Urs Widmer: Liebesbrief für Mary

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von einer meiner Lieblingskolleginnen geschenkt bekommen. Urs Widmer ist einer ihrer Lieblingsautoren, und für mich war „Liebesbrief für Mary“ mein erster Widmer. Inhalt und meine Meinung: „Liebesbrief für Mary“ ist ein … Weiterlesen

Edgar Allan Poe, Benjamin Lacombe: Unheimliche Geschichten

noch118Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich zu Weihnachten bekommen. Es ist wirklich nicht nur ein Hingucker, es fühlt sich auch sehr hochwertig an – das Cover ist aufwändig gestaltet und das Papier, auf dem die Geschichten gedruckt sind, ist auch sehr fest und glänzt schön. Ich schreibe sonst nichts zum Aussehen von Büchern, aber das…

Inhalt und meine Meinung: Unzählige Sammlungen und Ausgaben gibt es von den unheimlichen Geschichten, die wir Edgar Allan Poe zu verdanken haben, und ich gestehe, dass ich nicht alle kannte, die Benjamin Lacombe hier versammelt hat. Natürlich kennt man irgendwie „Der Fall des Hauses Ascher“ (ja, die Übersetzung der Geschichten stammt auch noch aus einer Zeit, in der man auch Namen schon mal „übersetzte“ oder zumindest eindeutschte), und mit „Das verräterische Herz“ dürfte Lacombe vielleicht die bekannteste Geschichte Poes ausgewählt haben, aber die anderen kannte ich zum Teil nicht oder ich halte sie für weniger bekannt („Berenice“, „Der schwarze Kater“, „Das Eiland und die Fee“, „Das ovale Porträt“ und „Morella“). Die schönsten Neuentdeckungen waren für mich „Das ovale Porträt“ und „Morella“, wirklich sehr unheimliche Geschichten, deren Eindrücke sich durch die wirklich gelungene Aufmachung des Buches noch verstärkt haben.
Die Geschichten haben natürlich alle gemeinsam, dass sie tief in menschliche Abgründe schauen, unheimliche Begebenheiten erzählen, fast immer von einem Ich-Erzähler, dem man eigentlich auch nicht über den Weg trauen kann. Schnell wird man in diese grusligen Geschichten hineingezogen und das macht wirklich Spaß. Auch der Gedanke, dass Lacombe diese Geschichten ausgewählt hat, weil er gerade zu ihnen bestimmte Bilder im Kopf hatte, finde ich interessant. Hier wird deutlich, wie ausgeprägt das vielzitierte Kopfkino bei einem Illustrator einfach veranlagt ist – während ich häufig eher empfänglich für Stimmungen und Bilder aus dem Text bin, entstehen in Lacombes Kopf ganz konkrete und sehr unheimliche Bilder, die zu betrachten sich absolut lohnt.
Sprachlich sollte man wissen, worauf man sich einlässt: die Übersetzung ist sprachlich sehr anspruchsvoll (Übersetzer sind Arno Schmidt und Hans Wollschläger), aber wirklich schön und gerade dadurch, dass es sprachlich auch so eindeutig ein älterer Text ist, ergänzt sich dieser umso mehr mit den Bildern, die Benjamin Lacombe dazu gezeichnet hat.
Ich denke, bei diesem Buch ist es wirklich auch besonders wichtig, etwas zur Aufmachung zu sagen. Die Geschichten sind abwechselnd auf weißem Hintergrund mit schwarzer Schrift und auf schwarzem Hintergrund mit weißer Schrift gedruckt. Jede Geschichte hat ihr eigenes Deckblatt mit einer Vignette und einem Zitat. Wirklich eine wunderschöne Idee und sehr stimmungsvoll. Die Bilder sind absolut tolle Ergänzungen zum Text und zeigen, wie Lacombe Poes Charaktere sieht und wie er die Stimmung der Geschichten wahrnimmt und sie in seinen Bildern umsetzt. Hier spielen Bild und Text wirklich zusammen und wirken absolut stimmig – gerade weil die Bilder nicht reißerisch oder aufdringlich sind, gleichzeitig aber sehr unheimlich und aussagekräftig. Ich brauche in einem Roman nicht unbedingt Illustrationen, aber wenn Bücher illustriert sind, dann bitte so fantastisch wie dieses hier!

