Neil Gaiman: Neverwhere

noch22Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch hatte ich mir für eine Leserunde gekauft. Da es in London spielt und überall ganz gute Bewertungen hat, klang es eigentlich ganz interessant.

Zum Inhalt: Richard Mayhew hat eigentlich ein recht durchschnittliches Leben. Er wohnt in einer kleinen Wohnung in London, geht einer recht unspektakulären Bürotätigkeit nach und seine Verlobte Jessica und er führen eine Beziehung mit Höhen und Tiefen. Ist das das Leben, dass der junge Mann sich erträumt hatte, als er seine Heimat verließ, um in London sein Glück zu finden? – Dennoch ändert sich in Richards Leben eigentlich nur wenig, und das liegt auch daran, dass Richard oftmals recht antriebslos ist. Obwohl er häufig zum Beispiel das Gefühl hat, dass Jessica eigentlich nicht die Frau fürs Leben ist, beendet er die Beziehung nicht und lässt sich mehr und mehr von ihr herumschubsen.
Dies ändert sich erst an einem denkwürdigen Abend, an dem Richard und Jessica auf dem Weg zu einem sehr wichtigen Dinner sind – zumindest für Jessica und ihre Karriere ist es wichtig; Richard hingegen fungiert hier nur als der Vorzeigepartner, und Jessica ist nervös, weil sie nicht sicher ist, wie vorzeigbar Richard tatsächlich sein wird.
Als die beiden durch die Straßen Londons gehen, finden sie dort ein schwer verletztes Mädchen. Jessica will allenfalls einen Krankenwagen rufen, sonst aber mit der Sache nichts zu tun haben; doch Richard hat das Gefühl, dem Mädchen unbedingt helfen zu müssen. Er nimmt es mit zu sich nach Hause – und von dort an ändert sich sein Leben schlagartig. Denn Door ist kein gewöhnliches Mädchen: in der Unterwelt Londons, London Below, ist sie eine wichtige Persönlichkeit – und sie ist genau deswegen in Gefahr. Door wird von zwei Auftragsmördern gejagt und ehe er es sich versieht, hat Richard in dem London, das wir kennen, keinen Platz mehr – er ist Teil von London Below, einer Welt, in der Magie alltäglich ist, die aber auch deswegen voller ungeahnter Gefahren steckt. Ausgerechnet Richard soll nun Door bei ihrer gefährlichen Mission helfen und erst dann wieder zurück nach Hause kommen können?

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich würde mich gern den Rezensentinnen und Rezensenten anschließen, die sich vor Begeisterung überschlagen, wenn von diesem Roman die Rede ist, aber ich kann es nicht. Ich will aber trotzdem mit dem anfangen, das ich gut und wirklich zum Teil faszinierend fand, und das ist eindeutig Gaimans Darstellung Londons. Der Roman spielt ja nun zu einem großen Teil in einer Art „Parallellondon“, aber dieses ist unglaublich gut recherchiert. Hier tauchen U-Bahn-Stationen auf, die heute nicht mehr zum Netz der Londoner Tube gehören, die es aber einst durchaus gab; Sehenswürdigkeiten, Straßen, Plätze, Personen, alles Mögliche wird herangezogen und leicht oder nur so weit verändert, dass es in Gaimans „London Below“ passt. Das hat mir beim Lesen viel Freude bereitet und ich habe mehrfach begeistert meine Lieblingsorte wieder-  und London mit anderen Augen gesehen. Das ist wirklich ganz großartig gemacht.
Die Sprache Gaimans ist voller Wortwitz, Anspielungen und so weiter. Das macht das Buch meiner Meinung nach nahezu unübersetzbar, bzw. denke ich, dass viel vom ursprünglichen Charme des Romans auf der Strecke bleibt. Im Original hat mir die Sprache aber wirklich gut gefallen, nur liegt irgendwie die Vermutung nahe, dass Gaiman über seine Formulierungen mehrfach die Handlung vergessen hat, denn die fand ich wenig unoriginell und auch in weiten Teilen überhaupt nicht spannend. Nur aufgrund des Schauplatzes und der sprachlichen Gestaltung habe ich bis zum Schluss durchhalten können; Handlung und auch Figuren haben mir eher mäßig gefallen.
Von allen Charakteren am besten gefallen haben mir Mr. Croup und Mr. Vandemar, die beiden Auftragsmörder aus dem „London Below“. Sie sind wortgewandt, sehr lustig und erinnern an Fantasyausgaben von Dickens-Bösewichten. Ihre Dialoge sind jedes Mal Highlights in der Handlung und haben manch eher zähes Kapitel sehr aufgelockert.
Ist „Neverwhere“ nun ein Roman zum Weiterempfehlen? Eigentlich schon, zumindest Londonliebhabern würde ich doch einen Blick in diesen Roman mal nahelegen. Zwar ist Englands Hauptstadt nicht gerade ein seltener Romanschauplatz, doch das, was Gaiman hier mit meiner Lieblingsstadt macht, habe ich so noch in keinem Roman gefunden.

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

noch104Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich als Leseempfehlung geschenkt bekommen. Ehrlich gesagt gehört „Die Insel der besonderen Kinder“ zu einem der Bücher, die ich dieses Jahr unbedingt lesen wollte (eigentlich letztes schon) und so habe ich mich natürlich sehr gefreut und es gleich gelesen.

