehr. Ich habe ihn sehr gern gelesen, und in der zweiten Hälfte konnte ich ihn nicht mehr aus der Hand legen. Die Figuren dieser Geschichte sind normale Menschen, keine Helden, gerade dadurch berühren sie einen beim Lesen so sehr. Vor allem Lene und Clara schließt man natürlich schnell ins Herz.
Ohne Effekthascherei, ohne aufgesetzte historische Fakten, ohne Beschönigung der Zeit, in der die Geschichte spielt, wird der Roman zu etwas ganz Besonderem, nämlich zu einer Geschichte, die man glauben kann, und die von menschlichen Schicksalen erzählt, die einem einzigartig erscheinen, auch wenn man weiß, dass sie zum Teil nichts Einzigartiges waren.
Keine moderne Handlung, die einfach in eine andere Zeit versetzt wurde, sondern eine Handlung, die in diese Zeit gehört, und nur in diese.
Großartig. 🙂