Bernhard Schlink: Sommerlügen

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich über einen Kollegen meines Mannes geschenkt bekommen, dessen Frau eine Buchhandlung hat. Das ist jetzt zwei Jahre her, aber die Tatsache, dass es sich hier nicht um einen Roman, sondern um Erzählungen handelt, hat mich etwas abgeschreckt. Nun war dieses Buch aber „fällig“.

Inhalt und meine Meinung: Ich lese Bernhard Schlink eigentlich ganz gerne, denn ich mag seine Art des Erzählens eigentlich sehr. Doch nun ist sein Erzählstil auch so ziemlich das Einzige, das mich dieses Buch hat durchhalten lassen. Ich bin letztlich doch etwas enttäuscht.
„Sommerlügen“ enthält sieben Erzählungen, die alle von Menschen handeln, die mit sich und ihrem Leben unzufrieden sind, die Ängste vor der Zukunft haben und mit ihrer Vergangenheit aus verschiedensten Gründen nicht im Reinen sind. Wir treffen auf Protagonisten und Ich-Erzähler, die das Gefühl haben, am Wendepunkt ihres Lebens zu stehen, nun endlich eine wegweisende Entscheidung zu treffen und so weiter. Aber was interessant klingt, blieb für mich seltsam fremd. Vielleicht deswegen, weil es keine einzige Geschichte gibt, die mich glücklich, mit einem guten Gefühl für den Protagonisten oder Ähnlichem zurückließ. Am Ende habe ich eigentlich jede dieser Figuren als gescheitert empfunden und gedacht, dass es denkbar schrecklich ist, wenn man sein eigenes Leben so sieht wie diese Figuren.
Die Beziehungen, die wir hier präsentiert bekommen, sind geprägt von Unverständnis und zum Teil eben – wie der Titel der Sammlung schon sagt – voller Lügen. Mir war das einfach zu viel, obwohl ich die Erzählungen nicht hintereinander weggelesen habe.
Außerdem fehlte mir eine Nähe zu den Protagonisten. Sicherlich kann man bei Erzählungen von etwa 40 Seiten nicht erwarten, wie in einem Roman eine Figur zu finden, die man durch und durch kennenlernt und mit der man sich identifiziert. Doch hier blieben alle Figuren auf Distanz, blieben alle seltsam fremd und ich konnte sie einfach kaum verstehen.
Am meisten gefallen hat mir von allen sieben Erzählungen „Das Haus im Wald“, vielleicht deswegen, weil der Protagonist psychisch auch wirklich nicht normal ist und man deswegen als Leser auch gar nicht schaffen kann, sich voll und ganz mit ihm zu identifizieren. Ich fand diese Erzählung vom Aufbau her interessant und die Handlung ganz spannend. Auch „Der letzte Sommer“ ließ sich ganz gut lesen, war recht traurig, aber die einzige Geschichte, die vielleicht ein halbwegs gutes Ende finden kann. Hier fand ich die Auseinandersetzung des Protagonisten mit dem eigenen Leben interessant und sein Verhalten zumindest teilweise nachvollziehbar.
Hingegen war ich schon bei der ersten Erzählung („Nachsaison“) irritiert vom Verhalten aller beteiligten Figuren, und „Der Fremde in der Nacht“ war irgendwie zu weit hergeholt für mich. Es fällt mir schwer, das genau in Worte zu fassen, aber bei dieser Erzählung kam es mir so vor, als habe Schlink versucht, sich eine möglichst spektakuläre Geschichte für diesen Band auszudenken.
Ich halte Bernhard Schlink für einen wirklich tollen Autor, aber „Sommerlügen“ ist trotz zweier recht guter Erzählungen für mich doch eher ein „Sommerflop“.

Siegfried Lenz: Landesbühne

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Da ich nicht sagen kann, wie dieses Buch in mein Bücherregal gekommen ist und da Siegfried Lenz der Lieblingsautor meines Mannes ist, würde ich gerade mal davon ausgehen, dass er das Buch geschenkt bekommen hat. Jedenfalls wanderte es so automatisch auch auf meinen SuB.