Zum Inhalt: Eigentlich hat Jacob seinen Großvater immer für verrückt gehalten. Was der alte Mann über seine Kindheit erzählt hat, das kam dem Teenager immer mehr als merkwürdig vor. Für Märchen hielt er die Geschichten über das Waisenhaus, in dem der Großvater im Krieg gelebt hatte, auf einer kleinen walisischen Insel inmitten von lauter besonderen Kindern. Dem Mädchen, das schwebt, wenn man keine Gewichte in seine Schuhe tut, zum Beispiel, oder dem unsichtbaren Millard oder Emma, die Feuer mit ihren Händen machen kann. Und all den anderen.
Doch in der Nacht, in der sein Großvater ermordet wird und Jacob das Monster mit eigenen Augen sieht, beginnt er sich zu fragen, was wirklich an den Geschichten des Großvaters dran war. Die letzten Worte des alten Mannes und die wiederkehrenden Alpträume lassen Jacob einfach keine Ruhe. Und so beschließt er, herauszufinden, was an den Geschichten dran ist – und zu erfahren, wie sein Großvater wirklich war, denn so sehr Jacob den alten Mann auch liebte – richtig nah kam er ihm nicht.
Auf der kleinen Insel vor der Küste von Wales eröffnet sich Jacob eine ganz andere Welt. Das liegt allerdings erstmal daran, dass die Einheimischen den Umgang mit Touristen nicht gerade gewöhnt sind und dass Jacob sich nach dem Waisenhaus erkundigt, finden sie auch mehr als merkwürdig. Der erste Besuch dort entpuppt sich auch wirklich als eine Enttäuschung, doch irgendetwas zieht Jacob immer wieder dorthin zurück. Er ahnt ja nicht, dass er von seinem Großvater eine ganz besondere Gabe geerbt hat, die es ihm einerseits ermöglichen wird, das Erlebte des alten Mannes endlich zu verstehen, die andererseits aber auch dafür sorgt, dass er sich in großer Gefahr befindet. Erst als Jacob die merkwürdige Miss Peregrine und ihre besonderen Schützlinge kennengelernt hat, kann er anfangen, diese Rätsel zu lösen. Und es wird nicht einfach für ihn, denn ein paar Entscheidungen stehen bevor, die sein ganzes Leben verändern können.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Die Insel der besonderen Kinder“ ist so ein Buch, bei dem man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Es ist irgendwie mehr ein Gesamtkunstwerk als ein Roman, und das gefällt mir auf jeden Fall schon mal extrem gut. In die Geschichte eingebettet sind nämlich eine Reihe von Fotos, Bilder, die Jacob zum Teil erst für billige Fotomontagen hält, deren Geheimnissen er aber erst später auf die Schliche kommt. Auch Briefe sind nicht einfach als Fließtext wiedergegeben, sondern handschriftlich layoutet (dass alle Handschriften sich sehr ähnlich sehen, nun gut… 😉 ). Auf jeden Fall macht das was her, und es macht Spaß, sich diese Bilder anzusehen, die so sehr zur Geschichte beitragen und die Jacob quasi auch in der Hand gehalten hat…
Die Geschichte ist ebenfalls spannend: sehr düster und unheimlich (auch die Szenen, die am Tag spielen, waren für mich immer irgendwie düster und dunkel), atmosphärisch ziemlich dicht und gut gemacht. Die kleine Insel, auf der dann auch noch mal abgeschottet von der Inselgemeinde das Waisenhaus liegt, konnte ich mir sehr gut vorstellen; hier ist es Ransom Riggs wirklich gut gelungen, einen ganz eigenen und ungewöhnlichen Schauplatz zu erschaffen.
Die Handlung ist gut konstruiert und zum Teil nicht vorhersehbar, was mir wirklich gut gefallen hat. Die ungewöhnlichen Figuren haben einen ganz eigenen Charme, der mir beim Lesen auch noch mal sehr gut gefallen hat. Nicht alle der besonderen Fähigkeiten sind leicht und lustig, gerade ein Charakter namens Enoch machte mich ziemlich fertig zwischendurch.
Jacob ist ein toller Ich-Erzähler, der mit seinen pragmatischen Gedanken und seinem manchmal recht trockenen Humor wirklich dafür gesorgt hat, dass der Einstieg in die Geschichte schnell ging und man sich schnell mit ihm identifizieren konnte.
Ungewöhnlich – das ist wohl das erste Wort, das mir zu diesem Buch einfällt. In jedem Fall aber ein für mich ein wirklich lohnenswertes Leseerlebnis: kurzweilig, spannend, düster, nichts, was einem so vorkommt wie abgekupfert aus tausend anderen ähnlichen Romanen. Daumen hoch!

Amy Plum: Vom Mondlicht berührt

noch105Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich für eine Leserunde auf buechertreff.de gewonnen. Da ich den ersten Band auch schon mit den Mädels dort gelesen habe, habe ich mich auch auf diesen Band sehr gefreut.

Zum Inhalt: Eigentlich könnte das Leben von Kate und Vincent jetzt so schön sein. Der Anführer der Numa ist besiegt, seine Leute rühren sich gerade nicht mehr, und Kate und Vincent haben endlich mal Zeit für einander und dafür, mal zu zweit zur Ruhe zu kommen. Zwar muss Kate immer noch ihr Kampftraining absolvieren, denn man weiß ja nie, was so passieren wird, doch davon abgesehen hatte sie sich auf friedlichere Zeiten eingestellt.
Es kommt natürlich anders, denn der Besuch der Revenants Violette und Arthur versetzt die „Familie“ um Vincent in Aufruhr, und eine uralte Prophezeiung über einen zukünftigen Meister der Revenants sorgt für Unruhe. Ist es wahr, dass alles darauf hindeutet, dass Vincent dieser Meister ist? Und was würde das für ihn bedeuten? Oder für Kate?
Dass ihre Beziehung nicht einfach ist – und dass dies nicht an ihnen beiden liegt, sondern an dem, was sie sind – wird Vincent und Kate immer wieder schmerzlich bewusst. Beide fragen sich, wie ihre Liebe es aushalten soll, dass Kate nun mal sterblich ist und altern wird, während Vincent immer jung bleibt – es sei denn, es gelänge ihm auf schmerzhafte und für ihn widernatürliche Weise, seinen Drang, anderen Menschen zu helfen, zu unterdrücken? Vincent beginnt ein geheimes Projekt, von dem er Kate nichts erzählen will, bis er sicher ist, dass es funktioniert. Doch da es Vincent immer schlechter geht, kann Kate nicht einfach abwarten, was geschieht. Sie beginnt mit eigenen Nachforschungen – und ahnt nicht, dass sie damit nicht nur sich selbst in Lebensgefahr bringt.

