Oscar Wilde – Lord Arthur Savile’s Crime

Als ich versuchte, meine Leseflaute zu bekämpfen, tat ich dieses und jenes, um sie zu überwinden. Unter anderem investierte ich in die Box mit den ersten achtzig Penguin Black Classics – eine tolle Reihe, die mit kleinen Büchlein das Lesen wieder besonders machen sollte.
Für mich war klar, dass ich mit Oscar Wilde anfangen wollte – und so zog ich als ersten Klassiker „Lord Arthur Savile’s Crime“ aus der Box.

Die Geschichte ist herrlich. Wilde mag ich einfach gerne, weil sein Humor mir total zusagt. So ging es mir auch hier. Zwar ist der Humor keiner, der mich laut lachen lässt, aber er macht einfach total Spaß, weil er so feinsinnig ist.

Wilde erzählt hier die Geschichte von Lord Arthur Savile, der auf einer Feier auf ein Medium trifft, das ihm aus der Hand liest und so seine Zukunft vorhersagt. Es weissagt dem freundlichen Herrn, dass er einen Mord begehen wird, und das stellt die Welt von Lord Arthur gehörig auf den Kopf.
Der ist nämlich äußerst friedfertig – und dass er so etwas tun könnte, das beschäftigt ihn sehr. Er stellt allerdings nicht in Frage, dass das Medium recht hat. Doch was soll er jetzt tun? Er will nicht töten, doch es steht fest, dass er es tun wird – ein Dilemma, zumal Lord Arthur eigentlich vorhatte, demnächst zu heiraten! Seiner Verlobten Sibyl zuzumuten, mit jemandem verheiratet zu sein, der zum Mörder werden muss, ist eigentlich undenkbar. Also überlegt Lord Arthur sich, dass er den Mord zumindest vor der Hochzeit begehen muss, damit, falls man ihn eines Tages überführt, der Name seiner Frau dann nicht in den Schmutz gezogen werden kann. Savile tut sich schrecklich leid, und er denkt sich:

Actors are so fortunate. They can choose whether they will appear in comedy or in tragedy, whether they will suffer or make merry, laugh or shed tears. But in real life it is different. Most men and women are forced to perform parts for which they have no qualifications. Our Guildensterns play Hamlet for us, and our Hamlets have to jest like Prince Hal. The world is a stage, but the play is badly cast. (p. 13)

Allein diese Gedankengänge zu lesen, fand ich lustig, andererseits ist diese Aussage auch sehr wahr, und man denkt zwangsläufig in Situationen, zu denen das passt. Mir zumindest fällt dazu doch Einiges ein, auch wenn ich es nie wie Wilde hätte in Worte fassen können.

Arthur Savile denkt sich also eine Geschichte aus, warum er die Hochzeit aufschieben müsse, und schmiedet einen Plan: er lässt für eine uralte Verwandte, die ohnehin bald sterben wird, eine giftige Pille anfertigen, die er wie eine Süßigkeit an sie verschenkt. Sein schlechtes Gewissen ist riesig, doch für seine Verlobte Sibyl würde er eben alles tun.
Wenig später kommt die Nachricht, dass die alte Dame gestorben ist, und Savile muss ihren Nachlass verwalten. Diese Tätigkeit übernimmt er mit Sibyl, der er nun eine baldige Hochzeit versprechen kann – zumindest bis sie zwischen den Sachen der Verstorbenen das Giftbonbon finden… sie starb eines natürlichen Todes, und Arthur ist immer noch kein Mörder!
Er verschiebt die Hochzeit wieder und unternimmt einen weiteren Versuch, jemanden zu töten. Wieder funktioniert es nicht – aber es ist wirklich lustig, was sich aus seinem Versuch entwickelt, und was Lord Arthur schließlich unternimmt, um die Weissagung zu erfüllen und Sibyl endlich heiraten zu können.

Es gibt in London ein bestimmtes Wetter zu einer bestimmten Tageszeit, das mich immer an Wildes „The Picture of Dorian Gray“ erinnert. Auch „Lord Arthur Savile’s Crime“ hat seinen London-Moment:

[H]e wandered down to the Thames Embankment, and sat for hours by the river. The moon peered through a mane of tawny clouds, as if it were a lion’s eye, and innumerable stars spangled the hollow vault, like gold dust powdered on a purple dome. Now and then a barge swung our into the turbid stream, and floated away withe the tide, and the railwy signals changed from green to scarlet as the trains ran shrieking across the bridge. After some time, twelve o’clock boomed from the tall tower at Westminster, and at each stroke of the sonorous bell the night seemed to tremble. (p.45)

Hach, ist es nicht schön?
Ich kann London richtig vor mir sehen – und die Glocke hören.

Ich fand „Lord Arthur Savile’s Crime“ toll. Ich habe es zweimal gelesen, weil ich das Gefühl hatte, dass mir gerade sprachlich beim zweiten Mal noch mehr Spitzen Wildes auffallen würden, und so war es auch.
Ich würde die Erzählung immer wieder lesen, und wer vielleicht noch nie was von Wilde gelesen hat und überlegt, ob er sich an diesen Autor mal heranwagen sollte, dem sei gesagt: ja. Lohnt sich. Lest mehr Klassiker!

Advertisements

Ein Kommentar zu “Oscar Wilde – Lord Arthur Savile’s Crime

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s