Zum Inhalt: Clemens ist eigentlich Professor für Literaturwissenschaften. Das Problem ist nur, dass es die hübschen Studentinnen bei ihm immer besonders leicht hatten, ihren Abschluss zu bekommen – und nun sitzt er im Gefängnis, wo er sich eine Zelle mit Hannes teilt, der als falscher Verkehrspolizist durch das Kassieren fiktiver Bußgelder seinen Lebensunterhalt verdiente, bis er erwischt und verurteilt wurde. Nun sitzen die beiden in Isenbüttel ein, und Hannes zeigt seinem neuen Freund, den er nur den „Professor“ nennt, dass man sich mit der Situation nicht einfach abfinden muss. Zweimal bereits ist er dem Gefängnis entwischt – gut, zweimal hat man ihn auch wieder geschnappt. Aber dieses Mal, dieses Mal soll alles klappen – und als die Landesbühne im Gefängnis Isenbüttel eine Aufführung macht, türmen Hannes, Clemens und einige weitere Insassen in der Pause mit dem Bus des Theaterensembles. Die Freiheit ist zum Greifen nah!
Und alles scheint so einfach. Im kleinen Örtchen Grünau machen die Männer Station und wollen eigentlich direkt weiter, doch ihre neuen Identitäten als Schauspieler bieten ihnen hier plötzlich ganz neue Möglichkeiten, und vor allem Akzeptanz und Interesse, denn hier weiß zunächst niemand, dass es sich bei den freundlichen Männern um Sträflinge handelt. Doch unauffällig ist dieses neue Leben nun wirklich nicht und es ist fraglich, ob die Männer in Freiheit bleiben werden…

Wie mir das Buch gefallen hat: Dass Siegfried Lenz einfach ein begnadeter Autor ist, der unheimlich toll erzählen kann, muss man eigentlich nicht dazu schreiben. Die 120 Seiten „Landesbühne“ waren unterhaltsam erzählt und vergingen im Nu. Trotzdem bleibe ich etwas unentschlossen zurück, wenn es darum geht, das Buch zu beurteilen.
Die Idee hinter diesem Buch gefällt mir wirklich – der Drang nach Freiheit, der Wunsch, ganz neu anzufangen, der Übermut, nachdem die Flucht gelungen ist, das Erkennen, dass man nicht einfach so ein neues Leben beginnen kann, nur weil man es möchte – das alles ist wirklich wahr und „manchmal kann die Wahrheit nur erfunden werden“, so wird Lenz im Klappentext meiner Ausgabe zitiert.
Dennoch bleibt bei „Landesbühne“ bei mir ein großes „Aber“ zurück. Andere Romane von Lenz haben mich einfach ganz anders angesprochen, beschäftigt und nachdenklich gemacht, ich habe mit den Figuren gelitten und gehofft und gelacht – aber bei „Landesbühne“ wollte mir das einfach nicht gelingen, keiner der Protagonisten hat mich wirklich erreicht, und gerade Clemens fand ich oftmals einfach irgendwie bedauernswert, sonst nichts. Wie es zugehen soll, dass dieser Mann Studentinnen verführt haben soll, wollte mir beim Lesen nicht in den Kopf, ich habe ihn nicht als besonders charismatisch oder Ähnliches empfunden.
Eigentlich irgendwie schade, aber „Landesbühne“ wird mir von allen Werken dieses Autors vermutlich als das schwächste in Erinnerung bleiben.

Max Frisch: Der Traum des Apothekers von Locarno

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch ist in „mein“ Regal gewandert, als Thore und ich zusammengezogen sind. Ich habe ja bisher von Max Frisch nur „Homo faber“ gelesen (und das war 1998 in der Schule…) und nun musste mal zwischen all den Krimis und Jugendbüchern der letzten Wochen etwas Anspruchvolleres her.