Wie mir das Buch gefallen hat: Wie auch schon im ersten Band ist auch in „Vom Mondlicht berührt“ einfach der schöne Erzählstil zu betonen. Amy Plum kann Stimmungen mit wenigen Worten entstehen lassen, sie hat ein Gespür für Bilder und Momente und dies sorgt dafür, dass sie ihren Lesern ganz schnell vor Augen führen kann, was Kate und Vincent in bestimmten Situationen erleben und fühlen. Das finde ich gut gelungen, und gerade am Ende des Romans zeigt Frau Plum wirklich, was sie kann.
Kate als Protagonistin ist mir ein Rätsel. Mal ist sie unheimlich stark und unabhängig, mal komplett unselbständig ohne ihren Vincent, und das passt einfach nicht. Auch ihre Menschenkenntnis, die manchmal als so herausragend betont wird, lässt sie mehrfach völlig im Stich, was auch dazu führt, dass man einfach nicht weiß, was man von Kate halten soll.

Beim Lesen des Buches habe ich mich mehrfach gefragt, wohin die Reise gehen soll. Im Nachhinein muss ich sagen, dass alles gut auf das Ende hinarbeitet, dass ich dieses Ende nicht erwartet hätte und dass ich es eigentlich genau deswegen auch richtig gut finde. Nur ist das „Problem“ dieses Buches ganz eindeutig ein gängiges von zweiten Bänden: hier wird eigentlich nur auf den dritten Teil hingearbeitet; zwar sind einige Handlungsstränge auch in sich abgeschlossen, aber eigentlich wird hier nur die Handlung des dritten Bandes vorbereitet. Einige Elemente der Handlung sind für mich im Moment auch noch gar nicht einzuordnen; entweder werden sie noch wichtig werden, oder sie waren einfach nur Lückenfüller, was schade wäre. Wirklich überzeugen konnte mich „Vom Mondlicht berührt“ nicht. Ich habe allerdings (berechtigte?) Hoffnungen darauf, dass der dritte Band deutlich besser werden wird!

Charlaine Harris: Dead Reckoning

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Den elften Band rund um Sookie Stackhouse habe ich mir bereits letztes Jahr im März vorbestellt, um das Buch direkt bei Erscheinen lesen zu können. Ich habe es im Frühjahr begonnen und dann zur Seite gelegt, und es nun mit Hilfe einer Leserunde dann noch geschafft.

Zum Inhalt: Die Zeiten, in denen Sookie ein ruhiges Leben führen konnte, sind längst vorbei, seitdem sie sich mit Vampiren und anderen übernatürlichen Wesen eingelassen hat. Und so ist sie mal wieder in ein Beziehungsdrama mit Eric verstrickt, der irgendein Geheimnis vor ihr hat, das er partout nicht mit ihr teilen will. Sookie beginnt, ihre Beziehung zu Eric zu überdenken und kommt zu dem Schluss, dass sie sich sicher sein will, dass es nicht nur an dem magischen Bund zwischen ihnen liegt, dass sie sich Eric so nahe fühlt. Der Zauber muss gebrochen werden, das steht für Sookie fest. Doch sie ahnt nicht, welche Folgen eine solche Entscheidung für Eric und auch für sie selbst haben kann.
Die Vergangenheit holt Sookie auch in anderen Situationen immer wieder ein. Das Ausmisten ihres Hauses bringt sie einem Stück Familiengeschichte näher, das ihr bisher verborgen war und einige ihrer Kindheitserinnerungen irgendwie in Frage stellt. Überhaupt ist es für Sookie schwer zu ertragen, dass sie eigentlich nicht wirklich weiß, was sich in ihrer Familie alles so abgespielt hat – und die Anwesenheit von Claude und Dermot in ihrem Haus macht ihr Leben auch nicht gerade einfacher. Konstant und zuverlässig in allen Lebenslagen, in denen Sookie mal wieder sich und ungewollt auch andere in Gefahr bringt, sind wie immer nur Sam – und Bill, der kein Geheimnis daraus macht, dass sein Interesse an Sookie immer noch vorhanden ist. Doch Sookie liebt Eric – auch ohne einen magischen Bund zwischen ihnen. Oder?