Inhalt und meine Meinung: Dieser Band mit fünf Erzählungen ist nicht besonders lang, aber man muss sich schon ein bisschen Zeit nehmen, um jede einzelne dieser Erzählungen würdigen zu können. Ich muss allerdings auch gestehen, was daran liegen mag, dass ich keine besonders passionierte Leserin von Kurzgeschichten und Erzählungen bin, dass mich nur zwei dieser Erzählungen wirklich berühren konnten, nämlich „Der Goldschmied“ und „Skizze eines Unglücks“. Wie die drei anderen Erzählungen („Der Traum des Apothekers von Locarno“, „Glück“ und „Statik“) auch sind die hauptsächlichen Themen die Liebe und der Tod. Ich mag es durchaus, wenn Erzählungen nachdenklich sind, und wenn Charaktere dargestellt werden, die voller Zweifel und Ängste sind und sich diesen dann stellen – oder auch nicht.
„Der Goldschmied“ erzählt von einem Mann, der 64 Jahre alt ist, und der sich in seinem Leben einfach nicht mehr wohlfühlt. Er ist eigentlich fest dazu entschlossen, sich das Leben zu nehmen, und er sammelt dafür Schlaftabletten und denkt über einen geeigneten Zeitpunkt für seinen Tod nach. Bevor die Verwandtschaft kommt, bevor dies und jenes geschieht. Sogar über die Tageszeit hat er sich schon Gedanken gemacht. Aber irgendwie kommt alles ganz anders…
„Skizze eines Unglücks“ ging mir ziemlich unter die Haut, muss ich sagen. Auch hier geht es um einen Mann, der in seiner Beziehung unglücklich ist. Beruflich ist er erfolgreich, hat etwas zu sagen, seine Meinung ist anerkannt. Seine Freundin weiß alles besser, verbessert ihn, hackt auf ihm rum. In ihrer Gegenwart fühlt er sich unwohl, hat das Gefühl, eher verstummen zu müssen, als dass er etwas sagen wollen würde. Und dann geschieht ein Unfall, der das Leben des Mannes nachhaltig verändern wird…
Ähnlich sind auch die drei anderen Geschichten in diesem Buch. Die Charaktere sind allesamt sehr gefangen in ihrer Situation und nicht in der Lage, sich zu befreien. Sie schaffen es einfach nicht, sich gegen ihr Umfeld – meistens ihre Frauen – aufzulehnen und ihren eigenen Weg zu gehen. Obwohl sie es beruflich zu etwas gebracht haben und gesellschaftlich anerkannt sind, ist ihr Privatleben ganz anders und genau dort sind sie vollkommen gescheitert. Die Frauen in diesen Erzählungen sind keine richtigen Partnerinnen, sie sind irgendwie übermächtig, in ihrer herablassenden Art irgendwie sogar bedrohlich und unangenehm. Das ist interessant, aber im Prinzip ist das Ganze immer dasselbe Thema in fünf Variationen und deswegen würde ich bei einem zweiten Lesen dieser Erzählungen größere zeitliche Abstände zwischen den Texten lassen und vielleicht finde ich dann auch einen Zugang zu den drei anderen Erzählungen.
Was mir an Frischs Erzählstil gefällt, ist das Schnörkellose. Er hält sich nicht mit langen Beschreibungen auf, sondern er konfrontiert seine Leserinnen und Leser direkt mit dem Gefühlsleben seiner Protagonisten und führt sie in deren emotionale Abgründe hinein. Das geschieht schon ziemlich unverblümt und schonungslos und hat mir deswegen auch ganz gut gefallen.
Keine leichte Kost – thematisch und sprachlich nicht, aber durchaus interessant und auch lesenswert. Erhältlich ist dieser Band anscheinend nicht mehr, sodass interessierte Leserinnen und Leser sich da wohl mal im Antiquariat oder bei gebrauchten Büchern mal umsehen müssen.

Fay Weldon: Spa-Geflüster

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Diesen Roman habe ich bei vorablesen.de gewonnen. Schon die Leseprobe versprach gute Unterhaltung für den Herbst, und darum habe ich mich über diesen Gewinn sehr gefreut.

Zum Inhalt: Eigentlich sollte Weihnachten ein Fest der Familie werden – so wie jedes Jahr, doch dann macht das Leben der Schriftstellerin Phoebe einen Strich durch die Rechnung: ihr Mann lässt die Badewanne überlaufen, daraufhin wird das Badezimmer überflutet und der Fußboden so durchnässt, dass der Raum einsackt. Gut, denken Phoebe und ihr Mann zunächst, dann geht es Weihnachten eben zu Julius’ Mutter – die ist ohnehin momentan pflegebedürftig und es wäre gut, wenn sie jetzt nicht allein wäre. Doch es gibt nur noch einen Platz im Flugzeug und so ist Phoebe plötzlich Weihnachten allein.
Warum sich jetzt nicht etwas gönnen?, denkt sie, als sie bei ihrem Friseurtermin in einer alten Ausgabe der Vogue eine Anzeige des „CastleSpa“ findet, das ein besonderes Wellnessprogramm über die Feiertage verspricht. Und so macht sie sich auf den Weg nach Nordengland, um sich verwöhnen zu lassen.
Aber alles kommt dann doch ganz anders als gedacht. Das CastleSpa ist nicht der Wellnesstempel, der es gern wäre. Das ganze Konzept ist mehr Schein als Sein und die Eigentümerin, Lady Caroline, steht kurz vor dem finanziellen Aus. Die versprochenen Dienstleistungen gibt es nur in sehr abgespeckter Form. Der Kontakt zur Außenwelt ist nahezu unmöglich, denn das CastleSpa befindet sich in einem Funkloch, Telefone auf den Zimmern gibt es nicht, und das Wetter trägt dann auch noch dazu bei, dass die Frauen, die sich in diesem Spa zusammenfinden, plötzlich irgendwie von der Außenwelt abgeschottet fühlen.
Aber gerade dadurch wird dieses seltsame Weihnachtsfest doch noch ein ganz besonderes, denn die Frauen, die einander zum Teil nicht mal mit Namen kennen, beginnen, einander von ihren Leben zu erzählen. Und zwar nicht die harmlosen Smalltalkgeschichten, die man erwarten könnte, sondern die tiefsten und abgründigsten Geschichten, die sich in ihrem Leben abgespielt haben. Liebe, Hass und Mord sind nur einige Schlagworte, die zu den Geschichten passen, die im Whirlpool erzählt werden.

Wie mir das Buch gefallen hat: „Spa-Geflüster“ wird durch die Rahmenhandlung im CastleSpa zusammengehalten. Sie hat mir gut gefallen, weil sie nicht nur der Rahmen für die Erzählungen der Frauen ist, sondern auch eine interessante und durchaus lustige Geschichte.
Die Geschichten der Frauen sind sehr unterschiedlich. Manche sind lustig, manche durchaus auch eher unfreiwillig komisch, andere spannend oder besonders dramatisch. Manche dieser Geschichten habe ich verschlungen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sie ausgehen, andere haben mich wieder nicht so mitgerissen, aber insgesamt ist das Ganze wirklich eine gute und ausgewogene Mischung.
Die Frauen sind zum Teil schon recht stereotyp dargestellt, das ein oder andere Klischee weniger wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, dennoch sind die Frauen ganz gut dargestellt und in ihrer Art durchaus glaubwürdig.
Man muss sich ein bisschen Zeit nehmen, denn „Spa-Geflüster“ ist kein normaler Frauenroman zum Nebenbeilesen, sondern man muss sich auf die vielen Geschichten einlassen. Trotzdem ist dieses Buch wirklich unterhaltsam, und Fay Weldon eine Autorin, nach der ich in Zukunft in Buchhandlungen Ausschau halten werde.

Tom Rachman: Die Unperfekten

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich als Leseexemplar von Amazon Vine bekommen. Es hatte bereits einige gute Kritiken und das hat mich neugierig gemacht. Also habe ich es angefordert und recht schnell gelesen.