Wie mir das Buch gefallen hat: Aus dieser Serie ist die Luft für mich raus, ich bin wirklich enttäuscht. Die ersten Bände rund um Sookie und Bill, Eric, Sam, Alcide und Pam habe ich gern gelesen und sie haben mich immer extrem gut unterhalten und mir viel Spaß gemacht. Doch jetzt ist der Spaß langsam aber sicher vorbei, ich habe das Gefühl, dass der Autorin die Ideen ausgehen und dass die Handlung der einzelnen Bände immer weniger in sich abgeschlossen ist. Das mag für Episoden einer Fernsehserie in Ordnung sein, bei einer Buchreihe nervt mich das.
Die Geschichte verkommt langsam aber sicher zu einer belanglosen und platten Story, in der es immer nur darum geht, dass alle Typen (die natürlich auch alle auf ihre Weise echt toll aussehen) auf Sookie stehen und ihr das mehr oder weniger dezent sagen. Sookie selbst ist natürlich oh-so-brav, das gute Südstaatenmädchen, und bleibt ihrem Eric treu, aber schön zu wissen, dass sie das nicht müsste.
Es fällt auch auf, dass Frau Harris offenbar nun keine Lust mehr auf Eric hat, der in diesem Band mehr als schlecht wegkommt und ich finde es ungeschickt, dass bestimmte Charaktere immer gepusht oder eben niedergemacht werden, je nachdem, mit wem Sookie als nächstes anbandeln soll. Das macht die Geschichte für mich irgendwie nicht gerade besser, ich möchte mir lieber ein eigenes Bild von den Figuren machen und gerade bei einer Serie nicht aufgedrückt bekommen, welche Meinung ich haben soll.
Die Handlung ist insgesamt sehr episodenhaft und zusammenhanglos, mit vielen vollkommen überflüssigen Szenen. Schade – aber für mich ist klar, dass ich mir dieses Mal den Folgeband nicht vorbestellen werde. Vielleicht ist es auch Zeit, dass ich BonTemps und Sookie den Rücken kehre.

Lara Adrian: Der Kelch von Anavrin – Das Herz des Jägers

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch gab es am Valentinstag kostenlos als Download für den Kindle – und da ich nun mal eine Kindle-App habe, konnte ich einfach nicht widerstehen. Warum ich es doch hätte tun sollen, dazu gleich mehr.

Zum Inhalt: Es ist das Jahr 1275, als die junge und wunderschöne Adlige Lady Ariana of Clairmont sich auf eine gefährliche Reise begibt, um das Leben ihres Bruders zu retten. Kenrick ist Mitglied der Tempelritter und offenbar im Besitz eines Geheimnisses, das auch für die dunklen Mächte von großem Interesse ist. Im Mittelpunkt dessen, was sie suchen, steht der sagenumwobene Drachenkelch aus dem mystischen Land Anavrin – der Drachenkelch soll seinem Besitzer zu unglaublicher Macht verhelfen, und auch wenn viele Menschen der Meinung sind, dass es den Kelch gar nicht gibt – die Legende scheint zu stimmen, sonst hätte Kenrick sich nicht in solche Gefahr gebracht.
Auf ihrer Reise nach Frankreich lernt Ariana den einstigen Krieger Braedon kennen, der ihr, wenn auch zunächst widerwillig, seine Hilfe zusagt. Er weiß im Gegensatz zu Ariana, in welche Gefahr sie sich begeben wird, denn auch er war einst auf der Suche nach dem Kelch und bereit, alles Mögliche zu opfern, um sein Ziel zu erreichen. Doch diese Zeiten sind vorbei und Braedon möchte mit seinem alten Leben abschließen. Doch das geht nicht, solange er mit Ariana unterwegs ist, denn sein Wissen und seine Kräfte sind in diesem Fall von großer Bedeutung. Und auch wenn Braedon es immer wieder versucht, er kommt von Ariana einfach nicht los – die junge Frau fasziniert ihn so sehr, dass er nicht mehr in der Lage ist, seine Gefühle zu kontrollieren.

Wie mir das Buch gefallen hat: Lara Adrian erfreut sich ja bereits einer mehr als großen Fangemeinde und so kann sie es verschmerzen, dass ich mich dort nicht einreihen werde. Ich konnte mit diesem Buch einfach überhaupt nichts anfangen. Die Geschichte war unglaublich vorhersehbar inklusive dem Happyend, das an Kitsch wirklich nicht zu übertreffen ist. Wahnsinn.
Ich habe nun also tatsächlich mal einen richtigen Klischeeliebesroman von Anfang bis Ende gelesen, ein Buch, das sich aufgrund der Seichtigkeit der Handlung auch mit Fieber lesen lässt; die Figuren ganz und gar ohne Überraschungen in gut und böse unterteilt- so ist da die wunderschöne Jungfrau, die ach-so-tugendhaft ist und sich dann bei der erstbesten Gelegenheit von dem ach-so-gefährlichen und mysteriösen und so weiter Fremden verführen lässt. Obwohl der das gar nicht will. Der würde nämlich eigentlich nie einfach so eine Jungfrau… nee… ist klar.
Endlich habe ich auch mal ein Buch gelesen, in dem Frauen Männern hauchend ihre Liebe gestehen und verschämt die Augen niederschlagen, in dem die Männer tolle Verführer sind, die dann aber doch die eine große Liebe finden, für die sie ihr Leben opfern würden und der sie versprechen: „Ich werde dir jeden Tag meine Liebe gestehen und dich mindestens einmal küssen.“ Toll. Hach, es ist so schön. Wenn es nicht so schrecklich wäre. Aber ich habe doch mehrfach durchaus gelacht, das gebe ich zu.
Kiebelig wird man ja auch immer, wenn man ein Buch nicht mag, und ehrlich, ich habe mich beim Lesen gefragt, wie viele Leserinnen sich überhaupt was aus der Mittelalterkulisse machen und wie wichtig diese komische Gestaltwandlergeschichte, die noch eine Rolle spielt, für sie ist, mir kam das so vor, als diente das Ganze nicht der Handlung, bestenfalls der Atmosphäre, aber vielleicht liegt es auch daran, dass es mir so erschien, als sei die Handlung ohnehin nur um die Liebesgeschichte zwischen Braedon und Ariana herumgestrickt worden – mit genügend Zeit, damit es auch mal zur Sache geht.
Fazit: Ausprobiert, gelesen, gelacht, den Kopf geschüttelt und nicht für gut befunden. Ab in die Kategorie: „Das Buch, das alle toll finden. Nur du nicht.“

Alyson Noel: Evermore

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Eine Serie, die Millionen von Leserinnen begeistert, und dann hat Band 1 noch so ein schönes Cover… auch wenn ich schon „Hibiskussommer“ von dieser Autorin mit allerhöchstens mäßiger Begeisterung gelesen habe, wollte ich mich an „Evermore“ versuchen und habe mir das Buch von einem Gutschein gekauft.