 Zum Inhalt: Cyrus Ott hatte einst eine Vision – er wollte eine Tageszeitung gründen und aufziehen, eine ganz besondere Zeitung, die sich von der Masse abheben sollte. Seriös und gleichsam unterhaltsam sollte sie sein und sie sollte international verkauft werden.
Das alles ist nun Jahrzehnte her und Die Zeitung macht gerade schwere Zeiten durch. In seinem Roman beleuchtet Tom Rachman das Leben von zehn Personen, die mit dieser Zeitung zu tun haben, genauer, darunter acht Mitarbeiter, eine Leserin und letztlich der Enkel des Zeitungsgründers.
Da ist zum Beispiel Lloyd Burko, der Auslandskorrespondent, der jahrelang interessante Artikel von Paris aus beigetragen und in die Redaktion in Rom weitergeleitet hat. Mittlerweile ist Lloyd alt, hat seine besten Jahre und seine erfolgreichen Zeiten hinter sich, und er ist verzweifelt auf der Suche nach einer guten Geschichte, die er an Die Zeitung verkaufen möchte. Doch das ist nicht so einfach, denn die Nachrichtenwelt funktioniert im Internetzeitalter einfach schneller als früher, und Lloyd hat noch nicht mal einen Internetanschluss.
Oder – vielleicht als Gegenpart zu Lloyd – wäre da noch Winston Cheung, der sich ebenfalls als Auslandskorrespondent einen Namen machen will, der aber erkennen muss, dass es in der Branche nicht nur schwer ist, Fuß zu fassen und einen seriösen Artikel zu schreiben, noch schwerer scheint es ihm, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, die kein Geheimnis daraus macht, dass sie sich ihm überlegen fühlt.
Dies sind nur zwei Beispiele für die Schicksale, die mit der Zeitung verbunden sind. Alles, was das Schicksal für Menschen bereithalten kann, spielt sich offenbar im Dunstkreis dieser Zeitung ab, und in in sich abgeschlossenen Erzählungen um die einzelnen Figuren herum kommt immer mehr von diesen Geschichten ans Licht.

 Wie mir das Buch gefallen hat: Jedes Kapitel ist mit einer Zeitungsschlagzeile überschrieben und dann folgen der Name der Figur, die im Mittelpunkt des Kapitels stehen wird, und ihre Funktion in der Redaktion der Zeitung, bzw. bei der Leserin steht natürlich dabei, dass sie Leserin ist. Am Ende jeden Kapitels erhält man einen sehr kurzen Ausschnitt aus der Hintergrundgeschichte der Zeitung, ihrer Gründung und Weiterentwicklung.
Die Kapitel sind, wie schon erwähnt, in sich abgeschlossen, aber die Figuren selbst spielen in den anderen Kapiteln natürlich auch immer wieder eine kleine oder größere Rolle, weil hier ja von Menschen erzählt wird, die einander kennen. Rachman hat sich mit dieser Art des Erzählens wirklich etwas Spannendes einfallen lassen, denn einerseits erzählt er abgeschlossene Geschichten, in denen wir uns ein bestimmtes Bild von einer seiner Figuren machen, dann wieder kommt diese Figur in einem neuen Kapitel vor und man muss sich fragen, ob man sie wirklich richtig eingeschätzt hat, weil man nun wieder etwas Neues über sie erfährt. Das hat mir gut gefallen, denn dadurch wirken die Figuren sehr echt.
Die einzelnen Geschichten sind sehr gut, manchmal lustig, mal traurig und sentimental, mal ernst, mal ein bisschen ironisch. Rachman zeigt auf, dass jemand, der zum Beispiel beruflich Nachrufe schreibt, ohne dass ihm das besonders naheginge, trotzdem am eigenen Schicksal fast zerbrechen kann. Er zeigt, dass das, was man beruflich vielleicht besonders gut kann, nichts mit dem zu tun haben muss, was man privat ist. Und gerade das macht seinen Roman spannend und unheimlich interessant zu lesen.
„Die Unperfekten“ ist für mich eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe, und ich hoffe, dass wir in Zukunft noch sehr viel von Tom Rachman lesen werden!

David Nicholls: One Day

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von Thore geschenkt bekommen, und ich habe mich sehr darüber gefreut, denn ich habe von David Nicholls bereits „Keine weiteren Fragen“ gelesen, das ich sehr gut fand. Deswegen allein schon war „One Day“ vielversprechend.

 Zum Inhalt: Sie haben beide gerade ihren Abschluss am College gemacht, als Emma und Dexter sich kennen lernen. In dieser gelösten Stimmung kommen die beiden zusammen und verbringen eine Nacht miteinander. Es ist der 15. Juli, und das ganze Leben liegt vor ihnen, so denken die beiden. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…
David Nicholls erzählt nun, was Emma und Dexter jedes Jahr am 15. Juli erleben. Nicht immer verbringen sie diesen Tag gemeinsam, natürlich nicht, aber immer denken sie irgendwie aneinander, denn da ist etwas zwischen ihnen, das sie nicht voneinander loskommen lässt.
Und das, obwohl die beiden sich in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln. Emma führt ein eher normales Leben, wird Lehrerin und zieht mit ihrem Freund zusammen. Sie hat nicht gerade unbeschreiblich viel Geld, aber sie ist zufrieden und glücklich mit dem, was sie hat. Dexter hingegen wird mit seiner charmanten und lockeren Art zunächst ein Fernsehstar. Er ist beliebt, weil er witzig und intelligent ist, und weil er alles leicht zu nehmen scheint. Die Frauen liegen ihm zu Füßen und das Geld fliegt ihm nur so zu – da ist es fast schon natürlich, dass Emma ihm immer fremder wird, zumal sie behauptet, er würde sich verändern und sei nicht mehr die Person, die sie einmal kannte.
Doch das Leben geht weiter und Dexters Erfolg ist nicht von Dauer. Er muss feststellen, dass nicht alles in seinem Leben Bestand hat, nur eine scheint immer für ihn da zu sein, und das ist Emma. Vielleicht ist Emma doch mehr als nur eine Freundin? Vielleicht ist Emma „die Eine“ für ihn? Doch Dexter muss feststellen, dass das Leben weitergeht und dass nicht immer alles nach Plan verläuft. Irgendwann sind Chancen vertan – doch manchmal gibt es dafür auch neue…

Wie mir das Buch gefallen hat: Dieses Buch ist einfach nur wunderschön. Es erzählt immer nur, was am 15. Juli jeden Jahres, in dem Emma und Dexter einander kennen, passiert, sodass man als Leser oftmals einfach versuchen muss zu erraten, was dazwischen passiert ist. „One Day“ lässt seine Leserinnen und Leser mit den beiden Protagonisten zusammen erwachsen werden und ist bei Höhen und Tiefen dabei. Von Anfang an hofft man, dass die beiden ein Paar werden, aber so einfach ist das nicht und immer wieder gibt es Momente, in denen man Emma oder Dexter (meistens Dexter) schütteln möchte, weil wieder irgendwas Unmögliches passiert ist.
David Nicholls schafft es, einer Geschichte, die man am Anfang schon zu kennen glaubt, das Besondere zu geben. Seine Art zu erzählen finde ich sehr schön – er findet einfach die richtige Mischung aus Humor und manchmal auch Sentimentalität, aber niemals so, dass es kitschig wird. Man glaubt, Emma und Dexter zu kennen, sie wirken sehr authentisch, gleichzeitig aber sind sie einzigartig in dem, was sie ausmacht, und ich finde, dass Nicholls mit ihnen tolle Charaktere erschaffen hat.
„One Day“ hat mich zum Lachen gebracht, aber auch manchmal dafür gesorgt, dass ich beim Lesen sentimental wurde, traurig, wütend oder aufgeregt war. Es ist etwas Besonderes, wenn ein Buch beim Lesen solche unterschiedlichen Emotionen hervorrufen kann, und „One Day“ ist gerade dadurch in meine Liste der Lieblingsbücher und Lesehighlights aufgestiegen.

Rita Falk: Winterkartoffelknödel

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: „Winterkartoffelknödel“ habe ich von Amazon als Rezensionsexemplar bekommen. Der Titel klang lustig, das Cover sah vielversprechend aus, da habe ich mir das Buch einfach mal ausgesucht. Schnell durchgelesen ist es auch gewesen, gestern bekommen, heute ist die Rezension online.