Zum Inhalt: Ein schrecklicher Autounfall hat das Leben der Schülerin Ever von Grund auf verändert. Ihre Familie ist ums Leben gekommen und Ever gibt sich die Schuld an dem Unfall – eine Last, mit der sie kaum leben kann. Die einst so beliebte Schülerin zieht zu ihrer Tante Sabine und geht von nun an in Kalifornien zur High School – aber Ever ist nicht mehr die wunderschöne und beliebte Schülerin von früher. Ihre Mitschüler sehen in ihr eher einen Freak und wollen mit ihr nichts zu tun haben; und das kann man ihnen bei Evers Verhalten auch kaum übelnehmen, denn diese hüllt sich nur noch in Kapuzenpullover, zieht die Kapuze tief in die Stirn und hört laut Musik über ihren iPod.
Niemand, nicht mal ihre beiden einzigen Freunde Haven und Miles, ahnen, dass Ever sich am liebsten vollkommen verstecken würde, und dass sie die Musik braucht, um nicht immer hören zu müssen, was die anderen denken. Denn genau das kann sie seit ihrem Unfall: sie hört die Gedanken ihrer Mitmenschen und sieht deren Auren. Und das belastet Ever sehr.
Die einzigen Lichtblicke scheinen die Gespräche mit ihrer verstorbenen kleinen Schwester zu sein, denn Riley besucht Ever sehr oft, und die Schwestern geben einander viel Kraft. Doch dann taucht plötzlich Damen auf – ein unverschämt gutaussehender Typ, der an Evers Highschool jedes Mädchen haben könnte, auf sonderbare Weise aber nur an ihr interessiert zu sein scheint. Damen weiß und kann alles, und er scheint Ever so zu sehen, wie sie wirklich ist. Aber Einiges an ihm ist auch seltsam – und als Ever versucht herauszufinden, was sich hinter diesem einzigartigen Typen verbirgt, begibt sie sich, ohne es zu ahnen, in Gefahr.

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich habe fast eine Woche für dieses Buch gebraucht und das sagt schon alles. Ich fand es unglaublich langweilig und belanglos. Zwischendrin wurde es kurzfristig mal besser, aber ich muss gestehen, dass mir diese unsterblichen, gutaussehenden, makellosen Typen, die sich unsterblich in die vermeintlich durchschnittlichen, in Wirklichkeit aber ebenso umwerfenden Mädchen verlieben, zum Hals raushängen. Noch dazu ist Damen irgendwie total langweilig. Ja, er hat ein paar tolle Tricks drauf, was man nach 600 Jahren „Leben“ auch erwarten dürfte, er ist aber weder witzig noch schlagfertig noch irgendwas. Für mich war er der langweiligste Charakter dieses Romans.
Ever, das schöne Mädchen, das sich die Schuld am Tod der Familie gibt, das sich in seinen Pullis versteckt und dabei doch so wunderschön ist… ähm… bitte nicht! Und eine Protagonistin, die immer nur denkt, sie sei nicht gut genug für den Typen, der in sie verliebt ist… bitte auch nicht!
Die Handlung fand ich auch ziemlich öde, irgendwie war alles schon mal da. Das einzig Interessante waren die Begegnungen mit Riley, aber auch die waren irgendwann nicht mehr so originell. Lediglich am Schluss fand ich sie noch mal ganz schön.
Als Bücherwurm ging mir lediglich das Herz auf, als Ever in Damens Haus signierte Bücher von Shakespeare, Dickens und den Bronte-Schwestern findet. Diese Idee der Autorin war das Highlight des Romans.
Es ist mir ein ziemliches Rätsel, wie eine Serie, in der die Autorin aus den vielerorts geliebten Vampiren einfach „Unsterbliche“ macht und sonst eher null eigene Ideen hat, derart erfolgreich sein kann, aber es wird irgendeinen Zauber in diesen Büchern geben, gegen den ich einfach immun bin. Gut so.

Bree Despain: Urbat – Der verlorene Bruder

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von meinen Schwiegereltern zu Weihnachten bekommen, nachdem ich es auf meinen Wunschzettel „geschrieben“ hatte. Den ersten Band habe ich mir gekauft, aber nachdem der mir ganz gut gefallen hatte, habe ich auch schnell mit dem zweiten Band begonnen. 🙂

Zum Inhalt: Nach dem großen Kampf, in dem Grace Daniel gerettet hat und von ihrem Bruder gebissen wurde, ist nichts mehr, wie es war. Jude verlässt Rose Crest und ist verschwunden – weder die Divines noch April oder Daniel wissen, wo er ist, und Jude meldet sich zunächst überhaupt nicht. Irgendwann hinterlässt er in Aprils Blog zwar kurze Nachrichten, aber aufspüren lässt er sich nicht, auch nicht von seinem Vater; und Pastor Divine fährt durch das ganze Land, um seinen Sohn zu finden.
In der Gemeinde munkelt man schon alles Mögliche. Schließlich fallen nicht nur die Bibelstunden immer wieder aus, auch die Gottesdienste finden nicht mehr regelmäßig statt und mehrere Gemeindemitglieder wandern schon in die Nachbargemeinden ab, als Graces Vater schließlich eine Aushilfe engagiert – es ist Gabriel. Grace ist vollkommen verwirrt und weiß nicht, was sie von dessen Auftauchen halten soll, zumal Daniel sich plötzlich so anders verhält als vorher. Doch auch sie selbst verändert sich – nicht zuletzt, als sie eines Abends auf der Suche nach ihrem Bruder Talbot kennenlernt. Talbot ist ebenfalls nicht menschlich – jedenfalls nicht nur. Doch im Gegensatz zu Daniel empfindet er dies nicht als Fluch, sondern als Segen. Er ermutigt Grace, ihre Kräfte auszubauen und sie für das Gute einzusetzen – ist das denn nicht auch die eigentliche Bestimmung der Urbat: das Gute zu schützen und das Böse zu bekämpfen? Kann es denn wirklich falsch sein, seine besonderen Fähigkeiten nutzen zu wollen?
Nach allem, was passiert ist, weiß Grace einfach nicht mehr, was sie tun soll und was richtig oder falsch ist. Sie ist einfach nur darum bemüht, sich ihren Platz in der Welt zu suchen – ob das nun mit oder ohne ihre neuen Fähigkeiten ist, ist zwar nicht sicher – aber eines weiß sie ganz genau: sie liebt Daniel und sie wird alles tun, um diese Liebe zu erhalten. Ganz egal, wie gern sie auch Talbot hat. Oder?

Wie mir das Buch gefallen hat: Während der ersten hundert Seiten dieses Romans dachte ich, dass ich den zweiten Band noch deutlich besser fände als den ersten. Es geht einfach sehr spannend los und der erste Teil findet sehr gute Anknpfungspunkte – man ist schnell wieder in der Geschichte drinnen und sie wird zunächst glaubhaft weiterentwickelt.
Der Mittelteil dieses Bands der Reihe hat mich allerdings manchmal daran zweifeln lassen, ob die Autorin sich nicht manchmal ein wenig zu sehr von den Ghostbusters hat inspirieren lassen. Grace auf Dämonenjagd fand ich irgendwie unpassend und eher unfreiwillig komisch, aber nicht spannend. Besonders albern wird es, als April (Graces beste Freundin) beschließt, Grace ein Superheldenkostüm zu verpassen. Ich habe mich gefragt, ob das lustig sein soll oder ob Ms. Despain vielleicht nicht klar ist, dass sie Grace und die Ernsthaftigkeit der Geschichte damit ziemlich lächerlich macht. Und überhaupt.
Es ist zwar schön, dass es mit Grace und Daniel nicht einfach im siebten Himmel weitergeht, und Talbot muss in diesem Band auch eine große Rolle einnehmen, aber mit dieser Figur bin ich von Anfang an nicht warm geworden, und bei dem ganzen „ist er nun einer von den Guten oder nicht?“-Verwirrspiel (bis zum Schluss) wirkt die Story auf mich so, als habe sich die Autorin da einfach treiben lassen, ohne selbst zu wissen, was Talbot letzten Endes für eine Rolle spielen soll. Das habe ich dann irgendwann als sehr anstrengend empfunden.
Der Showdown zieht sich für meinen Geschmack viel zu lange hin. Mich erinnern diese Täter-Demaskierungen, die immer so schichtweise erfolgen, immer an die Zeichentrickfilmserie „Scooby Doo“, bei der die Bösewichte am Schluss auch immer X Masken aufhatten, und bis man da wusste, wer der teuflische Verbrecher war, dauerte es seine Zeit. Ähnlich war es auch hier.
Aber dann kamen sie – die letzten fünf Seiten dieses Romans. Und die waren wirklich gut und haben einen tollen Cliffhanger zum dritten Band geschaffen. Wenn der wieder mit einer originellen und gut durchdachten Story aufwarten kann,, so wie es bei Band 1 der Fall war, wäre ich froh.

Bree Despain: Urbat – Die dunkle Gabe

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Der zweite Teil der Serie wanderte irgendwann Ende letzten Jahres auf meinen Wunschzettel – ohne dass ich gesehen hatte, dass es eben ein zweiter Teil war. Nachdem ich Band 2 dann von meinen Schwiegereltern zu Weihnachten bekommen hatte und mit dem Lesen begann, stellte ich auf Seite 2 fest, dass mir irgendwie Informationen fehlen – und ich bestellte Band 1.

Zum Inhalt: Sie lebt in einer Kleinstadt in Minnesota und ist genau das brave Pastorstöchterchen, das ihre Eltern sich wünschen. Grace Divine ist fleißig und bekommt in der Schule gute Noten, sie ist höflich, freundlich und sie wahrt immer den Anschein, das mit ihr alles in Ordnung ist. Und das ist den Divines sehr wichtig. Probleme werden in der Familie totgeschwiegen, und so engagiert auch alle in der Hilfe für Bedürftige sind – bei den eigenen Konflikten heißt es: aus den Augen, aus dem Sinn.
Und so verschwand auch Daniel, der ehemalige Nachbarsjunge, der eine Zeit lang bei den Divines lebte und für die Geschwister wie ein Bruder war, vor drei Jahren ganz plötzlich aus ihrem Leben. Und seitdem ist es, als habe es ihn nie gegeben – auch wenn jeder der Divines noch (aus unterschiedlichen Gründen) an ihn denkt.
Aber dann ist er eines Tages plötzlich da und sitzt im selben Kunstkurs wie Grace. Und alles verändert sich. Denn auch wenn Grace irgendwie spürt, dass sie Daniel nicht mehr mit nach Hause bringen kann, und auch wenn ihr sonst so sanftmütiger Bruder fast ausrastet, als er bemerkt, dass Daniel nicht nur wieder da ist, sondern auch noch viel Zeit mit Grace verbringt, Grace kann sich Daniel nicht entziehen. Sie wünscht sich nichts mehr, als seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen – auch wenn das heißt, dass sie nun erstmalig gegen ihre Familie rebellieren muss.
Und so kommt Grace Schritt für Schritt zu einigen Antworten – und zwar nicht nur auf die Frage, was eigentlich Daniels großes Geheimnis ist, sondern sie nähert sich auch immer mehr einer Enthüllung dessen an, was vor drei Jahren geschah und Daniels Leben, aber auch das Leben ihrer ganzen Familie, für immer veränderte.