 Zum Inhalt: Franz war mal Polizist in München, doch ein Vorfall mit seinem Freund und Kollegen Rudi und einem Kinderschänder hat dazu geführt, dass man ihn an einen Ort versetzt hat, an dem der Franz arbeiten und sich gleichzeitig regenerieren kann. Dieser Ort ist Niederkaltenkirchen, ein kleines Dorf, in dem eigentlich nichts los ist und in dem Franz eigentlich auch nichts falsch machen kann.
Und so führt er als Dorfpolizist eigentlich ein recht beschauliches Leben. Im ehemaligen Saustall auf dem Hof seiner Oma, wo er mit der Oma und seinem Vater lebt, hat er sich häuslich eingerichtet, zum Essen kommt er immer heim zur Oma – und die kocht einfach zu gut. Praktisch, dass der Weg von der Polizeistation (schon fast eine Übertreibung) im Rathaus zur Oma nicht so weit ist.
Aber dann trifft Franz eines Tages auf Mercedes, eine ziemlich attraktive Frau, die sich im Haus der Familie Sonnleitner einquartiert hat. Zuerst findet Franz Mercedes sehr unsympathisch, vor allem, weil er ihretwegen nachts zu einem Einsatz raus muss und das kann Franz mal so gar nicht leiden, aber schnell wickelt sie den Beamten um den Finger – und dabei kann der jetzt eigentlich gerade einen klaren Kopf gebrauchen, denn es scheint so, als habe Franz nun doch endlich mal einen echten Fall zu lösen, denn ihm fällt auf, dass da mit den Neuhofers im Dorf irgendwas nicht stimmen kann. Denn der Hans hat jetzt gerade ziemlich schnell nach dem Tod seiner Mutter, die sich im Wald erhängt hat, und nach dem Tod des Bruders und des Vaters, die ebenfalls durch mysteriöse Unfälle ums Leben kamen, das alte Grundstück verkauft, auf dem nun eine Tankstelle steht. Fünfzigtausend Euro soll der Neuhofer Hans bekommen haben – und das ist in Niederkaltenkirchen nun wirklich ein Vermögen. Und Franz macht sich ans Ermitteln in diesem Fall, freilich nicht zur Mittagszeit, da wär ja die Oma beleidigt, aber vor- und nachmittags, da passt es ihm meistens ganz gut.

 Wie mir das Buch gefallen hat: Ein Regionalkrimi eben, dachte ich. Ist ja immer mal wieder ganz nett zu lesen, kann man ja mal machen. Und dann fing ich an zu lesen. Und es ist doch was Anderes. Erstmal ist das Ganze eine Ich-Erzählung aus der Sicht von Franz. Der ist genauso, wie man sich so einen Dorfpolizisten vorstellt (ja, Vorurteile wollen ja auch gepflegt werden!) und er erzählt auch so. Umgangssprachlich, nicht immer hochdeutsch (man versteht ihn zwar auch, wenn man ein Nordlicht ist, aber zur Not gibt’s hinten im Buch auch noch ein Glossar), manchmal ganz schön frech. Man muss sich erstmal ’reinlesen, aber dann ist es wirklich ein einzigartiges Erzählerlebnis.
Der Fall ist ziemlich unspektakulär und vorhersehbar, aber ehrlich gesagt tut das dem Lesevergnügen keinen Abbruch, denn es geht in diesem Buch um so viel mehr als um den Kriminalfall. Da wäre Franz’ blöder Bruder Leopold, der immer alles besser weiß, der Papa, der immer nur Beatles hört, die Oma, die ständig auf Schnäppchenjagd ist oder am Herd steht, dann der Flötzinger und der Simmerl und der Wolfi, alles Freunde vom Franz (und ähnlich skurrile Typen), … das Buch lebt von den Charakteren, die es darstellt.
Mir hat’s richtig gut gefallen, auch die Rezepte der Oma im Anhang klingen vielversprechend. Allerdings ist das Buch sehr schnell gelesen, da die Schrift sehr groß ist und die broschierte Ausgabe nur 235 Seiten hat. Schade eigentlich, ich hätt gern noch mehr vom Franz gelesen. 😉