Wie mir das Buch gefallen hat: Ich hatte, als ich „Urbat“ auf meinen Wunschzettel setzte, nur wahrgenommen, dass das eine Familiengeschichte sein sollte – von Fantasy wusste ich da noch nichts. (Ich bin ja auch zuerst auf den zweiten Band aufmerksam geworden, beim ersten hätte mich der Titel ja darauf aufmerksam gemacht!) Zunächst dachte ich also, ich hätte mir mal wieder eine im Endeffekt superkitschige Liebesgeschichte zwischen einem mehr oder weniger tollen US-amerikanischen Mädchen und einem Vampir / Werwolf / Halbgott / Engel / Zombie gekauft. Ich war eingestellt auf große Worte (die ewig gleichen), große Gefühle (die ewig gleichen) und eine Liebe, die mindestens Unsterblichkeit voraussetzt.
Umso überraschter war ich dann über „Urbat“. Zwar spielen natürlich auch hier übernatürliche Wesen mit (in dem Fall Werwölfe), aber zu meinem großen Vergnügen ist die Geschichte keine dieser klassischen Mädchen-Werwolf o.ä.-Liebesgeschichten. Sie ist um Einiges düsterer, mir gefällt auch, dass sie in Minnesota und da auch ausgerechnet in einer Pastorenfamilie angesiedelt ist. Streng gläubige Christen und Werwölfe – eine schöne Mischung, die mir Spaß gemacht hat. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass sich die Autorin viele Gedanken darum gemacht hat, wie die Werwölfe entstanden sein könnten und dass dieser Mythos auch erzählt wird. Die Geschichte ist meiner Meinung nach schlüssig und gut durchdacht.
Klar, Grace und Daniel lieben einander. Klar ist das die einzig wahre, große Liebe. Aber das ist auch schon das einzig twilighteske an der Geschichte. Und das tut ihr gut. Daniels Geschichte, sein Weg zurück zu den Divines, ist spannend erzählt und alles Andere als einfach. Damit ist er auch eine Figur, die recht einzigartig ist. Das würde ich von Grace jetzt nicht unbedingt behaupten, Mädchen wie sie trifft man doch in vielen Teenieromanen, aber dafür fand ich als weitere Figuren der Geschichte ihren Vater und ihren Bruder Jude sehr spannend.
„Urbat“ wird mir keine schlaflosen Nächte bereiten, weil ich wissen muss, wie es weitergeht, aber ich freue mich schon darüber, dass der zweite Band schon lesebereit da liegt. Wer gern Fantasy liest, aber von Bella und Edward die Nase langsam voll hat, ist mit Grace und Daniel glaube ich ganz gut beraten.

Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich geschickt bekommen, worüber ich mich total gefreut habe, denn ich hatte es schon vor einiger Zeit bei Amazon entdeckt und mich darauf gefreut, es zu lesen. Es stand weit oben auf meiner Wunschliste.

Zum Inhalt: So hat Peter Grant sich das alles wirklich nicht vorgestellt. Der junge Polizist, der gerade seinen Abschluss gemacht hat und der schon fest damit rechnet, einen langweiligen Schreibtischjob angeboten zu bekommen, findet sich plötzlich in einer Situation wieder, die so absurd ist, dass er kaum dazu kommt, sich gebührend über sie zu wundern. Denn während er mitten in einer Ermittlung, bei der eigentlich gerade nichts zu tun ist, auf seine Kollegin Lesley wartet, die nur mal eben Kaffee holen gegangen ist, sieht er sich plötzlich einem Zeugen gegenüber, der behauptet, ein Geist zu sein. Gut, denkt Grant sich, London ist voller verrückter Menschen, doch schnell besteht kein Zweifel mehr daran, dass Nicholas Wallpenny wirklich das ist, was er zu sein behauptet.
Die Tatsache, dass er Geister sehen und diese auch noch als Zeugen vernehmen kann, bringt Grant aber nicht geradewegs in eine psychiatrische Klinik, nein, er wird einer sehr kleinen Abteilung der Londoner Polizei zugeteilt (außer ihm nur noch sein Vorgesetzter), die sich mit übersinnlichen Phänomenen und Magie beschäftigt. So lernt Peter eine Seite von London kennen, die ihm bislang verborgen war. Merkwürdige Kreaturen, rachsüchtige Gespenster, vor allem aber die Flüsse Londons geben Peter Grant in seinem ersten Fall zu tun, denn Vater und Mutter Themse, uralte Wesen, die unheimliche Kräfte haben, auch wenn sie auf den ersten Blick recht normal wirken, arbeiten momentan gegeneinander – und Peter soll schlichten.
Damit er alledem gewachsen ist, unterweist sein Vorgesetzter ihn nebenher auch noch in Magie, und so ist Peter nicht nur ein junger Constable der Londoner Polizei, sondern auch ein Zauberlehrling, dem noch einige Lektionen bevorstehen. Es könnte alles viel einfacher sein, wenn er nur Zeit hätte, sich erst einmal in Ruhe mit der Magie zu beschäftigen – aber darauf nimmt man in der Geisterwelt Londons natürlich überhaupt keine Rücksicht…

Wie mir das Buch gefallen hat: Dieser Roman hat viele Pluspunkte auf seiner Seite, sodass man sich jetzt schon darauf freuen kann, dass im Juli die Fortsetzung erscheint. Erstmal lebt die Geschichte von den tollen und einzigartigen Charakteren, die Aaronovitch sich ausgedacht hat. Nicht nur Peter Grant, auch Lesley (seine Kollegin), Molly (Nightingales Haushälterin) und Nightingale selbst sind so toll ausgearbeitet, dass man einfach Spaß hat, sie durch diesen Fall zu begleiten.
Die Idee, Übersinnliches in die Handlung einzubinden, hat Aaronovitch intelligent gelöst. Bei allen schriftstellerischen Freiheiten, die er sich genommen hat, erfährt man auch Einiges über die Geschichte Londons und die bekanntesten viktorianischen Legenden dieser Stadt. Das hat mir sehr gut gefallen, dass zum Beispiel Sweeney Todd in Aaronovitchs Roman einen Platz bekommen hat.
Sicherlich ist „Die Flüsse von London“ irgendwie ein Krimi, irgendwie ist es das aber auch nicht, denn man kann diese Geschichte auch sicherlich dann sehr gern mögen, wenn man mit Krimis und Thrillern sonst nichts am Hut hat. Man muss sich einfach auf eine ungewöhnliche Geschichte einlassen können, auf den britischen und zum Teil recht subtilen Humor, der in diesem Roman zum Tragen kommt, und auf Peters oft temporeiche Erzählweise – alles in allem eine tolle Mischung. An der Stelle muss man auch unbedingt mal dem Übersetzer ein Lob aussprechen, da es besonders schwierig ist, Witze und Redewendungen zu übersetzen, ohne dass dabei etwas verlorengeht oder das Wortspiel und ähnliches im Deutschen nicht mehr funktioniert. Bei „Die Flüsse von London“ hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendwelche Textstellen deswegen holperig waren, von daher ist das meiner Meinung nach wirklich hervorzuheben.
Fazit: Spannend, lustig und herrlich britisch – dieser Roman ist absolut lesenswert!

Stephenie Meyer: New Moon

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Auf Deutsch habe ich die Twilight-Saga wie so viele andere auch dann gelesen, als sie erschien. Da ich die englischen Buchcover aber so schön fand, habe ich mir die ersten drei Bände dann noch mal auf Englisch gewünscht.

Zum Inhalt: Älter zu werden ist für viele Teenager genau das, was sie sich wünschen. Endlich erwachsen sein. Für Bella Swan hingegen ist genau das eher ein Albtraum, dem sie am liebsten entgehen möchte. Älter werden bedeutet in ihrem Fall dann, älter zu sein, als Edward es war, als er zum Vampir wurde. Und das kann sich Bella einfach nicht vorstellen. Doch Edward ist unerbittlich – er wird Bella nicht in einen Vampir verwandeln.
Dennoch ist das zunächst der einzige Streitpunkt zwischen den beiden – bis sich ausgerechnet an Bellas Geburtstag die Ereignisse dann überschlagen: ein harmloser Schnitt am Geschenkpapier im Haus der Cullens – und schon sieht sich Bella plötzlich ausgehungerten Vampiren gegenüber, für die sie nun schwerlich noch Edwards Freundin ist, sondern eher Abendessen. Und obwohl diese dramatische Situation vor allem dank Carlisle am Ende doch noch gut ausgeht, trifft Edward eine Entscheidung: er will sich von Bella trennen und sie nie mehr wiedersehen. Dass sie bei ihm nicht sicher ist, ist ein unerträglicher Gedanke für ihn und er denkt, dass es so besser für Bella ist.
Doch Edwards Abschied bedeutet für Bella nur eins: unerträglichen Liebeskummer, in den sie sich verkriecht und aus dem sie kaum wieder herauszukommen scheint. Sogar ihrem Vater gegenüber schafft sie es nur mühsam, eine bröckelige Fassade von Normalität vorzuspielen. Nur Jacob Black erweist sich ihr gegenüber nun als ein unverzichtbarer Freund, der in jeder Lebenslage für sie da ist und mit dem Bella erstmals nach langer Zeit wirklich wieder lachen kann… Und auch Jacob hat ein Geheimnis, dem Bella nur sehr langsam auf die Schliche kommt.

Wie mir das Buch gefallen hat: Es ist schon so, dass man Bücher nicht immer auf dieselbe Weise liest. Als ich „Bis(s) zur Mittagsstunde“ im März 2007 das erste Mal las, war ich begeistert und schrieb: „Das Buch ist großartig! Es macht richtig Spaß, in diese Geschichte einzutauchen.
Bella muss man einfach mögen und man fiebert immer mit ihr mit, auch wenn man ihr manchmal wegen ihrer Leichtsinnigkeit den Hals umdrehen könnte. Wie sich die Geschichte um Bella und Edward weiterentwickelt, ist richtig interessant. […]“.
Als ich „New Moon“ dieses Mal gelesen habe, hat es mir immer noch gefallen. Bella mochte ich allerdings nicht mehr so sehr, denn auch wenn ich ihren Liebeskummer verstehen konnte, fand ich sie oftmals zu demütig. Bella glaubt ständig, Edwards Liebe nicht würdig zu sein, und das gefällt mir überhaupt nicht. Das Wiedersehen zwischen Edward und Bella fand ich beim ersten Lesen wirklich schön, dieses Mal war ich stellenweise geradezu überrascht, wie verkitscht die Dialoge doch zum Teil sind. 😉
Dennoch: „New Moon“ noch einmal zu lesen, hat Spaß gemacht, auch wenn man weiß, wie es endet, auch wenn man sich nicht mehr fragen muss, ob Bella nicht doch lieber zu Jacob Black gehen sollte, auch wenn man sich vielleicht tatsächlich erst beim zweiten Lesen des Kitschfaktors bewusst wird. Mein Lieblingsband der Trilogie ist „New Moon“ nicht und wird es nie sein, aber nach wie vor ein schönes Buch, von dem man sich einfach ein bisschen berieseln lassen kann.